Predigten

Wie oft haben Sie schon beim Hören einer Predigt gedacht: "Das war ein guter Gedanke. Schade, dass ich nichts zum Schreiben dabei habe." Dem Wunsch, das gesprochene Wort zu Hause noch einmal in Ruhe nachlesen zu können, entsprechen wir auf dieser Homepage. Ausgewählte Predigten, die im Kirchenkreis Rotenburg gehalten wurden, werden auf diesen Seiten veröffentlicht.

Schauen Sie hinein, lassen Sie sich inspirieren und scheuen Sie sich nicht, zum Verfasser der Predigt Kontakt aufzunehmen, falls Sie noch Fragen oder Anregungen haben.

Natürlich sind Sie immer und jederzeit herzlich eingeladen, einen der vielen Gottesdesdienste in unserem Kirchenkreis persönlich zu besuchen. Ob Familiengottesdienste, musikalische Gottesdienste, Gottesdienste in anderer Form - die Möglichkeiten sind vielfältig, die Auswahl ist groß. Um Ihnen bei der Auswahl zu helfen, haben wir unter dem Menüpunkt "Veranstaltungen" einen Suchfilter eingebaut.

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Datum
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Name
Mo. 06.02.17
Ich werde sein, der ich sein werde
Haike Gleede
Ich werde sein, der ich sein werde

Wer ist Gott?

„Gott ist die kosmische Energie, die alles durchfließt und aus der wir leben.“ (Esoterik)

„Gott ist Schöpfung, die Natur und alles Leben ist von ihm durchdrungen.“ (Philosophie)

„Gott ist die Liebe.“ (Apostel)

„Gott ist der himmlische Richter, vor dem wir uns alle am jüngsten Tage verantworten müssen.“ (Tradition)

Alle Antworten sind irgendwie richtig, aber keine erfasst ganz, wer Gott ist.

In der Bibel suchen und finden wir Erzählungen darüber, wie Gott sich den Menschen offenbart. Auf der Suche nach dem Land der Sehnsucht begegnet Gott den Menschen auf vielfältige Weise.

Aber wo und wie begegnet er mir? Wer bin ich? Ein Mensch, zu einer bestimmten Zeit geboren, ihr Leben zu leben und nach Antworten zu suchen, nach Sinn und Ziel.

Und wer ist Gott für mich? Welchen Einfluss hat er auf mein Leben?

Welchen Einfluss hat das, was war, auf meine Persönlichkeit? Und was bedeutet mein Leben für die Zukunft?

Woher wissen wir, wer wir sind? Das wissen wir von anderen, von den Menschen, die vor uns gelebt haben, den Eltern und Großeltern, den Ahnen. Und so gehen wir immer weiter zurück in die Geschichte unserer Familie, immer weiter in unergründliche Tiefen, weil dort der Ursprung unseres Lebens ist.

Manche erstellen Stammbäume ihrer Familie, betreiben Ahnenforschung, um zu wissen, woher sie kommen und was ihr Leben bis heute prägt.

Tauchen wir ein in den Brunnen der Vergangenheit zu den Urahnen des Glaubens, zu einem Beduinenstamm am Rand der arabischen Wüste. Ein Hirte hütet die Schafe, in der Stille der Wüste. Es ist Mose, aufgewachsen in Ägypten, erzogen am Hof des Pharao. Doch konnte er seine Wurzeln nicht leugnen, setze sich ein für ein für sein Volk und musste fliehen.

Er suchte Zuflucht in der Wüste.  Die Wüste als Symbol für Abgeschiedenheit und Einsamkeit, ganz auf sich selbst zurückgeworfen. Ein Ort der Offenbarung an dem die Grenzen verschwimmen.

Dann: Der brennende Busch, ein Phänomen, das ihn aufmerken lässt.

Langsam nähert er sich. Er spürt schon die beißende Hitze des Feuers auf seinem Gesicht. Da plötzlich hört er diese Stimme: “Mose! Mose!“ „Hier bin ich.“

 „Komm nicht näher! „Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden!“ Rasch schlüpft er aus seinen Sandalen.

 „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“

Erschrocken verhüllt Mose sein Gesicht. Und was er dann hört, kann er kaum glauben. Gott beauftragt ihn, das Volk Israel aus der Ägyptischen Knechtschaft zu befreien.

Ägypten steht für den sinnlosen Kreislauf des irdischen Daseins: Arbeiten und Essen und schlafen. Der Frondienst ist irgendwie erträglich und doch wieder nicht. Das Volk hat nicht gebetet, sondern geschrien und geklagt. Gott hört die bittere Klage und verspricht das Land, wo Milch und Honig fließt, Land der Sehnsucht.

Die Erinnerung an eine uralte Verheißung wird wach.

Gott öffnet Mose einen heiligen Raum. Barfuß betritt Mose den heiligen Boden, das barfuß bedeutet ungeschützt zu sein, Diener zu sein.

Es ist zugleich eine heilige Handlung, ein Bekenntnis: Ich gehöre ganz dir.

Hier ist Gott gegenwärtig – Ehrfurcht ergreift Mose. Gott spricht ihn an – eine Stimme aus dem Feuer, unnahbar und doch hörbar.

„Ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Isareliten, aus Ägypten führst.“  „Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe..“ Mose hat Angst, er hält diese Missoin für unmöglich, mission impossible.

Mose windet sich. Warum ich?  Die Israeliten werden nicht auf mich hören, weil ich nicht zu ihnen gehöre. Der Pharao wird mich gar nicht ernstnehmen. Schließlich bin ich geflohen, weil ich einen Mann erschlagen habe. Es gibt kein Zurück.

Mose sucht nach Gründen, diesen Auftrag abzulehnen.

 „Ich will mit dir sein.“ verspricht Gott. „Und wer bist du? Wie ist dein Name?“ will Mose wissen. Gott sprach zu Mose: „Ich werde sein, der ich sein werde.“

So übersetzt die neue Lutherbibel den Gottesnamen JAHWE. Im Judentum ist verboten, diesen Namen auszusprechen, sie sagen stattdessen adonaj, das heißt „Herr“.

JAHWE, diesen Code versuchen die Theologen schon seit Jahrhunderten zu entschlüsseln.  Die Herleitung vom hebräischen Verb für „sein“ liegt nahe.

„Ich werde sein, der ich sein werde.“ Übersetzt Luther. Andere Übersetzungen lauten:

„Ich bin, der ich bin (Elberfelder); "Ich bin euer Gott, der für euch da ist.(Hoffnung für alle);  »Ich bin, der ich immer bin.(Neues Leben). Oder auch:

„Ich bin das Wesen, welches ewig ist.“ „Der Ewige“ „Ich war, ich bin, ich werde sein.“

Jahwe – ein schillerndes Wort. Gott lässt sich nicht in einen Namen bannen. Was einen Namen hat, wird greifbar, begrenzt, zeitlich. Gott zeigt sich immer nur zu einem kleinen Teil und der ist für uns Menschen schon unfassbar groß.

Der neuzeitliche Mensch versucht, Gott abzuschaffen und aus eigener Kraft die Welt zu beherrschen: Frieden zu schaffen und eine gerechte Gesellschaft, Krankheit, Alter und Tod zu überwinden; die Sterne zu erobern. Bei all dem tritt er auf der Stelle und vergeudet seine Energie auf Dinge, die ihn seinem eigentlichen Ziel nicht weiterbringen.

Tief in seiner Seele spürt er die Sehnsucht nach dem Land, in dem Milch und Honig fließen, weil Gott und die Menschen im Einklang sind.

Die Redewendung stammt aus dem Alten Testament "ein Land, in dem Milch und Honig fließen" steht für das Paradies. Milch ist ein Symbol des Überflusses und des Wohlstandes. Ein Säugling braucht nichts anderes als Muttermilch. Es ist alles darin enthalten, was das Leben fördert.

Honig gilt als das reinste Produkt aus der Natur. Wegen dieser  Reinheit ist der Honig ein Sinnbild für das Wort Gottes. In Milch und Honig vereinen sich Vergangenheit und Gegenwart.

Der Brunnen der Vergangenheit ist tief. Wagen wir uns ein Stück weiter in Richtung Gegenwart.

Tausend Jahre später macht Gott sich selbst auf den Weg zu den Menschen. Als Vater, Sohn und heiliger Geist begegnet er uns. Jesus kommt mit einer neuen Mission. Wieder geht es um eine Befreiung und um ein faszinierendes Feuer.

Und wer ist Jesus?

„Die Inkarnation der kosmischen Energie in einem Menschen, der uns mit der göttlichen Dimension in uns selbst in Verbindung bringt.“

„Der Sohn Gottes, der für unsere Sünden am Kreuz starb und auferstanden ist.“

„Jesus offenbarte uns Gottes Liebe, heilte, segnete und schenkte Vergebung.“

„Jesus ist der Messias, der Gesalbte Gottes, von dem die Propheten sprachen, ihn als Friedefürst und Wunderrat bezeichneten.“

„Jesus, der Wanderprediger, der das Reich Gottes ankündigte und alle, ohne Ansehen der Person dahin einlud.“

„Ich bin das Licht der Welt!“ und „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ ermutigt Jesus seine Jünger und Jüngerinnen.

So hat Paulus das formuliert in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth: 2. Kor 4, 6

„So hat er auch sein Licht in meinem Herzen aufleuchten lassen und mich zur Erkenntnis seiner Herrlichkeit geführt, der Herrlichkeit Gottes wie sie aufgestrahlt ist in Jesus Christus.“

Ich fühle mich angezogen von diesem Licht. Ich spüre, welche Kraft davon ausgeht. Ich spüre diese Kraft in mir. Ich weiß, dass ich dieses Licht brauche. Es macht mir Mut für mein Leben und für meine Arbeit – trotz aller Widerstände. Es offenbart mir Stück für Stück, wer ich bin in Vergangenheit – Gegenwart. So wage ich es, weiterzugehen, fürchte die Zukunft nicht.

Ich steige aus dem Brunnen der Vergangenheit, suchend und sehnend, weiß mich eingebettet in Gottes Gegenwart. „Ich bin da - Ich werde sein, der ich sein werde.“ spricht Gott auch in meine Gegenwart hinein.

Ich bin derselbe, der sich Mose im brennenden Dornbusch offenbarte und das Volk ins Gelobte Land führte. Ich bin derselbe, der seinen Sohn auf die Erde schickte als Licht der Welt. Ich bin derselbe, der dir das Leben schenkte und es mit Sinn und Hoffnung erfüllt zu jeder Zeit.

Und stimme ich ein in das Gebet aus uralten Zeiten: (aus Psalm 139)

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

Amen.

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Haike Gleede

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Du bist o.k.
Haike Gleede
Du bist o.k.

Worte sind manchmal nur Worte - Nichts als Worte – leere Worte

Worte sind manchmal nur Worte, Sagen, was sie nicht meinen

Sind hohles Gerede, sind schmerzhafte Worte, weil sie nicht wahrhaftig sind.

Worte sind manchmal auch Taten

Mehr als Worte  -  Bauen auf, machen Mut

Worte sind manchmal auch Taten

Wirken und helfen, sind heilsame Worte,  weil sie wahrhaftig sind.

Worte sind manchmal von Gott

Gottesworte , Voll himmlischer Kraft,

Voll irdischer Geltung

Worte sind manchmal Gottesworte

Gottes Wort im Menschenwort.

 

Liebe Gemeinde!

Regelmäßig treffen sich die Johannesschüler. Sie stehen in der Nachfolge von Jesus Christus und setzen sich im 1. Jahrhundert nach Christus mit theologischen Fragen auseinander.

Was ist das Besondere am christlichen Glauben. Wie vermitteln wir den Menschen den Glauben an Jesus. Sie selbst haben ihn nicht mehr gekannt, aber sie kannten Johannes. Bei ihm haben sie viel über den neuen Glaubensweg erfahren. Johannes hat viele Zeugen befragt, mit Menschen gesprochen, die Jesus erlebt haben. Er hat Schriften gefunden, die von ihm berichten. Alle diese Informationen hat er zusammengefasst  und sich ein eigenes Bild über Jesus Christus gemacht. Im Johannesevangelium können wir es nachlesen. Seine Schüler, die seine Tradition weiterführten, nennt man den Johanneischen Kreis. Von ihnen stammen die drei Johannesbriefe und die Offenbarung. Die Johannesbriefe spiegeln etwas vom Ringen um den Glauben wieder in einer Zeit der Anfechtung. Die Johannesschüler suchen nach wahrhaftigen Worten voll himmlischer Kraft und irdischer Geltung.

Das Christentum forderte ein Umdenken. Es ging nicht mehr darum, einen Gott zu verehren, der weit weg in anderen Sphären die Welt regierte.  Oder Gott mit Opfergaben gnädig zu stimmen und Gesetze bis aufs letzte zu befolgen. Jetzt hatte der Glaube etwas mit jedem einzelnen Menschen zu tun. Der Glaube wurde zu einer ganz persönlichen Lebenshaltung, die  eine Bedeutung hatte für das Zusammenleben der Menschen.

Jeder war gefordert, über seinen Glauben, sein Gottesbild und sein Menschenbild nachzudenken. Der Austausch war nicht leicht, gab es ja noch keine Medien, die Informationen binnen Minuten in die ganze Welt schicken konnten.  Damals im ersten Jahrhundert, da flossen die Informationen nicht so schnell wie heute. Da wurden sie von Mensch zu Mensch weitergegeben.

Diese Briefe haben es bis zu uns heute geschafft und der Abschnitt aus dem 1. Johannesbrief ist einer der beliebtesten Bibeltexte geworden. Es liegt eine große Kraft darin. Die Ur- Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Harmonie leuchtet zwischen den Zeilen auf.  Er bringt die neue Glaubenshaltung auf eine einfache Formel:

„Gott ist Liebe“.

Die Liebe ist eine göttliche Quelle, die in uns fließt. Die Griechen nennen diese Liebe „agape“ im Unterschied zu „eros“, der begehrlichen Liebe, und „philia“, der Freundesliebe. Der erste Johannesbrief spricht von der Liebe als einer göttlichen Kraft, die uns geschenkt ist. 18mal kommt in diesem Abschnitt das Wort „Lieben/Liebe“ vor und immer steht im griechischen Texte eine Form von agapein – Agape, meint die mitmenschliche Liebe, die Nächstenliebe.
Wenn wir diese Liebe in uns spüren, dann bekommt unser Leben eine neue Qualität.

Seit Jesus als das fleischgewordene Wort Gottes in diese Welt gekommen ist, ringen die Christen darum zu verstehen, was das bedeutet. Gott wurde Mensch, er ist nicht mehr unnahbar, sondern trifft uns mitten ins Herz. Jesus ging durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Er scheute auch das Leiden und den Tod nicht. Beides gehört zum Leben. Gott gesellt sich zu uns. Er lässt uns nicht allein in unserem Schmerz. Er ist in uns lebendig, weil er die Liebe ist. Diese Liebe ist die Kraft, die unser Leben antreibt, es lebenswert macht und uns mit Hoffnung erfüllt.

Worte sind manchmal von Gott - Gottesworte , Voll himmlischer Kraft,- Voll irdischer Geltung-Worte sind manchmal Gottesworte-Gottes Wort im Menschenwort.

Der christliche Glaube fordert uns Menschen, Gott fordert uns auf, fordert heraus, so wie Jesus es mit dem Gleichnis vom Barmherzigen Samariter tut. Nicht alle nehmen diese Herausforderung an, manche fühlen sich eher überfordert.

Aber was ist die Alternative?

Welche Worte bringen uns weiter in unserem Menschsein, in unserem Miteinander? Welche Worte ruft die Liebe in uns hervor?

Es gibt so viele Worte, so viele Informationen auf dieser Welt. Nicht alle tun uns gut, nicht alle bewirken etwas Gutes.

Worte sind manchmal nur Worte, Sagen, was sie nicht meinen, Sind hohles Gerede, sind schmerzhafte Worte, weil sie nicht wahrhaftig sind.

 

Ich war kürzlich auf einer Tagung. Ein Thema war die Frage nach der Rolle und der Haltung. Mit welcher Haltung gehe ich in ein Gespräch oder versuche einen Konflikt zu lösen. Die Dozenten dort haben an einem alltägliches Beispiel drei Grundhaltungen dargestellt:

Zwei Menschen hantieren in der Küche. Ein Glas geht zu Bruch.

  1. Reaktion: Was bin ich für ein Tolpatsch. Immer fällt mir etwas runter.

„Ich bin nicht o.k. – du bist o.k.“

  1. Reaktion: Welcher Idiot hat das Glas ausgerechnet da hingestellt!?

„Ich bin o.k. – du bist nicht o.k.“

  1. Reaktion: Schade um das Glas. Komm, wir räumen die Scherben weg. So etwas kann schon mal passieren. „Ich bin o.k. und du bist o.k.“

In welcher Haltung schwingt am meisten Liebe mit? Welche Haltung trägt dazu bei, einen Konflikt zu lösen.

