Predigten

Wie oft haben Sie schon beim Hören einer Predigt gedacht: "Das war ein guter Gedanke. Schade, dass ich nichts zum Schreiben dabei habe." Dem Wunsch, das gesprochene Wort zu Hause noch einmal in Ruhe nachlesen zu können, entsprechen wir auf dieser Homepage. Ausgewählte Predigten, die im Kirchenkreis Rotenburg gehalten wurden, werden auf diesen Seiten veröffentlicht.

Schauen Sie hinein, lassen Sie sich inspirieren und scheuen Sie sich nicht, zum Verfasser der Predigt Kontakt aufzunehmen, falls Sie noch Fragen oder Anregungen haben.

Natürlich sind Sie immer und jederzeit herzlich eingeladen, einen der vielen Gottesdesdienste in unserem Kirchenkreis persönlich zu besuchen. Ob Familiengottesdienste, musikalische Gottesdienste, Gottesdienste in anderer Form - die Möglichkeiten sind vielfältig, die Auswahl ist groß. Um Ihnen bei der Auswahl zu helfen, haben wir unter dem Menüpunkt "Veranstaltungen" einen Suchfilter eingebaut.

Seiten

Datum
Titel
Name
Fr. 09.05.14
In den inneren Bildern Gott entdecken
Haike Gleede
In den inneren Bildern Gott entdecken

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Unser Gehirn ist ein Supercomputer. Es kann unglaublich viele Informationen aufnehmen und verarbeiten. Täglich kommen neue Eindrücke hinzu, werden unzählige Abläufe gesteuert und Informationen gespeichert. Dabei geht es nicht nur um reine Fakten. Wir Menschen nehmen viel mehr auf. Nur einen kleinen Teil davon können wir in Worte fassen und mit dem Verstand begreifen. So tragen wir Bilder in uns, Gefühle und auch Sehnsüchte. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit. Wie können wir sie ausdrücken und ausleben? Auch unser Glaube gehört dazu, die Sehnsucht sich mit Gott zu verbinden.

Gott kommt uns ein Stück entgegen und zeigt uns Möglichkeiten, wie wir ihn erfahren können.

Ein Beispiel dafür ist das Abendmahl. Jesus hat es eingesetzt, damit wir Gott begegnen.

Erinnert Ihr Euch an den Konfitag ? Da habt ihr euch mit dem Thema Abendmahl auseinandergesetzt. Ihr seid der Frage nachgegangen. Was bedeutet das Abendmahl für mich persönlich. Es sind Bilder und Texte entstanden, die ich heute noch einmal in den Blick nehmen möchte. Denn ob bewusst oder unbewusst – eure Bilder enthalten Botschaften. Sie führen uns in die Tiefe und lassen uns erahnen, wo ihr Gott in eurem Leben erfahrt, vermutet, ersehnt.

Eure Bilder strahlen Lebensfreude aus: bunte Farben fallen ins Auge; glückliche Menschen sind dargestellt. Menschen, die auf Gottes schöner Erde unter blauem Himmel leben und arbeiten. Sie stimmen in ein Psalmgebet ein:

In Psalm 104 steht: „Gott, Du lässt das Gras sprießen für das Vieh und lässt die Pflanzen wachsen, die der Mensch für sich anbaut, damit die Erde ihm Nahrung gibt:

Der Wein macht ihn froh, das Öl macht ihn schön, das Brot macht ihn stark.“

Für mich schwingt da Geborgenheit mit. Und großes Gottvertrauen. Der Glaube an einen Gott, der seine Menschenkinder gut versorgt.

Essen und trinken stärken unseren Körper, Gottes Wort stärkt unsere Seele. Wir schöpfen aus Gottes Fülle. Er ist großzügig und gibt mehr als genug.

Nur können wir damit gut umgehen; sind wir bereit zu teilen?

So führt das Abendmahl Menschen zusammen und macht sie zu einer starken Gemeinschaft. Das Bild mit der Tischgemeinschaft weist darauf hin. Der Tisch ist ein Symbol. Menschen, die zusammen essen, ihr Brot teilen und gemeinsam feiern, gehören zusammen. Sie sorgen füreinander, sie lernen voneinander und sie nehmen am Leben des anderen teil. Das Abendmahl führt Menschen zusammen, die sich sonst fremd sind. Als Gäste Jesu am Tisch des Herrn werden wir zu Schwestern und Brüdern. Wir sind die Gemeinde Jesu auf Erden.

Wo Menschen zusammen leben gibt es Verletzungen und Enttäuschungen. Darum ist es wichtig, dass wir lernen, uns zu vergeben. Jesus hat es uns vorgelebt, wie wir das erreichen können – indem wir uns selbst ganz zurücknehmen und den anderen annehmen.

Jesus sagt in den Einsetzungsworten, dass sein Blut vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Wer das Abendmahl feiert und an Jesus glaubt, dem wird vergeben oder er wird gestärkt, anderen zu vergeben.

 

Im Abendmahl macht Gott Frieden mit den Menschen, er schenkt inneren Frieden, damit wir gelassen und aufgeschlossen durch das Leben gehen. Nur wer Frieden mit Gott hat, kann ihn nach außen tragen.

Ihr habt hier zum Thema „Frieden“ eine Kirche gemalt. Ich deute sie als Zeichen für den Glauben. Der Glaube gibt Sicherheit, er schützt und zeigt Wege zum Frieden. Das brauchen die Menschen dringend.

Das Abendmahl schafft einen Raum der Ruhe in uns. Hier begegnen wir Gott und ahnen, welchen Frieden er schenken kann. – inneren und äußeren.

Nach dieser Gelassenheit, nach Frieden sehnen sich noch viele Menschen. Auch ihr spürt das. Das Leben auf dieser Erde ist nicht immer friedlich. Es gibt Streit und Krieg, Unzufriedenheit und Machtkämpfe beherrschen das Leben.

Das Menschen sich zusammen an einen Tisch setzen, ist der Weg zu Frieden und Gerechtigkeit. Um einander zu verstehen, müssen wir miteinander reden. Wenn wir unsere Gedanken und Sehnsüchte, unsere Sorgen und unsere Bedürfnisse teilen, überwinden wir das Neid, Hass, Streit. In der Bibel wird das Reich Gottes oft als eine solche Festgemeinde beschrieben. Aber manchmal ist der Weg dahin schwer.

Mich hat besonders dieses Bild mit dem Berg beeindruckt.

Der Prophet Jesaja beschreibt ein Festmahl, das auf einem Berg stattfindet. Gott führt hier alle Menschen zusammen. Der Weg dahin ist nicht immer einfach, gerade. Manchmal ist er steinig und steil und sehr sehr mühsam. Da sind oft viele  Herausforderungen zu bestehen. Und die Sorge, es womöglich nicht zu schaffen, nimmt uns den Mut.

Darum steht der Berg für die Anstrengungen im Leben, aber auch für das Erreichen eines Zieles. Manchmal erkennen wir erst im Nachhinein, wieviel Kraft Gott uns gegeben hat.

Dieses Bild ist entstanden zum Thema „Gott loben“. Oben auf dem Berg fühlen wir uns Gott nahe. Hier kniet einer um Gott zu danken und ihn zu loben. Hier auf dem Höhepunkt feiert Gott ein fest. Dazu sind wir alle eingeladen. Es ist ein Versöhnungsfest und ein Freudenfest.

Jesus hat mit seinen Jüngern auch ein Fest gefeiert, das Passafest. Auf diesem Fest hat er ihnen ein Friedensangebot gemacht: das Abendmahl.

„Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.“

Bis heute darf ein Lobgesang in keinem Gottesdienst fehlen, schon gar nicht beim Abendmahl.

Denn das Abendmahl erinnert ja nicht nur an Jesu Tod, sondern auch an seine AUFERSTEHUNG. Erst sie macht ihn zum Licht der Welt.

Ich denke, es lohnt sich, die inneren Bilder zu entdecken und wahrzunehmen. Sie zeigen uns, was unsere Seele braucht. Sie braucht in jedem Fall Raum, um sich zu entfalten.

Eure Bilder berühren mich. Sie erzählen von eurem Glaube, von eurer Hoffnung und euren Träumen.

Wenn wir Abendmahl feiern ist der auferstandene Christus der Gastgeber. Er lädt uns ein.

Er macht uns das Friedensangebot, stärkt uns für den Weg, der manchmal auch steil und steinig ist und ruft uns in seine Gemeinschaft. Er kennt unsere inneren Bilder und lenkt unseren Schritt ganz sanft in seine Richtung.

Und ich verbleibe für heute mit dem Friedensgruß:

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Fr. 02.05.14
In den inneren Bildern Gott entdecken
Haike Gleede
In den inneren Bildern Gott entdecken

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Unser Gehirn ist ein Supercomputer. Es kann unglaublich viele Informationen aufnehmen und verarbeiten. Täglich kommen neue Eindrücke hinzu, werden unzählige Abläufe gesteuert und Informationen gespeichert. Dabei geht es nicht nur um reine Fakten. Wir Menschen nehmen viel mehr auf. Nur einen kleinen Teil davon können wir in Worte fassen und mit dem Verstand begreifen. So tragen wir Bilder in uns, Gefühle und auch Sehnsüchte. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit. Wie können wir sie ausdrücken und ausleben? Auch unser Glaube gehört dazu, die Sehnsucht sich mit Gott zu verbinden.

Gott kommt uns ein Stück entgegen und zeigt uns Möglichkeiten, wie wir ihn erfahren können.

Ein Beispiel dafür ist das Abendmahl. Jesus hat es eingesetzt, damit wir Gott begegnen.

Erinnert Ihr Euch an den Konfitag ? Da habt ihr euch mit dem Thema Abendmahl auseinandergesetzt. Ihr seid der Frage nachgegangen. Was bedeutet das Abendmahl für mich persönlich. Es sind Bilder und Texte entstanden, die ich heute noch einmal in den Blick nehmen möchte. Denn ob bewusst oder unbewusst – eure Bilder enthalten Botschaften. Sie führen uns in die Tiefe und lassen uns erahnen, wo ihr Gott in eurem Leben erfahrt, vermutet, ersehnt.

Eure Bilder strahlen Lebensfreude aus: bunte Farben fallen ins Auge; glückliche Menschen sind dargestellt. Menschen, die auf Gottes schöner Erde unter blauem Himmel leben und arbeiten. Sie stimmen in ein Psalmgebet ein:

In Psalm 104 steht: „Gott, Du lässt das Gras sprießen für das Vieh und lässt die Pflanzen wachsen, die der Mensch für sich anbaut, damit die Erde ihm Nahrung gibt:

Der Wein macht ihn froh, das Öl macht ihn schön, das Brot macht ihn stark.“

Für mich schwingt da Geborgenheit mit. Und großes Gottvertrauen. Der Glaube an einen Gott, der seine Menschenkinder gut versorgt.

Essen und trinken stärken unseren Körper, Gottes Wort stärkt unsere Seele. Wir schöpfen aus Gottes Fülle. Er ist großzügig und gibt mehr als genug.

Nur können wir damit gut umgehen; sind wir bereit zu teilen?

So führt das Abendmahl Menschen zusammen und macht sie zu einer starken Gemeinschaft. Das Bild mit der Tischgemeinschaft weist darauf hin. Der Tisch ist ein Symbol. Menschen, die zusammen essen, ihr Brot teilen und gemeinsam feiern, gehören zusammen. Sie sorgen füreinander, sie lernen voneinander und sie nehmen am Leben des anderen teil. Das Abendmahl führt Menschen zusammen, die sich sonst fremd sind. Als Gäste Jesu am Tisch des Herrn werden wir zu Schwestern und Brüdern. Wir sind die Gemeinde Jesu auf Erden.

Wo Menschen zusammen leben gibt es Verletzungen und Enttäuschungen. Darum ist es wichtig, dass wir lernen, uns zu vergeben. Jesus hat es uns vorgelebt, wie wir das erreichen können – indem wir uns selbst ganz zurücknehmen und den anderen annehmen.

Jesus sagt in den Einsetzungsworten, dass sein Blut vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Wer das Abendmahl feiert und an Jesus glaubt, dem wird vergeben oder er wird gestärkt, anderen zu vergeben.

 

Im Abendmahl macht Gott Frieden mit den Menschen, er schenkt inneren Frieden, damit wir gelassen und aufgeschlossen durch das Leben gehen. Nur wer Frieden mit Gott hat, kann ihn nach außen tragen.

Ihr habt hier zum Thema „Frieden“ eine Kirche gemalt. Ich deute sie als Zeichen für den Glauben. Der Glaube gibt Sicherheit, er schützt und zeigt Wege zum Frieden. Das brauchen die Menschen dringend.

Das Abendmahl schafft einen Raum der Ruhe in uns. Hier begegnen wir Gott und ahnen, welchen Frieden er schenken kann. – inneren und äußeren.

Nach dieser Gelassenheit, nach Frieden sehnen sich noch viele Menschen. Auch ihr spürt das. Das Leben auf dieser Erde ist nicht immer friedlich. Es gibt Streit und Krieg, Unzufriedenheit und Machtkämpfe beherrschen das Leben.

Das Menschen sich zusammen an einen Tisch setzen, ist der Weg zu Frieden und Gerechtigkeit. Um einander zu verstehen, müssen wir miteinander reden. Wenn wir unsere Gedanken und Sehnsüchte, unsere Sorgen und unsere Bedürfnisse teilen, überwinden wir das Neid, Hass, Streit. In der Bibel wird das Reich Gottes oft als eine solche Festgemeinde beschrieben. Aber manchmal ist der Weg dahin schwer.

Mich hat besonders dieses Bild mit dem Berg beeindruckt.

Der Prophet Jesaja beschreibt ein Festmahl, das auf einem Berg stattfindet. Gott führt hier alle Menschen zusammen. Der Weg dahin ist nicht immer einfach, gerade. Manchmal ist er steinig und steil und sehr sehr mühsam. Da sind oft viele  Herausforderungen zu bestehen. Und die Sorge, es womöglich nicht zu schaffen, nimmt uns den Mut.

Darum steht der Berg für die Anstrengungen im Leben, aber auch für das Erreichen eines Zieles. Manchmal erkennen wir erst im Nachhinein, wieviel Kraft Gott uns gegeben hat.

Dieses Bild ist entstanden zum Thema „Gott loben“. Oben auf dem Berg fühlen wir uns Gott nahe. Hier kniet einer um Gott zu danken und ihn zu loben. Hier auf dem Höhepunkt feiert Gott ein fest. Dazu sind wir alle eingeladen. Es ist ein Versöhnungsfest und ein Freudenfest.

Jesus hat mit seinen Jüngern auch ein Fest gefeiert, das Passafest. Auf diesem Fest hat er ihnen ein Friedensangebot gemacht: das Abendmahl.

„Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.“

Bis heute darf ein Lobgesang in keinem Gottesdienst fehlen, schon gar nicht beim Abendmahl.

Denn das Abendmahl erinnert ja nicht nur an Jesu Tod, sondern auch an seine AUFERSTEHUNG. Erst sie macht ihn zum Licht der Welt.

Ich denke, es lohnt sich, die inneren Bilder zu entdecken und wahrzunehmen. Sie zeigen uns, was unsere Seele braucht. Sie braucht in jedem Fall Raum, um sich zu entfalten.

Eure Bilder berühren mich. Sie erzählen von eurem Glaube, von eurer Hoffnung und euren Träumen.

Wenn wir Abendmahl feiern ist der auferstandene Christus der Gastgeber. Er lädt uns ein.

Er macht uns das Friedensangebot, stärkt uns für den Weg, der manchmal auch steil und steinig ist und ruft uns in seine Gemeinschaft. Er kennt unsere inneren Bilder und lenkt unseren Schritt ganz sanft in seine Richtung.

Und ich verbleibe für heute mit dem Friedensgruß:

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 20.04.14
Hat der Apostel Paulus eigentlich Ostern…
Haike Gleede
Hat der Apostel Paulus eigentlich Ostern gefeiert

Liebe Gemeinde!

Hat der Apostel Paulus Ostern gefeiert? Was meinen Sie?

Tauchen wir mal ein in die Entstehungsgeschichte dieses Festes.

„Frühling liegt in der Luft! Blumen und Häschen dekorieren das Heim. Vater hilft den Kindern, die in verschiedenen Farben getönte Eier, schön zu dekorieren. Diese Eier, die später versteckt, und dann von den Kindern gesucht werden, liegen, der Jahreszeit entsprechend, in wunderschön dekorierten Körbchen. Mutter backt gerade die mit einem Kreuz versehenen Rosinenbrötchen, deren köstliches Aroma durch die Wohnung zieht. Morgen ist endlich die Zeit der vierzig-tägigen Fastentage vorbei. Die ganze Familie wählt ihre beste Sonntagskleidung für die morgige Sonnenaufgangsmesse aus, um die Auferstehung ihres Erlösers und die Erneuerung des Lebens zu feiern. Jeder freut sich bereits auf den saftigen Rollschinken mit all den leckeren Beilagen. Es wird ein aufregender Tag werden. Schließlich ist es einer der wichtigsten religiösen Festtage des Jahres.“

Ostern, oder? Nein! Dies ist das Bild einer uralten Babylonischen Familie, die 2000 Jahre  vor Christus, die die Wiederauferstehung ihres Gottes, Tammuz, feiern. Er wurde von seiner Ehefrau, Ishtar , aus der Unterwelt zurückgebracht. Von Ishtar lässt sich Ostern ableiten. Das ist aber nur eine Theorie für die Herkunft des Osterfestes.

Natürlich hätte es auch eine phrygische Familie sein können, die Attis und Cybele ehren, oder vielleicht eine phönizische Familie, die Adonis und Astarte feiern. Ebenfalls passt in diese Beschreibung eine häretische Israelitische Familie, die den Kanaanitischen Baal und Ashtaroth verehren. Das Osterfest könnte auch angelsächsische  Fruchtbarkeitsriten des Todes und der Wiederauferstehung zurückgehen, bei denen die Göttin Ostara, die Königin der Morgenröte gefeiert wurde. Das zugehörige Tier dieser Göttin - der man u.a. Eier opferte - war der Hase, eines der Fruchtbarkeitssymbole schlechthin.

Dies sind alles diesselben Feste, die sich nur durch Zeit und Kultur unterscheiden.

Das Osterfest ist das älteste und bedeutendste Fest des Christentums.
Die Riten, Bräuche und Symbole des Osterfestes, wie der Osterhase, das Färben von Ostereiern oder das Schlachten von Osterlämmern, sind keine Besonderheiten des Abendlandes.
 

Auf diese Weise und in Anlehnung an die heidnischen Bräuche hat Paulus sicher kein Osterfest gefeiert. Er kannte es noch gar nicht und die heidnischen Bräuche versuchte er in seinen Gemeinden stets zu unterbinden. Ihm war es wichtig, auf den Kern der Botschaft von Jesus Christus hinzuweisen: die Auferstehung und den Sieg über den Tod.

An die Christen in Korinth schreibt er:

Das also ist unsere Botschaft: Gott hat Christus vom Tod auferweckt. Wie können dann einige von euch behaupten, dass die Toten nicht auferstehen werden?

Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden.

Und wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann hat weder unsere Verkündigung einen Sinn noch euer Glaube. …

Nun aber ist Christus vom Tod auferweckt worden, und als der erste Auferweckte gibt er uns die Gewähr, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden.

 

So überraschend es auch klingen mag, im Neuen Testament findet man keinen einzigen Hinweis auf Ostern. Das bedeutet aber nicht, dass die urchristliche Kirche keine besonderen religiösen Festtage kannte. 25 Jahre nach dem Tod und der Auferstehung Jesu wies der Apostel Paulus die Gläubigen der Gemeinde in Korinth eindeutig an, das Passah zu halten, wie Christus es geboten hat.

Paulus schrieb: „Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“

Die ersten Christen feierten Passah, allerdings in dem Bewusstsein, dass Jesus diese Fest erneuert hat. Paulus weist darauf hin, es mit Ehrerbietung und dem richtigen Verständnis seiner symbolischen Bedeutung zu würdigen. In vielen Sprachen heißt Ostern bis heute Passa.

Es steht in einem engen Zusammenhang mit dem letzten Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte, sowie mit seinem Leiden und Sterben. Denn erst auf diesem Hintergrund macht das fest der Auferstehung einen Sinn.

Genau darum ging es Paulus. Der Tod ist entmachtet, weil er nun die Menschen nicht mehr von Gott trennen kann. Passa, das heißt die ganze Geschichte Jesu zu würdigen.