Die erste Haltung ist geprägt von einem Minderwertigkeitsgefühl. Ich bin nicht o.k. – Angst und Scham spielen eine große Rolle. Im schlimmsten Fall läuft dann einer Amok um die Welt auf sich aufmerksam zu machen. Er sehnt sich danach, gesehen zu werden, weil er auch mal stark sein will. Es kostet das Leben vieler Menschen und am Ende auch sein eigenes.

Die zweite Haltung ist geprägt von Überheblichkeit und Hochmut. Da fühlt sich einer klüger, stärker als die anderen und meint, über sie urteilen zu können. So eine Haltung sehe ich in extremer Form bei den Terroristen der IS, die meinen die Welt von den Falschdenkern befreien zu müssen. Nur unsere Lebenseinstellung ist richtig und gottgewollt. Wer das nicht einsehen will, wird dazu gezwungen oder vernichtet.  Eine gefährliche Haltung.

Die letzte Haltung ist eine gute Basis, gemeinsam zu schauen, was der beste Weg ist für alle. So kommen wir zu einer Lösung, die für alle gut oder zumindest akzeptabel ist.

Jesus setzte das Doppelgebot der Liebe über alle anderen Gebote.

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Mt 22, 37-39

Der Johannesbrief deutet das so: „Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott.“

Seinen Nächsten zu lieben - das bedeutet, auch mal über seinen Schatten zu springen. So wie der barmherzige Samariter, der einem Verletzten hilft. Und das obwohl der nicht zu seinen Glaubensgenossen gehört, obwohl Feindschaft herrscht zwischen Samaritern und Juden. Die Liebe ist stärker als das Gesetz, als alle gesellschaftlichen Regeln.

Liebe baut eine Brücke, auf der Menschen sich immer wieder neu begegnen können. Liebe lässt die Möglichkeit zur Vergebung offen. Liebe sieht den anderen liebevoll und wertschätzend an.

Sich selbst ebenso zu lieben heißt, dass ich mich selbst auch wohlwollend und liebevoll anschaue. Wenn ich mich von Angst beherrschen lasse, mache ich mich klein und ziehe mich zurück. Bloß nichts falsch machen! Bloß keine Kritik!

 Oder ich erhebe mich über den anderen und spiele mich als Sieger auf, wo es nichts zu gewinnen gibt.

Oft lassen wir uns beherrschen von vielen Stimmungen und Meinungen, werden beeinflusst durch das, was andere sagen.

Sie ist weit verbreitet  - die Angst, wir streben nach Sicherheit und richten sich ein auf ihrer Position. Viele setzen sich nicht mehr mit ihrem Leben und schon gar nicht mit ihrem Glauben auseinander. Der christliche Glaube ist nicht einfach zu verstehen und ist auch keine Garantie für ein sorgloses Leben. Aber er weckt die Liebe in uns. Und sie ist die einzige Antwort auf Gewalt, Hass und Angst.

 Die Schüler des Johannes haben es genau auf den Punkt gebracht:1. Joh 4, 9-16

„Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

Amen.

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Liebe Gemeinde!

Regelmäßig treffen sich die Johannesschüler. Sie stehen in der Nachfolge von Jesus Christus und setzen sich im 1. Jahrhundert nach Christus mit theologischen Fragen auseinander.

Was ist das Besonders am christlichen Glauben. Wie vermitteln wir den Menschen den Glauben an Jesus. Sie selbst haben ihn nicht mehr gekannt, aber sie kannten Johannes. Bei ihm haben sie viel über den neuen Glaubensweg erfahren. Johannes hat viele Zeugen befragt, mit Menschen gesprochen, die Jesus erlebt haben und er hat Schriften gefunden, die von ihm berichten. Alle diese Informationen hat er zusammengefasst  und sich ein eigenes Bild über Jesus Christus gemacht. Im Johannesevangelium können wir es nachlesen. Seine Schüler, die seine Tradition weiterführten, nennt man den Johanneischen Kreis. Von ihnen stammen die drei Johannesbriefe und die Offenbarung. Für die Menschen damals war diese Art zu glauben etwas Ungewöhnliches. Es ging nicht mehr darum, einen Gott zu verehren und gnädig zu stimmen, der weit weg in anderen Sphären die Welt regierte. Jetzt hatte der Glaube etwas mit jedem einzelnen Menschen zu tun.

Plötzlich galt der einzelne wieder etwas, der Mensch kam in den Blick, dadurch das Gott sich in einem Menschen gezeigt hatte. Es war auch eine Herausforderung, weil nun jeder dazu aufgefordert war, über seinen Glauben, sein Gottesbild und sein Menschenbild nachzudenken. Der Austausch war nicht leicht, gab es ja noch keine Medien, die Informationen binnen Minuten in die ganze Welt schicken konnten.  Damals im ersten Jahrhundert, da flossen die Informationen noch nicht so schnell wie heute. Da wurde n sie von Mensch zu Mensch weitergegeben.

Die Schüler von Johannes treffen sich und sprechen über ihren Glauben. Lauschen wir einmal in eine ihrer Zusammenkünfte:

Sprecherin 1:       „Freunde, es sind viele Theorien über Jesus im Umlauf, manche sind einfach haarsträubend. „

Sprecherin 2: „Das stimmt, auch ich hörte davon, dass einige sich für die Erleuchteten halten und im Namen Jesus Christi die Menschen verwirren. Sie erzählen, Jesus sei gar kein Mensch gewesen, sondern eine Art Geist, der  magische Kräfte verleiht.“

Sprecherin 3: „Es bringt nichts, wenn wir uns mit den fremden Predigern anlegen und

versuchen sie zum Schweigen zu bringen. Es ist Zeit, dass wir den Menschen mitteilen, was wir über Jesus erfahren haben und was er für uns bedeutet. “

Sprecherin 1:       „Aber wie können wir die Menschen erreichen? Sollen wir auf eine Missionsreise gehen wie Paulus es getan hat?“

Sprecherin 2: „Vielleicht nicht wir, aber ein Brief von uns. Was haltet ihr davon?“

Sprecherin 3:      „Das ist eine gute Idee, aber was schreiben wir?“

Sprecherin 2: „Nun, das was das Besondere ist an dem, was wir glauben, was Jesus gelehrt

hat –den Kern des Glaubens, dafür müssen wir Worte finden.“

Sprecherin 1: „Brüder, liegt die Kraft des Glaubens nicht in der Liebe?“

Sprecherin 3: „ Ja, so kann man es sagen. Die Liebe ist eine starke macht. Danach sehnen

sich doch alle Menschen. Das ist ein guter Gedanke.

Sprecherin 1:  Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und

wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott.

Anders gesagt heißt das doch:

Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe.

Sprecherin 2:      „Woran erkennen wir Gottes Liebe?“

Sprecherin 3: Wir erkennen Gottes Liebe in Jesus. Warum sonst hätte er uns seinen Sohn

schicken sollen? Johannes schreibt es eindeutig:

„Und also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Sprecherin 1: Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott

seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen.

Sprecherin 2:Was bedeutet das für uns, was verändert sich durch diese Liebe?

Sprecherin 1: Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er

uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.

Sprecherin 3:       Ja, das ist gut – genau so hat Johannes es uns gelehrt. Das ist das, was die Nachfolger Jesus ausmacht: Sie leben aus der Vergebung!

Und das hat eine Auswirkung auf ihr Leben im hier und jetzt:

Sprecherin 1:      Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander

lieben.

Sprecherin 2:      Woher wissen wir denn, dass Gott uns wirklich liebt? 

Sprecherin 1:       Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.

Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.

Sprecherin 3:      Der Geist, der Heilige Geist kann Menschen verändern und letztlich auch

die Welt. Die Menschen laufen so vielen Geistern hinterher, lassen sich verwirren und tun dann Dinge, die niemandem dienen.

Sprecherin 1:       Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt.

Sprecherin 2:Unser gemeinsames Bekenntnis verbindet uns mit Jesus und auch mit Gott.

Sprecherin 1:      Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in

Gott. Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat.

Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Sprecherin 3: Ja, das sind gute Worte, die den Menschen zu Herzen gehen werden. Gottes

Liebe durchdringt alles und macht uns zu menschlichen Wesen, die barmherzig und friedlich einander begegnen. Mir macht das Mut. Die meisten Menschen leben doch in Angst. Angst vor Schmerz, Angst um ihr Leben, Angst vor Strafe.

Sprecherin 2:       Dafür sorgen die weltlichen Herrscher schon. Sie schüren die Angst. Sie benutzen Gott als Drohung: Gott wird euch strafen. Auch die Irrlehrer argumentieren so und versuchen die Menschen für sich zu gewinnen.

Sprecherin 1:       Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.

Sprecherin 3: Genau das ist es, was den neuen Glauben auszeichnet: Er droht nicht, sondern

ermutigt. Eine stärkere Kraft als die Liebe gibt es nicht. Sie allein führt die Menschen zusammen. In der Gemeinschaft zeigt sich, wessen Geistes Kind einer ist.

Sprecherin 1:      Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.

 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Sprecherin 2:       Brüder, genug für heute. Morgen beenden wir den Brief und dann schicken wir ihn in die Gemeinden.

Liebe Gemeinde!

So ähnlich stelle ich mir die Entstehung der Johannesbriefe vor. Sie spiegeln etwas vom Ringen um den Glauben wieder in einer Zeit der Anfechtung. Dieser Briefe hat es bis zu uns heute geschafft und ist einer der beliebtesten Bibeltexte geworden. Es liegt eine große Kraft darin, aber der Text drückt auch die Sehnsucht der Menschen aus.

Noch immer lassen sich die Menschen beherrschen von vielen Stimmungen und Meinungen. Das Problem heute ist nicht, dass wir keine Informationen haben, sondern eher, dass es zu viele sind. Wir können gar nicht mehr unterscheiden, was wirklich wichtig ist. Was betrifft mich und mein Leben wirklich? Lasse ich mich von der Angst beherrschen und lasse mein Herz nicht mehr zu Wort kommen? Und dann schotten wir uns ab, versuchen uns zu schützen.

Der irischer Schriftsteller  C. S. Lewis hat beschreiben, was geschieht, wenn wir die Liebe aus unserem Leben verbannen, weil wir Angst haben:

„Lieben heißt verletzlich sein. Liebe irgendetwas, und es wird dir bestimmt zu Herzen gehen, oder gar das Herz brechen. Wenn du ganz sicher sein willst, dass deinem Herzen

nichts zustößt, dann darfst du es nie verschenken, nicht einmal einem Tier. Umgib es sorgfältig mit Hobbies und kleinen Genüssen; meide alle Verwicklungen;

verschließ es sicher im Schrein deiner Selbstsucht. Aber in diesem Schrein –

sicher, dunkel, reglos, luftlos – verändert es sich.

Es bricht nicht; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerlösbar.

Die Alternative zum Leiden, oder wenigstens zum Wagnis des Leidens, ist die

Verdammung. Es gibt nur einen Ort außer dem Himmel, wo wir vor allen Gefahren und Wirrungen der Liebe vollkommen sicher sind: die Hölle.“

Ohne Liebe wird das Leben zur Hölle. Mich beeindruckt dieser Text, weil er spiegelt, was in der Gesellschaft vorgeht. Die Menschen haben Angst, streben nach Sicherheit. Viele setzen sich nicht mehr mit ihrem Leben und schon gar nicht mit ihrem Glauben auseinander. Der christliche Glaube ist nicht einfach zu verstehen und ist auch keine Garantie für ein sorgloses Leben. Seit Jesus in diese Welt gekommen ist, ringen die Menschen darum zu verstehen, was das bedeutet. Gott wurde Mensch, er ist nicht mehr unnahbar, sondern trifft uns mitten ins Herz. Jesus ging durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Er scheute auch das Leiden und den Tod nicht. Sie gehören zum Leben. Aber Gott gesellt sich zu uns. Er lässt uns nicht allein in unserem Schmerz. Er ist in uns lebendig, weil er die Liebe ist. Diese Liebe ist die Kraft, die unser Leben antreibt, es lebenswert macht und uns mit Hoffnung erfüllt.

Im Grunde haben die Schüler des Johannes es genau auf den Punkt gebracht:1. Joh 4, 9-16

„Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott.

Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

Amen.

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Pfingsten- Gottes Geist begeistert
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Pfingsten- Gottes Geist begeistert

Kennen Sie die Sendung mit der Maus? Neulich sah ich eine Umfrage zum Thema Pfingsten. Kinder befragten in einer Fußgängerzone die Passanten: Wissen Sie, warum wir Pfingsten feiern? Wissen Sie, was Pfingsten bedeutet. Das Ergebnis war erschreckend. große Ratlosigkeit. Kaum einer wusste, was Pfingsten bedeutet und warum wir es feiern. Untersuchungen haben ergeben, dass nur knapp die Hälfte aller Deutschen wissen, was an Pfingsten gefeiert wird.

Woran liegt das? Am schönen Wetter, das  die Menschen davon abhält einen Gottesdienst zu besuchen? Oder daran, dass es zu Pfingsten kaum eine Tradition gibt? Oder ist der Heilige Geist einfach so schwer zu greifen, dass wir mit ihm nichts anfangen können?

Weihnachten schmücken wir den Tannenbaum, bereiten ein festliches Essen vor. Kerzen und weihnachtlicher Schmuck zieren das Haus. Wir feiern die Geburt Jesu – darunter können wir uns etwas vorstellen.

Ostern färben wir Ostereier und verstecken sie im Garten. Auch das Osterfeuer stimmt uns auf das Fest ein. Jesus ist auferstanden, nachdem er am Kreuz gestorben ist. Der Tod gehört zu unserem Leben und wir wissen, was es bedeutet Abschied zu nehmen. Aber wir glauben an das ewige Leben bei Gott. Das ist unsere Hoffnung und unser Trost . Auch das ist nachvollziehbar.

Aber Pfingsten – was verbinden wir damit? Welche Traditionen pflegen wir?

Wir kennen das Pfingstbaumpflanzen.

Die Pfingstbäume sind frisch geschlagene junge Birken, die vor Haustüren befestigt werden. Dies geschieht regional unterschiedlich.  Der Pfingstbaum geht auf die Germanen zurück, die im Frühjahr junge Birken vor die Haustür gestellt haben sollen, um damit böse Geister zu vertreiben. In vergangener Zeit sollen junge unverheiratete Männer den Brauch des Pfingstbaumpflanzens gepflegt haben, um sich den ebenfalls noch unverheirateten Jungfrauen vorzustellen. Dazu gingen sie von Haus zu Haus und platzierten vor den Türen von Familien mit ledigen Töchtern eine junge Birke. Aber was hat das mit Pfingsten zu tun?

 

Auch Bräuche wie der Pfingstochse, das Pfingstfeuer oder Pfingstwasser aus einem Bach zu holen – sind uns doch eher fremd und sind meist heidnischen Ursprungs.

Aber was hat es denn nun wirklich mit diesem Fest auf sich?

Darüber erfahren wir etwas in der Apostelgeschichte. 40 Tage nach Ostern war Jesus in den Himmel aufgefahren. Er versprach seinen Jüngern, dass sie die Kraft des Heiligen Geistes empfangen würden. Bis dahin blieben die Jünger und Jüngerinnen einmütig zusammen. Sie versammelten sich im Obergemach eines Hauses.

Sie warten darauf, dass bald etwas Bewegendes geschieht.

Ihre Geduld und ihr Vertrauen wurden nicht enttäuscht. Nach 10 Tagen, also 50 Tage nach Ostern geschah es: Apg 2

„Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder.

Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.“

50 Tage nach Ostern wird bis heute Pfingsten gefeiert. Die Griechische Bezeichnung pentekosté– bedeutet der 50. (Tag). Es ist der feierliche Abschluss des Osterfestes und der Geburtstag der Kirche. Der erste christliche Gottesdienst wurde an diesem Tag unter freiem Himmel gefeiert und begeisterte tausende Menschen unterschiedlichster Herkunft. 3000 Menschen ließen sich taufen und bekannten sich damit zu Jesus Christus. Seine Botschaft geht von da an um die Welt.

Es ist nicht einfach zu beschreiben, was damals geschah und wie der Geist wirkte.

Die Bibel berichtet von einem gewaltigen Sturm.

Der Wind ist ein Bild für den belebenden Geist und ein kraftvolles Symbol für die Veränderung.

Von Feuerzungen ist die Rede. Das Feuer steht für Reinigung und Erneuerung, und symbolisiert Leidenschaft und göttliche Kraft. Der Geist Gottes bricht gewaltig und unübersehbar auf sie herein. Kraftvoll und beinahe beängstigend. Aber die Jünger fürchten sich nicht, denn sie waren ja vorbereitet. Darum laufen sie nicht in blinder Panik aus dem Haus, sondern gingen ganz gezielt nach draußen. Alle Zweifel werden verweht, alle Ängste ausgelöscht und ihnen ist auf einmal klar, was zu tun ist. Eine ungeheure Energie erfüllt sie und sie wissen, das kann nur Gott sein. Offenbarte er sich nicht schon Mose im brennenden Dornbusch?

Was sie zuvor niemals gewagt hätten, das tun sie jetzt: Sie gehen auf die Straße und predigen den Menschen vom Reich Gottes und von seiner brennenden Liebe. Sie erzählen von ihren Erfahrungen mit Jesus und von seinen Verheißungen. Der Funke springt über. Die Menschen, die eigentlich zum Laubhüttenfest nach Jerusalem gekommen sind, werden hellhörig. Ein paar Skeptiker spotten noch: Die sind wohl betrunken. Aber auch die verstummen bald. Denn auch sie hören die Apostel in verschiedenen Sprachen predigen.

Jeder, der mal versucht hat, eine Fremdsprache zu erlernen, weiß wie mühsam das ist. Wenn wir im Urlaub ins Ausland fahren, sind wir froh, wenn es Menschen gibt, die unsere Sprache sprechen. Schnell merken wir, welch eine Barriere das ist, wenn man sich nicht verständigen kann.

Aber es gibt eine Sprache, die alle Menschen auf der ganzen Welt verstehen können: Ein Lächeln, eine freundliche Geste, die Hand, die ein Glas Wasser reicht oder ein Stück Brot – das sind klare Zeichen. Das haben wir erlebt, als die Flüchtlinge in unser Land strömten. Viele Menschen haben sich eingesetzt, haben ihnen geholfen und so das Überleben der Fremden gesichert. Sicher gab und gibt es auch Kritiker und solche die spotten. Hoffen wir, dass auch die bald verstummen. Der nächste Schritt wird sein, den diese Fremden zu Nachbarn werden zu lassen, sie in unsere Gesellschaft zu integrieren und ihnen eine Perspektive zu geben.

Die Pfingstgeschichte erzählt davon, wie Menschen durch den Heiligen Geist eine Sprache finden. Jeder hört seine vertraute Muttersprache. Alle fühlten sich angesprochen.

Gott richtet sein Friedensreich auf unter den Menschen.

Der Heilige Geist kann nur da einkehren, wo man ihn einlässt und wo man auf ihn vorbereitet ist. Ich glaube, dass viele Menschen nicht die Geduld haben, auf ihn zu warten. Viele andere Geister dringen in unser Leben ein.

Jesus wurde oft gerufen, um Geister auszutreiben. Auch in unserer Zeit werden immer noch viele Menschen von unguten Geistern beherrscht. Ich denke da an den Geist der Habgier und des Neides, an den Geist der Machtbesessenheit und des Egoismus, und sicher auch den Geist der Angst und der Missgunst.

Der Heilige Geist sucht offene Menschen, die mutig sind, sein Werk zu vollenden. Menschen, die sich leiten lassen von Liebe und Vertrauen, von Sanftmut und Gerechtigkeit. Nur so können die Ketten der Angst gesprengt werden und die Hürden des Nichtverstehens überwunden werden.

Der Heilige Geist lehrt uns die Sprache der Liebe, die auch ohne Worte versteht.

Er ist der Wind, der uns antreibt und das Feuer, das in uns brennt.

Wenn wir uns von ihm ergreifen und erfüllen lassen, sind wir dem Reich Gottes schon ein Stück nähergekommen.

Lothar Zenetti hat ein Gedicht geschrieben über Pfingsten, ein Pfingstlied:

Ich möchte mich ihm anschließen und den Heiligen Geist bitten:


Komme, geheimnisvoller Atem,

leise zärtlicher Wind,

hauche uns an, damit wir leben,

ohne dich sind wir tot!

 

Komme, in Feuer und Flammen,

zünd uns an wie ein Licht,

mache uns trunken von der Liebe,

wir sind starr, tau uns auf!

Komme, Erfinder neuer Sprachen,

gieß dich aus über uns,

rede in uns mit neuen Zungen,

komm, begeistere uns!

 

Komme, du Hoffnung aller Armen,

schaffe den Wehrlosen recht,

dass die gebeugten sich erheben,

dass sich die Völker befrein!

 

Komme, du Tröster aller Müden,

Stille mitten im Lärm,

schaff uns Pausen,

lass uns ausruhn in dir!

 

Komme, du Taube übers Wasser,

bring den Ölzweig herbei,

bring uns das Zeichen für den Frieden,

den die Erde ersehnt!

 

Komme, vom Vater und vom Sohne,

komme du schaffende Kraft,

Mache uns neu, und unsere Erde hat ein neues Gesicht!

Amen.

 

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Haike Gleede

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Vater unser - das Gebet mit sieben…
Haike Gleede
Vater unser - das Gebet mit sieben Himmelsrichtungen

In Spanien ist heißer Sommer. Das Land ist trocken und dürr, Menschen und Tiere dürsten. In einem Dorf ruft der Priester seine Gemeinde zu einem Bittgottesdienst zusammen. Gott soll Regen schicken. Seine Predigt beginnt der Pfarrer anders, als die Menschen es erwartet haben: „Aus mehreren Dörfern seid ihr zusammengekommen, damit wir unsere Kraft im Gebet vereinigen und Gott es endlich regnen läßt. Doch was sehe ich? Keiner glaubt an den Erfolg unseres Betens. Niemand ist mit Mantel und Schirm gekommen...!“

 

Und Sie ? Liebe Gemeinde!

Glauben Sie an die Kraft des Gebetes?

Beten – das ist ja auch nicht so einfach, beten will auch gelernt sein. Wie man es richtig macht – das beschäftigte schon die Menschen zu Jesu Zeiten. Und er gibt ihnen in der Bergpredigt eine detaillierte Gebetsanleitung: Kein Zur Schau stellen der eigenen Frömmigkeit, kein Geplapper, sondern nur wenige Worte genügen. Von Herzen sollen sie kommen und ehrlich gemeint sein, dann wird Gott uns hören, ja er hört sogar das Unausgesprochene, das Seufzen und das Schweigen.

In der Bergpredigt ist uns das Gebet überliefert, das Christen seit Jahrtausenden miteinander verbindet – weltweit. Jesus hat es damals formuliert, ein Gebet, das alle Lebensbereiche des Menschen anspricht und bis heute seine Kraft nicht verloren hat:

Das Vater unser.

Jeder hat es wohl schon unzählige Male gebetet. In jedem Gottesdienst sprechen wir es. Wer hätte noch nicht bei einer Trauung oder Taufe seine Wünsche für die Zukunft hineingelegt oder es in einer schwierigen Situation als Orientierungshilfe erlebt. Am stärksten zeigt es seine tröstende und heilsame Kraft gesprochen am Grab eines lieben Menschen. Und am Bett eines Sterbenden entfaltete es seine erlösende und befreiende Wirkung.

Wie vielen es Kraft und Halt gegeben hat und noch geben wird, kann niemand zählen. Diese Worte sind ein Phänomen, nicht mehr wegzudenken aus unserem Leben. Sie treffen immer den richtigen Ton.

Es ist sicher kein Zufall, dass es 7 Bitten beinhaltet.  7 ist eine heilige Zahl, eine göttliche Zahl, die Zahl der Vollkommenheit. Und dass dieses Gebet vollkommen ist – das kann wohl niemand bezweifeln.

Die Zahl sieben ist die Summe der Göttlichkeit und Menschlichkeit, denn sie setzt sich aus drei plus vier zusammen. Die drei steht für Gott, die vier für die Welt. So setzt dieses Gebet in genialer Weise Gott und Mensch in Beziehung zueinander. Gleichzeitig öffnet es sieben verschiedene Blickrichtungen auf das Leben und auf Gott.

Vater unser im Himmel,

Damit ist schon mal die erste Richtung festgelegt: das Gebet geht an den Vater im Himmel. Es ist also kein Selbstgespräch, sondern ich habe ein Gegenüber, nämlich den himmlischen Vater der mir zuhört.
Gott ist meine Vertrauensperson, zu ihm kann ich – im Vertrauen – beten.
Die ersten drei Bitten beziehen sich auf das Heilige, auf Gott.

geheiligt werde dein Name:

Schon oft haben wir seinen Namen mißbraucht, haben an Menschen und Dinge unser Herz gehängt, als könnten wir durch sie die Welt besitzen. Wir haben nicht bedacht, dass du der Schöpfer bist, der alles verbindet und durchströmt. Alles mögliche war uns plötzlich heilig, aber an Gott haben wir nicht gedacht.

Diese Bitte lenkt den Blick zurück auf das eigentlich, in mein Herz und erinnert mich: Was ist dir wirklich heilig? Was macht dein Leben heil?

Dein Reich komme!

Es geht um Gottes Reich, liebe Gemeinde. Um die kommende Herrlichkeit, die Gott uns versprochen hat, die neue Welt, die uns erwartet. Die Blickrichtung geht in die Weite.

Oft sind wir sehr beschäftigt damit, unser eigenes kleines Reich aufzubauen und zu verteidigen. Wir versuchen die Welt zu verändern und scheitern doch immer wieder. Wir kommen an unsere Grenzen und erkennen, dass er der einzige ist, der wirklich ein Friedensreich schaffen kann.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Wie oft versuchen wir anderen unseren Willen aufzuzwingen, einzugreifen in  den Lauf der Dinge. Wie oft tun wir nicht seinen Willen und wenn aus menschlicher Sturheit und Egoismus heraus etwas passiert, dann rufen wir entsetzt: Wie konnte Gott das zulassen! Angebrachter wäre, öfter zu fragen: Wie konntest du, Mensch, das zulassen?

Es ist an der Zeit, viel mehr nach Gottes Willen zu suchen, im Schweigen und hören ihm nachzuspüren.

Gott führt unseren Blick von oben nach unten, vom Himmel auf die Erde.

Die vier weiteren Bitten betreffen das menschliche Leben.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Das ist eine sehr konkrete Bitte und sie betrifft uns alle hautnah. Wir brauchen Nahrung und Kleidung, wir brauchen Liebe und Freiheit zur Entfaltung, wir brauchen Menschen, um zu überleben. All das schenkt Gott einfach so. Und wir nehmen es so selbstverständlich.

Unser tägliches Brot- dabei muß ich immer an die Wüstenwanderung denken.

Mose zieht mit dem Volk Israel durch die Wüste. Was sollen sie essen? Und dann speist Gott sie mit Manna. Aber es gibt eine Regel. Jeder darf nur so viel sammeln wie er an einem Tag essen kann. Sammelt er mehr, verdirbt es. Ich glaube, es ist kein Segen, dass wir so vieles im Überfluss haben. Manches Mal können wir uns gar nicht entscheiden, was wir wollen und vor allem, was wir brauchen. Wir wollen alles und noch mehr. Und noch immer ist es nicht genug und nie das Richtige. Darum bitte ich darum:

Unser tägliches Brot gib uns heute, nicht mehr und nicht weniger, damit wir lernen, sinnvoll mit den Gaben der Erde umzugehen, so dass es für alle reicht.

Das ist der Blick in die Gegenwart, der von Gott erwartet, was wir zum Leben brauchen.

Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Das ist der Blick in den Spiegel. Ich sehe mich selbst und ich sehe, dass Gott hinter mir steht. Er lenkt meinen Blick von mir auf andere. So, wie Gott mich anschaut, so soll auch ich die anderen anschauen. ” Wie Gott mir, so ich dir” Gott schaut mich liebevoll an, ist bereit, mir zu vergeben. Und diesen liebevollen Blick, den soll ich auch an andere weitergeben.

Wir sind oft ungeduldig und ungerecht. Schwäche macht verletzbar. Darum versuchen wir sie zu verbergen und davon abzulenken. Das geht am besten auf Kosten eines anderen. Wir zeigen mit dem Finger auf ihn und legen unseren Finger in seine Wunden. Immer wieder werden wir schuldig, weil wir mehr an uns selbst denken als an unseren Nächsten. In uns steckt so eine unsägliche Angst, zu kurz zu kommen, dass wir blind werden für die Bedürfnisse anderer. Das haben wir doch nicht nötig, denn Gott nimmt all unsere Schuld auf seine Kappe, damit wir uns frei begegnen und fair und gerecht miteinander umgehen und uns in die Augen sehen können.

Und führe uns nicht in Versuchung, …

Gott führt uns an den Abgrund des Lebens. Wagen wir den Blick in die Tiefen der Menschlichkeit, in das Abgründige in uns? Wir hängen zwischen Himmel und Hölle. Nicht alles um mich herum und in mir zieht mich zum Guten. Ich sehe auch, dass ich als Mensch Fehler habe, anfällig bin für Versuchungen.

Manchmal sind wir versucht, nur an das zu glauben, was vor Augen ist und verlieren den großen göttlichen Zusammenhang dabei völlig aus dem Blick.

So geschieht leicht, dass wir Gottes Plan, seine Schöpfung und seine Verheißungen in Frage stellen. Dann tauschen wir unser Vertrauen in den ewigen Gott ein gegen ein vermeintliches Glück. Versuchung - das ist die Bequemlichkeit, sich bloß nicht mit den unangenehmen Dingen des Lebens auseinanderzusetzen, den einfachen Weg zu suchen, um am Ende festzustellen, dass der nirgendwohin führt.

Oder leichtfertig zu sagen: Hat doch alles keinen Sinn. Warum soll ich mich um andere bemühen, was hab ich davon? Undank ist der Welt Lohn.

Mit dieser Haltung werden wir das Reich Gottes unter uns nicht zum Leuchten bringen.

Aber es ist da, es ist mitten unter uns, es liegt an uns, es sichtbar und spürbar zu machen.

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Wieder geht der Blick in den Himmel – Gott lass uns unsre Abgründe überwinden!

Wer oder was ist böse? Solcenicyn hat einmal gesagt: Wenn es so einfach wäre, die Guten von den Bösen zu unterscheiden, dann könnte man leicht das Böse verbannen. Aber der Riss zwischen Gut und Böse geht durch das Herz eines jeden Menschen.

Böse ist alles, was uns von Gott trennt. Jesus Christus nimmt das alles auf sich, um Raum zu schaffen für Gottes Liebe. Sie will auch in unserem Leben verwirklicht werden. Damit wir bekennen:

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

jetzt, am Schluss dieses Gebet geht unser Blick nach vorn, und zugleich auch hoffnungsvoll in die Zukunft. Unser Leben ist ein Teil von Gottes Ewigkeit.
Dieser Schlusssatz des Vater unser deutet etwas an von der Vollkommenheit, zu der Gott uns führen will.

Vollkommenheit strahlt das ganze Gebet aus. Ich spüre es bei jeder der 7 Bitten, dass Gott selbst sie uns in den Mund legt, weil nur er weiß, was wir wirklich brauchen. Amen.

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Haike Gleede

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Mo. 16.11.15
Gott stirbt mit den Sterbenden. Gott weint…
Ina Jäckel
Gott stirbt mit den Sterbenden. Gott weint mit den Weinenden.

Gott stirbt mit den Sterbenden. Gott weint mit den Weinenden.

 

  1. Paris

Freitagabend, kurz vor Mitternacht.

Gegen Ende des Fußballspiels rang der Kommentator nach Worten:

„Keiner hier von uns hat jetzt noch groß Lust,

das Spiel hier zu kommentieren,

da es gegen das, was da draußen passiert ist, so nebensächlich ist.“

Das Fußballspiel lief nur weiter, um eine Massenpanik zu verhindern.
Zeitgleich außerhalb des Stadions:

Grollende Detonationen – zeitgleich an mehreren Orten.

Schüsse und Schreie.

 

Ich sitze auf dem Sofa und kann meinen Blick nicht von den Bildern im Fernsehen abwenden.

Mir fällt nichts ein, was ich sagen könnte.

Mein Mann sitzt stumm neben mir.

Uns beiden fehlen die Worte.

Die Bilder, die über den Bildschirm huschen, brauchen keine Worte.

Verwackelte Handykamerabilder: Verletzte Menschen, panische Gesichter,

ein einzelner Schuh, der auf dem Bürgersteig steht, verloren, wie das Leben des Menschen, der diesen Schuh einmal getragen hat.

 

Einen Tag später, gestern: Neue Bilder im Fernsehen und im Internet.

Paris im Ausnahmezustand.

Schulen, Universitäten, Museen, Bibliotheken, Schwimmbäder und viele andere öffentliche Einrichtungen bleiben geschlossen.