Das ist die Kernbotschaft der Christen. Paulus feierte nicht Ostern, aber er feierte Tod und Auferstehung in jedem Gottesdienst, den er mit seinen Gemeinden hielt, in jedem Abendmahl und mit seinem ganzen Leben.

Menschen brauchen Rituale und Rhythmen in ihrem Leben. Sie verbinden mit den Symbolen und Bräuchen etwas, was sie mit Gott in Verbindung bringt und in die Tiefe des Lebens führt.

Auf dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 nach Chr. Legten die Kirchenväter einen Ostertermin fest auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond.
Nach christlicher Lehre leitet sich das Wort "Ostern" von "Osten" ab, der Himmelsrichtung, aus der man die Rückkehr Jesus' erwartete.
Menschen brauchen Festtage, die sie an Gottes Handeln in dieser Welt erinnern.

Rituale und Bräuche verbinden sie mit den Ursprüngen ihres Daseins. Die Menschen in vorchristlicher Zeit haben auf ihre Weise Gott verehrt und haben seine Zeichen in der Natur gefunden. Da knüpft das Christentum an. In der Morgenröte kommen die Frauen zum Grab Jesu und finden es leer. Sie suchen einen Toten und finden das Leben. Das leben. Im ersten Morgenlicht hören sie den Engel die Botschaft verkünden: Jesus lebt! Er ist auferstanden. Kurz zuvor feierten sie das Passafest, bei dem deutlich wurde: Jesus ist das Lamm Gottes. Er geht durch den Tod ins Leben. Das Ei symbolisiert das sich immer erneuernde Leben.

Aber wir suchen Gott jetzt nicht nur in den Zusammenhängen der Natur, sondern in uns selbst. Gott wurde Mensch. Jeder Mensch trägt Gottes Kraft in sich. Jesus hat uns gezeigt, dass er in uns lebendig ist. das feiern wir Ostern.

Wir können natürlich unsere Häuser und Gärten mit Häschen schmücken und bunte Eier in Nester legen. Aber der eigentliche Sinn von Ostern liegt in der Auferstehung!

Ich wünsche uns, dass uns dieser Sinn von Ostern nicht verloren geht.

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Fr. 18.04.14
Vor dem Leid nicht die Augen verschließen
Haike Gleede
Vor dem Leid nicht die Augen verschließen

Lektor/in:

Im Buch des Propheten Jesaja wird vom leidenden Gottesknecht berichtet. Aufgeschrieben wurde dies etwa 700 Jahre vor Jesu Geburt:

Wer hätte geglaubt, was uns da berichtet wurde? Wer hätte es für möglich gehalten, dass die Macht des HERRN sich auf solche Weise offenbaren würde?

Denn sein Bevollmächtigter wuchs auf wie ein kümmerlicher Spross aus dürrem Boden. So wollte es der HERR. Er war weder schön noch stattlich, wir fanden nichts Anziehendes an ihm.

 

Pastorin:

»Schau nicht so auffällig hin! Zieh das Tuch tiefer ins Gesicht. Wenn die merken, dass wir zu ihm gehören …«, die kleine Frau gibt der anderen einen leichten Stoß mit dem Ellbogen. Behutsam legt Johannes einen Arm um sie und sagt: »Ich kann es immer noch nicht fassen! Vorgestern haben sie ihn noch gefeiert. Haben Hosianna gerufen. Hingen an seinen Lippen, wenn er von Gott sprach. Sie haben geglaubt, dass er in Gottes Namen spricht, liebt, handelt. Und jetzt! Wie sie sich weiden an seinen Wunden, wie sie sich abwenden und ekeln vor diesem geschundenen Körper. Schau nicht hin, Maria.«

»Ich muss hinschauen. Ich kann nicht anders. Und ich blute innerlich mit. Siehst du, wie flach er nur noch atmet? Alles ist plötzlich so flach an ihm. Nur die Adern – die treten heraus.

Mich ekelt es! Mich ekelt vor dem Körper meines eigenen Sohnes.«

»Psst, sprecht doch leiser. Die Leute neben uns tuscheln über uns. Schaut: die eine mit dem roten Tuch, sie geht nach vorne. Was tut sie? Ist sie am Kreuz? Ich bin zu klein, siehst du was?«

Der Jünger stellt sich auf die Zehenspitzen und berichtet: »Ja, sie ist am Kreuz. Eben hat sie sich nochmal zu uns umgedreht, grinsend. Sie hebt einen Stein auf! Sie wird doch nicht? Ah, ein Soldat hat sie bemerkt, er nimmt ihr den Stein weg und schickt sie weg. Aber sie dreht sich nochmal um, blitzschnell, und spuckt aus Richtung Kreuz. Widerwärtig!«

Maria wird blass. »Oh, nein, schaut, wie er sich aufbäumt. Welche Qualen! Schaut! Die Wunden an seinen Händen, sie reißen immer tiefer ein, gleich treten die Sehnen heraus …« Sie legt sich das Tuch über den Mund und schließt erstmals die Augen. Ihre Schwester beobachtet weiter, was passiert: »Die Wunde am Kopf ist wieder aufgegangen. Es blutet. Es läuft ihm in die Augen, und niemand kann es abwischen. Maria, gleich werden die Fliegen kommen. Das ist das Allerelendste, was ich je gesehen habe. Dass ein Mensch so entstellt, so entmenschlicht werden kann. Da ist keine Würde mehr, kein Gottesebenbild, nur noch ein entstellter Körper.«

 

Lektor/in:

Viele haben sich entsetzt von ihm abgewandt, so entstellt war er. Er hatte keine Ähnlichkeit mehr mit einem Menschen.

Alle verachteten und mieden ihn; denn er war von Schmerzen und Krankheit gezeichnet. Voller Abscheu wandten wir uns von ihm ab.

Wir rechneten nicht mehr mit ihm.

 

Pastorin:

Maria Magdalena erwacht aus ihrer Starre: »Und doch – vielleicht ist er uns gerade darin am ähnlichsten? Wisst ihr noch – wie Jesus die Kranken geheilt hat? Darunter waren viele, die genauso abstoßend waren. Die Aussätzigen, mit denen niemand mehr was zu tun haben wollte. Alle dachten, Gott habe ihn so gestraft. Oder dieser elende Blinde, der so jämmerlich schrie. Für alle waren sie von Gott selbst verlassen. Aber Jesus hat diese Menschen berührt und einfach geheilt. Wo sind diese Krankheiten eigentlich hin? Jetzt sieht es so aus, als hätte er sie alle auf sich genommen. Als zeige sein Körper das Elend aller Geschundenen, Elenden, Ausgegrenzten, Gottverlassenen. Trägt er all das, damit sie leben können? Es ist kaum auszuhalten …«

 

Lektor/in:

In Wahrheit aber hat er die Krankheiten auf sich genommen, die für uns bestimmt waren, und die Schmerzen erlitten, die wir verdient hatten.

Wir meinten, Gott habe ihn gestraft und geschlagen; doch wegen unserer Schuld wurde er gequält und wegen unseres Ungehorsams geschlagen

Die Strafe für unsere Schuld traf ihn und wir sind gerettet.

Er wurde verwundet und wir sind heil geworden.

Wir alle waren wie Schafe, die sich verlaufen haben; jeder ging seinen eigenen Weg. Ihm aber hat der HERR unsere ganze Schuld aufgeladen. Er wurde misshandelt, aber er trug es, ohne zu klagen. Wie ein Lamm, wenn es zum Schlachten geführt wird, wie ein Schaf, wenn es geschoren wird, duldete er alles schweigend, ohne zu klagen.

Pastorin:

Marias Schwester stützt sich auf die Schulter des Jüngers. Ganz leise, mehr zu sich selbst, sagt sie: »Ich denke an unsere Zukunft. Die Zukunft Israels. Heute sind es die Römer, die uns quälen, morgen werden es andere sein. Wie hält Gott das aus, dass seine Kinder so gequält werden?

Ich muss es ja auch aushalten. Wir halten immer alles aus. Seit Jahrhunderten, weil Gott es auch aushält. Seht, da hängt mein Sohn und stirbt. Er hätte es vermeiden können, aber er hat sich abführen und schlachten lassen wie ein Lamm.

Johannes überlegt : »Er erträgt unseren Tod, damit wir leben können. Sind wir nicht auch wie die Kranken? Weit hinter dem zurück, was uns Gott zugedacht hat. Vielleicht trägt er auch unseren Mangel an Liebe, unsere Angst vor dem Tod, damit wir leben können?!«

Maria richtet sich wieder auf: »Ich wünschte, du hättest recht mit deiner Vermutung. Aber dann müsste doch noch irgendetwas kommen! Wie unterscheidet sich denn sein Leiden vom Leiden Unzähliger vor ihm und nach ihm? Ist sein Tod nicht der Inbegriff all unserer Leiden, ohne Ende?«

»Nein«, sagt Maria Magdalena entschieden, »sein Tod hat etwas mit unserem Leben zu tun. Vielleicht ist sein Kreuz ja eine Last von der Art, wie es die Flügel für die Vögel sind. Sie tragen aufwärts.«

 

Lektor/in:

Aber der HERR wollte ihn leiden lassen und zerschlagen. Weil er sein Leben als Opfer für die Schuld der anderen dahingab, wird er wieder zum Leben erweckt und wird Nachkommen haben. Durch ihn wird der HERR das Werk vollbringen, an dem er Freude hat.

Nachdem er so viel gelitten hat, wird er wieder das Licht sehen und sich an dessen Anblick sättigen.

Denn er ging in den Tod und ließ sich unter die Verbrecher zählen.

So trug er die Strafe für viele und trat für die Schuldigen ein.

 

Pastorin:

In der Mitte der Zeit leidet Jesus am Kreuz. Die Menschen gehen vorbei. Soldaten spucken ihn an. Sein Gesicht ist blutüberströmt. Die lächerliche Dornenkrone, die sie gemacht haben, um ihn zu verspotten, drückt sich in seine Stirn. Die Schmerzen an Händen und Füßen

sind unerträglich. Die Scham auch: Halbnackt hängt er in der sengenden Sonne Israels. Sie sind alle weg, die mit ihm gegangen waren.

Nur seine Mutter ist da. Und Maria von Magdala, seine beste Freundin.

»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen« – seine Lippen formen mühsam die Worte aus dem vertrauten Psalm.

Er spürt: Es wird bald vorbei sein. Es dauert nicht mehr lange. Und wie aus einer anderen Zeit kommen die Worte des zweiten Jesaja zu ihm:

„Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf

ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Es ist, als ob das Elend der Welt sich bündelt in ihm, dem Gekreuzigten, Sterbenden, Geschundenen.

Ein Bild, das wir wohl nie wirklich ergründen können. Es bleibt das Geheimnis Gottes.

Wenn wir nicht daran glaubten, dass er auferstanden ist, dann würden wir uns angewidert abwenden.  Wir tun es nicht. Wir erkenne darin Gottes Hingabe für uns. Aus diesem Glauben an den, der sich so erniedrigen und demütigen ließ, schöpfen wir Hoffnung.

Und darum wenden wir uns nicht ab, sondern versammeln uns heute am Karfreitag in seinem Namen, um seines Todes zu gedenken. Weil nur er uns Gott näher bringt. Weil nur er uns Versöhnung schenkt und ewiges Leben durch seinen Tod.

Und die Fortsetzung folgt….

 

Lektor/in:

Der Herr sagt: Gebt Acht: meinem Bevollmächtigten wird gelingen, wozu ich ihn bestellt habe; er wird zu großem Ansehen und höchsten Ehren gelangen. Viele haben sich entsetzt von ihm abgewandt, so entstellt war er. Er hatte keine Ähnlichkeit mehr mit einem Menschen. Doch nun werden viele Völker über ihn staunen, sogar ihren Königen wird es die Sprache verschlagen. Was niemals zuvor geschehen ist, das erleben sie jetzt; wovon sie noch nie etwas gehört haben, das sehen sie mit eigenen Augen.“

Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 06.04.14
Sehnsucht nach Gott
Haike Gleede
Sehnsucht nach Gott

Liebe Gemeinde!

In jedem Gottesdienst begegnen wir dem Wort Gottes. Es ist uns überliefert in der Heiligen Schrift, der Bibel. Es wurde aufgeschrieben von Menschen, die Gott in ihrem Leben erfahren haben, die Jesus Christus begegnet sind und die von Gottes Geist beflügelt ihre Lebensspur gefunden haben.

Heute haben wir einen Text gehört, den Taufbefehl, der zu jeder Taufe dazugehört. Denn wir taufen nicht, weil wir uns das ausgedacht haben oder es einfach schön ist; wir taufen, weil Jesus dieses Sakrament geschenkt hat. Es verbindet uns mit Gott selbst.

Drei Taufsprüche haben Sie ausgesucht:

Was hat Sie bewogen, genau diesen einen Vers aus der Bibel auszuwählen und ihrem Kind in die Wiege zu legen bzw. ins Herz zu schreiben?

Ich glaube, wir suchen oft ganz intuitiv einen Spruch aus, der gerade für dieses Kind, für diesen Menschen einen entscheidenden Hinweis enthält.

All diese Sprüche sind aus einem Kontext genommen, einem größeren Sinnabschnitt oder einer Geschichte. Es sind Worte, die in eine bestimmte Lebenssituation hineingesprochen wurden und für die Zuhörer eine besondere Bedeutung hatten. Worte, von denen die Menschen glauben, dass sie weitergegeben werden sollen.

Es entsteht ein Netzwerk von Glaubensworten, die Menschen zusammenführen. Und wir werden merken, wie alles miteinander verknüpft ist und einen immer tieferen Sinn offenbart, je mehr wir uns damit beschäftigen. Und dass wir alle ein Teil in dieser Geschichte Gottes sind, die er mit uns schreibt.

 

Es lohnt sich also einmal genau hinzuschauen und die Zusammenhänge zu ergründen, aus denen die Taufsprüche kommen.

Matthäus 7, 7: Elia

„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“

Jesus sammelte zu seinen Lebzeiten viele Menschen um sich. Er hatte Freunde, es gab Menschen, die ihm gerne zuhörten, weil er ihnen einen neuen Blick auf ihr Leben öffnete.

Es gab auch Kritiker und es gab diejenigen, die ihm nach dem Leben trachteten. Zu all diesen Menschen sprach er und viele seiner Weisheiten sind zusammengefasst in der Bergpredigt.

Dort finden wir  auch den Taufspruch von Elia:

Matthäus 7, 7: Elia

„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“

An welche Türen klopfen wir denn so in unserem Leben und was erwartete uns hinter welcher Tür? Was erwarten wir?

Du kannst dir nicht ein Leben lang alle Türen offen halten, um keine Chance zu verpassen.

Auch wer durch keine Türe geht und keinen Schritt nach vorne tut, dem fallen Jahr für Jahr  die Türen – eine nach der anderen – zu. Wer selber leben will, der muss entscheiden:

Ja oder nein – im Großen und im Kleinen.

Wer sich entscheidet, wertet, wählt, und das bedeutet auch: Verzicht. Denn jede Tür, durch die er geht, verschließt ihm viele andere. Man darf nicht mogeln und so tun, als könne man beweisen, was hinter jener Tür geschehen wird.

Ein jedes Ja – auch überdacht, geprüft – ist zugleich Wagnis und verlangt ein Ziel.

Gut, dass wir Gott bitten dürfen. Er wird uns Wege aufzeigen, die wir gehen können und uns an Türen bringen, die uns Räume eröffnen, in denen wir Leben können.

Wir sind gefragt, etwas zu tun: zu bitten, zu klopfen, zu suchen, zu finden, zu empfangen und etwas aus dem Geschenk des Lebens zu machen. Aber was leitet uns bei unserer Entscheidung. 

Dazu hat der Apostel Paulus etwa 50 n. Christus einen Brief an die Korinther geschrieben, an eine seiner christlichen Gemeinden, die er in Kleinasien gegründet hat. Aus dem folgenden Abschnitt aus dem 2. Kor 3  kommt der Taufspruch von Nico: Horcht genau hin:

Jesus Christus, wirkt durch seinen Geist. Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

Wir alle sehen in Christus mit unverhülltem Gesicht die Herrlichkeit Gottes wie in einem Spiegel. Dabei werden wir selbst in das Spiegelbild verwandelt und bekommen mehr und mehr Anteil an der göttlichen Herrlichkeit. Das bewirkt der Herr durch seinen Geist.

Welcher Geist ist in uns lebendig und treibt uns an? Der Zeitgeist oder der Heilige Geist.

Gottes heiliger Geist wirkt durch diejenigen, die in seinem Namen diese Welt gestalten.

Wie wir das umsetzen können beschreibt ein Gemeindevorsteher ca. 100 Jahre später in einem Brief an seine Gemeinden: Darin finden wir auch den Taufspruch von Celin:

1.     Johannes 3, 18 lasst uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.

Oder GNB: Erkennt ihr den Vers wieder? Und auch die anderen beiden Sprüche klingen hier noch einmal an. Der Gemeindevorsteher, ernennt sich Johannes bringt es so auf den Punkt:

Meine Kinder, unsere Liebe darf nicht nur aus schönen Worten bestehen. Sie muss sich in Taten zeigen, die der Wahrheit entsprechen: der Liebe, die Gott uns erwiesen hat.

Daran werden wir erkennen, dass die Wahrheit Gottes unser Leben bestimmt. Damit werden wir auch unser Herz vor Gott beruhigen können, wenn es uns anklagt, weil unsere Liebe doch immer Stückwerk bleibt. Denn wir dürfen wissen: Gott ist größer als unser Herz und weiß alles, er kennt unser Bemühen wie unsere Grenzen.

Ihr Lieben, wenn unser Herz uns nicht mehr anklagt, dann können wir mit Zuversicht zu Gott aufschauen.

Wir erhalten von ihm, worum wir bitten, weil wir seine Gebote befolgen und tun, was ihm gefällt.

Sein Gebot ist: Wir sollen uns zu seinem Sohn Jesus Christus bekennen und einander so lieben, wie er es uns befohlen hat.

Wer Gottes Gebot befolgt, bleibt mit Gott verbunden und Gott mit ihm. Durch den Geist, den er uns gegeben hat, wissen wir, dass Gott in uns lebt.

Ich bin sehr beeindruckt wie all diese Worte über Jahrhunderte gesammelt so ineinandergreifen. Immer wieder haben Menschen um ihren Glauben gerungen, darüber diskutiert. Durch ihr Suchen und Fragen sind sie der Wahrheit immer ein Stück nähergekommen. Sie haben die Freiheit des Geistes gespürt und aus ihm gelebt. Sie haben ihren Worten Taten folgen lassen. Und wir stehen in ihrer Nachfolge. Auch wir fragen nach dem Glauben, nach seiner Bedeutung und nach der Kraft, die er uns verleiht. Damit dürfen wir niemals aufhören.

 Die Sehnsucht nach der Sehnsucht Gott zu lieben, genügt, um auf dem Weg zu ihm zu sein.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 16.03.14
Lebensweg – Glaubensreise
Haike Gleede
Lebensweg – Glaubensreise

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Hebr 11,1 nach Luther

„Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst.“ Hebr 11, 1 nach Gute Nachricht

 

Liebe Gemeinde!

Eine Definition für Glauben, für den christlichen Glauben schrieb ein Kirchenvorsteher im 2. Jahrhundert nach Christus in einem Brief an die ihm bekannten Gemeinden. Als Brief an die Hebräer ist er uns in der Bibel überliefert und ist gerichtet an Menschen, die an ihrem Glauben und ihrer Hoffnung zweifeln.

Luther übersetzt: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“

In der Guten Nachricht heißt es: „Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst.“

Ein Satz, über den ich einen Moment nachdenken muss, bevor ich ihn begreife.

Der Schreiber des Hebräerbriefes nimmt seine Leser mit auf eine Glaubensreise. Folgen wir ihm ein Stück und halten an der einen oder anderen Stelle kurz inne. Die Reise führt uns durch Raum und Zeit und wir begegnen Menschen, die im Glauben gelebt und ihn in ihrem Leben verankert haben. Wir stehen in ihrer Tradition. Sie geben unserem Glauben tiefe Wurzeln. Darum lohnt es sich, ihnen einen Besuch abzustatten.

 

Wir begegnen Abraham. Christen, Juden und sogar die Muslime lesen seine Geschichte. Sie ist weit über 3000 Jahre alt. Die Bibel nennt ihn den »Vater des Glaubens«. In hohem Alter hört er die Stimme Gottes: »Geh weg von deiner Familie und aus deiner Heimat und mache dich auf den Weg in ein Land, das ich dir zeigen werde.«

Das bedeutet Aufbruch in eine ungewisse Zukunft. Wohin die Reise geht, erfährt Abraham nicht. Doch er hört Gottes Versprechen: Aus zwei alten Leuten soll ein großes Volk werden. Er und seine Frau Sara sind kinderlos. Das war in der alten Zeit ein schlimmes Schicksal. Doch Abraham vertraut Gott und macht sich auf den Weg ins Unbekannte.

Abraham lebt in Verbindung mit Gott. Er weiß: Wir haben uns nicht selbst das Leben gegeben, sondern es gibt einen Schöpfer. Er hat jeden einzelnen Menschen im Blick. Deshalb ist Abraham über seiner Kinderlosigkeit nicht verzweifelt. Sondern er vertraut darauf: Bei Gott gibt es einen Plan für mich. Und darum folgt er Gottes Aufforderung und macht sich auf den Weg.

Dinge geschehen, die er nicht für möglich gehalten hätte. Seine Frau Sara wird in hohem Alter schwanger und der ersehnte Sohn wird geboren. Abraham hat als Viehzüchter Erfolg, die Familie kommt zu Wohlstand. Da ist die Versuchung groß zu sagen: Jetzt richten wir uns auf Dauer ein, jetzt waren wir lange genug unterwegs. Doch Abraham lebt weiterhin wie ein Nomade in Zelten. Er zieht von Weideplatz zu Weideplatz.

„Denn er wartete auf die Stadt mit festen Grundmauern, die Gott selbst entworfen und gebaut hat.“ Hebr11,10

Es mag sein, dass wir auf dem Weg des Glaubens manches aufgeben müssen. Es mag sein, dass wir nicht immer mithalten können mit dem, was andere haben und darstellen. Doch im Glauben gehen wir auf ein Ziel zu. Wir haben eine Hoffnung, die ganz auf Gott setzt. Wir verlassen uns nicht auf das, was wir mit unserer Hände Werk erarbeiten und aufbauen können. Wir vertrauen auf Gottes Verheißungen. Unser Glaube wird schon jetzt davon beflügelt. Gott schenkt uns die Kraft, die wir brauchen, um den Weg zu gehen.

Als Fremdlinge sind wir.

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“

Gehen wir ein Stück weiter auf unserem Weg des Glaubens, wandern durch Raum und Zeit. Wir treffen Jesus auf seinem Kreuzweg. In der Passionszeit steht sein Leiden und Sterben im Mittelpunkt. Er ist diesen Weg gegangen – hat Verrat hingenommen durch einer seine Freunde, hat verzweifelt gebetet im Garten Gethsemane: „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen.“ Am Ende gab er sich ganz dem Willen Gottes hin, vertraute darauf, dass Gott gut machen würde, wo die Menschen grausam handeln. So endet sein Gebet in der Hingabe, im tiefen Vertrauen zu Gott: „Vater, dein Wille geschehe.“ Jesus ging durch den Tod in das Leben. Mit seiner Auferstehung öffnete sich ein neuer Weg zu Gott. Ein Weg, den wir nachgehen können, wenn wir uns trauen, wenn wir auf Gott vertrauen.

„Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst.“

Im Leiden Jesu spiegelt sich das Leid der Menschen. Viele sind in diesen Tagen auf der Flucht, machen sich auf den Weg in der Hoffnung auf einen Neuanfang. Sie begeben sich auf eine aussichtslosen und gefährliche Reise aus Afrika , in Booten, die wie Nussschalen auf dem Meer dahintreiben, Wind und Wellen schutzlos ausgesetzt. Welche Verzweiflung treibt diese Menschen an, aber auch welche Hoffnung.

Oder ein Schwerkranker macht sich auf den Weg, durchschreitet tapfer seine letzten Erdentage. Er hofft auf Heilung, bangt ums sein Leben und ahnt doch, dass sein Schicksal besiegelt ist. Und doch getragen von einem Glauben, der sagt: „Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir.“ Betet er: „dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“

Wir wissen, wohin der Weg Jesu mündete und darum gehen wir vertrauensvoll weiter durch die Zeit und statten einer der ersten urchristlichen Gemeinden einen Besuch ab. Ein Gemeindemitglied erzählt uns von seinen Sorgen: „Wir sind müde. So viel haben wir uns vorgenommen, haben gehofft, dass es besser wird. Und jetzt sind wir enttäuscht. Vom Reich des Friedens haben wir geträumt, davon dass Jesus wiederkommt und alles neu macht. Dafür haben wir vieles verändert, Beziehungen aufgegeben und Spott in Kauf genommen. Aber dennoch: wir gehen weiter. Der Brief eines Gemeindeältesten hat uns Mut gemacht, nicht aufzugeben. Schon so viele vor uns sind diesen Weg mit Gott gegangen. Wir vertrauen darauf, dass es ein guter Weg ist.“

Setzen wir unseren Weg nun fort und kommen zurück in unsere Zeit. Ich begegne mir selbst, wie in einem Spiegel, und frage mich: Wie steht es mit meinem Glauben, mit meinem Vertrauen auf Gott? Was nehme ich mit von dieser kleinen Reise durch die Zeit?

Wir modernen Menschen wissen, dass die Welt viel größer ist, als Abraham es sich je vorstellen konnte. Wir wissen Bescheid über Weltmeere und Erdteile, über Sonnensysteme und Planeten. Und je mehr wir wissen, umso weniger reden wir von Gott. Unsere Satelliten erforschen das Weltall, unsere Computer entschlüsseln das menschliche Erbgut - wozu brauchen wir da einen Schöpfer? Läuft nicht alles irgendwie von selbst? Haben wir die Erde nicht auch ohne Gott im Griff?

Ist es nicht überheblich zu glauben, dass der Mensch alles kann und darf? Niemand ist zufällig auf dieser Erde. In der Verantwortung vor Gott gestalten wir unser Leben.

Haben wir nicht auch Verantwortung zu helfen, wo wir Not sehen. Verzweifelte zu trösten und mit ihnen nach neuen Wegen für ihr Leben zu suchen.

Haben wir nicht auch den Auftrag, diejenigen die sich von Gott entfernt haben zu erinnern an den Weg, den er mit uns allen geht. Sie einzuladen und zu begleiten.

Manchmal führt der Weg durch das Leiden in das Leben. Schließlich sind wir doch alle Fremdlinge auf dieser Erde. Wir sind wie Abraham Nomaden, leben in Zelten stets bereit weiterzuziehen.

Im Glauben sind wir auf der Durchreise. Das eröffnet eine große Freiheit. Wir brauchen den Sinn des Lebens nicht in vergänglichen Dingen zu suchen. Wir müssen uns nicht anstrengen und abstrampeln auf der Jagd nach Glück und Geld. Sondern wir leben im Vertrauen auf Gott.

Auch Jesus ist den Weg des Glaubens gegangen. Er kam in die Fremde, er wurde Mensch. Er hat das Leben nicht festgehalten. Er sein kreuz getragen bis zum bitteren Ende und ging dann in Gottes Herrlichkeit ein. So hat er die Verheißung Gottes erfüllt: Dass wir Menschen aus der Fremde zurück in Gottes Heimat finden.

Es ist wichtig, dass wir immer mal wieder eine solche Glaubensreise unternehmen. Die Fastenzeit bietet dazu die Gelegenheit.

Wichtig ist auch, dass wir uns von unseren Erfahrungen erzählen, von dem, was uns auf unserer Reise so begegnet. Nur so können wir erkennen, dass unser Glaube tiefe Wurzel hat. Unausgesprochene Sehnsüchte gehen über auf die nächste Generation und wenn die Menschen dann nicht mehr verstehen können, woher ihre Sehnsucht kommt, dann können sie den Weg nicht finden.

Nur wenn wir unseren Glauben weitergeben, verleiht er uns Flügel. Darum, liebe Eltern und Großeltern, liebe Mitreisende, erzählt euren Kindern, erzählt denen, ihr begegnet eure Geschichte. Eure Kinder tragen sie im Herzen, sie können daran anknüpfen und verstehen, welche Kraft in unserem Glauben liegt.

„Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst.“

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Di. 31.12.13
"Gott nahe zu sein ist mein Glück…
Haike Gleede
"Gott nahe zu sein ist mein Glück" Jahreslosung 2014

„Willst du immer weiter schweifen?

Sieh, das Gute liegt so nah.

Lerne nur das Glück ergreifen,

denn das Glück ist immer da.“ Johann Wolfgang von Goethe

 

Liebe Gemeinde!

Was ist Glück? Was macht Sie glücklich?

Es gibt das große Glück: überwältigende Erfahrungen wie die große Liebe, die Geburt eines Kindes. Kostbare Momente im Leben.

Und es gibt die kleinen Glücksmomente:

Der Duft einer Rose oder die Blütenpracht im Garten. Ein Lächeln oder eine freundliche Geste, eine gelungene Arbeit, eine gute Note oder die Zusage für einen Arbeitsplatz. Das gute Gespräch oder ein wohltuender Spaziergang.

Nehmen wir das Glück immer wahr, wenn es vor uns liegt? Oder gehen wir oft auch achtlos vorbei? Nehmen es für selbstverständlich?

Glück ist das, wonach alle suchen, und das keiner wirklich festhalten kann.

Die Naturwissenschaftler erklären Glück mit einer chemischen Reaktion.

Der Körper schüttet in verschiedenen Situationen Glückshormone aus. Sie wirken schmerzhemmend und entspannend. Sie werden auch als körpereigene Drogen bezeichnet. Menschen wollen mehr davon und darum nehmen sie Drogen zu sich, die ihre Glücksmomente verlängern und sie intensiver erleben lassen. Das erklärt warum Menschen Alkohol trinken und Kaffee, rauchen oder Drogen nehmen.

Andere erleben Glücksmomente beim Shoppen, bei riskantem Autofahren mit hoher Geschwindigkeit oder bei Extremsportarten.

Dahinter steckt die Sehnsucht nach Glück, die sich allzu leicht in eine Sucht verwandelt. Das Glück ist nur von kurzer Dauer. Es gibt viele Möglichkeiten, sich glücklich zu fühlen und es trotzdem nicht zu sein.

Also wo suchen wir nach Glück und was macht uns dauerhaft glücklich.

Mit diesem Thema beschäftigen sich Wissenschaftler verschiedenster Fachbereiche. Und ein Ergebnis ihrer Studien sind vier Faktoren, die Menschen glücklich machen:

 

·        Wissen um die eigenen Stärken

·        Sinn erkennen in dem was man tut

·        Beziehungen zu anderen Menschen

·        Positive Gefühle wie Freude und Dankbarkeit

 

Liebe Gemeinde!

Der Glaube ist auch eine Quelle für Glück.

Die Jahreslosung aus Psalm 73 lautet: „Gott nahe zu sein ist mein Glück.“

Klingt einfach. Allerdings betet diesen Psalm ein Mensch, der zunächst alles andere als glücklich ist.

Er fühlt sich ohnmächtig und klein in dieser Welt. Er beklagt die Ungerechtigkeit Gottes. Warum haben die einen, die es eigentlich gar nicht verdient haben, alles und der fromme Rechtschaffene muss leiden? Das ist doch nicht gerecht! In derben Worten beschreibt er das vermeintliche Glück der Gottlosen.

Peter Spangenberg hat diesen Psalm so übertragen:

Überschrift: „Aber ich war ein Esel“

„ … Es hat ja keinen Sinn mehr; denn ich habe mich maßlos geärgert, weil es den Bösewichtern so gut geht.

Sie fressen sich dick und rund und werden immer reicher; sie kennen nicht die kleinen und großen Sorgen des Alltags; deshalb geben sie auch so an und meinen, sie könnten sich alles leisten. Sie machen einfach das, was ihnen in den Sinn kommt ohne jede Rücksicht auf andere.

Sie haben vor nichts mehr Ehrfurcht und schimpfen obendrein. Sie tun so als wären sie der liebe Gott und die Masse der dummen Menschen läuft ihnen noch nach.“

 

Der Mensch, der dieses Gebet spricht, ist ziemlich frustriert. Er sieht sich selbst auf der Schattenseite des Lebens. Dabei hat er sich doch alle Mühe gegeben.

Und er macht Gott dafür verantwortlich.

Das kommt mir bekannt vor. Solche Reden über die Mächtigen in Politik und Wirtschaft, die doch machen, was sie wollen. Die Banken, die Gelder verspielen, Konzerne, die billige Waren für teures Geld verkaufen und die Gewinne einstreichen.

 

Nehmen Sie doch mal die Kalenderkarte zur Hand, die ich Ihnen heute mitgebracht habe: Eine grüne Wiese überschattet von einem riesigen Kreuz. Es wirkt fast bedrohlich – wie ein Schatten über dem Glück. Lieber möchte ich auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Den bösen Schatten weiche ich lieber aus und tue alles, damit sie mich nicht einholen.

 

Anders betrachtet: Im Schwimmbad sind die Schattenplätze immer als erstes vergeben. Niemand will sich der heißen Sonne ungeschützt aussetzen. Wer im Schatten sitzt, kann die Sonne trotzdem genießen. Manchmal ist die Sonne für eine Weile angenehm, aber dann suche ich doch nach einem schattigen Plätzchen. Dieser Schatten hier hat die Form eines Kreuzes.

 

Der Psalmbeter verändert seine Hlatung.

Peter Spannenberg formuliert die Worte des Psalms weiter:

 

„Aber ich war ein Esel.

Nein, ich bleibe dir treu und du hältst mich fest, lieber Gott. Du zeigst mir den Weg, wie du es willst und sagst mir am Ende: So war es gut.

Was gehen mich die Spinnereien und die Raffgier anderer an? Hauptsache ich gehöre zu dir. Das ist auch mein ganzer Lebensinhalt;

Zu dir zu halten und mich bei dir geborgen zu fühlen. Davon soll mein Leben strahlen.“

 

Liebe Gemeinde!

„Gott nahe zu sein ist mein Glück.“

Ich komme auf die vier Faktoren des Glücks zurück.

Das Wissen um die eigenen Stärken. Dazu gehört auch das Wissen um die eigenen Schwächen. Wer sich selbst erkennt, seine Schwächen, seine Schatten annimmt und seine Stärken gut einsetzt – der ist glücklich. Weil er nicht mehr von den eigenen Schwächen ablenken muss, sondern auf seine Kraft setzt. Er ist sich bewusst, dass seine Kraft begrenzt ist.

Darum erwartete er nicht mehr von sich und anderen, als er leisten kann. Er weiß:

Nur Gott ist allmächtig.

Sinn erkennen, in dem, was man tut. Wenn ich meine Fähigkeiten so einsetzen kann, dass etwas Gutes, etwas Nützliches dabei entsteht, dann macht mich das glücklich. Der Handwerker stellt etwas her, was andere gebrauchen können. Der Lehrer vermittelt Kindern Bildung und Erziehung, mit dem sie ihr Leben meistern können. Der Landwirt bestellt das Land und erntet die Früchte, die viele ernähren. Eltern erziehen ihre Kinder und geben ihnen ein Zuhause. Menschen sorgen für andere, Menschen forschen, Menschen haben einfach Zeit füreinander. All das gibt dem Leben Sinn und macht glücklich und zufrieden.

 

Beziehungen zu anderen Menschen – die soziale Komponente unseres Lebens. Nur im Miteinander entfalten wir unsere Fähigkeiten. Allein kann niemand überleben. Für mich gehört dazu auch die Beziehung zu Gott. Mein Glaube gibt mir Vertrauen in das Leben und in die Menschen. Das macht mich dankbar und erfüllt mich mit Freude. Diese Gefühle kann niemand für sich behalten. Glücklich ist, wer seine Freude mit jemandem teilt, seine Dankbarkeit jemandem mitteilt. „Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude“

sagt ein Sprichwort.

Wem gegenüber kann ich meine Freude und meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen? Anderen Menschen gegenüber und Gott. Darum gehören Gottesdienste für mich zu den Glücksmomenten meines Lebens. Und ich stimme dem Psalmbeter zu:

„Gott nahe zu sein, das ist mein Glück.“ Oder wie Martin Luther übersetzt:

„Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setzte auf Gott, den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.“

Diese Jahreslosung macht mich glücklich. Sie eröffnet mir einen neuen Blickwinkel auf das Leben. Sie hilft mir, den Standpunkt zu wechseln. Was mir heute als Schatten der Ungerechtigkeit erscheint, mag morgen schon ein Glücksmoment sein.

Und wenn ich jetzt auf die Kalenderkarte schaue, dann erscheint mir das Schattenkreuz gar nicht mehr bedrohlich. Im Gegenteil es tröstet mich, weiß ich doch, dass ich Gott immer auf meiner Seite habe. Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsre Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 09.03.14
Versuchungen widerstehen – versuch’s doch mal
Haike Gleede
Versuchungen widerstehen – versuch’s doch mal

Heute schon versucht? Ich meine: Sind Sie heute schon versucht worden und haben Sie der Versuchung widerstehen können?

Der Versuchung heute Morgen einfach im Bett zu bleiben und nicht aufzustehn, um zum Gottesdienst zu gehen – der Versuchung haben Sie (v.a. Konfis) widerstanden!

Willkommen zum Gottesdienst. Er hat einen Namen: Invokavit: Gott selbst spricht hier in Psalm 91: „Er ruft mich an, …“.

Gott hört mein Rufen, meine Beten, mein Klagen.

Gott sagt: „Er liebt mich, darum will ich ihn erretten; er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen. Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören.“ Psalm 91,14,-15

Das ist kein Anruf über das Handy oder das Telefon – das ist ein Rufen im Herzen, ganz leise, ganz zaghaft. Es wird schnell übertönt von vielen anderen Stimmen, die uns umgeben.

Heute sind wir hier und rufen zu Gott. Er hört uns.

Es ist der erste Sonntag in der Passionszeit. Sieben Wochen vor Ostern – eine Zeit des Rufens zu Gott, eine Zeit mal andere Stimmen auszublenden und nur auf Gottes Antwort zu lauschen. In der evangelischen Kirche laden wir ein zur Fastenaktion: „7 Wochen ohne“- also sieben Wochen auf etwas zu verzichten. Das diesjährige Motto lautet: „Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten.“

 

Die biblischen Texte haben das Thema: Versuchung und was es bedeutet, ihnen zu widerstehen. Was ist das eigentlich – eine Versuchung?

Es gibt zarte und harte Versuchungen. Soll ich Schokolade essen oder schaffe ich es sieben Wochen ohne? Schaffe ich es, 7 Wochen ohne Fernsehen oder Handy auszukommen? Manche nehmen sich vor, sieben Wochen kein Plastik zu benutzen oder keinen Alkohol zu trinken oder mit dem Rauchen aufzuhören.

 

Der Predigttext führt uns in den Jakobusbrief. Hören wir mal rein, was ein Gemeindevorsteher im ersten Jahrhundert dazu sagt:

 

„Freuen darf sich, wer auf die Probe gestellt wird und sie besteht;

denn Gott wird ihm den Siegeskranz geben, das ewige Leben,

das er allen versprochen hat, die ihn lieben.“

Ich darf mich also freuen, wenn ich einer Versuchung widerstehe. Daran wachse ich, das macht mich stark und ich werde von Gott belohnt.

Es geht nicht darum Versuchungen zu vermeiden, sondern zu überwinden.

Luther sagt: „Das ist die gefährlichste Anfechtung, wenn keine Anfechtung da ist.“

Denn nur so kann ich überwinden, was mich von Gott trennt.

Wenn ich mich immer wieder dem stelle, was steht zwischen uns steht? Zwischen mir und Gott und zwischen mir und meinen Mitmenschen.

Ich kann jemanden nicht ausstehen und neide ihm seinen Erfolg.

Wie kann ich es schaffen, dem anderen von Herzen zu gönnen, was er hat und ihn einfach anzunehmen, so wie er ist.

 

Ich habe mich mit meiner Familie zerstritten und die Gräben sind so tief, dass es ausweglos scheint Brücken zu bauen.

Wie kann ich einen Weg finden zu Vergebung und einem Neuanfang?

 

Gern wird gelästert und Mobbing scheint schon fast normal zu sein in der Schule oder auch am Arbeitsplatz. Wie kann ich dem entgegenwirken, mutig aufstehen und den anderen schützen?

 

Im Jakobusbrief heißt es weiter:

„Es ist die eigene Begehrlichkeit, die den Menschen ködert und einfängt.

Wenn jemand ihr nachgibt, wird die Begehrlichkeit gleichsam schwanger und gebiert die Sünde. Und wenn die Sünde ausgewachsen ist, bringt sie den Tod hervor.“

Das ist wohl eine der härtesten Aussagen der Bibel. Aber sie ist wahr.

Die wirklichen Versuchungen gehen viel tiefer, sind existentiell und haben etwas mit meinem innersten Kern zu tun, meiner Seele, meiner Beziehung zu Gott.