Bis Mittag steht die Stadt still, kaum ein Auto fährt.
Ich bin gerührt über die Solidarität,

die die Franzosen aus aller Welt erfahren.

Beileidsbekundungen aus allen Ecken der Welt,

erste Reden von Politikern, Worte der Kanzlerin.

Überall spürt man das Entsetzen: beim Bäcker, beim Köster, auf der Straße, im Fernsehen:

Deutschland trauert mit Frankreich.

 

2. Das hat Folgen!

Der Text, den wir gerade in der Lesung gehört haben, den kann ich kaum hören oder lesen ohne dabei an diese schrecklichen Terrorattentate zu denken.

Was du tust, das hat Folgen, sagt Jesus und malt seinen Zuhörern Bilder vor Augen:

So wird es sein, sagt Jesus, dann, wenn Gott Gericht über die Welt hält.

Ein Richterstuhl, hoch oben und Jesus sitzt dort – eingesetzt von Gott als Richter über alle Welt.
Vor ihm die versammelte Menschheit, alle Völker, alle Menschen, die leben und jemals gelebt haben.

Und sie werden Angst haben. Manche wohl zu Recht.
Alle wissen: der Tag ist da.

Und Jesus wird das Urteil über die Welt sprechen.
Aber Jesus tut nichts Großartiges.
Er gruppiert die Menschen etwas um.
Die einen sortiert er zur Rechten und die anderen zur Linken. Das war’s.
Eine Gruppe von Menschen links, eine andere rechts.

Arm und reich, alle Nationen und Religionen durcheinander.
Zu der Gruppe, die rechts steht, wird Jesus sagen:
Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet. Nehmt Gottes neue Welt in Besitz, die er euch von allem Anfang an zugedacht hat.

Alle werden verwirrt sein.

Die auf der rechten Seite: Denn sie wissen nicht, was sie schon getan haben, dass sie das verdienen

Und auch die auf der linken Seite wissen nicht, womit sie es verdient haben: die Dunkelheit, die sich um sie herum ausbreitet und einhüllt in dichten Schwaden…

Zwei Seiten: Schafe und Böcke. Strafe und Belohnung.

 

All das ist mir im Grunde sehr fremd.

Ich habe lange überlegt, ob der Text überhaupt zu diesem Tag passt.

Und ich denke: Jetzt erst recht.

Was du tust, das hat Folgen, sagt Jesus.

Die Realität in Paris hat Folgen.

Die realen Bilder haben die Bilder, die Jesus da vor Augen mal, überholt.

Gemeinsam mit Frankreich trauert Deutschland um 132 Menschen, die friedlich feiern wollten,

Musik hören, Essen gehen.

So eine Welle deutscher Solidarität wäre vor 70, 75 oder 100 Jahren undenkbar gewesen.

Da haben alle um ihre gefallenen Helden getrauert.

Heute weinen Menschen dieser zwei Staaten gemeinsam. Über Grenzen hinweg.

Wenn man sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts anschaut, ist das ein Wunder.

Im 1. Weltkrieg kommentierte der deutsche Generalstabs-Chef Erich von Falkenhayn die 370.000 Toten von Verdun mit dem Satz

„Man muss dem Feinde etwas Blut abzapfen.“

Wenige Jahre später wiederholt sich der deutsche Feldzug nach Frankreich.

Wieder gibt es eine riesige Menge toter Menschen.

Und nach den Kriegen wurde der gefallenen Helden gedacht.

Heldengedenktag - damals! Unzählige Denkmäler erinnern daran.

An die eigenen Helden, nicht an die Verstorbenen der anderen Länder.

Irgendwann dann der Umschwung: Volkstrauertag.

Gemeinsam gegen das Vergessen der Gräueltaten, gemeinsam erinnern an die gestorbenen Menschen.

Aus allen Ländern, aus allen Kriegen.

Gemeinsam erinnern an die Gefallenen

aus Brockel und Rotenburg und Verdun.

Und unzählige Tote mehr.

65 Millionen Tote nur in den zwei Weltkriegen.

Seitdem noch einmal genau so viele.

Jahrhunderte lang Feindschaft und Krieg.

Und gestern weint die deutsche Kanzlerin um französische Terroropfer.

Dieses Wunder der Versöhnung hat vor allem zwei Dinge gebraucht.

Verzicht auf Gewalt - und Zeit.

Menschen, die sich entschieden haben:

Wir wollen keine Gewalt mehr, sondern Frieden.

Menschen, die dem Frieden und der Versöhnung eine Chance gegeben haben, zu wachsen.

Mit der Zeit.

 

Und jetzt stehen wir trauernd Seite an Seite.

Mit den Gedanken in Paris.

Das Traurige ist:

So schockierend das ist – es ist nichts Neues!

Es passieren ständig schockierende Sachen.

Und es werden schockierendere folgen.

Wie es schon immer Schockierendes gab.

Am 11. September 2001.

Fast täglich im Irak und in Syrien,

von den Terroristen und von der Regierung.

Und an so vielen Orten in der Welt.

Immerzu.

 

Manche denken: Es wird immer schlimmer.

Aber das stimmt nicht.

Es wird nicht immer schlimmer werden.

Es ist schon immer schlimm.

Und es war schon immer schlimm.

Und immer dachten die Menschen:

So schlimm war es noch nie.

 

Krieg und Terror sind auch letzte Woche schon ein Teil der Welt gewesen.

Auch die Gewalt, die von westlichen Staaten ausgeht,

um wiederum den Terror zu bekämpfen.

Diese Staaten wissen aber auch, dass ihre Gewalt immer wieder neue Gewalt gebären wird.

Wir stehen davor und sind hilflos.

Wir sind uns bewusst, dass wir als einzelne Menschen nicht die Macht haben, so etwas zu verhindern.

 

3. Die Kraft der Wahl

Wir können auch nicht das Morden in Afghanistan,

dem Irak und in Syrien aufhalten.

Und trotzdem können wir etwas tun,

mit unserer kleinen Kraft und unserer großen Macht,

die Gott jedem Menschen zugestanden hat:

Wir können wählen.

Wir können der Angst und dem Hass nachgeben,

uns vergiften lassen von den Gewalttaten der Anderen,

und dann also Gewalt zurückgeben,

misstrauisch und abwehrend werden gegenüber allem, was uns verunsichert.

Ja, einer der Attentäter hat „Allahu Aqbar“ gerufen: Gott ist am größten. Das Bekenntnis der Muslime – missbraucht für den Terror.

Da juckt es einige schon wieder.

Da werden Stimmen laut:  

Und das alles haben wir jetzt davon, dass wir hier die Flüchtlinge alle rein lassen.

Kann man mal sehen, was das für Leute sind!

 

Was passiert da?

Da wird Hass gesät - auf dem Rücken der Flüchtlinge!

Aber der Terror, der in Paris passiert ist,

ist derselbe Terror, vor dem die Menschen aus dem Nahen Osten fliehen - hierher!

Wer diese Flüchtlinge jetzt pauschal beschuldigt und sie zu Terroristen erklärt,

macht die Opfer von Gewalt und Hass zu Tätern.

Das wird ein Weg sein, den Menschen nach diesen Tagen wählen werden.

 

Jesus lehrt uns einen anderen Weg.

Ohne Hass und Gewalt. Ohne Krieg und Terror.

Jesus sagt uns:

Gott stellt sich als Richter immer auf die Seite der Trauernden!

Auf die Seite der Weinenden und der Ausgebeuteten.

Auf die Seite derer, die zu kurz kommen in dieser Welt.

Genau da steht Gott.

Nein, er hat das Böse nicht weggemacht. Noch nicht.

Aber Gott hält das Böse aus.

Mit allen, die das Böse aushalten müssen.

»Denn ich bin hungrig gewesen,

und ihr habt mir zu essen gegeben.

Ich bin durstig gewesen,

und ihr habt mir zu trinken gegeben.

Ich bin ein Fremder gewesen,

und ihr habt mich aufgenommen.

Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet.«

 

Jesus sagt klar und deutlich: Er ist schon längst da.

Er ist da, wo sie Hunger haben und flüchten.

Er ist da, wo man sie hasst.

Und wo sie getötet werden.

Die zufälligen Besucher eines Rockkonzertes in Paris.

Oder die türkischen Imbißbesitzer,

die der NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) umgebracht hat.

Da ist Gott.

 

Und er richtet nicht.

Sondern er leidet mit.

Gott stirbt mit den Sterbenden.

Er weint mit denen Weinenden.

 

Und irgendwie richtet er dann doch.

Denn da entscheidet sich alles.

Wie bist du mit denen, die dich brauchen?

Wie bin ich mit ihnen?

 

»Was ihr getan habt

einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern,

das habt ihr mir getan.«

 

Wende dich gegen einen Menschen.

Dann wendest Du dich gegen Gott.

Er kommt nicht erst irgendwann.

Am Jüngsten Tag oder so.

Er kommt jetzt.

Alle Völker der Erde werden vor ihm versammelt,

und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen,

so wie ein Hirt die Schafe von den Böcken trennt...

 

Und sein Urteil entscheidet sich daran,

wie ein Mensch zum andern ist.

Ja. Es ist an der Zeit zu wählen.

 

4.

Vom alten Erbfeind Frankreich redet heute übrigens niemand mehr.

Diese Versöhnung haben wir geschafft.

 

Schaffen wir es noch einmal – nicht nur mit Frankreich? Mit Menschen aus anderen Ländern?

Schaffen wir es, zu den anderen so zu sein, wie Gott zu uns ist?

Wir können schweigen und den Schmerz und die Hilflosigkeit aushalten und mit unserem Mitgefühl bei denen sein,

die trauern und verzweifelt sind.

Egal, woher sie kommen.

»Was ihr getan habt

einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern,

das habt ihr mir getan.«

Amen

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“Ihr seid ein Brief Christi”
Haike Gleede
“Ihr seid ein Brief Christi”

Liebe Gemeinde!

Briefe schreiben ist ein wenig aus der Mode gekommen.

Einen Brief handschriftlich zu schreiben und per Post zu verschicken – das kommt in unserer Zeit nur noch selten vor. Warum die 1 - 2 Tage Postweg abwarten bis so ein Brief angekommen ist? Oder gar mehrere Wochen bis die Antwort eintrifft? Per E-Mail oder Sms werden kurze Texte beinahe in Echtzeit ausgetauscht. Und auf die Antwort muss ich nicht lange warten – meistens jedenfalls.

Paulus lebte vor 2000 Jahren. Damals hatten Briefe eine ganz andere Bedeutung. Er lebte in einer Zeit, in der die meisten Menschen nicht lesen und schreiben lernten. Eine Ausbildung machten nur ausgewählte Leute. Es gab auch keine Post. Und auch keine motorisierten Fahrzeuge. Der Brief wurde also einem Boten anvertraut, der je nach Entfernung mehrere Wochen oder Monate unterwegs war. Wer solch einen Brief schrieb, hatte wirklich etwas Wichtiges mitzuteilen. Wer dann solch einen Brief in der Hand hielt, für den war das etwas Kostbares. Solch ein Brief wurde immer wieder anderen laut vorgelesen, hat darüber gesprochen und diskutiert.

Mit der Gemeinde in Korinth pflegte Paulus einen intensiven Briefwechsel. Er hatte ja fast eineinhalb Jahre dort verbracht, hatte die Gemeinschaft der Christen in der Hafenstadt mit aufgebaut.

Aber nun war er schon länger nicht mehr dort gewesen und schlechte Nachrichten aus Korinth hatten ihn erreicht. Andere Prediger beeindruckten die Leute durch scheinbar wundersame Fähigkeiten und wirre Lehren. Dass die Christen in Korinth sich auf Paulus berufen, das machten die Wunderlehrer lächerlich. Die Gemeindeglieder wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten. Wenn Paulus hier wäre, der könnte in klaren und klugen Worten die Botschaft Jesu verkünden.

Paulus war ein sehr gebildeter Mann. Er hatte die Thora gelesen. Er kannte die 10 Gebote, die Mose empfangen hat. 40 Tage und Nächte hatte er auf dem Berg Sinai verbracht und diese wegweisenden Gebote mitgebracht. Er hat sie eingemeißelt in Steintafeln.

Sein Gesicht hatte geleuchtet.

An den Geboten kann man scheitern, aber deshalb sind sie nicht außer Geltung. Die in Stein gemeißelten Buchstaben allein helfen nicht, wenn wir nicht den ganzen Menschen anschauen.

Jesus hat die Gebote in ein neues Licht gestellt: das Doppelgebot der Liebe.

Gott hat den Menschen seine Gebote gegeben, um ein Zusammenleben in Frieden und gegenseitiger Vergebung zu ermöglichen.

 Natürlich kannte er auch die Propheten. Er hatte auch die Prophezeiung des Propheten Jeremia gehört: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich einen neuen Bund schließen…. Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.“

Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth:

„Für alle ist sichtbar: Ihr seid ein Brief von Christus, ausgefertigt und überbracht durch meinen Dienst als Apostel. Dieser Brief ist nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes. Er steht nicht auf Steintafeln, sondern in den Herzen von Menschen.“

 

Gottes Geist zeigt sich in der Liebe, die Gott in unsere Herzen schreibt.

Sie befähigt uns dazu, die Gebote menschlich auszulegen und je nach Situation zu entscheiden. Jeder Mensch trägt diese Fähigkeit in sich.

Der indische Weisheitslehrer Tagore: „Jedes Kind bringt die Botschaft mit auf die Welt, dass Gott sein Vertrauen in die Menschen noch nicht verloren hat.“

Heute haben wir ein Kind getauft, Adrian. Er bringt diese Botschaft Gottes mit. Er ist ein Brief von Jesus Christus.

Wir sagen manchmal, jemand sei ein unbeschriebenes Blatt. Christen sind kein unbeschriebenes Blatt. Christen sind ein Brief Christi. Schon in Adrians Herz hat er seine Liebe eingeschrieben. Und Sie schreiben ihm heute seinen Taufspruch ins Herz: 1. Joh 16: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott.“

Nicht nur die Pastoren oder Meret als Vikarin verkünden Gottes gute Nachricht.

Paulus ermutigt dazu, den Glauben nicht zu verschweigen, sondern darüber zu reden, vor allem auch dann, wenn er in Frage gestellt wird.

Jede/r von uns hier heute ist ein Brief Christi, ein Liebesbrief an alle Menschen.

Manchmal vielleicht auch ein Tränenbrief, wie der zweite Brief des Paulus an die Korinther auch manchmal genannt wird. Ein Tränenbrief auch deshalb, weil wir so oft nicht bereit sind, diesen Brief zu teilen, anderen davon zu erzählen. Wir schämen uns, über unseren Glauben zu sprechen.

Wir legen unseren persönlichen Liebesbrief Gottes in die hinterste Ecke unseres Herzens und vergessen ihn da manchmal. Dabei unterschätzen wir die Kraft, die darin liegt.

Am Freitag war Reformationstag – welch eine Kraft ist von Martin Luther ausgegangen, der seinen Glauben nicht verschweigen konnte. Er hat das, was ihm im Herzen brannte, öffentlich gemacht und damit eine grundlegende Wandlung der Kirche angestoßen.

Niemand erwartet von uns, dass wir gleich die ganze Welt verändern. Aber jeder kann seine Botschaft weitergeben, sei es an seine Kinder und Enkel, sei es in seinem Engagement für Jesus Christus, sei es dass er einfach zu seinem Glauben steht.

Das Gesicht des Mose leuchtete, als er die 10 Gebote überbrachte.

Gott lässt sein Angesicht über uns leuchten in jedem Gottesdienst, bei jedem Segen, den wir empfangen. Er gibt unserem Glauben Worte und unserem Leben Selbstbewusstsein.

Das ist uns schon in die Wiege gelegt oder besser ins Herz geschrieben.

 

„Für alle ist sichtbar: Ihr seid ein Brief von Christus… Dieser Brief ist nicht mit Tinte geschrieben, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes. Er steht nicht auf Steintafeln, sondern in den Herzen von Menschen.“ In unseren Herzen!

Amen.

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So. 26.10.14
Welche Farbe hat deine Seele?
Haike Gleede
Welche Farbe hat deine Seele?

Liebe Gemeinde!

Sind Sie vernetzt? Nutzen Sie die modernen Medien, um immer auf dem Laufenden zu sein? Für viele Menschen ist es heutzutage selbstverständlich. Ein Leben ohne Facebook, Twitter, whats app – nicht denkbar.

Wenn wir unsere Konfis fragen, gäbe es wohl kaum jemanden ohne Handy, Smartphone, ohne Anschluss an irgendeiner Internetplattform.