Das Motto 7 Wochen ohne falsche Gewissheiten hat für mich so eine Tiefe, sie berührt mich in meinem Kern. Weg von diesen einfachen Lösungen: Das war doch schon immer so. Da kann man nichts machen. Der ist doch eh blöd, mit dem will doch keiner etwas zu tun haben.

Die ist doch selber Schuld.

Kennen Sie die Geschichte mit den „Zwei Wölfen“:

Schweigend saß der alte Indianer mit seinem Enkel am Lagerfeuer. Die Bäume standen wie

dunkle Schatten, das Feuer knackte und die Flammen züngelten in den Himmel.

Nach einer langen Weile sagte der Alte: „Manchmal fühle ich mich, als ob zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere aber ist liebevoll, sanft und mitfühlend."

„Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?", fragte der Junge.

„Der, den ich füttere", antwortete der Alte.

 

Ohne es zu wollen füttern wir den aggressiven und grausamen Wolf.

Nur all zu leicht stimmen wir ein in den Chor der Lästerer.

Ohne zu hinterfragen, stellen wir uns auf die Seite derjenigen, die das meiste versprechen.

Ohne Bedenken wählen wir den leichteren Weg.

 

7 Wochen ohne falsche Gewissheiten – das möchte ich beherzigen.

7 Wochen Zeit für neue Gedanken. Das ist wichtig für mich und mein Leben.

Darum nehme ich mir vor:

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.

Achte auf deine Worte, denn sie werden Taten.

 

Meine lieben Brüder und Schwestern, lasst euch nicht irreführen!

Lauter gute Gaben, nur vollkommene Gaben kommen von oben,

von dem Schöpfer der Gestirne. Bei ihm gibt es kein Zu- und Abnehmen des Lichtes und keine Verfinsterung.

Das ist ein ermutigendes Wort für die Fastenzeit, das da aus dem Jakobusbrief zu uns herüberweht.

Ich möchte Gott mein Herz hinhalten, mein Allerheiligstes ihm öffnen, damit er dort sein Licht anzündet und mich auf gute Gedanken bringt. Gedanken die Futter sind für den liebevollen, sanften und mitfühlenden Wolf in mir.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 16.02.14
"Was ist gerecht?"
Haike Gleede
"Was ist gerecht?"

Paulus hat es nicht leicht. Er wurde von Gott dazu berufen, das Evangelium in die Welt zu tragen. Doch nicht überall, wohin er kommt, wird er mit offenen Armen empfangen. Es gibt viele kritische Stimmen, die seine Botschaft von einem barmherzigen, liebenden Gott hinterfragen. Es gibt viele, denen er ein Dorn im Auge ist und nicht selten wird er angefeindet, sogar einige Male ins Gefängnis geworfen. Manchmal muss er Hals über Kopf aus einer Stadt fliehen, weil man ihm nach dem Leben trachtet.

Paulus hat es nicht leicht. Seine Botschaft ist zu neu, zu modern und für menschliches Denken schwer begreifbar. Allein durch den Glauben an Gott finde ich Gnade?

Gott soll Mensch geworden sein, um alle Schuld auf sich zu nehmen? Ein Gott, der am Kreuz stirbt, soll den Weg in den Himmel öffnen?

Das ist bis heute schwer zu verstehen. Kritische Stimmen gegen die Kirche und ihre Geschichte gibt es immer. Und Gott wird gern missbraucht für die eigenen Zwecke.

Hubertus Halbfas hat das in seinem Gedicht „Was man mit Gott alles machen kann“

auf den Punkt gebracht:

Man kann Gott verantwortlich machen für Hunger und Elend.
Man kann Gott leugnen, weil er sich nicht sehen lässt und Unglück nicht verhindert.
Man kann Gott mieten zu besonderen Anlässen:

Er dient der Feierlichkeit und fördert den Umsatz.
Man kann Gott nur für sich haben wollen und anderen - besonders Anders denkenden –

Gott absprechen.
Man kann Gott für die eigene Macht gebrauchen, indem man sagt,

alle Autorität komme von Gott.
Man kann im Namen Gottes Kriege führen, Menschen verdammen und töten und sagen,

das sei Gottes Wille.
Man kann mit dem Ruf "Gott will es!" Angriffe als "Kreuzzüge" tarnen und auf Soldatenuniformen "Gott mit uns" schreiben.
Das alles aber ist gott-los.

Man kann mit Gott nichts "machen", weder ihn gebrauchen noch ausnutzen,

denn Gott ist Liebe und daran hat nur Anteil,

wer diese Liebe in sich selbst groß werden lässt.
 

Paulus setzt sich mit Menschen jüdischen Glaubens auseinander.

Auch in Rom hat die jüdische Gemeinde eine starke Lobby. Sie verstehen sich als das erwählte Gottesvolk und folgen streng den Gesetzen der Thora. Darin liegt für sie der einzige Weg, Gott zu gefallen. Auge um Auge, Zahn um Zahn – das ist ihre Vorstellung von Gerechtigkeit.

Und nun kommt dieser abtrünnige Paulus und verkündet Gottes Barmherzigkeit. Jesus habe das Gesetz erfüllt und alle Menschen sind frei, weil Gott alle gleichermaßen liebt? Alle Menschen, auch die Griechen und die Heiden? Sie empfinden dies als Verrat an ihrem Volk, fühlen sich um ihre besondere Stellung Gott gegenüber betrogen. Das kann und darf nicht sein. Gott soll Sünder lieben?

Und doch ist es so – mit Jesus Christus hat Gott etwas völlig Neues begonnen, das alle Menschen der Welt einbezieht. Gott setzt dich in Bewegung, appelliert an deine Menschlichkeit, rührt dein Herzen an. Seine Gerechtigkeit übersteigt alle deine Vorstellungen.

Doch das wollen die Juden in Rom nicht einsehen. Sie beharren darauf, Gottes Volk zu sein und beschuldigen Paulus der Gotteslästerung.

Paulus schreibt daraufhin in seinem Brief an die römische Gemeinde, die  sich diesen Vorwürfen stellen  will:

 

„Ist Gott ungerecht ? Keineswegs! Er sagte ja zu Mose :

»Es liegt in meiner freien Entscheidung, wem ich meine Gnade erweise;

es ist allein meine Sache, wem ich mein Erbarmen schenke.»

Es kommt also nicht auf den Willen und die Anstrengung des Menschen an,

sondern einzig auf Gott und sein Erbarmen.!“(Röm 9, 14-16)

 

Mose war alles andere als ein tadelloser, frommer Hebräer. Er war ja am Hofe des Pharao aufgewachsen. Das machte ihn nicht besonders beliebt bei seinen Landsleuten, die als Sklaven in Ägypten schufteten. Außerdem machte er sich des Totschlags schuldig und musste in die Wüste fliehen. Dennoch wählte Gott Mose aus, das Volk Israel aus der Ägypten zu befreien und mit dem Pharao zu verhandeln. Aber der bleibt hart.

Zu ihm sagte Gott:

»Nur deshalb habe ich dich als König eingesetzt, um an dir meine Überlegenheit zu beweisen und meinen Namen in der ganzen Welt bekannt zu machen.« (Röm 9, 17)

 

Gott schenkt also seine Barmherzigkeit, wem er will, aber er macht Menschen auch hart und unbarmherzig, wenn er es will. Wenn Gott Herzen öffnet oder Herzen verschließt, dann liegt es doch gar nicht bei mir oder? Dann bin ich doch Gottes Gnade vollkommen ausgeliefert!

Paulus weiß um die Brisanz und fährt darum folgendermaßen fort:

 

„Vielleicht wird mir jemand entgegenhalten:

»Warum zieht uns dann Gott für unser Tun zur Rechenschaft?

Wenn er bestimmt, dann kann doch niemand dagegen ankommen!« (Röm 9, 17)

 

Diese Fragen beschäftigen Menschen seit Anbeginn der Welt:

Warum kann Gott das zulassen? Ist Gott gerecht?

Aber sind das die Fragen, die uns weiterbringen? Nein!

Wir können diese Fragen nicht beantworten, weil wir uns nur in unserem begrenzten und bescheidenen Gedankengebäude bewegen können. Wir können nur in menschlichen Dimensionen denken, Gott hingegen ist ewig, unbegrenzt und allmächtig.

 

Manchmal kommen sie mir diese Fragen nach Gottes Gerechtigkeit wie Ausreden vor. Um sich nicht mit sich Selbst auseinanderzusetzen. Warum lebe ich, warum gibt es mich, an diesem bestimmten Ort zu dieser bestimmten Zeit? Echter Glaube führt zu sich selbst und zu Gott. Das ist natürlich ein Weg, auf den ich mich einlassen muss. Kein leichter Weg.

Darum hadern wir lieber mit Gott und zweifeln an seiner Barmherzigkeit. Damit ist die Sache erledigt. Wir können uns zurücklehnen und unser Nichtstun rechtfertigen:

Ich kann ja doch nichts ändern. Gott macht, was er will. Darum sorge ich nur noch für mich und alles andere  ist nicht meine Sache.

 

Paulus bringt die menschliche Hochmut auf den Punkt.

„Du Mensch, vergiss nicht, wer du bist!

Du kannst dir doch nicht herausnehmen, Gott zu kritisieren!

Sagt vielleicht ein Gebilde aus Ton zu seinem Bildner: »Warum hast du mich so gemacht?«

Und hat ein Töpfer nicht das Recht, aus einem Tonklumpen zwei ganz verschiedene Gefäße zu machen: eines, das auf der Festtafel zu Ehren kommt, und ein anderes als Behälter für den Abfall?“ (Röm 9, 20-21)

Wir werden Gottes Gedanken und Pläne niemals nachvollziehen können.

Das müssen wir nicht, wenn wir darauf Vertrauen, dass es gute, heilsame Pläne sind, liebevolle und gütige Gedanken sind. Glauben heißt vertrauen, dass Gott mir zur rechten Zeit offenbaren wird, was er von mir erwartet.

„So handelt er, damit er an den Gefäßen seines Erbarmens zeigen kann, wie unerschöpflich reich seine Herrlichkeit ist – an ihnen, die er im Voraus zum Leben in seiner Herrlichkeit bestimmt hat.“

 

Die alttestamentlichen Geschichten stellen uns einen Gott vor, der scheinbar willkürlich handelt, der manchmal zornig ist und straft.

All das ist mit Jesus zuende. Mit ihm beginnt eine ganz neue Gottesbeziehung, mit ihm ändert sich das Verhältnis zwischen Gott und Mensch grundlegend. Die Barmherzigkeit und die Liebe bestimmen es. Gottes große Gerechtigkeit ist eine völlig andere Gerechtigkeit als wir sie nach unseren menschlichen Maßstäben erstreben.

Jeder ist ein Teil davon und es wird niemand gefragt, woher er kommt, was er geleistet hat oder wieviel er geben kann. Einzig und allein der Glaube und der ehrliche Wille zählen.

Wir sind Gefäße von Gott geschaffen. Er füllt uns mit seiner Barmherzigkeit.

„ denn Gott ist Liebe und daran hat nur Anteil, wer diese Liebe in sich selbst groß werden läßt.“ (H. Halbfas)

Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 02.02.14
"Meine Augen haben den Heiland gesehen…
Haike Gleede
"Meine Augen haben den Heiland gesehen!"

Liebe Gemeinde!

Sonntags feiern wir Gottesdienst. Menschen aus unserer Gemeinde und der Region kommen zusammen im Namen Gottes. Sie hören Gottes Wort und bringen in Liedern und Gebeten ihren Glauben zur Sprache. Am Ende gehen sie gesegnet und vielleicht mit einem neuen Gedanken oder Impuls für ihr Leben nach Hause. Und sie nehmen hoffentlich ein warmes Gefühl im Herzen mit.

Und heute haben wir ein Kind getauft. Dazu sind Sie, liebe Familie Leseberg in den Gottesdienst gekommen.

Kinder haben eine besondere Anziehungskraft. Wenn sie lachen oder weinen, spielen oder etwas brabbeln- dann haben sie unsere ganze Aufmerksamkeit.

Strahlenden Kinderaugen kann keiner widerstehen. Und es ist schön, wenn Kinder da sind, dann erhellen sich die Gemüter und öffnen sich die Herzen.

Heute ist ein besonderer Tag im Kirchenjahr, der 2. Februar. Wir denken an die „Darstellung des Herrn“.

Es ist der Tag, an dem Maria und Josef den neugeborenen Jesus zum ersten Mal in den Tempel brachten. Das war damals so üblich. Nach den Vorschriften des Alten Testaments gilt eine Frau 40 Tage nach der Geburt eines Sohnes und 80 Tage nach der Geburt einer Tochter als unrein. Sie muss danach ein Schaf oder eine Taube dem Priester als Reinigungsopfer übergeben. Außerdem bringen die Eltern ihr Kind in den Tempel, um es Gott zu weihen, ihm darzustellen, zu zeigen. Sie danken Gott für dieses Kind im Bewusstsein: Wir wissen, dass dieses Kind dir gehört, Gott. Du hast es uns anvertraut.

Am selben Tag, als Maria und Josef mit Jesus in den Tempel gehen, besucht auch ein alter Mann in den Gottesdienst. Sein Name ist Simeon. Im Gotteshaus kennt er sich aus. Gottes Wort kennt er in- und auswendig. Er hat schon viel gesehen. Viel erwartet er nicht mehr vom Leben. Aber einen Traum hat er noch:

Er wartet auf den Messias. Im Gebet hat Gott ihm versprochen, dass er ihn noch sehen wird. An diesem Tag kommt Simeon in den Tempel, weil Gottes Geist ihn dazu bewegt. Und im Gotteshaus sieht er unter den vielen Menschen dieses eine Kind.

Alle anderen sehen nichts, verstehen nichts – eine Familie mit einem Säugling, nichts Aufregendes. So gehen viele durch das Leben und erwarten nichts.

Simeon ist im besten Sinne alters-weitsichtig. Er schaut weiter. Er erkennt in dem Säugling auf Marias Armen den versprochenen Heiland. In diesem Kind leuchtet Gott auf. Er ist das Licht der Welt. Er erkennt ihn, weil es nichts gibt, was seinen Blick verstellt. All die Bilder und Eindrücke ringsum lenken ihn nicht ab. Er ist mit seinen Gedanken nicht woanders. Er ist ganz da – im gegenwärtigen Moment. Er hat den Blick für das Wesentliche. Er erkennt ihn sofort.

Glücklich geht Simeon auf das Paar zu und nimmt das Kind in seine Arme: Er betet:

„Herr nun kann ich in Frieden sterben, denn du hast dein Versprechen eingelöst. Mit eigenen Augen habe ich es gesehen: Du hast dein rettendes Werk begonnen, und alle Welt wird es erfahren. Allen Völkern sendest du das Licht.“

Ein ergreifendes Bild: ein alter Mensch hält ein neugeborenes in den Armen. Wenn Großeltern oder gar Urgroßeltern ein kleines Kind in den Armen halten, verstehen sich beide ohne Worte und auf geheime Weise. Sie sind weit auseinander und doch ganz nah. Wenn wir in das Gesicht eines Neugeborenen schauen, dann sieht es manchmal aus wie ein alter weiser Mensch. Anfang und Ende begegnen sich, Jung und Alt, Himmel und Erde.

Von Jesus wird es später heißen: Er ist das A und das O, der Anfang und das Ende.

Daneben die erstaunten Eltern. Sie spüren, dass hier etwas Außergewöhnliches geschieht.

„Sie wunderten sich“, heißt es im Bibeltext. Das ist wichtig, dass wir noch staunen können. Was, wenn nicht die Geburt eines Kindes, bringt uns zum Staunen? Sie führt uns das Wunder des Lebens vor Augen! Die Eltern haben das Kind bekommen, bei ihnen liegt die Verantwortung. Sie geben dem Kind ein Zuhause, ziehen es groß, schenken ihm Geborgenheit und ihre ganze Liebe. Und in diesem Moment als Simeon das Kind voller innerer Zufriedenheit betrachtet und es segnet, sind sie selbst in ihrem tiefsten Inneren bewegt. Ja, ihr Kind ist etwas Besonderes.

Jedes Kind, das das Licht der Welt erblickt, ist etwas Besonderes, einmalig und von Gott ins Leben gerufen. Diese Botschaft bringen sie mit, die kleinen. In der Beziehung zu den Eltern und Großeltern entfaltet sich die ganze Tragweite des Lebens.

Gottes Liebe leuchtet auf zwischen den Generationen.

Dieses Licht wahrzunehmen – das bringt Menschen mit Gott in Berührung.

Heute feiern wir das, diese Begegnung. Ganz früher in den ersten Jahrhunderten des Christentums hieß dieser Tag: „Fest der Begegnung“. Die katholische Kirche feiert heute Mariä Lichtmess mit einer Lichterprozession. In der evangelischen Kirche wird diese Begegnung zwischen Jesus und Simeon in den Mittelpunkt gestellt. Dabei spielt auch das Licht eine große Rolle.

Ich wünsche mir, dass wir heute von Gottes Geist bewegt nach Hause gehen. Als gesegnete Gottes tragen wir sein Licht im Herzen.

Es möge unsere Wege erleuchten, unsere Gedanken erhellen und unsre Herzen wärmen. Und Es möge uns gute Begegnungen schenken und den Blick für das, was wirklich zählt, öffnen.

Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 19.01.14
Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer
Haike Gleede
Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer

Stellt euch vor, Ihr wollt ein Schiff bauen, was braucht ihr dafür?

 

„Wenn du ein Schiff bauen willst,
so trommle nicht Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen;
sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Liebe Gemeinde!

Dieses Zitat stammt von dem Autoren des kleinen Prinzen, Antoine de Saint-Exupéry . Dahinter steht die Erkenntnis, dass eine Vision, eine Sehnsucht die Menschen begeistert an einer Sache arbeiten lässt. Darum motivieren einige Unternehmen ihre Mitarbeiter mit diesem Spruch. Wer ein Ziel vor Augen hat, macht sich auf den Weg. Wer einen Traum teilt, wird begeisterte Mitstreiter finden, die an der Verwirklichung mitarbeiten.

Menschen brauchen Bilder. Eine Vorstellung von dem, wofür sie ihre Kraft einsetzen.

Weihnachten ist auch so eine Sehnsucht. Wir sehen die Bilder vor uns: der geschmückte Baum erstrahlt ins einem Glanz, das gute Essen, die Familie kommt zusammen und der feierliche Gottesdienst berührt uns. Dieses Fest bereiten wir gerne vor, und scheuen weder Kosten noch Mühe.

Im Kirchenjahr erleben wir gerade die Epiphaniaszeit. Sie gehört noch in den Weihnachtsfestkreis. Epiphanie heißt Erscheinung. Gottesbilder leuchten auf. Gott ist da- er ist hier auf der Erde. Unsere Aufmerksamkeit ist gefragt, die Lichtzeichen zu erkennen.

Jesu Erscheinen auf dieser Erde ist mit dem Weihnachtsfest nicht vorbei. Die Krippe wieder schön verpackt  und damit ist alles vorbei. Sein Licht erleuchtet unsere Wege. Die Bilder aus seinem Leben begleiten uns durch das Jahr. Sie erzählen von Gott, der die Nähe der Menschen sucht.

Aber diese Zeit am Jahresanfang ist auch eine müde Zeit. Denn manchmal überwiegt trotz allem die Dunkelheit. Manchmal holt mich die Müdigkeit ein.

Ich meine jetzt nicht die Müdigkeit nach einem erfüllten Tag: Ich habe gearbeitet, meine Familie versorgt, den Einkauf erledigt. Ich habe viel von dem geschafft, was ich mir vorgenommen habe. Abends falle ich erschöpft ins Bett.

Ich meine diese bleierne Müdigkeit. Schon am Morgen fühle ich mich müde und habe keine Lust etwas zu tun. Schon das Aufstehen fällt mir schwer, die Arbeit steht wie ein großer Berg vor meinen Augen – ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Es hat doch alles keinen Sinn.

Viele Menschen klagen, wie erschöpft sie sind. Sie kommen an ihre Grenzen:

Ich kann nicht mehr. Ich habe alles gegeben- und doch ist längst nicht alles getan.

Wozu mache das eigentlich? Wozu brauche ich das alles?

Kann ich nicht einfach stehenbleiben und nichts tun?

Solche Müdigkeit lähmt.

Und dann gibt es auch diese satte Müdigkeit nach gutem Essen und einem mehr als genug.

Die Wohlstandsmüdigkeit, die weit verbreitet ist: Ich habe doch alles, wozu soll ich mich noch anstrengen. Gott? Wozu brauche ich den – mir geht es gut.