Silbernen Konfirmanden fragen:

Goldene Konfirmanden fragen

Ohne Internet läuft nichts mehr in dieser Welt und im world wide web sind wir alle irgendwie miteinander verbunden.

Für die einen ist ein Leben ohne diese Medien undenkbar, andere sehen diese Entwicklung eher kritisch. Rückgängig machen können wir sie nicht, wir leben im multimedialen Zeitalter.

Ich gestehe, ich gehöre eher zu den altmodischen Menschen. Ich habe kein Facebook account und kann keine zig Facebook-Freundschaften vorweisen und ich tausche mich nicht im Chat mit meinem Freunden aus. Ich treffe mich lieber persönlich mit Freunden und sehe meinem Gegenüber in die Augen, genieße die Gesellschaft.

Aber ich bin trotzdem vernetzt und zwar in dem wohl ältesten Netzwerk, dass es auf dieser Erde gibt. Paulus hat dafür schon in seinen Gemeinden geworben:

„Der Frieden, der von Gott kommt, soll euch alle miteinander verbinden!“

Jesus hat dieses Netzwerk ins Leben gerufen. Als ich getauft wurde, haben meine Eltern mir ein account eingerichtet, eine Plattform geschaffen. Die Taufe ist der Klick, der die Beziehung herstellt zu Gott und es ermöglicht mit ihm Kontakt aufzunehmen. Bei der Konfirmation haben wir unsere Zugehörigkeit bestätigt. Seitdem surfen wir eigenständig in diesem Netz. Unser Medium ist der Heilige Geist. Unsere Verbindung untereinander und mit Gott geschieht nicht über Kabel oder elektronische Impulse, oder durch Satellitenübertragung. Unsere Verbindung geschieht durch die Liebe Gottes. Sie „wirkt durch alle und in allen“. Der Anbieter ist Gott selbst, der Chat ist die Gemeinde derer, die sich in seinem Namen versammeln. Wenn Sie heute hier silbernen, goldene oder gar diamantene Konfirmation feiern, dann bedeutet das: Sie erneuern diese Verbindung und bestätigen Ihre Zugehörigkeit. Mir ist das wichtig, weil ich damit eine Entscheidung treffe. Ich entscheide, was mein Leben bestimmt und welchen Gedanken ich Raum gebe.

Natürlich ziehen auch mal Schatten auf, die mein Leben dunkel und grau erscheinen lassen. Um so wichtiger ist, möglichst viel Licht und Farbe zu speichern.

Der antike Philosoph Marc Aurel hat einen Satz geprägt:

"Auf die Dauer der Zeit, nimmt die Seele die Farbe Deiner Gedanken an."

In welcher Farbe möchte ich meine Seele kleiden, wie soll sie leuchten?

Wie bekommt sie Strahlkraft?

Meine Gedanken, meine Erinnerungen und meine Haltung prägen mein tiefstes Innerstes, färben meine Seele.

Sind es dunkle, schwere Gedanken, dann wird es finster in meiner Seele. Sind es gute, liebevolle Gedanken oder sind es fröhliche, sonnige Gedanken – es wird sich alles in meiner Seele spiegeln.

Eckard von Hirschhausen bestätigt das. Er sagt:

„Wie du dich fühlst, das hängt maßgeblich von Deinen Gedanken ab. Bist Du in schlechter Stimmung sind die Farben düster, dann stellst Du Dir auch Deine Zukunft mies vor und findest in der Vergangenheit bestimmt ein passendes Beispiel dafür, dass Du damit Recht hast.
Bist Du grad richtig gut drauf (Farbe: die Sonne scheint), dann siehst Du die Zukunft glücklich und alles wird Dir gelingen, so glaubst Du, weil Du in der Vergangenheit auch genügend Beispiele finden wirst, wo es so war, als Dir sogar das Unmögliche gelang.

Liebe silberne und goldene Konfirmanden,

in welcher Farbe leuchtet Ihre Seele heute? Wird sie bestimmt von düsteren oder von heiteren Farben? Welche Erinnerungen kommen hoch?

Vor 50 Jahren waren Sie , liebe goldene Konfirmanden, der zweite Jahrgang, der in dieser Kirche konfirmiert wurde. Die Kirche war damals also noch neu. Manche haben vielleicht gedacht: Wozu eine neue Kirche? Wir können doch wie die anderen vor uns nach Sottrum gehen, da wo wir getauft wurden und unsere Eltern geheiratet haben. Andere haben sich gefreut, dass der Weg zur Kirche nun nicht mehr so weit war. Inzwischen sind zwei Generationen in dieser Kirche heimisch geworden, haben Freude und Leid hier vor Gott gebracht, gebetet, gesungen, Gott gelobt oder ihm ihr Leid geklagt.

Und Sie, liebe Silberne Konfirmanden, welche Erinnerungen verbunden Sie mit der Kirche und ihrem Glauben? Hat er sie getragen, ermutigt, begleitet durch die Jahre.

Und wenn Sie heute an Ihre Beziehung zu Gott denken, wie stellt sie sich dar? Welche Farbe zaubert Gott in Ihre Seele?

Ein hoffnungsvolles Grün, das Sie mit der Natur verbindet und die Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens anzeigt.

Oder erstrahlt die Seele heute eher in feurigem Rot der Begeisterung und der Liebe, die Sie dahin gebracht hat, wo Sie heute stehen.

Oder ist sie eher in violett getaucht, was eine Sehnsucht nach Heil und Ganzheit ausdrückt?

Oder überwiegt das himmlische Blau, dass für Treue und Wahrhaftigkeit steht.

Ist es goldenes Licht, dass alles Dunkle erleuchtet und das Leben als etwas so Wertvolles offenbart?

Egal, welche Farbe es ist, es ist immer ein göttliches Leuchten darin.

Viele Farben sind ein Bild für die Verwandlung. Das kann ein schmerzhafter Prozess sein. Das göttliche Licht bringt zusammen, was gespalten ist. In Gottes Liebe wird alles eins und die innere Spaltung überwunden.

Paulus schreibt: „Habt Geduld und sucht in Liebe miteinander auszukommen. Bemüht euch darum, die Einheit zu bewahren, die euch der Geist Gottes geschenkt hat.“

Mich stärkt der Gedanke, dass ich mit Gott verbunden bin und er meine Seele zum Leuchten bringt. Sein Licht aufzunehmen, danach strebe ich, danach richte ich meine Sinne aus. Dabei hilft mir der Gedanke, dass ich nicht allein bin.

„Ihr alle seid ja ein Leib, in euch allen lebt ein Geist, ihr alle habt die eine Hoffnung, die Gott euch gegeben hat, als er euch in seine Gemeinde berief.

Es gibt für euch nur einen Herrn, nur einen Glauben und nur eine Taufe.

Und ihr kennt nur den einen Gott, den Vater von allem, was lebt.

Er steht über allen. Er wirkt durch alle und in allen.“

 

Gott, der alles in allem ist, schenkt Gemeinschaft. Wir gehören zusammen, weil unser Glaube uns verbindet - ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.

„Der Frieden, der von Gott kommt, soll euch alle miteinander verbinden!“

Lassen wir dies einmal spürbar werden, indem wir unseren Nachbarn die Hände reichen und uns den Friedensgruß zusprechen: „Friede sei mit dir.“

Amen.

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Haike Gleede

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Haike Gleede
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Liebe Gemeinde!

Paulus schreibt einem seiner Schüler einen Brief – das war damals in Zeiten ohne Internet und Email noch üblich - ob er wohl eine Antwort erhalten hat? Ob er erfahren hat, wie sein Brief in der Gemeinde damals angekommen ist?

Wir wissen es nicht, denn ein Antwortbrief der Gemeinde an Paulus ist nicht erhalten. –

Wie nehmen wir heute die Zeilen aus dem Epheserbrief auf? Was könnten wir heute Paulus in einem Brief antworten?

Welche Gedanken verknüpfen wir in unserer Zeit mit seinen Gedanken von damals? Was beschäftigt uns, wenn wir seine Worte hören?

Ich habe mir dazu Gedanken gemacht. Hören Sie meine Antwort an Paulus:

II.

Lieber Paulus! Danke für Deinen Brief, über den ich mich sehr gefreut habe. Du gibst uns viele gute Ratschläge, wie wir mit unserer Lebenszeit umgehen sollen. Es ist gut zu wissen, dass Du so um unser Wohl besorgt bist. Daher antworte ich Dir auch umgehend.

Du ermahnst uns unsere Zeit gut zu nutzen. Ja, die liebe Zeit.

Der römische Dichter Horaz formulierte es in dem Ausspruch „Carpe diem“  - Nutze den Tag. Du hast vielleicht seine Schriften gekannt, da er nur 60 Jahre vor dir geboren wurde. Seine Redewendung „Carpe diem“ begegnet uns heute überall. Wir finden Sie auf Fußmatten, Tapeten, Büchern, Postkarten und Tassen. Das gab es zu Deiner Zeit sicherlich noch nicht, lieber Paulus. Heute ist es ist eine gängige Lebensphilosophie geworden. Nutze den Tag!

Aber für was nutzen wir unseren Tag?

Lieber Paulus, ich glaube, du würdest manchmal sicherlich den Kopf schütteln, wenn du uns dabei zuschauen würdest, wie wir unsere Zeit füllen…

Das Internet und unsere Smartphones haben uns fest im Griff und bestimmen nicht nur unsere Arbeitswelt, sondern auch unsere Freizeit.

Immer über alles informiert und ständig erreichbar. Wir werden mit Nachrichten und Informationen überschüttet. Und ständig der Blick aufs Smartphone, ob nicht eine neue wichtige Mail angekommen ist. Schon der Morgen beginnt häufig damit. Lieber Paulus, ich muss gestehen, ich mache das auch oft…

Dein Ratschlag „Nutzt die Zeit. Lebt nicht wie Unwissende, sondern wie Menschen, die wissen, worauf es ankommt“ wird heute von vielen anders verstanden, als du es gemeint hast. Doch es gibt zu viele Dinge, um die wir uns kümmern müssen:

Da sind die Anforderungen unserer Arbeit. Unsere Arbeitswelt hat sich gegenüber den Zuständen in deiner Zeit vollständig gewandelt. Durch den technischen Fortschritt beschäftigen wir uns in immer kürzeren Abständen mit neuen Dingen. Das neue Computerprogramm, dass uns eigentlich die Arbeit erleichtern soll, stellt oftmals zuerst eine Arbeitsverzögerung dar. Es läuft noch nicht reibungslos und wir lernen erst damit umzugehen.

Wenn wir eine Familie mit Kindern haben, ist eine generalstabsmäßige Planung notwendig, um alle Termine und Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Da sind Managerqualitäten gefragt, um den Zahnarzttermin der Tochter mit dem Fußballtermin des Sohnes und dem Besuch der Großmutter im Pflegeheim zu koordinieren. Ach ja, und dann sind da ja noch die Termine für das Ehrenamt, denn sozial engagieren sollen und wollen wir uns auch….

Mir ist es ein absolutes Rätsel, was manche Menschen alles in ihren Tag packen. Ich denke da gerade an eine Freundin. Ihr Tagespensum wäre für mich gar nicht zu schaffen! Einerseits bewundere ich sie für ihre Arbeit, andererseits mache ich mir auch Sorgen, ob sie sich nicht mit manchem überfordert.

„Carpe diem“, nutze den Tag. Dieser Ratschlag verfolgt uns.

Wir rennen und hasten durchs Leben, um mit der Zeit zu gehen und alle Anforderungen zu erfüllen. Dabei fühlen wir uns oft überfordert, ausgebrannt, innerlich leer und sind am Ende unserer Kräfte.

III.

Ob Du, Paulus, zu Deiner Zeit solche Erfahrungen kanntest?

Auch zu Deiner Zeit scheint nicht alles besser gewesen zu sein. Die Menschen hatten andere Probleme und setzten sich mit anderen Dingen auseinander. Es gab noch keine Sozialversicherungssysteme. Die Sorge ums tägliche Überleben bestimmte für viele Menschen den Tag.

Du haderst mit Deiner Zeit, bezeichnest sie als »böse Zeit«. Mir ist das zu pauschal, eine Zeit komplett als »böse« zu bewerten. Auch der Gedanke, dass wir uns, bei besserer Zeitnutzung, gewissermaßen aus dieser bösen Zeit herausheben könnten, behagt mir nicht. Denn wir leben in ihr und haben Anteil an dem, was in der Zeit gelebt wird.

Was meinst Du, wenn Du sagst: Nutzt die Zeit?

Dir Paulus geht es gar nicht darum, möglichst viel zu schaffen, sondern darum, dass wir unsere Zeit mit sinnvollen Inhalten füllen – Dingen, die Gott gefallen und damit zum Wohlergehen aller beitragen.

Doch allzu oft, handeln und leben wir heute eher nach dem Sprichwort »Zeit ist Geld«. Ich habe den Eindruck, dass dieser Ratschlag, der anfangs nur jungen Kaufleuten galt – heute unsere Zeiteinteilung bestimmt: Immer auf dem Sprung, im Kopf kreist die Frage, ob wir alle Möglichkeiten optimal ausgenutzt haben und im Nacken sitzt die Angst, etwas Wichtiges verpasst zu haben.

IV.

Ein ganz anderer Umgang mit Zeit steckt hinter dem Projekt der John Cage-Orgelstiftung in Halberstadt. »So langsam wie möglich.« Seit September 2001 erklingt dieses achtseitige Orgelstück von John Cage in der St. Burchardi-Kirche in Halberstadt.

Mich fasziniert diese Idee: Ein Stück so langsam wie möglich zu spielen.

Die Stiftung in Halberstadt hat sich eigens gegründet, um dieser Frage nachzugehen. Sie erforschte die Geschichte von Orgel und Kirche und fand darin eine Antwort: 639 Jahre. Eine sehr lange Zeit für ein Musikstück!

Nun erklingt das Stück »So langsam wie möglich« tagaus tagein in dieser Kirche bis ins Jahr 2640!

Tage, Wochen, Monate, ja manchmal Jahre derselbe Ton. Für dieses Projekt wurde extra eine Orgel entwickelt, die Stück für Stück angefertigt wird. Zur Finanzierung dieses Projektes kann man Klangjahre kaufen.

Was für ein Zukunftsglaube, ein Stück bis in das Jahr 2640 hinein zu planen! Fast kommt es mir so vor, als wäre diese Musik eine Art Abbild himmlischer Ewigkeit; als holte diese Musik Gedanken ewigen Lebens auf die Erde oder zumindest in unsere Köpfe.

Auch im Gottesdienst versuchen wir die Zeit zu entschleunigen. Da lesen und hören wir immer nur einen Abschnitt, so wie heute aus Deinem langen Brief nur sechs Verse.

Dadurch können einzelne Gedanken besser nachklingen.

Und wir singen und beten, haben Momente der Stille. Auch das hilft beim Überlegen, wie wir das Gehörte umsetzen können. Der Gottesdienst ist eine ganz bewusst gestaltete Zeit. Eine Zeit Gottes und eine Auszeit für uns Menschen.

Und auch du Paulus, ermutigst uns in deinem Brief dazu, dass wir die Bibel nicht nur lesen, sondern auch singen und spielen.

V.

Doch dir, lieber Paulus, geht es nicht nur um unser gottesdienstliches Leben. Dir geht es um unseren Alltag. Denn es stimmt: Wir haben nur diese eine Zeit!

Im Alltag sollen wir gottesdienstlich leben und unsere Zeit nutzen. Also nicht nur arbeiten, sondern auch singen und spielen und auf diese Weise die Zeit auskosten.

Singen, Spielen und Tanzen verwandelt uns Menschen und bringt uns in Kontakt mit einer unerschöpflichen inneren Quelle. Meine Chorfreunde und ich merken das immer nach den Proben unseres Gospelchores. Auch wenn wir manches Mal erschöpft von den Aufgaben des Tages zur Probe kommen, sind wir am Ende des Abends wie erfrischt und haben gute Laune.

Und diese Freude überträgt sich auch auf andere und bringt auch sie wiederum in Kontakt mit ihrer eigenen inneren Quelle.

Dazu fällt mir ein Text von Anselm Grün in seinem „Buch der Lebenskunst“ ein.

Der Benediktinerpater Dr. Anselm Grün ist einer der meistgelesenen deutschen geistlichen Autoren der Gegenwart. Seine Bücher werden in über 30 Sprachen übersetzt. Er ist ein wahrer Meister darin, die Zeit zu nutzen. Lange Zeit arbeitete er nur dienstags und donnerstags von 6 bis 8 Uhr früh an seinen Büchern, da er als Verwalter der Benediktinerabtei Münsterschwarzach mit vielen betriebswirtschaftlichen Aufgaben betraut war.

Wenn Anselm Grün vom „Leben in Fülle“ spricht, meint er, dass wir uns nicht nur über Leistung und Erfolg, Anerkennung und Ablehnung definieren sollen. In uns ist eine besondere und unzerstörbare Qualität von Leben, die uns niemand rauben kann: „Ewiges Leben“.

Dadurch erfahren wir neue Lebendigkeit, Weite und Freiheit. In dem Wissen und dem Glauben: Gott stellt meine Füße auf weiten Raum – und meine Zeit steht in Gottes Händen. Eine sehr tröstliche Gewissheit!

VI.

Du merkst, lieber Paulus, Dein Brief beschäftigt mich. Was ist eine weise Lebensführung, wie kosten wir weise unsere Zeit aus?

Indem wir uns immer wieder ins Bewusstsein holen, was wichtig ist im Blick auf das Leben als Ganzes. Die Zeit aus den Augen verlieren und ganz in der Gegenwart aufgehen.

 

Auf Rhythmen achten: in der Musik, im Jahr, in unserem Leben.

Alles ist gegliedert, braucht Raum und Zeit, braucht seine überschaubaren Wiederholungen und Ordnungen.

Dann könnte beides in unserem Alltag vorkommen: in dieser Welt leben und sich einlassen auf die notwendigen Ordnungen – und durch Hören und Lesen, Singen und Spielen biblischer Texte angeregt, in gewisser Distanz leben zu ihr.

Und vielleicht hinterfragen wir unsere vermeintlichen und tatsächlichen Aufgaben achtsam und gewinnen dabei eine Antwort auf die Frage nach unserem ganz eigenen Lebenssinn und Ziel.

So viel für heute, lieber Paulus. Ich grüße Dich herzlich und erwarte gespannt Deine Antwort.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen.

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Haike Gleede

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Was haben Hubertus und Paulus gemeinsam?
Haike Gleede
Was haben Hubertus und Paulus gemeinsam?

Liebe Gemeinde,

Die Legende des Hubertus darf bei einer Hubertusmesse nicht fehlen:

Hubertus wurde um das Jahr 656 in Toulouse geboren und diente als junger Mann am Hofe des Herzogs von Burgund. Er war sehr beliebt und hatte viele Ämter inne, seine Karriere schien gesichert und sein Glück vollkommen als er die Prinzessin Floribana heiratete. Doch dann kam jener stürmische Märztag, der die Welt des vielversprechenden jungen Mannes zerstörte. Seine geliebte Frau starb bei der Geburt ihres ersten Kindes. Von dieser Stunde an verwandelte er sich. Er haderte mit seinem Schicksal, wurde mürrisch und fand keine Freude mehr an seinem Leben. Er wurde einsam, zog sich immer häufiger in die Wälder zurück, um zu jagen, selbst gehetzt von den Dämonen der Trauer und der Verzweiflung.

Als er wieder einmal durch die Wälder zog auf der Suche nach Beute, folgte er einem stolzen Hirsch. Es war ein so prächtiges Tier. Mit blindem Ehrgeiz verfolgte er diesen Hirsch mit dem prunkvollen Geweih. Immer tiefer wagte er sich in die Wildnis. Und endlich als der Hirsch  auf einer Lichtung innehielt, glaubte er sich am Ziel.

Schon spannte er die Sehne, legte den tödlichen Pfeil an und wollte ihn eben abschießen, als er im Geweih des Tieres ein funkelndes Kreuz erblickte.

Geblendet sank Hubertus auf die Knie und ließ seine Waffe zu Boden sinken. Aus blindem Ehrgeiz wurde erkennende Ehrfurcht im Angesicht dieses Zeichens, das ihm da offenbart wurde.

Was haben Hubertus und Saulus gemeinsam? Die Apostelgeschichte berichtet:

 

Auf dem Weg nach Damaskus, kurz vor der Stadt, umstrahlte ihn(Saulus) plötzlich ein Licht vom Himmel. Er stürzte zu Boden und hörte eine Stimme: »Saul, Saul, warum verfolgst du mich?« »Wer bist du, Herr?«, fragte Saulus.

Die Stimme sagte: »Ich bin Jesus, den du verfolgst. Aber steh auf und geh in die Stadt! Dort wirst du erfahren, was du tun sollst.«

 

Die Legende des Hubertus und die Geschichte des Saulus sind beides Berufungsgeschichten. Viele Parallelen finden sich in den Überlieferungen:

Es sind zwei mürrische Männer, deren Herzen erfüllt sind von negativen Gefühlen.

Saulus ist voller Wut und Hass gegen die Christen. Eine junge Religion, die sich im ersten Jahrhundert nach Christus gerade bildet. Er ist geradezu besessen von der Vorstellung, diese neue Religion zu vernichten. Ihm ist dazu jedes Mittel Recht. Er ist hart und unbarmherzig.

Auch Hubertus‘ Herz ist voll von Trauer und Verbitterung. Er hadert mit Gott. Alles, was er liebte, wurde ihm genommen. Er hat mit dem Leben abgeschlossen und sucht Genugtuung in der Jagd. Auch in ihm regt sich kein Mitleid mit der armen Kreatur. Er jagt blind drauf los, nur um des Tötens willen. Als ob er dadurch seinen eigenen Schmerz abtöten könnte.

Ausgerechnet diese beiden, Saulus und Hubertus, werden berufen. Beide erleben eine wundersame Wende in ihrem Leben.

Saulus auf dem Weg nach Damaskus in einem Licht vom Himmel. Hubertus, als das Kreuz im Geweih des Hirsches aufstrahlt. Beide hören eine Stimme, die zur Umkehr mahnt.

 

Saulus stand von der Erde auf und öffnete die Augen – aber er konnte nichts mehr sehen.

Da nahmen sie ihn an der Hand und führten ihn nach Damaskus.

Drei Tage lang war er blind und aß nichts und trank nichts.

 

Ähnlich erging es Hubertus als er das Zeichen des Kreuzes im Hirschgeweih sah.

Diese Begebenheit bewirkte, dass er sein Leben von nun an ganz Gott weihte. Er verzichtete auf all seine Ämter, entsagte vollständig allem weltlichen Reichtum und verschenkte sein Vermögen an die Armen. Er zog sich in die Einsamkeit der Ardennen zurück und lebte sieben Jahre als Einsiedler.

Von Saulus wird weiter berichtet:

 

Da ging Hananias in jenes Haus. Er legte Saulus die Hände auf und sagte: »Bruder Saul, der Herr hat mich geschickt – Jesus, der dir unterwegs erschienen ist. Du sollst wieder sehen können und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden.«

Beide waren blind und wurden sehend. Saulus erblindete für drei Tage, bis ihn Hananias heilte. Da hatte er gelernt, nach innen zu sehen, sein eigens Herz zu erkennen.

Hubertus begab er sich zum damaligen Bischof von Maastricht, dem heiligen Lambertus, und wurde von diesem zum Priester ausgebildet und auch geweiht. Um 705 wurde er selbst Bischof von Tongern-Maastricht, er galt als umsichtig und milde.

In Psalm 42 heißt es: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue.“ Ps 42, 1-3

 Ob Hubertus sich an seine Jagd erinnert hat, wenn er diesen Psalm betete?

Tatsächlich ist der Hirsch ein Symbol für die Umkehr. Auf mittelalterlichen Darstellungen wird er häufig an einer Quelle dargestellt. Das lebendspendende Wasser verband man mit der Taufe. Darum sind an alten Taufbecken oftmals Hirsche dargestellt. Der Hirsch steht für Lebenserneuerung.

Tatsächlich haben Hubertus und Paulus eine Lebenserneuerung erfahren.

 

Im selben Augenblick fiel es Saulus wie Schuppen von den Augen und er konnte wieder sehen. Er stand auf und ließ sich taufen. Dann aß er etwas und kam wieder zu Kräften.

 

Jeden Menschen dürstet nach frischem Wasser, jede Seele sehnt sich nach Erneuerung, nach Reinigung, nach Befreiung. Jede Seele dürstet nach Gott.

Aus Saulus wurde Paulus, der als Apostel auf seinen Missionsreisen viele christliche Gemeinden gründete. Auch er widmete sein ganzes restliches Leben Gott.

Ich denke, dass jedem zuweilen Gott begegnet und einen neuen Weg weist. Gerade in Stunden der Verzweiflung, der Trauer oder Wut leuchtet Gottes Zeichen über uns auf: das Kreuz. Sicher nicht so dramatisch wie in diesen beiden Biographien. Aber doch spürbar. Es öffnet den Blick nach innen in die eigene Seele.

Amen.

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Haike Gleede

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Erntedankfestgottesdienst
Haike Gleede
Erntedankfestgottesdienst

Liebe Gemeinde,

so wie wir heute, so saßen sie damals auch zusammen. Damals, im Jahr 89 nach der Geburt Jesu. Es gab nicht mehr viele, die Jesus noch persönlich gekannt haben. Die kleine Gemeinde Jesu Christi traf sich heimlich, keiner durfte davon wissen. Die an Jesus Christus glaubten wurden verfolgt. Ein paar Jahre zuvor hatte der römische Kaiser behauptet, die Christen hätten die Stadt Rom, die Hauptstadt, angezündet und in Schutt und Asche gelegt. Natürlich wussten alle, dass der Kaiser selbst oder einer seiner Leute das Feuer gelegt hatte. Aber es war so einfach, zu behaupten: Die da, diese Christen, die sind schuld … So war das damals, so ist das manchmal auch heute noch: die sind schuld, die werden ausgegrenzt, verfolgt, inhaftiert.

Die kleine Christengemeinde kam vor Sonnenaufgang zusammen, damit niemand etwas merkte. Enggedrängt saßen sie da und sangen ein Loblied. Einen Priester gab es nicht. „Wir brauchen keinen Priester, sagen sie, wir brauchen nur einen, der von Gott und von Jesus Christus erzählt. Wir sind doch das Gottesvolk. Einer muss uns von den heiligen Schriften erzählen, uns sagen und auslegen, was das alles bedeutet.“

Sie brauchten keinen Priester, der das Schlachtopfer darbrachte, um Gott die Ehre zu geben. Das war mit Jesus ein für allemal vorbei.

In der frühen Morgenstunde versammelten sie sich, ein wenig müde noch, aber mit dem dringenden Bedürfnis: auch heute Morgen wollen wir unser Leben Gott anvertrauen, zu ihm beten und ihn bitten um Beistand für diesen neuen Tag und was er bringen wird.

Als sie gesungen und gebetet hatten, stand einer von ihnen auf, einer der Kirchenältesten. Er  tritt vor die anderen und beginnt zu sprechen: »Wir haben einen Brief bekommen: „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.« »Amen« murmeln einige – „das ist wahr.«

Ich lese euch jetzt einen ganz wichtigen Teil vor, sagt der, der den Brief in der Hand hält.

Textlesung Hebr 13,15–16

Durch Jesus wollen wir Gott jederzeit und in jeder Lebenslage Dankopfer darbringen; das heißt: Wir wollen uns mit unserem Beten und Singen zu ihm bekennen und ihn preisen.

Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen. Das sind die Opfer, an denen Gott Gefallen hat.

 

Wir kehren jetzt in unsere Zeit zurück. Wir waren Gäste, stille Zuschauer eines Gottesdienstes vor vielen Jahrhunderten. Aber wir nehmen etwas mit.

„Wir wollen uns mit unserem Beten und Singen zu ihm bekennen und ihn preisen“

Dass wir hier diesen festlichen Gottesdienst feiern – allein das ist schon Grund zu danken. Der Kirchenchor bringt das Lob Gottes und unsere Dankbarkeit in seinen Liedern zum Klingen.

Sich zu Christus zu bekennen – das geschieht auch in der Taufe. Sie haben heute ihren Sohn Louis in die Kirche gebracht. Sie sind mit ihm vor den Altar getreten und haben ihn taufen lassen. Damit haben sie sich zu Jesus Christus bekannt als Gottes Sohn. Aber auch Dankbarkeit und Lob schwingen da mit in ihren Herzen für dieses Kind.

 

Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen.

 

Die Erntegaben, die unseren Altar schmücken, zeigen unsere Dankbarkeit. Gott als Schöpfer dieser Erde schenkt uns, was wir zum Leben brauchen.

Es ist an uns , diese Güter gerecht zu teilen.

Aber es gibt noch mehr Gaben, die wir miteinander teilen oder einander mitteilen können. Denn auch für das Wort, das Gott uns schenkt, sind wir dankbar. Bekanntlich können wir das Wort, das uns hilft, nicht selber sagen. Wir brauchen Menschen, die es uns weitersagen. Darum bringen wir auch den Dank für Menschen wie dich, Astrid vor Gott. Darum sollst du jetzt auch das Wort haben:

 

 Liebe Gemeinde,
Ich möchte unserem himmlischen Vater durch seinen Sohn Jesus Christus danken, dass ich heute im Rahmen des Erntedankgottesdienstes hier in Horstedt als Lektorin eingeführt werde und den Gottesdienst mitgestalten darf. Die Vorbereitung dazu hat mich erfüllt und wenn ich in die Gesichter der Gemeinde schaue, dann gibt mir dieses Gefühl Lebenssinn.

Ja, Gottes Wort hier heute zu verkündigen ist eine wunderbare Tat. Dieses Gefühl wird mich sicher die nächste Woche und darüber hinaus begleiten. Ich danke Gott dafür.

Liebe Gemeinde,

Diese Worte hier und heute so zu sagen fällt mir nicht leicht. Wann sprechen wir schon so offen über unsere guten Taten. Das riecht nach Eigenlob. Das ist uns unangenehm. Dabei ermutigt unser heutiger Predigttext dazu.

Ich lese aus dem Hebräerbrief:

So lasst uns nun durch Jesus Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.
Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott.

Lobopfer, wie das klingt! Loben, ja das mache ich gerne. Dagegen ein Opfer. Opfer klingt für mich nach großer Anstrengung. Wie passen diese Worte zusammen?

Lobopfer sind besondere Worte. Worte, an denen wir lange überlegt haben und die eine besondere innere Haltung zeigen. Wenn wir diese Worte sprechen, wird uns der Moment noch lange in Erinnerung bleiben.

In unserem Gottesdienst loben wir Gott, indem wir beten und singen. Diese Lobopfer sind gute Worte, Frucht der Lippen, wie es im Predigttext heißt.

Dort heißt es weiter: „Gutes zu und mit andern zu teilen ...“ Auch andere sollen in den Genuss unserer Lobopfer kommen und ermutigt werden, Lobopfer zu erbringen.

Nelson Mandelas, einer der größten Persönlichkeiten unserer Zeit, sagte bei seiner Antrittsrede zum südafrikanischen Staatspräsidenten u.a.:

Wir sind dafür von Gott gemacht zu leuchten, so wie Kinder leuchten und dieses Licht ist in jedem einzelnen von uns!
Und wenn wir unserem Licht erlauben zu scheinen, geben wir anderen Menschen damit auch die unbewusste Erlaubnis genauso zu scheinen, wie wir selbst.“

Diese Worte machen mir Mut. Ich darf leuchten! Ich darf sagen: Gottes Wort zu verkünden ist eine wunderbare Tat!

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So. 03.08.14
So viel du brauchst!
Haike Gleede
So viel du brauchst!

Kinder lachen und springen ins Wasser, Männer und Frauen zurren das Gepäck zusammen, Stimmen werden laut, die Ziegen blöken aufgeregt an der Wasserstelle. Aus dem Boden sprudeln Quellen. Jungen klettern Dattelpalmen hoch und füllen ihre Säcke. Es ist alles gut! Vor wenigen Tagen war das Volk Israel vom Schilfmeer in die Freiheit aufgebrochen. Nun die Rast in der Oase Elim. Vorräte werden aufgefüllt. Dann brechen sie wieder auf. Eine Zeitlang finden die Ziegen und Schafe genug Gräser oder Sträucher mit saftigen Blättern. Dann werden die Wiesen, Bäume und Sträucher immer spärlicher. Aus der Straße wird ein Weg. Aus dem Weg ein Pfad.« Bis auch der sich verläuft …

»Mama, hast du ein Stück Brot für mich?« Die Frage gibt der Mutter einen Stich ins Herz. Vor sechs Wochen waren sie aufgebrochen. Versprochen hatten sie ihr ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Jetzt ist es ein Wunder, dass sie überhaupt noch leben.

Vorne geht Mose. Danach folgt ein langer Zug. Menschen und Tiere. Die Alten müssen immer wieder getragen werden. Wenn die Schwangeren nicht mehr laufen können, kommen sie auf einen Esel. Seit sie die Karawanenstraße verlassen haben, ist der Weg noch beschwerlicher geworden. »Hier«, sagt sie zu ihrer Tochter und gibt ihr den letzten Rest von einem harten Fladenbrot. »Aber iss langsam.« Zweifel kommen. Nicht nur bei ihr. Wo war er denn, dieser Gott, der den Namen »Ich bin da« tragen soll?