Nicht nur der Körper wird träge, sondern auch die Seele.

Und es gibt schwere Zeiten, die Menschen belasten.

Plötzlich wird jemand krank – und keine Heilung in Sicht.

Der Tod reißt eine Lücke in das Leben. Alles erscheint nur noch traurig und schwarz.

Eine Trennung kostet Kraft und schmerzt.

In solchen Zeiten fühlen wir uns hilflos und ohnmächtig.  

Die Träume liegen unter einem düsteren Schleier, die Zukunft scheint wie ein schwarzes Loch, das uns zu verschlingen droht.

 

„Wenn du ein Schiff bauen willst,
so trommle nicht Leute zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen;
sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Wie wecke ich diese Sehnsucht, wenn die Menschen ausgelaugt, erschöpft und am Ende sind?

Die Christen in Rom waren in solch einer Verfassung, als sie einen Brief bekommen aus Alexandrien. Darin geht es um so eine ermutigende Vision.

Der Verfasser des Briefes ist ein gebildeter Christ, der sich gut in der jüdischen Tradition auskennt. Er lebt in Alexandrien. Dorthin waren einst etliche Christen aus Rom abgewandert. Denn die Römer waren den Christen nicht wohlgesonnen. Die Gemeindeglieder waren müde geworden. Verfolgt, verspottet und immer wieder gedemütigt wegen ihres Glaubens. Wann kommt Jesus und zeigt seine Macht?

Er sollte doch bald kommen – wie lange sollen wir noch warten?

Der Schreiber des Briefes ermutigt: Jesus ist bei euch. In seinem Namen versammelt ihr euch. Und nun schließt die Augen und stellt euch vor:

„Ihr seid zum Berg Zion gekommen und zur Stadt des lebendigen Gottes. Diese Stadt ist das himmlische Jerusalem mit seinen vielen tausend Engeln. Ihr seid zu einer festlichen Versammlung gekommen, zur Gemeinde von Gottes erstgeborenen Söhnen und Töchtern, deren Namen im Himmel geschrieben sind.“

Ihr feiert einen himmlischer Gottesdienst, ein Freudenfest in Gottes Gegenwart.

Was für ein Traum! Aber so weit weg. Der Verfasser des Hebräerbriefes ist überzeugt:

Dieser Traum ist ganz nah. Ihr seid schon mitten drin. Ihr gehört schon heute zu dieser heiligen Versammlung, zu denen, deren Namen im Himmel geschrieben sind.

Träumt nicht euer Leben sondern lebt euren Traum! Lebt euren Glauben!

„Macht die erschlafften Hände wieder stark, die zitternde Knie wieder fest!

Geht auf rechten Wegen, damit die lahm gewordenen Füße nicht auch noch verrenkt, sondern wieder heil werden! Bemüht euch um Frieden mit allen in der Gemeinde und darum, dass ihr heilig seid und euer ganzes Leben Gott gehört!“

So einen Traum brauchen alle, die müde geworden sind. Die das Leben satt haben und an Gott zweifeln. Ich erlebe das oft – auch in der Kirche. Menschen kommen an ihre Grenzen und verlieren das Ziel aus den Augen. Das Leben hat ihnen übel mitgespielt – sie nenne es Schicksal und geben sich auf. Oder sie haben sich verzettelt in den vielen kleinen und großen Ansprüchen an das Leben. Oder sie sind einfach satt und träge geworden.

Der Verfasser des Hebräerbriefs ermutigt die müden Christen:

Wenn du müde bist und träge, dann such dir eine Aufgabe, dann folge einer Vision. Wenn die anderen dir zusetzen, dann mach Frieden mit ihnen. Folge der Spur deiner Träume!

Mach dich auf den Weg! Niemand sagt, dass das Leben leicht ist. Darum sei Aufmerksam auf die Lichtzeichen am Weg. Sie geben dir Hoffnung und machen dir Mut.

 

Xavier Naidoo singt über den Lebensweg:

Dieser Weg wird kein leichter sein
Dieser Weg wird steinig und schwer
Nicht mit vielen wirst du dir einig sein
Doch dieses Leben bietet so viel mehr

Es war nur ein kleiner Augenblick
Einen Moment war ich nicht da
Danach ging ich einen kleinen Schritt
Und dann wurde es mir klar

Dieser Weg wird kein leichter sein
Dieser Weg wird steinig und schwer
Nicht mit vielen wirst du dir einig sein
Doch dieses Leben bietet so viel mehr

Manche treten dich
Manche lieben dich
Manche geben sich für dich auf
Manche segnen dich
Setz dein Segel nicht,
Wenn der Wind das Meer aufbraust

Dieser Weg wird kein leichter sein
Dieser Weg wird steinig und schwer
Nicht mit vielen wirst du dir einig sein
Doch dieses Leben bietet so viel mehr

 

Dieser Weg wird kein leichter sein. Eine Erkenntnis, die jede wohl schon mal für sich formuliert hat.

Der Weg ist noch nicht das Ziel. Das Ziel bestimmt aber schon den Weg.

Es ist ein steiniger Weg – bis eine Prüfung geschafft ist, bis ich ein bisschen Geld zurückgelegt habe, bis zwei, die sich getrennt haben, einander verzeihen können. Es ist ein steiniger Weg oft durch Schmerz und Trauer. So viele Fragen bleiben unbeantwortet.

Aber manchmal bricht die Freude durch. Feste prägen unseren Lebensweg, Feste auf die wir uns freuen. Freundschaften erweisen sich als wahr und tragend, Gemeinschaft entsteht und ein Traum wird wahr. Das sind die Momente, wo wir Jetzt schon Gottes Gegenwart mitten in unserem Leben spüren können. Momente, die die müden Hände wieder stark machen und die zitternden Knie fest.

Die Jahreslosung passt dazu: „Gott nahe zu sein, ist mein Glück. (Psalm 73,28)

Es geht nicht um eine Vision jenseits dieses Lebens. Es geht um dieses Leben, hier und heute.

Jesus verwandelte auf einer Hochzeit Wasser in Wein, damit das Fest weitergehen konnte. Keiner sollte enttäuscht nach Hause gehen. Damit setzte er ein Zeichen. Gott ist da. Ich bin bei euch gerade da, wo ihr zu scheitern droht.

Damit wir körperlich und geistig in Bewegung bleiben, brauchen wir Visionen, die uns motivieren.

Wir brauchen Ziele, und die uns vorwärtsgehen lassen und wir brauchen Träume, die unsere Sehnsucht wecken – in unserer Kirche, in unserer Gesellschaft und in unsrem Leben.

Stellt euch vor: Ihr feiert einen himmlischen Gottesdienst, ein Freudenfest in Gottes Gegenwart. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Do. 26.12.13
Freier Zutritt zum Allerheiligsten
Haike Gleede
Freier Zutritt zum Allerheiligsten

Liebe Gemeinde!

Stellen Sie sich vor, der Altarraum wäre mit einem Vorhang verschlossen.

Es ist strengstens verboten auch nur einen Blick dahinter zu wagen, geschweige denn den Vorhang zu öffnen. Nur einmal im Jahr käme der Landesbischof, um dahinter bestimmte Rituale auszuführen, damit Gott uns unseren Sünden vergibt.

Wie fänden Sie das?

 

Im Jerusalemer Tempel war es genau so: Er bestand aus zwei Räumen. Im großen Hauptraum feierte der Priester mit der Gemeinde Israels den Gottesdienst. Hinter dem Tempelsaal durch einen Vorhang abgetrennt befand sich das Allerheiligste. Da wohnte der Name Gottes. Nur einmal im Jahr ging der Hohepriester da hinein, um das Volk durch ein blutiges Opfer mit Gott zu versöhnen. Der Vorhang ist ein Zeichen der Abtrennung – Gott ist unnahbar. Er ist nicht von dieser Welt.

 

Wenn wir Gottesdienst feiern, ist der Altarraum selten mit einem Vorhang verhängt. Obwohl an Heilig Abend – da war der Altar nicht zu sehen. Er war verhängt mit einem Vorhang, mit der Kulisse für das Krippenspiel.

Dahinter verschwanden Maria und Josef – und alle Gottesdienstbesucher wussten natürlich, was sich dahinter verbirgt. Als der Vorhang geöffnet wurde, erschien das vertraute Bild: Maria, Josef und das Kind in der Krippe.

Dieses Bild wurde zu unserem Weihnachtlichen Altar. So kennen wir es von Kindheit an.

 

Das Symbol des Vorhangs hat viele Künstler beschäftigt. Und ein Kunstwerk von Rembrandt habe ich heute mitgebracht.

Eine Klapp-Karte, vorne ist ein Vorhang abgebildet. Es heißt: „Die Heilige Familie mit dem Vorhang“. 1646 hat er es gemalt.

Was mag sich dahinter wohl verbergen? Raten lassen,

Vorhang auf! dann Karten verteilen

Aus der Krippe hat er eine Wiege gemacht, aus dem Stall ein Zimmer. Wir sehen die Mutter mit dem Kind, ein wärmendes Feuer, davor eine Schüssel, vielleicht mit einem Rest Brei für die Katze, die sich behaglich zusammenkauert.

Sobald wir uns an die Dunkelheit gewöhnt haben, sehen wir noch mehr. Rechts hinten erkennen wir einen Mann, der Holz hackt. Ein trautes Bild, ganz alltäglich. Nichts weist darauf hin, dass es sich hier um die heilige Familie handelt. Rembrandt stellt Maria, Josef und das Kind als ganz normale Familie dar. Ursprünglich hieß sein Bild „Die Holzhackerfamilie“.

Gott kommt zu uns, wird menschlich und verwechselbar.

An Weihnachten durchbricht Gott die Trennung zwischen seiner himmlischen Wohnung und unserer Welt.

Rembrandts Bild ist dennoch in zwei Räume eingeteilt: das Bild ist wie eine Guckkastenbühne gestaltet. Wir sitzen im Zuschauerraum und betrachten die heilige Familie auf der Bühne.

Aber es agieren Menschen wie du und ich. Gott hat sich eine irdische Kulisse gesucht und Menschen, um sich uns zu offenbaren.

Gott ist da, wo Menschen arbeiten, ihre Kinder großziehen und sich am Feuer wärmen.

Das Allerheiligste ist kein Sonderbereich mehr, der Gott und Menschen trennt. Gott ist mitten drin in unserem Leben. Da wo ich jetzt gerade lebe, wohne, mein Kind herze, Feuer mache oder Essen zubereite, die Katze versorge oder Holz hacke – da ist Gott. Das Leben ist heilig. Gott sagt. Du sollst mein Allerheiligstes sein.

Wo ich lebe, liebe, arbeite, lache und weine, da wohnt Gott. Jesus hat den Vorhang geöffnet. Bei seiner Kreuzigung, so berichtete es Matthäus: „Da zerriss der Vorhang vor dem Allerheiligsten im Tempel in zwei Stücke von oben an bis unten.“ Mt 27, 51

Was das bedeutet, schreibt ein Theologe und Gemeindevorsteher des 1. Jahrhunderts nach Christus an die Christen seiner Zeit:

 

Hebräer 10, 19-24

Liebe Brüder und Schwestern! Wir haben also freien Zutritt zum Allerheiligsten! Jesus hat sein Blut geopfert und uns den Weg durch den Vorhang hindurch frei gemacht, diesen neuen Weg, der zum Leben führt. Der »Vorhang« aber, das ist er selbst, so wie er in einem irdischen Leib gelebt hat.

Wir haben also einen ganz unvergleichlichen Obersten Priester, der über das Haus Gottes gesetzt ist.

Darum wollen wir vor Gott hintreten mit offenem Herzen und in festem Glauben; unser Gewissen wurde ja von aller Schuld gereinigt und unser Leib in reinem Wasser gewaschen.

Wir wollen an der Hoffnung festhalten, zu der wir uns bekennen, und wollen nicht schwanken; denn Gott, der die Zusagen gegeben hat, steht zu seinem Wort.

Und wir wollen aufeinander Acht geben und uns gegenseitig zur Liebe und zu guten Taten anspornen.

 

Wir brauchen kein Allerheiligstes mehr, das niemand je betreten darf. Gott wurde Mensch. Seitdem können wir ihn auch nicht aus unserem Leben verbannen. Denn er lebt in unseren Herzen. Er sich uns zu eigen gemacht, uns einen Funken von seinem göttlichen Licht geschenkt. Das ist unser Lebenslicht. Und darum treten wir mit offenen Herzen und festem Glauben vor den Altar Gottes. Weihnachten verwandelt er sich in eine Krippe, aber wir wissen, dass dahinter auf dem Altar das Kreuz steht. Es verbindet uns mit Gott.

Zu ihm beten wir:

Herr, du kennst mich.

Du kennst die Vergangenheit, aus der ich komme.

Du kennst die Zukunft, in die ich gehe.

Du kennst den Lauf der Welt, unsere wunderbaren Fähigkeiten und unsere Grausamkeiten.

Du kennst die Sehnsucht nach Frieden auf der Welt.

Immer bist du bei mir, so fern ich auch manchmal von dir bin.

Sende deinen Frieden, o Herr, der vollkommen und ewig ist, damit unsere Seelen Frieden ausstrahlen mögen. (nach Franz von Sales).

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Chor: Wißt ihr noch wie es geschehen

 

Bildunterschrift: Hebräer 6, 19 -20

19 Diese Hoffnung ist für uns wie ein sicherer und fester Anker, der hineinreicht bis ins innerste Heiligtum, in das Allerheiligste hinter dem Vorhang im himmlischen Tempel.

Dorthin ist Jesus uns vorausgegangen, um uns den Weg zu bereiten; denn so wurde er zum Obersten Priester.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Mi. 25.12.13
Wie aus einem Spion ein Engel werden kann
Haike Gleede
Wie aus einem Spion ein Engel werden kann

„Du gehst!“ Noch immer spürte Joram die scharfen Worte des Königs:

„Du geht’s, Joram! Du stammst aus Bethlehem und kennst dich in dem Nest aus.“

„Ja, zu Befehl, ehrwürdiger Herodes.“

Ein seltsamer Befehl. Nur nicht darüber nachdenken. Nur nicht widersprechen. Gehorsam wird immer belohnt.

Joram zog die schwere Soldatenuniform aus und seinen alten Hirtenmantel an.

Schon lange hat er ihn nicht mehr getragen. Seit er von zuhause weg ist.

Herodes braucht Soldaten`, hatte sein Vater gesagt. Das ist ein sicherer Job. Soldaten werden immer gebraucht. Wer will schon Schafhirte sein? Das hat keine Zukunft.´

Und so ist er damals weggegangen von Zuhause. Weg von seinen Eltern, seinen Freunden, seinem Dorf. Und weg von Laila. Ja, Laila, ihm wurde plötzlich heiß und kalt zugleich.

Wie sehr hatte sie auf ihn eingeredet:

„Tu es nicht, Joram. Bleib hier. Bleib bei deinen Eltern, bei den Schafen. Als Soldat wirst du sterben. Bitte bleib bei mir, Joram. Ich will auch deine Frau werden!“

Aber Joram ging weg. Soldaten sind Helden. Und als Held komme ich eines Tages zurück. Eines Tages…

Zur Beerdigung seines Vaters durfte er nicht. Ausgangssperre. Als seine Mutter starb, kämpfte er jenseits des Jordan.

Und Laila?

Seltsam, dachte Joram. Wieso kommen mir gerade jetzt diese alten Gedanken und Gefühle?

Nur weil ich in Bethlehem diesen Geheimauftrag des Königs ausführen muss?

Er zeigte der Wache am Stadttor die Tontafel mit dem Siegel des Königs. Er wurde durchgelassen. In den letzten Strahlen der Abendsonne konnte er die ersten Häuser erkennen. Er bog in einen Olivenhain ein und band seinen Esel fest. Zu Fuß ging er weiter.

Immer wieder blickte er sich um. Hier war keine Menschenseele.

Dort hinter dem kleinen Hügel, war die Herberge von Bethlehem.

Hier musste er als Kind für seinen Vater oft Wein holen.

Joram schlich sich von hinten an die Herberge heran. Dort waren früher immer die Reittiere der Gäste angebunden. Tatsächlich da standen sie. Herodes hatte die Kamele mit ihren bestickten Sätteln genau beschrieben. Ja, sie sind hier eingekehrt. Volltreffer!

Herodes wird stolz auf mich sein. Teil 1 des Befehles ausgeführt: Den Fremden unerkannt nach Bethlehem folgen. Aufenthaltsort auskundschaften.

Nun war der 2. Teil dran: Ein neugeborenes Kind finden. Sofort nach Jerusalem zurückkehren und Meldung machen.

Ein neugeborenes Kind? Was will Herodes mit einem neugeborenen Kind?

Nicht nachdenken. Befehl ausführen.

Bestimmt haben die Fremden etwas mit dem Kind zu tun. Die sind in der Herberge.

Wie komme ich unerkannt hinein?

Inzwischen war es finstere Nacht. Joram dachte nach, ihm fiel der Weg aus der Kindheit wieder ein. Durch den Stall.

Vorsichtig schlich er Richtung Stalltür. Sie war geschlossen. Er wollte sie gerade aufziehen, da sprang sie plötzlich von allein auf und knallte ihm mit voller Wucht gegen den Kopf.

Er sah nur noch Sterne. Dann nichts mehr.

 

Lied: 40, 1-2 Dies ist die Nacht

 

Jorams Kopf schmerzte, als er seine Augen langsam öffnete.

Hell und warm war es und es roch nach Stall.

Bevor er sich erheben konnte, spürte er einen zarten Kuss auf seinen Lippen.

„Ich habe es gewusst, ich hab es immer gewusst:

Du kommst irgendwann doch nach Hause zu mir, Joram.“

„Laila!“ Ihm versagte die Sprache. Neben ihm kniete Laila, um Jahre älter und noch schöner als damals vor 10 Jahren.

Zärtlich strich sie ihm über die Haare. So hatte sie es früher oft getan. Wie gut das tat.

Joram sah sich im Stall um. Ein junges Paar kniete vor einer Futterkrippe.

Ein kleines Kind lag dort in Windeln gewickelt.

Das musste es sein. Das von Herodes gesuchte Kind!

Und dort. Die Fremden waren auch hier. Alles passte.

Nun schnell zurück zu Herodes. Befehl ist Befehl.

 

„Gott hat dich zu uns geschickt, nicht wahr?“ Die junge Mutter sprach ihn plötzlich an.

Gott? Sollte Joram etwa die Wahrheit sagen? Das wäre Verrat gewesen. Der sichere Tod.

Die Frau schaute ihn freundlich an. „Und, was hast du für eine Botschaft an uns?“

Botschaft? Joram verstand gar nichts mehr. Musste wohl an seiner Beule am Kopf liegen.

„Los, Joram“, Laila schaute ihn mit großen Augen an, „sag schon. Wir sagen auch nichts weiter.“

Alle nickten. Auch die Fremden.

Bei Feindberührung zum Schein kooperieren. So hatte Joram es in der Militärausbildung gelernt.

„Ja, also, der König Herodes hat großes Interesse an eurem Kind. Und an euch Fremden.“

„Danke, dass du uns diese Warnung bringst, Joram. Wir hatten gleich kein gutes Gefühl, als wir bei Herodes waren, “ sprachen die Fremden.

Wir ziehen auf einem anderen Weg zurück in unser Land.“

Warnung? Joram verstand die Welt nicht mehr. Doch Laila lachte ihn an:

„Gott hat dich als Engel geschickt.“

Erst einige Tage später, als er gemeinsam mit Laila Maria und Josef mit ihrem Kind auf seinem Esel über die ägyptische Grenze brachte, fiel es wie Schuppen von seinen Augen:

„Ich bin im Auftrag Gottes unterwegs. Er ist sogar der Herr über die Befehle des Herodes! Ob der das jemals erfahren wird?“

 

Liebe Gemeinde!

Herodes galt als grausamer Herrscher. Er schreckte vor nichts zurück und setze all seine Macht ein, um diesen neuen König zu vernichten. Aber Gottes Macht wirkt anders, er verändert Menschen. So wird aus einem Spion ein Engel, aus einem Soldaten, der seinen Befehl ausführt, ein Verbündeter Gottes.

Das ist die Botschaft von Weihnachten. Gott schenkt sich uns, er offenbart uns seine unzerstörbare Liebe. Dieses Geschenk kann mit Gewalt nicht zerstört werden und es kann auch nicht mit Geld bezahlt werden. Durch das Kind in der Krippe finden wir Gott oder findet Gott uns? Ja er findet uns und er verwandelt uns.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Di. 24.12.13
Christmette
Haike Gleede
Christmette

Begrüßung (Haike) Pult

Stern über Bethlehem, winke mich zu dir heran,

damit ich keine Zeit mehr damit verschwende, die falschen Zeile zu verfolgen.

Mögen sich meine Wege danach richten,

was du mir in dieser Nacht in mein Herz flüsterst.

 

Herzlich willkommen zu dieser nächtlichen Stunde am Heiligen Abend.

Nachdem der Trubel sich gelegt hat und die Hektik von uns abgefallen ist,

lassen wir uns ein auf das, was Gott uns heute Nacht sagen will.

Vorbereitet haben diesen Gottesdienst: Daniela Köster, Susanne Cordes und

Hans Rudolf Wahl. Musikalisch begleiten uns Alexander und Swetlana Kinderknecht.

Und Sarah Dewi Hadinoto wird uns einige Sologesänge präsentieren.

 

Sarah: Have yourself

 

Gebet: (Haike) Altar

Liebender Gott,

Wir feiern Weihnachten,

das Fest der Geburt Jesu.

Er hat gesagt:

Ich bin das Licht der Welt.

Das Licht scheint in der Finsternis.

Wir brauchen Zeit, viel Zeit,

um zu ermessen, was das bedeutet:

Wir bitten dich, Gott:

schenke uns Zeit zur Besinnung.

Hilf uns hören,

hilf uns feiern.

Lass es licht werden,

in unseren Herzen und in unserer Welt,

durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder.

 

Lied: 13, 1-3 Tochter Zion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lesung Lukas2, 1-7 (Haike) Pult

 

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.

Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.

Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Amen.

 

Sarah: Es ist ein Ros entsprungen

 

Inszenierte Geschichte „Der reiche Mann und der arme Mann“

 

Erzähler/in 1: (Daniela)

Während der Regierung des Kaisers Augustus, als Quirinius Landpfleger in Syrien war, lebten zwei Männer in Bethlehem in Judäa.

Der erste war unermesslich reich und der zweite sehr arm. Der reiche Mann war in feines Linnen gekleidet, bewohnte ein großes Haus mit Scheunen und Ställen, in welchen er seine Güter anhäufte: Getreide, Most und Öl.

Dieser Mann gehörte zum Stamm Davids, und diese königliche Herkunft brachte ihm die Hochachtung seiner Nachbarn ein.

Nun begab sich an einem Sabbattage der reiche Mann in die Synagoge. Er ging durch die ganze Versammlung bis zum vordersten Platz, wo er sich setzte. Der Lektor öffnete das Buch des Propheten Jesaja und las: (Jesaja 55, 3-5)

 

Lektor: (Hans Rudolf) hinterm Altar

Gott spricht: Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen. Die Zusagen, die ich David gegeben habe, sind nicht ungültig geworden: An euch werde ich sie erfüllen. Ihn habe ich einst zum Herrscher über viele Völker gemacht, damit sie durch ihn meine Macht erkennen.

Denn ich, der heilige Gott Israels, euer Gott, bringe euch zu hohen Ehren.

 

Erzähler/in 1: (Daniela)

Als der reiche Mann nach Hause zurückgekehrt war, wiederholte er diese Worte und empfand einen ungeheuren Stolz. Er zweifelte nicht daran, dass er zu großem Ruhm aufgerufen würde  an dem Tag, wenn sein Verwandter, der Messias, den Thron Davids besteigen würde.

 

Erzähler/in 2: (Susanne)

Der arme Mann war mit einem groben Gewand bekleidet und wohnte in einem kleinen Häuschen am Ende des Dorfes. Dieses Haus hatte nur einen einzigen Raum, den der Arme mit einem Ochsen und einem Esel teilte.

Am selben Sabbattag war auch dieser Mann in die Synagoge gegangen. Aber er blieb an der Tür stehen, an der hintersten Stelle.

Er hörte auch die Schriftlesung aus dem Propheten Jesaja. Er freute sich über die Versprechen Gottes, und als der Lektor weiterlas, hörte er folgende Worte:

(Jes 58, 7-8)

 

Lektor: Hans Rudolf

Ladet die Hungernden an euren Tisch, nehmt die Obdachlosen in euer Haus auf, gebt denen, die in Lumpen herumlaufen, etwas zum Anziehen und helft allen in eurem Volk, die eure Hilfe brauchen!

Dann strahlt euer Glück auf wie die Sonne am Morgen und eure Wunden heilen schnell.

 

Lied: 56, 1-5 Weil Gott in tiefster Nacht erschienen

 

Erzähler/in 2: (Susanne)

Als er nach Hause zurückgekehrt war, dachte der arme Mann über diese Worte nach und beschloss, danach zu handeln.

Zu dieser Zeit fand, gemäß dem Befehl des Kaisers, eine Zählung aller Völker statt, und alle gingen, um sich einschreiben zu lassen, ein jeder in seine Stadt.

Nach Bethlehem strömten von allen Seiten die Menschen. Unter ihnen waren auch diejenigen aus dem Hause Davids.

 

Erzähler/in 1: (Daniela)

Der reiche Mann hatte sein Haus weit geöffnet, um die Fremden zu empfangen. Er hoffte sehr unter ihnen den König von Israel zu entdecken, der ihn zum Ruhm führen würde. Und da er sich auf Geschäfte verstand, vergaß er auch nicht, sie für Herberge und Verpflegung teuer bezahlen zu lassen.

 

Erzähler/in 2: (Susanne)

Der arme Mann erinnerte sich an die Worte des Propheten Jesaja. Auch er hätte gern den Fremden Asyl gegeben. Aber niemand wollte unter sein Dach eintreten, denn es widerstrebte den Reisenden, sich an der Seite von Ochs und Esel auszustrecken.

Nun aber kamen eines Abends ein Mann und eine Frau in das Dorf und suchten einen Platz für die Nacht.

Und da es nirgends mehr einen Platz gab, schickte man sie in das Haus des reichen Mannes. Dieser empfing sie an der Tür

 

Reicher Mann(Hans Rudolf oben Seitenempore) Habt ihr Geld?

 

Maria und Josef: (Haike)      „Nein, wir kommen aus Nazareth in Galiläa und sind bescheidene Leute ohne Geld.“

 

Reicher Mann: „Belästigt mich nicht weiter. Mein Haus ist voll. Ich kann euch

nicht aufnehmen.“

 

Erzähler/in 2: (Susanne)

Nachdem sie von allen Bewohnern von Bethlehem abgewiesen worden waren, gelangten der Mann und die Frau zu dem armen Mann. Dieser freute sich sehr, dass er sie aufnehmen konnte.

Nun wurde in derselben Nacht diesen Leuten ein Kind geboren. Seien Mutter wickelte es in Windeln und legte es in eine Krippe.

 

Lied: 37, 1+2+4 Ich steh an deiner Krippen hier

 

Lesung: Matthäus 2 in Auszügen (Haike)

 

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:

Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.

Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem,

und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.

Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa…

Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete.

Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.

 

Erzähler/in 1: (Daniela)

Einige Tage später kamen drei neue Reisende in Bethlehem an. Sie erkundigten sich nach einem König, der soeben geboren sei. Man schickte sie in das Haus des Reichen. Sogleich klopften sie an seine Tür.

Der reiche Mann öffnete ihnen. Und als er die drei Weisen in ihren prächtigen Kleidern sah, zweifelte er nicht, dass es die Nachkommen des Königs David seien. Er ließ sie eintreten und empfing sie mit großen Ehren.

Aber einer der Reisenden fragte:

 

Weiser: (Hans Rudolf)          Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern

gesehen im Morgenland und sind gekommen, um ihn anzubeten.

 

Erzähler/in 1: (Daniela)

Und der reiche Mann wusste nicht, was er ihnen antworten sollte.

Da standen die drei Weisen auf und gingen fort. Sie gingen durch alle Straßen Bethlehems und klopften an alle Türen. Überall erhielten sie dieselbe Antwort:

 

Verschiedene Stimmen: Wir wissen nicht, wovon ihr sprecht. Wir wissen nicht,

wovon ihr sprecht. Wir wissen nicht, wovon ihr sprecht.

 

Sarah: I’ll be home for Christmas

 

Erzähler/in 2: (Susanne)

Endlich gelangten sie an das letzte Haus, doch da es so ärmlich aussah, zögerten sie lange, bevor sie klopften. Der Arme kam, um ihnen die Tür zu öffnen. Drinnen sah man einen schwachen Lichtschein.

 

Weiser (Hans Rudolf): Wo ist der neugeborene König der Juden?

 

Armer Mann (Karolina):      Bei mir ist weder ein König noch der Sohn eines Königs. Ich

habe hier nur arme Leute, die aus Nazareth in Galiläa gekommen sind, und ihr kleines Kind liegt in einer Krippe.

 

Erzähler/in 2 (Susanne):

Die drei Weisen wollten sich enttäuscht zurückziehen, doch als sie den Stern erblickten, der über dem Haus stehengeblieben war, wurden sie von einer großen Freude erfasst. Sie traten in das Haus ein, sahen das kleine Kind mit Maria, knieten nieder und beteten es an. Dann öffneten sie ihre Schätze und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Durch sie erfuhr der arme Mann, dass er den Sohn Gottes beherbergte, der die Sünde der Welt wegnimmt. Er fiel auf sein Angesicht und weinte vor Freude; so sehr floss sein Herz über von Dankbarkeit, dass ihm diese Ehre zuteil wurde.

 

Erzähler/in 1 (Daniela):

Was den reichen Mann betrifft: Als er erfuhr, was geschehen war, geriet er in großen Zorn und schickte Boten zum König Herodes, um die Nachricht von dem Neugeborenen zu melden.

 

Lesung aus Matthäus 2: (Fortsetzung) (Haike)

Matthäus berichtet in seinem Evangelium weiter:

 

Als die Weisen den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Als sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.

Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes.

 

Lied: 37, 6+7+9 Ich steht an deiner Krippen hier

 

 

 

Fürbitten Christmette

 

Haike:        In dieser Nacht werden Träume wahr.

 

Daniela:     In dieser Nacht springen wir über unseren Schatten.

 

 HR:           In dieser Nacht fühlen wir anders als sonst.

 

Karo:                  In dieser Nacht werden Träume wahr.

 

Susanne:    Wir bitten dich, Gott,

lass uns weiter träumen, hoffen, glauben,

dass die Welt anders werden kann, als sie ist,

dass wir uns ändern können,

dass du uns veränderst, Gott.

 

Haike:        Unsere Träume bringen wir vor dich, Gott,

dass die Menschen,

die heute allein und einsam sind,

die heute im Krankenhaus liegen,

die auf der Flucht und ohne Obdach sind,

getröstet werden und Gemeinschaft erleben.

 

Karolina:   Unsere Träume bringen wir vor dich, Gott,

dass die Menschen,

die heute nicht froh sind,

die Weihnachten ohne Hoffnung erleben

oder die sich heute streiten,

Versöhnung erfahren und Hoffnung schöpfen.

 

Daniela:     Unsere Träume bringen wir vor dich, Gott,

dass Freude sich ausbreite,

Trost für die Traurigen,

Mut für die Schwermütigen,

Hoffnung bei den Unglücklichen;

 

Hans Rudolf:      Unsere Träume bringen wir vor dich, Gott,

dass Gerechtigkeit einkehre,

Gerechtigkeit zwischen arm und reich,

für die Hungernden,

für die Verfolgten.

 

Susanne:    Unsere Träume bringen wir vor dich, Gott,

dass Friede werde auf Erden,

Friede zwischen den Völkern,

Friede unter den Nachbarn,

Friede in den Familien;Amen.

 

Sarah: Nature boy

Vater unser im Himmel . . .

 

Segenswunsch (Christmette)

 

Haike:        Der Herr, Mensch geworden in einem Stall segne dich

Er lasse das Licht seiner Liebe leuchten in deiner Dunkelheit.

 

Hans Rudolf:      Er behüte dich

Er berge dich in seiner Menschlichkeit,

wenn Unmenschliches dich schreckt.

 

Karolina:            Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir.

Er begleite deine Wege, wenn du dich unsicher fühlst.

 

Haike:                 Er sei dir gnädig

Wenn du ungnädig mit dir bist.

 

Daniela:     Der Herr erhebe sein Angesicht über dich.

Er strahle auf in deinem Leben

wie der Stern, der den Königen den Weg zeigte.

 

Susanne:    Er gebe dir seinen Frieden,

wenn du unzufrieden bist und enttäuscht.

Er bringe dich an den Ort, den er für dich bestimmt hat.

 

Haike:        So segne dich Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

 

Lied: 44, 1-3 O du fröhliche

 

Ansagen und Verabschiedung

 

Musikalisches Nachspiel

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereiche im Kirchenkreis: 
Notfallseelsorge
Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsbereich in der Kirchengemeinde: 
Pastor/-innen
Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Fax: 
(04288) 1382
So. 22.12.13
Advents-event am 3. Advent
Haike Gleede
Advents-event am 3. Advent

„Advent ist eine Zeit des Wartens, der Vorfreude.

Gott lässt uns nicht allein in der Dunkelheit. Ja, wir können die Dunkelheit ansehen, wir müssen sie nicht ausblenden. Wir dürfen mitwirken bei dem Versuch, Licht in die Dunkelheit scheinen zu lassen. Und wo wir scheitern, da vertrauen wir diese Dunkelheit und unser Leben Gott an. Von diesem Licht reden wir im Advent.“ (M. Käßmann)

 

Liebe Gemeinde!

Herzlich Willkommen heute Abend in der Johannes-der-Täufer-Kirche.

Um das Licht, das Licht in unser Dunkel bringt, geht es an diesem 4. Advent.

Die Gottesdienstwerkstatt hat dazu eine Geschichte von Agatha Christie in Szene gesetzt, die uns einen neuen Blick auf die Weihnachtsgeschichte eröffnet. Spannend und berührend zugleich macht sie uns bewusst, welche Bedeutung die Geburt Jesu bis heute hat.

Petra Kienetz, Christiane Reich-Ludwig und Hans Rudolf Wahl wirken dabei mit.

Dazu hören wir Musik der Kirchenband Öku Pax unter der Leitung von Heiner Wagener. Die Musiker und Sänger/innen stimmen uns auf das bevorstehende fest ein mit ihren Liedern aus aller Welt und quer durch alle Genres. Sie bringen neue Saiten in uns zum Schwingen, wenn sie von Liebe und Leidenschaft, von Freude und Frieden singen. Da schlägt Weihnachten ganz neue Töne in uns an.

 

Lektor/in: Johannes 1, 1-5

Das Evangelium des Johannes beginnt mit diesen Worten:

 

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.

Dasselbe war im Anfang bei Gott.

Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht,

was gemacht ist.

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.

Amen.

 

Weihnachtsgeschichte nach Agatha Christie

Es wirken mit: Erzählerin:                  Engel:                                     Maria:                         Josef:

Szene 1

Erzähler/in:

Maria betrachtete das Kind, das vor ihr in der Krippe lag. Ihr Herz war erfüllt von stolzem Glück, als sie auf ihr Kind hinablächelte.

Da vernahm sie plötzlich ein Flügelrauschen, und als sie sich umwandte, erblickte sie einen großen Engel.

 

Engel erscheint von hinten angestrahlt auf der Empore.

 

Ein Strahlen wie der Glanz der Morgensonne umgab ihn. Er war so schön und strahlte so hell, dass Marias Augen geblendet wurden und sie den Kopf abwenden musste.

 

Engel: Fürchte dich nicht, Maria…

 

Maria: Ich fürchte mich nicht, o Abgesandter Gottes, aber das Licht deiner Erscheinung blendet mich.

 

Engel: Ich bin gekommen, um mit dir zu sprechen.

 

Maria: So sprich. Lass mich hören, was Gott, der Herr mir gebietet.

 

Engel: Weil Gott dich besonders liebt, lässt er dich mit meiner Hilfe in die Zukunft sehen …

 

Maria (schaut auf ihr Kind): In seine Zukunft?

 

Engel: Ja, in seine Zukunft.

 

Kurze Musik

Szene 2

Erzähler/in:

Der Engel breitete seine mächtigen goldenen Flügel über das schlafende Kind.

 

Der Engel steht im Mittelgang

 

Engel: Sieh in die Zukunft, Mutter, sieh deinen Sohn…

 

Erzähler/in:

Maria blickte geradeaus, und die Wände des Stalles schwanden und lösten sich auf, und sie schaute in einen Garten. Es war Nacht, und die Sterne leuchteten am Himmel, und ein Mann kniete dort und betete.

Etwas regte sich in Marias Herz und sagte ihr, dass dies ihr Sohn war. Dankbar sagte sie zu sich…

 

Maria: Er ist ein guter Mensch geworden – ein frommer Mensch- er betet zu Gott.“

 

Erzähler/in:

Doch dann hielt sie plötzlich den Atem an, denn der Mann hob sein Gesicht, und sie sah den Schmerz darin, die Verzweiflung und Trauer.

Der Mann war ganz allein. Er betete zu Gott, dass der bittere Kelch an ihm vorübergehe. Gott war fern und schwieg.

 

Maria: Warum antwortet Gott ihm nicht?

 

Nach einer Pause

 

Es ist nicht an uns, die unerforschlichen Ratschlüsse Gottes zu kennen.

 

Szene 3

Erzähler/in:

Und wieder rauschte der Engelsflügel, und Maria sah einen Weg, der sich einen Hügel hinaufwand, und darauf drei Männer, die Kreuze schleppten. Verbrecher, die zur Hinrichtung geführt werden.

Da aber stolperte der Mann in der Mitte und als er sein Gesicht hob, erkannte Maria ihn.

Maria: Nein, nein, es kann nicht sein, dass mein Sohn ein Verbrecher ist!

 

Erzähler/in:

Der Engel rauschte mit seinem Flügel, und sie sah drei aufgerichtete Kreuze. Und die Gestalt am mittleren Kreuz war ihr Sohn.

 

Maria:       Er kann nichts Böses getan haben. Man muss ihn verwechselt haben. Er büßt das Verbrechen eines anderen.

 

Erzähler/in:

Abermals rauschte der Engel mit seinem Flügel, und diesmal erblickte Maria die Gestalt eines Mannes, den sie sehr verehrte: den Hohepriester des Tempels. Er zerriss sein Gewand und rief mit lauter Stimme: Er hat Gott gelästert. Und sie sah, dass er auf ihren Sohn zeigte.

 

Szene 4

Erzähler/in:

Dann verblassten die Bilder, und da war nur noch die Lehmwand des Stalles.

 

Maria: Ich kann es nicht glauben – ich kann es nicht glauben. Wir sind eine

gottesfürchtige Familie. Wir werden unseren Sohn gut und fromm erziehen. Unser Sohn wird Gott nicht lästern. Was du mir gezeigt hast, kann nicht wahr sein!

 

Der Engel steht vor den Altarstufen

 

Engel: Sieh mich an Maria. Was ich dir gezeigt habe, ist die Wahrheit.

 

Erzähler/in:

Maria erkannte, dass es wirklich die Wahrheit war, was ihr der Engel gezeigt hatte. Es gab keinen Zweifel. Tränen strömten über ihre Wangen. Sie nahm das Kind in ihre Arme.

 

Maria: Mein Kind, mein armes Kind. Was kann ich nur tun, um dich zu retten?

 

Engel: Deshalb bin ich zu dir gekommen, Maria. Du hast seine Zukunft

gesehen. Es steht in deiner Macht zu sagen, ob dein Kind leben oder sterben soll.

 

Maria: Der Herr hat ihn mir gegeben. Wenn der Herr ihn mir wieder nehmen

wird, so sehe ich ein, dass es barmherzig ist, auch wenn es mir das Herz zerreißt. Ich unterwerfe mich Gottes Willen.

 

Engel: So ist es nicht. Gott gebietet es dir nicht. Die Wahl ist die deine.

 

 

 

Erzähler/in:

Maria schwieg eine Weile. Sie dachte an die Bilder, die der Engel ihr gezeigt hatte, an die Qual im Garten, den schmachvollen Tod und an den Vorwurf der Gotteslästerung.

Und jetzt in diesem Augenblick war das schlafende Kind rein und unschuldig …

 

Szene 5

Erzähler/in:

Maria entschied sich nicht gleich. Sie dachte nach und rief sich immer wieder die Bilder in Erinnerung, die sie gesehen hatte. Und dabei geschah etwas Seltsames. Plötzlich erinnerte sie sich an Kleinigkeiten, die sie vorher nicht beachtet hatte. Sie sah zum Beispiel das Gesicht des Mannes am Kreuz zur Rechten: kein böses Gesicht, nur ein schwaches. Es war dem Kreuz in der Mitte zugewandt, und ein Ausdruck von Liebe und Vertrauen lag darin. Maria wurde bewusst, dass er ihren Sohn so anschaute.