Wie ein glutroter Ball geht die Sonne am Morgen am Himmel auf. Den ganzen Tag brennt sie unbarmherzig auf Menschen und Tiere herab. Am Abend versinkt sie hinter den Bergen. Schnell wird es kalt. Nirgends gibt es Holz für ein Feuer. In der Dunkelheit heult ein Schakal. Voller Angst schmiegen sich die Kinder an ihre Eltern. Und die Eltern?

V. 2–3 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten … Alle Wegzehrung ist aufgebraucht. Es gestaltet sich alles nicht so einfach, wie sie es sich erhofft hatten. Jeden Tag auf‘s Neue geht die Suche nach Wasser und Nahrungsmitteln los. Niemand weiß, was nächste Tag bringen würde. Die Wüste fordert ihren Preis.

 

Egal wie unsere Wüste heißt. Und wenn die Menschen unzufrieden sind und hungrig, dann werden sie ungenießbar. Sie suchen einen Schuldigen, einen, den sie verantwortlich machen können.

Mose und Aaron werden angeklagt: „Ihr habt uns in diese Lage gebracht! Ihr seid verantwortlich!“

V. 11–12 Und Jahwe sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört … Inmitten der Stille der Wüste, inmitten aller Gottverlassenheit hört Gott genau hin. Die Beziehung Jahwe-Israel ist noch ganz jung. Welcher Vater, welche Mutter würde es ihrem Kind zum Vorwurf machen, wenn es vor Hunger schreit?

»Hunger« steht für den Mangel an allem, was zum Leben nötig ist. Bis hin zu dem Hunger nach dem Wort Gottes und der menschlichen Liebe und Wertschätzung.

Tatsächlich geschieht das, was unmöglich scheint. Mitten in der Wüste fällt Nahrung vom Himmel. Was servierte Gott seinem Volk? Wachteln und Manna. Natürlich gibt es dafür eine Erklärung: Wachteln sind Zugvögel, die oft lange Strecken zurücklegen. Wenn sie auf ihrem Flug müde werden, lassen sie sich in der Wüste nieder, um sich auszuruhen. In diesem Zustand lassen sich diese Vögel leicht fangen. Manna wird von Schildläusen bei der Ernährung ihrer Larven ausgeschieden, und fällt dann wie der Tau zu Boden. Es ist ein honigartiger Saft, der durch die Hitze des Tages aber verfällt. Sie fragen: “Man hu?“ „Was ist das?“ Sie schöpfen neuen Mut. Gott sorgt für sein Volk. Doch es gibt klare Regeln:

V. 16–18 Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht … Ich stelle es mir nicht leicht vor, sich zurückzuhalten; wirklich nur so viel zu nehmen wie ich heute verbrauchen kann. Nach langer Entbehrung müssen die Menschen doch gedacht haben: „Sammelt so viel ihr könnt. Wer weiß, was morgen ist!“ Aber genau das soll nicht sein! Gott will keine eifrigen Sammler, keine neidischen Menschen und keine gierigen Besitzer. Nur das Vertrauen zählt, dass Gott an jedem Tag gibt, was zum Leben nötig ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Für mich spiegelt sich diese Regel im Vater unser wider. Da beten wir: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Nicht weniger und nicht mehr. Nur wenn wir das akzeptieren, liegt Segen darauf.

Solange wir uns nur auf unsere menschlichen Kräfte verlassen und uns nur um unser eigenes Wohl kümmern, unseren eigenen Vorteil suchen, ja so viel wir uns auch anstrengen, dieser Weg führt in die Ungerechtigkeit, in die Armut und schließlich in den Tod.

Weniger als nötig zu haben, bedeutet Hunger, Armut und kaum Lebensqualität. Das gibt es leider auf dieser Erde in vielen Ländern. Über 800 Millionen Menschen hungern auf dieser Erde.

Mehr als nötig zu haben, tut auch nicht gut. Es bedeutet Überfluss und Geringschätzen dessen, was Gott uns gibt. Wir leben in einem Land, wo Überfluss herrscht und wo viele Menschen die Schätze der Natur, Essen, Trinken und Kleidung nicht achten, sondern verschwenderisch damit umgehen. Tonnenweise werden Lebensmittel jeden Tag vernichtet.

Wenn wir ehrlich sind, dann haben wir von vielen Dingen viel zu viel. Und wir überhäufen unsere Kinder und geben ihnen eine immer größere Auswahl an Spielsachen, Süßigkeiten, an Essen. Wer die Wahl hat, wird wählerisch. Wir verlangen mehr, obwohl schon mehr als genug da ist. Gier macht blind und egoistisch. Keine gute Voraussetzung für eine Gesellschaft, in der einer den anderen achtet und dafür sorgt, dass alle zu ihrem Recht kommen.

Gott möchte uns zu einem rechten Maß und zum rechten Blick auf das Leben bringen. Wenn wir jeden Tag genau so viel haben, wie wir brauchen, um zu leben, dann leben wir jeden Tag wieder aus dem Vertrauen auf Gottes unendliche Güte.

Manchmal brauchen wir Zeiten der Entbehrung, um dann schätzen und genießen zu können, was wir haben.

Gott führt uns manchmal über unwegsame Strecken und fordert auch etwas von uns. Manchmal gibt es Wüstenzeiten, in denen unsere Geduld und unser Vertrauen hart auf die Probe gestellt werden.

Ein Traum einer menschlichen Gesellschaft, in der alle Menschen satt werden können.

Öde, Stille, Trockenheit in der Wüste, der Verlust des Horizontes, wenn sich Sand und Himmel verbinden, die Schritte schleppend – das sind innere Bilder, die uns auch nicht fremd sind.

Die Wüste der Trauer etwa, der Einsamkeit, die Wüste der Hoffnungslosigkeit oder die Wüste der Zweifel. Hunger überkommt uns. Nicht der, der meinen Magen knurren macht, aber meine Seele murrend. Hunger nach Vertrauen, nach Sicherheit, Trost, Liebe, nach Horizonten, hinter denen es weitergeht. Wir neigen dazu, nicht satt zu sein. In vielerlei Hinsicht …

Aber letztendlich reicht Gottes Geduld immer noch weiter und seine Güte ist größer als wir es vorstellen können.

Gott versorgt sein Volk. In diesem Vertrauen setzte das Volk seinen Weg fort.

Wenn wir uns auf Gott verlassen, dann wird er uns wieder und wieder überraschen mit seinen unerwarteten Gaben und mit seinem Segen führt er uns zu den Oasen in der Wüste.

Und die Taufe ist so ein Brunnen in der Wüste, aus dem schöpfen können.  

Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

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Sa. 05.07.14
„Wo sünd de annern negen bleven?“
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„Wo sünd de annern negen bleven?“

Leeve Gemeen,

as Fründ von de düütsche Sprook (wat uns Platt natürlich insluten deit) mutt ik mi meist Dag för Dag doröber wunnern, wo veele Lüüd sik mit Fremdwöör afeseln doot und dorbi jümmer miehr Infälle hebbt.

Annerletzt seet ik bi Frünnen - Geburdsdag-Klöönrunn - un dor wüür dor en Mannsminsch dorbi, de nich bloots in jedeen Minuut „sozusagen“ teihnmol bruken dee. De smeet uk öllich mit Fremdwöör üm sik un dee sik af un an bi sien Woort-Monster uk mol verhaspeln. Dor see de een Nobersch to em: „ Segg mol, deit dat neudig, dat du di so schwülstig un komplizeert utdrücken muttst? Kannst du nich miehr „normool“ schnacken?“

Veele Mitminschen hebbt so recht Lust, sik mit veele „klooke“ Wöör wichtig to moken. Ober so’n Oort Lüüd kriggt bi dat Utsnacken von bannig eenfach Wöör foken (oft!) `n Knütten in de Tung. Se kriegt dat to’n Bispeel swoor rut, eenfach mol so’n kort Woort as „Danke“ to bruken.

In dissen Fall heff ik dorop töövt, dat de Klookschnacker to de Nobersche „Danke“ seggen dee. „Danke, dat du mi dat so kloor seggt hest. Du hest jo Recht!“ He hett dat natüürlich nich seggt – beleidigt wüür he un hett nix miehr seggt.

Wo wi uns dat jo uk besünners swoor mit doot, dat is no mien Menen Dank to seggen an de Minschen, de Dag för Dag üm uns sünd un mit de wi dörch dat Leven goht.

Worüm nehmt wi bloots jümmers an besünnere Dogen as to’n Bispeel an’n Geburdsdogen de Gelegenheit wohr, Danke to seggen to Minschen, de in uns Leven wat  Besünners sünd?

Worüm löppt Dankborween, Anerkennung geven, Sympathie utdrücken bi vele Minschen bloots een- oder tweemol in’t Johr – oder leider bi veele so goot as överhaupt nich?

Mi geiht dat nich in’n Kopp, dat to’n Bispeel Vörgesetzte so giezig sünd mit nette Wöör an jümehr Mitarbeiter. Dat kann doch nich angohn, dat veele Lüüd – mehr oder weniger- lustlos - no Arbeid goht, weil se dat Geföhl hebbt, dat se von de Chefs nich wohrnomen warrd, dat jüm Anerkennung, Tospruch – oder ganz enfach uk mol en persönlich Woort fehlen doot.

Mien Swiegerdochder hett mi annerletzt vertellt, dat ehr Chefin – en Abteilungsleiterin in en grote Firma in Hamborg – sik kaputtmookt för de Firma un för en poor Weken mit en Magengeschwüür un so’n waschecht „Tohoopklappen“ (kannst op Plattdüütsch uk „Burnout“ dorto seggen!) in’t Krankenhuus komen is. De wüür `n poor Weken arbeidsunfähig. As mien Swiegerdochder ehr an’n iersten Arbeidsdag froogt, wo ehr dat nu wedder geiht, kriggt ehr Chefin Troonen in de Oogen un seggt:

„Se sünd de ierste de mi froogt, wo mi dat geiht! Nich een von de dree Geschäftsführer hett mi seggt: „Scheun, dat se wedder dor sünd“ oder „Na, Fro Meyer, nu loot Se de Arbeid ober ierstmol `n beten wat sinniger angohn un passt Se op ehr Gesundheit op! Nix, keen Woort!“

Annerletzt stünn in de Zeitung:  „Sülbst de Lüüd, de sik in ehr Firma öber de Moten engagieren doot, de groot Fackwissen hebbt, bi Kollegen un Kunnen verehrt un anerkannt warrt, nich mol de sünd seker vör Probleme mit ehr Chefs.

Dat gifft soveel Konflikte an de Arbeitsplätze in Düütschland, dat sik jedet Johr 600.000 mol düütsche Arbeitsgerichte mit sowat ut’neentosetten hebbt.“

600.000 mol hett dat nich funkschoneert mit dat gegensietige Vertroon, mit Danke seggen, mit dat rechttiedige Utsnacken……

Worüm is dat nich mööglich, mol von den Chef-Stohl rünnertokladdern, sik bi Konflikte tohooptosetten un ünner veer oder söss Ogen dat Problem antogohn?

In de Epistel hebbt wi höört:

„Uns Tung is `n ganz lütt Stück von uns Liev, ober se kann gewaltig wat utrichten. De Minsch hett dat schaftt, dat wille Veeh in sien Gewalt to kriegen – bloots sien egen Tung, de kann he nich in de Gewalt hollen…. Ut den sülven Mund kommt Segenswöör un dat Verwünschen un Flöken mit gresige Wöör….“

Un ik müch as Ergänzung seggen: Ut den Mund kummt dat Woort „Danke“ so swoor rut! Veel to swoor mookt wi uns dat in’n Alldag mit’n fründlich Woort, mit en anerkennenden Blick, mit Tospruch oder, dat wi uns Neegsten mol Dankborkeit wiesen doot.

No Jesus sien Erfohrung steiht dat jo sogoor 9:1 för dat Undankbor-Ween. So seggt uns dat de Predigttext ut dat Lukas-Evangelium. Man bloots een von negen Mannslüüd is trüchkomen, üm sik bi Jesus to bedanken. Wo sünd de annern afbleven?

Ik mutt befürchten, dat dat mit de Prozenten vundaag uk noch so is.

Wi nehmt in uns Leven bannig veel as sülbstverständlich hin – un wi kiekt oft noog uk weg – oder wiest uns sogoor as feige, as Bangbüxen, wenn dat dorüm geiht, uk mol Flagge to wiesen.

Een von de Oort, de to’n Bispeel sik nich dormit hett afgeven mücht, dat een sien Dankborkeit nich uk „öffentlich“ moken dröff, is en Timmermann ut Oostfreesland ween. So’n groten Keerl mit so’n Krüüz un so’n Hannen, groot as Platt-Schüffeln!

Disse Timmermann is as Gesell ünnerwegens ween op Wannerschoop, as dat jo vundoog jümmers noch Mood ist. He wüür in Brandenborg ünnerwegens un keum in en lütt Stadt, wo he för een Nacht Quartier in en Gasthus funnen harr. Dor sehg he an de Döör en Plokot. „Vunobend gifft dat hier in dit Gasthus en Vördrag von Perfesser Müller ut Berlin to dat Thema: „Worüm dat Gott nich geven kann.“

„Worüm dat Gott nich geven kann?“, dinkt de Timmermann. „Wat schall dat denn – ik heff doch jüst noch mit em snackt, as ik mi in de Kark bi em bedankt heff, dat dat allens so goot mit mi lopen deit.“

He sitt obends Klock 8 neescheerig in dat Clubzimmer. So 15 – 20 Lüüd seten dor uk noch. De Timermann mutt sik anhören, dat dor so’n lütten Keerl ut Berlin sik över Gott un de Lüüd, de an em glöövt, lustig mookt. De Perfesser beendt sien Vördrag mit de Wöör: „Leeve Lüüd, wenn dat Gott nu geven dee, denn müss he jo nu egentlich en von sien Engels herschicken un mi wat achter de Ohren hauen!“ De Lüüd lachen.

De Timmermann ober stünn op, güng seelenruhig no vörn no dat Pult un see to den Perfesser: „ De leve Gott lett di scheun gröten! För so’n Banausen, as du een büst, dor schickt he nich extra en von sien Engels vörbi. Dat kann uk `n Timmermann ut Oostfreesland.“ He see dat - un  hau den Perfesser mit sien groten Timmermanns-Schüffeln wat achter de Ohrn.

Süh, so is dat, wenn du an de falsche Adress kommen deist. Von dissen Timmermann könnt wi tominnst lehrn, dat wi uk mol von Gott gröten dröfft, sien Bootschaap iernst nehmen schüllt, wenn dat üm Trösten, Hölpen, Raat geven geiht - oder wi uk mol en düütliche Mahnung utsnacken mööt. Wi mööt jo nich glieks so handfast tolangen as de Timmermann dat mookt hett – ober de hett sik woll so recht provozeert föhlt…….

Jesus seggt to sien Jünger: „Kiekt jo dat an! Heff ik nich teihn Keerls holpen? Un utgerekent de Utlänner, disse Mann ut Samaria, de kummt trüch.“ Mi dücht, leve Gemeen, dit Vertellen passt 1:1 in uns Tiet!

De Geschicht von de teihn Utsätzigen geiht to End mit Jesus sien Wöör: „Stoh op! Go no Huus! Dien Gloven hett di holpen!“ De Dankborkeit, de de Samaritaner wiesen deit, de hölpt dissen Minschen noch op en ganz anner Oort!

De Mann ut Samaria hett miehr as bloots `n reinen Liev. De Mann is as Persönlichkeit so ganz anners as de annern negen Mannslüüd, weil he sik von en besünner Grundgeföhl stüern lett. En besünner Levensinstellung hett de Keerl ut Samaria sik to egen mookt: He „praktiziert“  Dankborkeit. Dat is em wichtig, dat will he Jesus un sien Mitmenschen wiesen.

Wenn wi disse Instellung von den Samaritaner in uns hebbt, leve Gemeen, wenn wi dat foot kriegen doot, denn sünd wi stark un könnt uk mol opstohn un düütliche Wöör snacken, wenn dat neudig deit!

För Christen höört Danken to dat Leven dorto. Wenn en Minsch deep in sien Hart dat Geföhl von Dankborkeit inplant hett, denn kann he eegentlich gornich anners, as sik sien Mitminschen towennen: Dormit is denn de Blick, de Gedanke an den Mitminschen  en stännigen Begleiter - jümmers dicht bi uns!