Und sie erinnerte sich auch an sein Gesicht als er vor dem Hohenpriester stand. In seinen Augen sah sie keine Schuld.

 

Engel steht hinter Maria

 

Engel: Hast du deine Wahl getroffen, Maria?

 

Maria: Es ist nicht an mir den Ratschluss Gottes zu verstehen. Der Herr gab mir mein Kind. Es ist nicht meine Entscheidung, ob er leben soll oder nicht. Es mag sein, dass es im Leben meines Kindes Geschehnisse gibt, die ich nicht richtig verstehe. Es mag sein, dass ich nur einen Teil des Bildes gesehen habe. Das Leben meines Kindes gehört ihm, nicht mir, und ich habe kein Recht, darüber zu bestimmen.

 

Engel: Denk noch einmal nach! Willst du mir nicht dein Kind in die Arme legen, und ich bringe es zurück zu Gott?

 

Maria:       Nimm es in deine Arme, wenn dies Gottes Gebot ist.

Ich werde es dir nicht hineinlegen.

 

Erzähler/in:

Da erhob sich ein mächtiges Flügelrauschen, und ein Blitzstrahl flammte auf, und der Engel verschwand.

 

Kurze Musik (E-Gitarre?)

 

Szene 6

Erzähler/in:

Ein wenig später kam Josef, und Maria berichtete ihm, was geschehen war.

 

Josef: Du hast recht getan, Maria. Und wer weiß, vielleicht hat dieser Engel

gelogen.

 

Maria: Nein, er hat nicht gelogen.

 

Josef: Ich glaube von all dem kein Wort. Wir werden unseren Sohn sorgsam erziehen und im Glauben unterweisen. Er wird in meiner Werkstatt arbeiten, am Sabbat in die Synagoge gehen und alle Gebote einhalten.

 

Maria (schaut auf das Kind): Sieh nur, Josef, unser Kind lächelt.

 

Erzähler/in:

Und wirklich, das Knäblein lächelte und streckte seine winzigen Hände der Mutter entgegen, als wollte es sagen: „Gut gemacht“.

Hoch oben jedoch im Himmelsgewölbe bebte der Engel vor Hochmut und Zorn.

 

Engel (auf der Empore): Dass ich bei einem törichten Weib versagt habe! Aber es wird eine andere Gelegenheit geben. Eines Tages, wenn er erschöpft und hungrig und schwach sein wird, wird er meiner Versuchung niemals widerstehen können!

 

Erzähler/in:

Und Luzifer, der Sohn des Morgens, lachte in seiner Unwissenheit und seinem Hochmut laut auf und fuhr durch den Himmel wie ein brennender Feuerstrahl, hinab in die untersten Tiefen.

 

Lektor/in:  Jesus sprach zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen

Blitz.“ Lukasevangelium 10,18

 

Erzähler/in:

Im Stall aber herrschte Freude und Jubel. Männer und Frauen drängten herbei, um das Kind zu sehen, und reichten es von einem zum anderen. Und es lachte und jauchzte und lächelte sie alle an.

„Seht“, riefen sie; „Es liebt uns alle. Noch nie hat es solch ein Kind gegeben.“

 

Lektor/in: Aus dem Evangelium des Johannes Kapitel 1, 9-14

 

Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.

Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber die Welt erkannte ihn nicht.

Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben,…

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit Amen.

 

Öku Pax (3-4 Lieder): Joy to the world; Gloria; Transeamus ….

 

 

 

Schlusswort

Viele Menschen haben Angst vor einer Krise. Aber alle brauchen Hoffnung, Vertrauen und Zuversicht gegen die Angst.

Krisen gehören zum Leben. Das Wort Krise kommt aus dem Griechischen und bedeutet unterscheiden. Darum ist es wichtig zweimal hinzuschauen. Auf den zweiten Blick erkennen wir, was wichtig ist und was unwichtig. Maria wagte einen zweiten Blick und erkannte die Wahrheit.

 

Maria ist eine Mutter, die um ihren Sohn kämpft.

Und auch in dieser Geschichte von Agatha Christie erleben wir sie als eine Mutter, die ihr Kind nicht so schnell aufgibt. In ihrer naiven Klugheit trifft sie genau die richtige Entscheidung. Sie vertraut dabei ganz auf Gott. Sie spürt, dass der vermeintliche Engel sie auf eine falsche Spur setzen will. Ihre Liebe siegt – die Liebe zu ihrem Kind und die Liebe zu Gott.

 

Der Engel der Morgenröte versteht sich zu verstellen und versucht mit allen Mitteln seine Macht zu sichern.

Denn so schön sein Name auch klingen mag „Engel der Morgenröte“- er ist kein anderer als Luzifer – das heißt „Lichtträger“. Die Bibel nennt ihn Teufel oder Satan. Der Begriff „Luzifer“ stammt aus der Mythologie.

Maria vertraut auf Gott, die einzige Macht, der sie vertraut, auch wenn sie nicht weiß, was die Zukunft bringen wird.

Dagegen ist selbst Luzifer machtlos, welche Tricks er auch anwendet.

 

Ja, es gibt eine andere Sicht der Dinge. Der zweite Blick lohnt sich und ist oft überraschend. Aus weihnachtlichem Blickwinkel leben Christen ihr Leben von Ostern her. Erst die Auferstehung macht diese Geburt zu einer so besonderen.

Leid und Tod wird es in dieser Welt immer geben. Auch Jesus bleibt davon nicht verschont.

Ostern eröffnet den anderen Blick auf das Leben. Wir erkennen unser eigenes Leben in einem neuen Licht. Darum ist Weihnachten ein Freudenfest.

 

 

Segen: Auf unserem Weg durch den Advent hin zum Weihnachtsfest bitten wir um Gottes Segen:

 

Wir bitten um Gottes Segen,

der Sonne, Mond und Sterne geschaffen hat,

dass sie uns Licht und Orientierung schenken.

 

Wir bitten um den Segen des Sohnes, Jesus Christus,

auf dass die Menschen den Weg zum Kind finden

und Gottes Liebe durch ihn erkennen.

 

Wir bitten um den Segen der Geist-Kraft, die uns Leuchtkraft schenkt,

damit wir einander Sterne sein können.

So segne uns Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 15.12.13
Schwanger im Advent
Haike Gleede
Schwanger im Advent

Liebe Gemeinde!

Drei Kinder haben wir getauft. Drei Mütter sind hier heute, die sich noch gut an ihre Schwangerschaft erinnern. Drei Väter, die sie begleitet haben und ihre Frauen unterstützen. Drei glückliche Paare, die ein Neugeborenes in den Armen halten.

Wir feiern Advent. Advent heißt Ankunft. Wir erwarten ein Kind. Wir bereiten uns auf die Geburt vor. In der Heiligen Nacht kommt er zur Welt. Gottes Sohn unser Heiland und Retter. In gewisser Weise ist der Advent auch eine Zeit der Schwangerschaft. Der Gedanke Gottes reift in uns und wir warten gespannt, was er uns bringen wird.

In der folgenden Geschichte wird Euch sicher das eine oder andere bekannt vorkommen.

Maria, eine junge Frau aus Nazareth, ist schwanger. Dabei ist sie noch Jungfrau.

Der Engel Gabriel hatte ihr vor Kurzem einen Besuch abgestattet und ihr verkündet:

„Du wirst Gottes Sohn zur Welt bringen und du sollst ihn Jesus nennen.“

Ob Maria alles, was der Engel noch sagte, verstanden hat?

„Sohn des Höchsten wird er genannt werden und den Thron Davids besteigen und König sein in Ewigkeit“ – was bedeutet das? Und doch macht sie diese Botschaft glücklich.

Wisst ihr noch wie ihr euch gefühlt habt, als ihr zum ersten Mal die Nachricht bekamt: Sie sind schwanger, herzlichen Glückwunsch? Ein erhebendes Gefühl oder? Einem Menschenkind das Leben zu schenken – das ist eine wunderbare Erfahrung. Schwanger zu sein ist ein ganz besonderes Lebensgefühl.

Und dann habt ihr diese Neuigkeit weitergesagt: dem Vater, den Eltern, der besten Freundin. Was löste das aus? Freude? Zuneigung? Hilfsbereitschaft? Fürsorge?

Maria ist glücklich, obwohl sie noch ein Problem hat. Josef ist nicht der Vater. Wie soll sie ihm das erklären? Josef spielt mit dem Gedanken, Maria zu verlassen. Da muss erst wieder ein Engel kommen und die Sache ins Lot bringen. Maria ist froh, dass Josef trotz allem zu ihr steht. Denn verstanden hat er sicher nicht, was da wirklich vor sich ging.

Aber wie Maria spürt er, dass er Teil eines großartigen Planes Gottes ist.

Darum vertrauen beide auf Gott. „Mir geschehe wie Gott will“, sagt Maria.

 Sie hat keine Angst. Sie denkt an ein Wort aus den Psalmen:

„Von allen Seiten umgibst du mich, Gott und hältst deine Hand über mir.“ Psalm 139,5 Taufspruch von Helene.

Maria möchte diese Freude mit jemandem teilen. Mit Josef, ja. Aber mit jemandem, der sich in sie hineinfühlen kann, mit einer Frau, einer Freundin. Und so beschließt sie, einen Besuch zu machen bei ihrer Verwandten Elisabeth. Elisabeth ist schon etwas älter als Maria. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann Zacharias in den Bergen. Elisabeth ist auch schwanger. Schon im 6. Monat. Sicher kann sie Maria hilfreiche Ratschläge geben.  Auch dieses Kind wurde durch einen Engel angekündigt.

Allerdings nicht ihr, sondern ihrem Mann Zacharais, der diese Botschaft zuerst nicht glauben konnte. Darum strafte der Engel ihn: Er sollte bis zur Geburt des Kindes stumm bleiben. Für einen Priester des Tempels nicht sehr vorteilhaft. Und für Elisabeth sicher auch ziemlich langweilig.

Maria macht sich auf den Weg durch die Berge, ganz allein.

Gottes Zusage aus dem 2, Buch Mose 23, 20 kommt ihr in den Sinn:

„Gott spricht: Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe.“ Taufspruch von Matz.

Wie sehr mag Elisabeth sich gefreut haben, als Maria zu ihr kommt. Der Besuch kommt unverhofft. Telefone, Handys oder Computer gibt es noch nicht. Maria kommt einfach so - ganz spontan.

Und Elisabeth begrüßt Maria: „Schön, dass du kommst und mich besuchst!“

Und noch bevor Maria ihr die Neuigkeit erzählen kann, weiß Elisabeth schon Bescheid. Denn ihr Kind im Leib freut sich auch. Das macht Freudensprünge! Das kennt ihr auch wie sich das anfühlt, wenn das Kind im Leibe hüpft oder?

Ein tolles Gefühl!

Und sie wird erfüllt vom heiligen Geist – sie erkennt sofort die Zusammenhänge. Maria trägt nicht irgendein Kind unter dem Herzen, sondern den Sohn Gottes.

Und sie empfängt Maria mit einem Ausruf der Freude: „Gesegnet bist du von Gott, auserwählt unter allen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!“

Beiden Frauen ist deutlich, dass sie ein Kind unter dem Herzen tragen, mit dem Gott noch Großes vorhat.

Elisabeth bringt wenig später Johannes zur Welt, der später als Johannes-der-Täufer in die Geschichte eingeht. Er ist derjenige, der die Menschen auf Jesus vorbereitet.

Er predigt in der Wüste und tauft die Menschen im Jordan. Er fordert sie auf: „Ändert euer Leben. Kehrt um! Macht euch bereit für Gott! Er ist schon unterwegs zu euch.“

Diese Wüstenzeit des Johannes ist die erste Adventszeit. Eine Zeit der Vorbereitung auf den, der da kommt im Namen Gottes. Er wird nicht müde zu betonen: „Ich taufe euch mit Wasser, aber der da kommt, der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.“

Viele Menschen sind beeindruckt von diesem Mann im Kamelhaarmantel und besuchen ihn in der Wüste. Als Jesus 30 Jahre alt ist, kommt er auch zu Johannes und lässt sich von ihm taufen.

Advent: Jedes Jahr wieder haben wir diese Zeit, um uns vorzubereiten. Sind wir bereit für die Geburt? Sind wir gut vorbereitet für Gottes Sohn, die menschgewordene Liebe? Haben wir ihm einen Platz vorbereitet?

 „Lasst uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.“ 1.Joh 3,18 So wird es ein Apostel etwa 100 Jahre später aufschreiben und an die Gemeinden weitergeben. Taufspruch von Eilert.

Ich wünsche mir das Vertrauen von Maria. Sie hat sich auf Gott eingelassen, ohne genau zu wissen, welche Pläne er für sie hat.

Ich wünsche mir die Freude wie Elisabeth sie verspürte, als das Kind in ihrem Leibe hüpfte.

Ich wünsche mir die Gelassenheit von Josef, der doch allen Grund gehabt hätte, aus der Sache auszusteigen. Er hörte auf den Engel.

Ich wünsche mir die Begeisterung von Johannes, der sich traute den Menschen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen.

Ich wünsche mir zu lieben wie Jesus es gezeigt hat, der Vergebung schenkte.

Ich wünsche uns allen eine erwartungsvolle Adventszeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 08.12.13
2. Advent - Eine gute Nachricht weitergeben
Haike Gleede
2. Advent - Eine gute Nachricht weitergeben

Die meisten Leute schlafen, ohne es zu wissen. Sie wurden schlafend geboren, sie leben schlafend, sie heiraten im Schlaf, erziehen im Schlaf ihre Kinder und sterben im Schlaf, ohne jemals wach geworden zu sein.

Vor einiger Zeit las ich die Geschichte von einem Mann, der an die Zimmertür seines Sohnes klopft und ruft: „Jim, wach auf!“

Jim ruft zurück: „Ich mag nicht aufstehen, Papa.“

Darauf der Vater noch lauter: „Steh auf, du musst in die Schule!“

„Ich will nicht in die Schule!“

„Warum nicht?“ fragt der Vater. „Aus drei Gründen“, sagt Jim.

„Erstens ist es so langweilig, zweitens ärgern mich die Kinder, und drittens kann ich die Schule nicht ausstehen.“

Der Vater erwidert: „So dann sag ich dir drei Gründe, wieso du in die Schule musst: Erstens ist es deine Pflicht, zweitens bist du 45 Jahre alt, und drittens bist du der Klassenlehrer.“ Also aufwachen, aufwachen! Du bist erwachsen geworden, du bist zu groß um zu schlafen. Wach auf!“

»Seht auf und erhebt eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht. « (Lk 21,28)

 

Liebe Gemeinde!

Sind Sie schon wach? Oder schlafen Sie noch?

Die Jahreszeit macht mich eher müde als wach. Aber der Advent weckt mich auf und bringt Licht in mein dunkles Gemüt.

Fühlen Sie das auch manchmal, diese prickelnde, aufmerksame Erwartung der Adventszeit? Draußen ist es ein wenig frostig. Rot leuchtend geht die Sonne auf über bereiften Feldern und Wiesen. Das Leben konzentriert sich. Ein großes Ereignis steht bevor: Weihnachten.

Fühlen Sie das?

»Seht auf und erhebt eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht. « (Lk 21,28)

Dieser Satz hat eine Vorgeschichte. Jesus spricht von bedrohlichen Zeichen.

Veränderungen an Sonne, Mond und Sternen machen den Menschen Angst. Die Kräfte des Himmels kommen ins Wanken.

Jede Zeit hat ihre Ängste. Die Menschen damals fürchteten sich vor dem Weltuntergang, den sie schon bald erwarteten.

Wir heute kennen das auch, diese Bedrohung des Lebens: Der Klimawandel kündigt sich an durch verheerende Stürme und Unwetter. Sonnenstürme, Erderwärmung und knapper werdende Ressourcen machten uns Angst. Mit Sorgen blicken wir in die Zukunft.

Der Terrorismus versetzt die Nationen in Angst und Schrecken. Abhöraffären lassen uns misstrauisch werden. Völker liegen im Krieg und Frieden scheint nicht in Sicht. Viele sind auf der Flucht, setzen ihr Leben aufs Spiel und hoffen auf einen Neuanfang in einem anderen Land. Doch keiner nimmt sie auf. Geld regiert die Welt ohne Rücksicht auf Mensch und Natur. Auf der einen Seite der Erde werden tonnenweise Lebensmittel vernichtet, während auf der anderen Hälfte des Erdballs Millionen verhungern.

Da kann einem schon angst und bange werden.

 

Doch Jesus sagt: „Habt keine Angst! Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.“

Und:

„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“ Lukas 21, 28

Im Advent bekommt diese Botschaft einen neuen Klang. Sie stößt etwas in mir an.

Gott kommt auf die Welt und schenkt uns einen Neuanfang.

Die Adventszeit ist in unserer Gesellschaft eine hektische Zeit.

Machen wir uns so viel Stress, um die bedrohlichen Nachrichten zu vergessen?

Dabei verzetteln wir uns in so vielen Dingen. Wir müssen doch noch dies und wollen doch noch das. Und wäre es nicht schön, wenn wir auch noch hier eine kleine Adventsfeier ausrichten und diesen Markt noch besuchen. Und den verkaufsoffenen Samstag nicht verpassen, beim moonlightshopping noch ein Schnäppchen machen.

Unsere hektischen Adventsvorbereitungen sind oft wie ein tosendes Meer, in dem so manches unterzugehen droht. Müde und erschöpft fallen wir am Abend ins Bett und manchmal wollen wir gar nicht mehr aufwachen, sondern den ganzen Trubel am liebsten verschlafen.

Zwischen Erschöpfung und Stress hören wir diese gute Nachricht:

„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“ Lukas 21, 28

Jesus spricht von Erlösung. Ich verstehe das auch als Ruf zur Gelassenheit. Mach dich frei von all diesen Zwängen. Wach auf und sieh hin, was wirklich wichtig ist in deinem Leben. Das ist der Sinn von Advent. Im Kirchenjahr trägt er die Farbe violett. Das ist die Farbe der Ruhe, der Einkehr, der inneren Vorbereitung auf das, was kommt. Gott kommt auf die Erde und die Welt gerät aus den Fugen. Himmel und Erde berühren sich. In kleinen Zeichen wird das deutlich. Wir müssen schon genau hinschauen, um sie wahrzunehmen.

Tief den Frieden dieser Tage einatmen, Kraft schöpfen in wärmenden Begegnungen und spüren, wer unsere Aufmerksamkeit braucht.

 

Sie haben in diesen Tagen Post bekommen von der Kirchengemeinde.

Dabei lagen diese Marken mit kleinen liebevollen Botschaften.

Mein Lebenslicht – darauf das Jesuskind in Windeln gewickelt zwischen Ochs und Esel.

Der neugeborene Jesus als Licht des Lebens. So haben wir es eben bei der Taufe gehört.

Das ist ein der besten Nachrichten, die es je auf dieser Welt gegeben hat.

 

Freu dich

Mit kleinen Dingen Freude machen und sich an kleinen Dingen freuen. Das ist eine Kunst, die wir bald verloren haben. Heute haben Sie die Gelegenheit, jemanden eine gute Nachricht zu schicken und ihm eine Freude zu machen. Oder vielleicht auch sich selbst?

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
Sa. 16.11.13
Predigt am Volkstrauertag
Haike Gleede
Predigt am Volkstrauertag

Liebe Gemeinde!

Haben Sie noch Träume? Schöne und zukunftsweisende Visionen? Oder haben Sie das Träumen schon aufgegeben? Denn da ist ja  sowieso nichts mehr zu retten in dieser Welt.

Micha hat eine Vision:

„Der HERR weist mächtige Völker zurecht und schlichtet ihren Streit, bis hin in die fernsten Länder. Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser. Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk.

Jeder wird in Frieden bei seinen Feigenbäumen und Weinstöcken wohnen, niemand braucht sich mehr zu fürchten.“

Micha ist Landwirt im alten Israel und er ist Prophet. Im Namen Gottes spricht er zu den Menschen in Jerusalem. Die haben schon lange keine Träume mehr. Zuviel Unheil haben sie erlebt: Krieg, Flucht, Gefangenschaft – alles verloren, soviele Tränen geweint und alle Hoffnung aufgegeben auf ein Leben in Frieden. Frieden, das ist ein Wunschtraum, nicht die Wirklichkeit – davon sind sie überzeugt.

Auch davon hat Micha oft genug gesprochen. All das Unheil hat er vorhergesagt. Immer wieder. Jahrelang. Damals haben sie über ihn gelacht. Es ist alles eingetreten: die Zerstörung der Hauptstadt, die Besetzung des Landes, der Tod vieler Menschen.

Doch Micha hat nicht aufgegeben. Er hat noch Träume. Er hat Visionen von Gottes neuer Welt. Seine Worte klingen nach bis heute. Es sind Hoffnungsworte geworden, weil es Gottes Worte sind. Denn Frieden schaffen wir nur mit Gott.

 

"Schwerter zu Pflugscharen" – das ist eine göttliche Verheißung. Sie ist 2500 Jahre alt. Sie hat nichts von ihrer Kraft verloren. Sie hat Menschen durch die Zeiten ermutigt. Jesus von Nazareth hat diese Verheißung in den Seligpreisungen neu formuliert.
Die christliche Friedensbewegung machte sie zu ihrem Leitwort.  Und auch Künstler ließen sich davon inspirieren.

Am 4. Dezember 1959 schenkte die Sowjetunion der UNO eine Bronzeskulptur von Jewgeni Wutschetitsch, die das biblische Motiv bildlich-plastisch darstellt. Die Skulptur wurde im Garten des UNO-Hauptgebäudes in New York City aufgestellt. Die Skulptur zeigt einen muskulösen Heros, der ein Schwert zu einem Pflug umschmiedet. Sie ist im Stil des Sozialistischen Realismus gestaltet und hebt die Schöpferkraft des arbeitenden Menschen hervor. Zugleich appelliert sie an das Friedensziel der UN-Charta.

Die Friedensvision "Schwerter zu Pflugscharen" ist ein eindrucksvolles Bild.

Ein Bild voller Trost und Hoffnung für die Menschen, die Kriege erlebt haben und wissen, was das bedeutet. Wie viel Trauer und Schmerz, wie viel Leid und Zerstörung.
Es stellt sich die Frage: Dient es dem Leben, dass Menschen lernen, Krieg zu führen?
Müssen wir nicht um des Lebens willen den Frieden lernen und lehren?
Kann man lernen, gewaltfrei Konflikte zu bearbeiten?
Ist solche Friedenserziehung, ist solche Friedensbildung inmitten einer kriegs- und gewaltgeplagten Welt realistisch?

Als Christen und Christinnen sagen wir dazu eindeutig "Ja!".

Angesichts der Krisenherde unserer Welt wird deutlich: Wir brauchen die alten Friedensvisionen der Bibel, gerade weil Gewalt und Terror zur täglichen Realität in dieser Welt gehören. Und manchmal erfüllen sich Träume.

"Schwerter zu Pflugscharen" – das war das biblische Motto, das Pfarrer Harald Bretschneider seit 1980 den Menschen während der Friedensdekaden in den Evangelischen Kirchen der DDR mit auf den Weg gegeben hatte. Auf Jacken und Revers war es tausendfach zu sehen.
Immer mehr Jugendliche trugen dieses Symbol als Zeichen ihrer Sorge angesichts einer zunehmenden Hochrüstung und nahmen Schikanen dafür in Kauf. 1981 wurden die Aufnäher verboten. "Wehrkraftzersetzung" und "Friedensfeindlichkeit" waren die absurden Vorwürfe, mit denen die Träger des Symbols unter Druck gesetzt wurden. Viele Jugendliche widersetzten sich dem Verbot – andere nähten sich aus Protest weiße, unbedruckte Flecken auf die Ärmel – oder sie schrieben mit Filzstift "Hier war ein Schmied".
Die Bewegung "Schwerter zu Pflugscharen" wurde 1989/90 zu einer großen Sammelbewegung für Menschen, die ihren Unmut über das DDR-Regime nicht mehr länger bei sich behalten wollten. Tausende versammelten sich damals in den Kirchen und Gemeindehäusern – den einzigen Schutzräumen, die der totalitäre DDR-Staat duldete. Es wurde deutlich, wie unser Glaube wirken kann in unserem Leben und welche Kraft er verleiht.

Die Vision "Schwerter zu Pflugscharen" hat die Gegenwart friedlich verändert und den Traum vieler Menschen Wirklichkeit werden lassen.

 

Es ist ein starkes Bild. Schwerter werden zu Pflugscharen. Wenn wir es weiterdenken und uns vorstellen, wie Panzer zu Mähdreschern werden, und Gewehre zu Gartengeräten, wird uns schnell klar, wie sinnvoll das wäre.

Aus Waffen werden zivile Nutzinstrumente. Und die Menschen aus allen Nationen, von denen in der Vision die Rede ist, sollen "hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen".
Sie bearbeiten die Erde und leben davon. Das könnte doch der Weg sein in eine gerechtere Welt.

Krieg und Gewalt haben ein Ende. Die vom Blut durchtränkte Erde wird wieder beackert und gibt hungernden Menschen Nahrung. Die Heimatlosen haben ein Dach über dem Kopf. Jeder hat seinen Feigenbaum und seinen Weinstock und alle friedlich leben ohne Neid ohne Streit ohne Hass. Ein wunderbares Bild, ein Traum der vielen Flüchtlinge, die gerade aus Afrika nach Europa drängen. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel für diesen Traum. Auch wir können einen Beitrag leisten, damit dieser Traum wahr wird.
Ein Leben für Frieden und Gerechtigkeit heute heißt, sich gegen bestimmte Trends zu stellen, nicht mehr möglichst viel Geld aus allem raus zu schlagen, Menschen

zu verteidigen, die sich selbst nicht verteidigen können, Menschen zu helfen, die selbst schwach sind. Und es kann auch heißen, selbst schwach zu werden, um lieben zu

können.

Natürlich werden jetzt die Kritiker wieder ihre Stimmen erheben und erklären wie unrealistisch das ist. Wir sind eben Menschen und können gar nicht anders als unseren Vorteil zu suchen. Und schließlich kann doch niemand die Welt retten.

Und so dreht der Teufelskreis sich weiter.

Geben wir unsere Träume nicht so schnell auf – es sind von Gott gesandte Träume, um uns daran zu erinnern: Gott schenkt Träume und Visionen, damit wir nicht aufgeben. Der Herr wird uns seine Wege lehren, sagt Micha.

 

Micha zeigt uns, wie Frieden nach Gottes Vorstellung aussieht:

„Der HERR weist mächtige Völker zurecht und schlichtet ihren Streit, bis hin in die fernsten Länder.“

Jesus sagt: »Freuen dürfen sich alle, die nur noch von Gott etwas erwarten –

mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt.

Freuen dürfen sich alle, die unter dieser heillosen Welt leiden –

Gott wird ihrem Leid ein Ende machen.“

 

„Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk.“

Jesus sagt: „Freuen dürfen sich alle, die unterdrückt sind und auf Gewalt verzichten – Gott wird ihnen die Erde zum Besitz geben.“

 

Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser.

Jesus sagt: „Freuen dürfen sich alle, die danach hungern und dürsten,

dass sich auf der Erde Gottes gerechter Wille durchsetzt – Gott wird ihren Hunger stillen.“

 

„Jeder wird in Frieden bei seinen Feigenbäumen und Weinstöcken wohnen, niemand braucht sich mehr zu fürchten.“

Jesus sagt: „Freuen dürfen sich alle, die Frieden stiften –Gott wird sie als seine Söhne und Töchter annehmen.“

Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 24.11.13
Predigt zum Ewigkeitssonntag
Haike Gleede
Predigt zum Ewigkeitssonntag

Liebe Gemeinde!

Heute ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Wir feiern ihn als Ewigkeitssonntag und denken an die Verstorbenen des Kirchenjahres. Schon mit dem nächsten Sonntag beginnt etwas Neues: Advent – Zeit der Erwartung.

Viele von Ihnen haben im zuendegehenden Kirchenjahr einen Angehörigen verloren. Es ist nicht leicht, den Tod anzunehmen.

Was bleibt sind die Erinnerungen an den/die Verstorbene(n).

Wenn das Bild auf Familienfotos uns entgegenblickt, dann wird die Erinnerung wach an gemeinsam Erlebtes. An glückliche Tage, aber auch an Zeiten, als Sie gemeinsam dunkle Stunden und Tage durchgestanden haben.

Der Blick in die Vergangenheit kann heilsam sein, aber nur solange, wie wir uns daran nicht festklammern. Denn das Leben ist auf die Zukunft ausgerichtet. Wir können wohl ab und an zurückblicken, aber niemals zurückgehen. Darum bedeutet Trauer, einen Weg in die Zukunft zu finden.

Gibt es etwas, was bleibt? Was uns nicht genommen werden kann?

Jesus sagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht; sie bleiben gültig für immer und ewig.“

Seine Botschaft von der Liebe und vom Heil der Menschen gilt. Er hält sein Versprechen. Er weist auf eine Zukunft über den Tod hinaus. Noch können wir uns das Reich Gottes nicht vorstellen. Darum rät Jesus: Seid wachsam! Seid aufmerksam auf meine Worte, die so leicht untergehen im Gewirr des Alltags.

Jesus öffnet einen weiten Horizont, viel weiter als wir denken können. Er sagt:

„»Doch den Tag oder die Stunde, wann das Ende da ist, kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel – nicht einmal der Sohn. Nur der Vater kennt sie.

Seht zu, dass ihr wachbleibt!“

Mich erinnert das an Jesu Bitte an seine engsten Freunde im Garten Gethsemane: „Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet.“ Jesus hatte Angst, Todesangst. Wie wichtig sind in solch einer Situation Menschen, die wach bleiben, die einen Sterbenden begleiten und mit ihm beten.

Viele von Ihnen haben in diesem Jahr gewacht am Bett eines Sterbenden. Haben gebetet für einen geliebten Menschen, der im Sterben lag. Sie haben ihre Angehörigen begleitet und sie ihre Zuneigung und Liebe spüren lassen.

Doch dann blieben sie zurück, während der andere hinüberging in eine andere Welt. Sie kehrten zurück in den Alltag.

Für manche war der Tod eine Erlösung, für andere eine Tragödie.

Für andere brach der Tod plötzlich und unerwartet über die Familie herein. Sie hatten keine Gelegenheit, sich zu verabschieden, den Sterbenden ein Stück des Weges zu begleiten. In solch einer Situation lähmt der Schock zunächst und macht unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Es braucht dann viel Zeit, den Tod zu akzeptieren und sich auf den Weg der Trauer zu machen. 

Trauer kostet viel Kraft und lässt für nichts anderes mehr Raum. Trauern - das kann für den einen eine heilsame und tröstende Erfahrung sein, aber auch in Seelennöte stürzten. Hin- und hergerissen zwischen Zweifel und Glaube, zwischen Hoffnung und Resignation suchen Menschen einen Ausweg zurück ins Leben.

Wenn für uns eine Welt zusammenbricht, dann nimmt Gott die Bruchstücke unseres Lebens und schafft daraus etwas völlig Neues. Wir vertrauen darauf, dass er vollendet, was er begonnen hat. Wenn wir das Leben ausatmen, dann atmet Gott uns ein.

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Diesen Vers aus Psalm 90 kennen viele. Manchmal steht er über Traueranzeigen. Für mich gehört dazu ein weiterer Vers aus diesem Psalm: „Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.“

Wir wissen, dass unser Leben auf der Erde vergänglich ist. Himmel und Erde sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Und doch bin ich dankbar, dass ich heute hier auf dieser Erde lebe. Ich bin dankbar für die Menschen, die mir wichtig sind. Auch für die, von denen ich Abschied nehmen musste.

Ich weiß: Gott sieht mich an. Ich gehöre zu den Seinen. Er vertraut mir etwas an.

Jesus macht das in einem Gleichnis deutlich:

„Es ist wie bei einem Mann, der verreist. Er verlässt sein Haus und überträgt seinen Dienern die Verantwortung. Jedem weist er seine Aufgabe zu, und dem Türhüter befiehlt er, wachsam zu sein.

So sollt auch ihr wach bleiben, weil ihr nicht wisst, wann der Hausherr kommen wird.“

Gott füllt uns die Hände mit seiner Gnade. Jedem teilt er eine Aufgabe zu.

Er fordert uns auf, wach zu bleiben. Nicht in einen Dämmerzustand zu verfallen, sondern in ihn in allen Dingen zu suchen. Noch leben wir im Dunkeln, ist unsere Seele umnachtet. Es bedarf besonderer Aufmerksamkeit, um im Dunkeln etwas zu erkennen.

Wachsam sein heißt achtsam sein mit den Menschen um uns herum.

Wachsam sein heißt, Gott zu erkennen im anderen.

Manchmal erinnern wir uns an Worte, die der/die Verstorbene zu Lebzeiten gesagt hat. Kleine Äußerungen oder immer wiederkehrende Sprüche. Nicht immer nehmen wir diese Worte ernst. Erst im Rückblick bekommen sie eine tiefe Bedeutung, weil sie etwas andeuten vom Sterben, vom Glauben. Sie sind wie kleine Eingebungen, Ahnungen aus einer anderen Welt.

Wir sind am Ende des Kirchenjahres angekommen. Wir bleiben nicht stehen. Etwas Neues kündigt sich schon an. Nächsten Sonntag, am 1. Advent, beginnt ein neues Kirchenjahr. Adventszeit ist die Zeit der Erwartung. Wir bereiten uns vor auf den, der da kommt im Namen des Herrn. Und wir erw arten etwas von ihm. Darum bleiben wir wachsam und achtsam.

Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320
So. 06.10.13
Predigt zum Erntedankfest
Haike Gleede
Predigt zum Erntedankfest

Wie viel Erde braucht der Mensch?

Leo Tolstoi erzählt vom Bauern Pachrom. Ihm wird ein Angebot gemacht: Er kann so viel Land erwerben, wie er an einem Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang umgehen kann. Pachrom rennt los. Er geht unermüdlich, ist schon ganz außer Atem, gönnt sich keine Pause. Nein, hier noch nicht einbiegen. Diesen Streifen Land will ich noch haben. Die Sonne steht hoch am Horizont. Er schwitzt. Nur nicht aufgeben, weiter immer weiter. Er kämpft weiter, bald kann er nicht mehr, schleppt sich mit letzter Kraft voran. Die Sonne geht schon unter, jetzt aber schnell. Kurz vor dem Ziel bricht er zusammen. Er kommt nicht ans Ziel. Am Ende wird er auf dem Flecken Erde, auf dem er starb begraben.

Wie viel Erde braucht ein Mensch?

 

Liebe Gemeinde!

Vor uns liegen die Schätze des Sommers: Äpfel, Kürbisse, Pflaumen, Getreide, Kohl …

Alles, was wir zum Leben brauchen, ist im Überfluss vorhanden. Das ist nicht selbstverständlich. In vielen Ländern der Erde fällt die Erde kärglich aus.

Wir danken Gott dafür, dass er uns so reich beschenkt und feiern Erntedank.

Auch im Predigttext geht es um Schätze. Genauer gesagt, um zwei Sorten von Schätzen:

Jesus spricht in der Bergpredigt:

»Sammelt keine Schätze hier auf der Erde!

Denn ihr müsst damit rechnen, dass Motten und Rost sie zerfressen oder Einbrecher sie stehlen. Sammelt lieber Schätze bei Gott.  …

Denn euer Herz wird immer dort sein, wo ihr eure Schätze habt.“

Es gibt also irdische Schätze und himmlische Schätze.

Die irdischen Schätze – das ist unser Hab und Gut. Es kostet uns viel Zeit und Kraft, unseren Besitz zu sichern und zu erhalten. Wir können uns anstrengen so viel wir wollen: Wir halten den Verfall nicht auf. Das Auto rostet, die schönen Kleider werden von Motten angefressen. Alles Irdische, alles Sichtbare, ist vergänglich, auch der Mensch!

Es macht gar keinen Sinn über neunzig Prozent aller Gedanken und Gespräche nur darauf zu konzentrieren, was wir anschaffen, erneuern oder vergrößern wollen.

Sonst ergeht es uns wie Pachrom, der seine Kräfte maßlos überschätzte. Am Ende verlor er alles. 

Der Mensch strebt nach immer mehr und verliert sich selbst dabei aus dem Blick.

„Denn euer Herz wird immer dort sein, wo ihr eure Schätze habt.“

Für dieses Streben nach Besitz gibt es zwei Gründe:

1. Wir sind uns selber nicht genug, und deshalb werten wir uns auf durch das, was wir erarbeitet haben. Wir fürchten, dass man uns nicht liebt, so wie wir sind. Und darum erkaufen wir uns die Aufmerksamkeit und die Wertschätzung andere durch das, was wir vorzeigen können.

„Geld macht nicht glücklich – aber es beruhigt doch ungemein.“ Dieser vielzitierter Spruch führt uns zum 2. Grund: Viele glauben, dass sie sicherer sind, wenn sie viele Güter um sich herum aufstapeln können. Sie fühlen sich abgesichert. Vor allem, wenn sie gut versichert sind.

Aber dieses Sicherheitsdenken macht uns zu rastlosen Wesen, die einen großen Teil ihrer Lebenskraft aufwenden, ihr Leben zu sichern und ihre Güter zu verwalten.

Aber Freunde kann man nicht kaufen, Freude nicht erwerben, Zufriedenheit nicht ersteigern und die Güte eines anderen nicht bezahlen.

Alle Dinge, die das Leben wirklich reich machen, sind unbezahlbar.

Jesus fordert auf, das Herz zu weiten.

Gefühle, Zärtlichkeit, Poesie, die Schönheit der Natur, die Liebe zum anderen: Das alles erfahren wir, wenn wir Gott unser Herz hinhalten.

Er füllt es mit Segen.

 

Und denen, die ein weites Herz haben, sieht man das an:

Das sagt Jesus auch:

„Aus dem Auge leuchtet das Innere des Menschen:

Wenn dein Auge klar blickt, ist deine ganze Erscheinung hell;

wenn dein Auge durch Neid oder Habgier getrübt ist, ist deine ganze Erscheinung finster.

Wie groß muss diese Finsternis sein, wenn statt des Lichtes in dir nur Dunkelheit ist! «

 

Das Auge ist der Spiegel der Seele. Wer immer nur in den Abgrund schaut, hat einen ängstlichen Blick und klammert sich an jeden Strohhalm.

Wer den Blick zum Himmel erhebt, spürt die Sonne auf seinem Gesicht.

Wer nur in den irdischen Spiegel schaut, sieht nur sich selbst.

Wer in den Spiegel schaut, den Gottes Liebe uns vorhält, der erkennt, wohin Gott ihn gestellt hat:

Mitten ins Leben, auf seine wunderbare Erde, neben andere Menschen.

 

Es gibt Menschen, von denen geht eine positive Ausstrahlung aus.

Sie leuchten tief von innen heraus, aus dem Herzen.

Jesus hatte eine solche Ausstrahlung. Er brachte Licht und Wärme in die Welt. Die Begegnung mit ihm veränderte Menschen. Sie verließen ihre alten Lebensgewohnheiten und wurden frei. Sie fingen an, selbst zu strahlen.

 

Auch für die himmlischen Schätze danke ich Gott.

Ich stelle einige Symbole für die himmlischen Schätze zu den Erntegaben. Denn die himmlischen Schätze sind ja unsichtbar.

 

Das Kreuz erinnert uns an Jesus Christus. Er ist durch den Tod ins Leben gegangen. Er hat für uns den Weg frei gemacht zu Gott. Er wendet unseren Blick auf die Menschen neben uns. Danke Jesus für deine Liebe.

 

Kanne mit Wasser: Ich bringe eine Kanne Wasser zum Altar. Wasser gehört zu den lebensnotwendigen Elementen. In der Taufe wird es zum Wasser des Lebens. Als getaufte Christen gehören wir zu den Kindern Gottes. Das ist ein Geschenk. Dafür danke ich Gott.

 

Bibel: In der Bibel lesen wir Gottes Verheißungen. Sie gelten uns. Er hat das Leben geschaffen und gesegnet. Gottes Wort öffnet uns eine ganz neue Welt. Ich danke Gott für sein Wort.

Wenn wir es uns zu Herzen nehmen, können wir nur gewinnen. Es führt uns aus unserer engstirnigen Welt in die Weite des Himmels.

 

Kerze: Wir begegnen Jesus noch heute. Darum sind wir hier und feiern Gottesdienst.

Ich zünde eine Kerze an für das Licht, das Jesus in dunkle Herzen bringt.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

KONTAKT

Haike Gleede

Arbeitsbereich in der Kirchenregion: 
Pastor/-innen
Haike
Gleede
Pastorin
Kirchstraße 6
27367
Horstedt
Tel.: 
(04288) 320

Seiten