Bi dat Danken, leve Gemeen,  dor geiht dat warraftig üm uns. In uns ännert sik wat, uns geiht dat beter, uns Seel warrt satt dorbi, wenn dat Danken in uns Leven en Rull speelt, wenn wi uns uns Mitminschen towennen doot un nich wegkiekt, keen Bangbüxen sünd oder uns Tung genau dat Falsche seggt.

En drollige Geschicht över en ganz besünners dankboren Minschen müch ik jo nu noch to’n Afsluss von de Predigt vertellen!

Uns Hannoberland hett för goot 200 Johrn in Personalunion mit England tohoop höört. Wenn England Krieg föhren dee, denn wüürn uk de Jungs ut dat Hannoberland introcken.  So keem dat denn, dat uk Jungkeerls ut uns Dörper as Suldoten in englische Deensten ween sünd.

„Dat wüür in de grote Seeschlacht von Trafalgar in dat Johr 1805, as de Kanonenkugeln dörch de Luft suusen, de Mastbööm krachen un Schepen in de Floten von de Biskaya ünnergüngen.

In all den Larm un de Doodsangst möss en hannöverschen Jung, de as Matroos in ingelsche Deensten wüür, sik op’n Kopp kratzen. „Soveel Tiet mutt ween“, meen de Jung. He streep ganz sinnig twüschen Duumen un Wiesfinger wat ruut un leet dat lütt Diert, dat Tier, wat he faat kregen harr, op dat Schippsdeck rünner fallen. He bück sik, um dat op de Planken mit sien groten Duumen twei to drücken.

Jüst harr he sik dool bückt, dor suus en Kanonenkugel scharp un knapp över sien Rüch weg un dünner gegenöver in de Boordwand von dat Noberschipp – wat dörch den Kanonen-Schuss ünnergüng.

Den Matroos weer dat mitmol ganz warm üm sien Hart worrn, wüür em doch kloor, woveel Glück he jüst wegen dat Doolbücken hatt harr. In Gruus un Muus wüür he ween, wenn he sik nich üm de lütte Luus kümmert harr. To böör he de Luus wedder op, keek ehr an un see to ehr, bevör he ehr wedder trüch in sien Hoor setten dee: „Du hest mi dat Leven rett! Ik will di mien Dankborkeit wiesen. Aver dat een segg ik di: Loot di nich `n tweetet Mol erwischen, denn kenn ik di nich wedder!“

Gott sien Freden, de wiet över dat rutgeiht, wat Minschen sik utklamüstern köönt, de schall jon Harten un jon Gedanken fastholen bi Jesus Christus.

AMEN.

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Haike Gleede

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Warum tust du dir das an?
Haike Gleede
Warum tust du dir das an?

Liebe Gemeinde!

„Was krieg ich dafür?“ Das ist eine häufig gestellte Frage. Meine Kinder stellen sie, wenn ich sie bitte, etwas im Haushalt oder im Garten zu tun.

„Was gibst du mir dafür?“ Konfirmanden fragen bei jeder Einladung:

„Kriegt man dafür einen Gottesdienstpunkt?“

„Was hab ich davon?“ fragen viele, wenn sie gebeten werden, etwas für die Gemeinschaft zu tun.

Ist Geiz immer noch so geil und ist es in unserer Gesellschaft wirklich so uncool, freiwillig etwas zu tun.

Auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sich einbringen für andere im Verein, in der Kirche oder für einen guten Zweck.

Aber es werden merklich weniger, die sich freiwillig engagieren.

Der Predigttext führt uns in die Welt des Paulus, ein hochengagierter Apostel.

Zuerst verfolgte er die Christen, die damals als neue und gefährliche Sekte galten. Doch dann wurde er in einer überwältigenden Erscheinung von Jesus berufen. Er machte aus dem Saulus einen Paulus.

Seither setzte Paulus sich für die Verbreitung der christlichen Botschaft ein. Er reiste durch die Weltgeschichte, verzichtete auf jeglichen Komfort und hörte trotz Krankheit und Schmerzen nicht auf. Er ließ sich verspotten und verjagen, ins Gefängnis werfen und bedrohen, er setzte manches Mal sein Leben aufs Spiel.

Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht einer seiner Freunde ihn fragte:

„Paulus, warum tust du dir das an? Setz dich doch zur Ruhe und genieße dein Leben. Wozu brauchst du diesen Stress, noch dazu ohne dafür jemals bezahlt zu werden?“

Der Apostel Paulus schrieb einen Brief an die Christen in Korinth.

Darin beantwortet er diese Frage:

„Wenn ich die Gute Nachricht verkünde, erwarte ich keinen Ruhm.

Ich muss es ja tun. Denn wie schrecklich wäre es für mich, die Gute Nachricht nicht zu verkünden! … Worin besteht nun mein Lohn?

Mein Lohn ist, dass ich die Gute Nachricht ohne Bezahlung verkünde.

… Ich bin also von allen unabhängig und habe mich freiwillig selbst zum Diener für alle gemacht.“

 

Paulus kann nicht anders. Er muss einfach predigen. „Wes das Herz voll ist, geht der Mund über.“ Er verkündet die Botschaft von Jesus Christus, weil es ihm ein Herzensanliegen ist. So sehr hat ihn der Glaube ergriffen, so sehr brennt es in ihm. Er tut es nicht für Lohn. Das würde seine Arbeit schmälern. Er tut es, weil er es will, weil es ihm so wichtig ist, dass er auf vieles andere verzichtet. Er fühlt sich berufen. Allein das ist ihm eine Ehre. Jesus hat ihn, den ehemaligen Christenverfolger für würdig und fähig befunden, das Evangelium unter die Menschen zu bringen. Darauf war Paulus auch ein bißchen stolz.

Ich glaube, dass es auch heute noch solche Berufungen gibt.

Na klar, werden Sie vielleicht sagen: Sie sind doch Pastorin, das ist doch auch eine Berufung.

In der Tat empfinde ich das so. Es ist eine Ehre für diesen Beruf ausgebildet zu sein, ihn ausüben zu dürfen. Allerdings verdiene ich im Gegensatz zu Paulus damit meinen Lebensunterhalt. Manchmal sprechen mich Bekannte an und bedauern mich, weil ich ja jeden Sonntag arbeiten müsse. Ich sage dann immer:

„Sonntags arbeite ich nicht. Sonntags feiere ich Gottesdienst.“

Ich verstehe es als besonderes Privileg jeden Sonntag mit der Gemeinde feiern zu dürfen.

Ich denke an diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren. In jedem Dorf, in jedem Verein gibt es eine/n, der/die die Dinge in die Hand nimmt. Eine treibende Kraft, einen  Menschen, der die Gabe besitzt, andere zu begeistern für diese Sache. So entsteht eine rege Gemeinschaft, in die sich auch andere einbringen. Solche Menschen, die mit Herzblut dabei sind und freiwillig für andere sich einsetzen, braucht eine Gesellschaft. Nur so bleiben wir menschlich. Müsste alles bezahlt werden, gäbe es keine Gemeinschaft mehr, kein ungezwungenes Miteinander. Natürlich gibt es immer Unzufriedene, die sich kritisch zu Wort melden. Jeder hat so seine eigenen Vorstellungen und es fällt schwer, sich davon zu lösen.

Paulus hat mit den Menschen so seine Erfahrungen gemacht. Gerade in Korinth lebte eine bunte Völkermischung, die verschiedenen Kulturen angehörten. Juden, Griechen, Römer, Slaven und Freie, Reiche und Arme. Da ist es gar nicht so einfach, die richtigen Worte zu finden und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Wie konnten die Menschen damals ihm vertrauen, wenn sie so viele andere Erfahrungen machten.

Sie haben das Anliegen von Paulus kritisch hinterfragt:

„Sag mal, was bist du denn für einer? Hier in Korinth gibt es so viele, die uns das Heil predigen. Woher sollen wir wissen, dass du es ernst mit uns meinst?“

In der Tat traten häufig Wanderprediger auf, die sich von den Gemeinden versorgen und feiern ließen: Unterkunft, Nahrung, Kleidung, Geld und Ruhm.

Paulus sagt: „Ich will keinen Lohn. Die Botschaft von Jesus Christus ist eine Botschaft der Freiheit. Ich möchte, dass ihr zuhört und ich bin für euch da.“

Nebenbei arbeitete Paulus als Zeltmacher, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Er hatte keine hohen Ansprüche. Darum brauchte er nicht viel. Ihm war es eine Freude, wenn er den Menschen ganz nahe sein konnte – mit den Fröhlichen lachen und mit den Traurigen weinen konnte.

Er beschreibt das in seinem Brief:

„Auf diese Weise will ich immer mehr Menschen gewinnen.

Für die Juden lebe ich wie ein Jude. So will ich die Juden gewinnen.

Für die, die das Gesetz befolgen, lebe ich wie jemand, der das Gesetz befolgt – und das, obwohl ich selbst nicht mehr dem Gesetz unterworfen bin. So will ich die gewinnen, die das Gesetz befolgen.

Für die, die das Gesetz nicht kennen, lebe ich wie jemand, der das Gesetz nicht kennt – und das, obwohl ich keineswegs ohne das Gesetz Gottes lebe.

Vielmehr lebe ich nach dem Gesetz von Christus. So will ich die gewinnen, die das Gesetz nicht kennen.

Für die Schwachen bin ich selbst schwach geworden, damit ich die Schwachen gewinne.“

Paulus verstand es, die Menschen da abzuholen, wo sie gerade waren. Er hat sich in sie hineingefühlt und sie angehört. Er hat nicht geurteilt, sondern ihnen in ihre Lebenswelt hinein von Jesus erzählt, von seinen Werten, seiner Liebe und seiner Hingabe. Er hat nicht gefordert: Du muss dich ändern. Dein Lebensstil ist falsch. Ich zeig dir wie es richtig geht.

Er hat sich auf die Menschen eingelassen, auf ihr Denken, ihre bisherigen Lebensstrategien, auf ihre Hoffnungen und Ängste, auf ihren Glauben. Und dabei hat er sie auf Gottes Spuren in ihrem Leben aufmerksam gemacht.

Viele haben sich taufen lassen und sich der christlichen Gemeinde angeschlossen. Sie haben erfahren, dass die Christen trotz aller Unterschiede eine starke Gemeinschaft bilden, eine Gemeinschaft, die weit mehr bietet als fröhliche Zusammenkünfte. Sie fühlten sich in ihrer Seele angesprochen und ahnten, dass das Leben mehr ist als wir je mit Geld kaufen können.

Paulus, warum tust du dir das an?

Seine Antwort:

„Das alles tue ich für die Gute Nachricht, damit ich selbst Anteil bekomme an dem, worum es in ihr geht.“

Paulus du machst mir Mut und ich kann dich gut verstehen. Kann es etwas Größeres, Erfüllenderes geben als die Botschaft von Jesus unter die Leute zu bringen, mit ihnen zu lachen, zu weinen, zu feiern und zu schweigen?

Ich denke nicht.

Kann es etwas Wichtigeres geben als eine Gemeinschaft, in der jede/r einen Platz hat, in der das Leben zum Wohle aller gestaltet wird und die Menschen sich gegenseitig bereichern.

Wo nicht die Frage gestellt wird: Was krieg ich dafür, wenn ich mitmache? Das schafft klare Fronten und zerstört jede Beziehung. Wo die Frage ist: Was kann ich einbringen? Was ist meine Berufung? Wo schlägt mein Herz?

Wo Menschen im Namen Gottes zusammen sind, feiern und beten, lachen und weinen, und sich gegenseitig unterstützen, da wohnt Gott mitten unter uns. Daran möchte ich gern mitarbeiten.

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

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Haike Gleede

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Jeder soviel er braucht!
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Liebe Gemeinde! Liebe Kinder! Дорогая община! Дорогие дети!

Wenn er einer eine Reise tut, dann kann er etwas erzählen. Ihr, unsere Gäste aus dem Gebiet Gomel in Weißrussland seid vor ein paar Tagen mit dem Flugzeug in Deutschland gelandet. Das war bestimmt aufregend. Viele von euch sind zum ersten Mal geflogen (fragen!) und bestimmt auch zum ersten Mal so weit weg von Zuhause.

Когда люди путешевствуют, они могут много рассказывать. Это немецкая поговорка. Несколько дней назад вы, наши гости из гомельской области в Белороссии прилетели самолётом в Германию. Это было для вас возбуждённо. Многие из вас наверно первый раз путешествуют самолётом и отдыхают так далеко от дома.

 

Ich finde es sehr mutig von euch, dass ihr euch zu uns auf den Weg gemacht habt, ohne zu wissen, wen ihr hier antrefft und ohne Sprachkenntnisse. Vielleicht hat der eine oder andere schon ein bisschen Heimweh .

Aber ich hoffe, ihr findet hier in Deutschland neue Freunde und fühlt euch gut aufgenommen. Ich bin sicher, Ihr könnt zuhause von vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen erzählen.

Я думаю, что вы очень смелые дети, так как вы решились отправляться в путь не зная, кто вас принимает и что вас ожидает.

И может быть, немного тоскуете по родине.

Надеюсь, что вы наидёте у нас в Германии новых друзей и чувствуете себя как дома. И надеюсь, что дома будете рассказать о прекрасных впечатленинх и встречах.

 

Wir haben gerade eine Geschichte aus der Bibel gehört, da geht es um ein ganzes Volk, das sich auf einen weiten Weg begibt. Sie haben allerdings keine Rückkehr geplant.

Das hebräische Volk lebte in Ägypten, wo sie als Sklaven hart arbeiten mußten. Da wählte Gott Mose aus, um das Volk zu befreien. Nach langem hin- und her mit dem Pharao durften die Hebräer endlich das Land verlassen. Mit großer Freude und Hoffnung zogen sie los. Ihr Weg führte sie durch die Wüste. 40 Jahre sollte ihre Reise dauern.

Евреи жили тогда в Египте, где они страдали от рабства. Бог выбрал Моисея освободить его народ. После долгих дебатов с Фараоном, они наконец-то, получили свободу. С радостью и большой надеждой отправились они в путь. Он вёл их через пустыню. 40 лет они должно продолжаться их странствие.

 

Schon bald nach dem Auszug wurden die Menschen ungeduldig. Es gestaltete sich alles nicht so einfach, wie sie es sich erhofft hatten. Der Weg erwies sich als beschwerlich in der heißen Wüste und gefährlich. Jeden Tag aufs Neue ging die Suche nach Wasser und Nahrungsmitteln los. Niemand wußte, was nächste Tag bringen würde. Erste Zweifel kamen auf: War es richtig gewesen aus Ägypten fortzugehen? Haben wir am Ende eine falsche Entscheidung getroffen und werden nun in der Wüste elendig sterben? Das Volk murrte. Sie waren unzufrieden und manche wollten sogar umkehren. Denn in der Wüste gab es kaum etwas zu essen und zu trinken.

По истечении некоторого времени народ вышел из терпения. Было не так легко, как они ожидали. Путь оказался трудным и опасным в жарокой пустыне. Каждый день пришлось искать воду и пищу. Никто не знал, что принесёт им следующий день. Появились сомнения. Было ли их решение правильно? Не лучще-ли было остаться в Египте? Они боялись за свою жизнь. Народ роптал. Они были недовольны и некоторые даже хотели вернуться. В пустыне не было пищи и воды.

 

Und wenn die Menschen unzufrieden sind und hungrig, dann werden sie ungenießbar. Sie suchen einen Schuldigen, einen, den sie verantwortlich machen können. Und in diesem Fall war das Mose.

Das Klagen und Fragen, das Zweifeln und Schimpfen bleibt nicht unbeantwortet. Über Mose gibt Gott selbst die Antwort:

Er kündigt für den nächsten Tag ein Festmahl an. Fleisch soll es geben und genug Brot für alle.

Когда люди не довольны и ещё голодны, они невыносимы. Они ищут виновного, того кто должен отвечать за их беду. Для них это был Моисей.

Их жалобы и сомнения не остались без ответа. Через Моисея Бог возвещает, на следующий день, праздничный пир. Будет вам мясо и хлеб досыта.

 

Tatsächlich geschieht das, was unmöglich schien. Mitten in der Wüste fällt Nahrung vom Himmel. Was servierte Gott seinem Volk? Wachteln und Manna. Sie fragten: “Man hu?“ „Was ist das?“

Действительно, произошло невероятное, неожиданное. Посреди пустыни вдруг еда падает с неба. Чем Бог угошает ?

 Перепела и сладкая крупа. А так как они не знали, что это такое, то спрашивали удивлённо: «Man hu?», что означает на еврейском «Что это?» И поэтому назвали «манна».

 

Gott versorgt sein Volk. In diesem Vertrauen setzte das Volk seinen Weg fort. Aber es gibt Regeln:

Jeder darf nur so viel sammeln, wie er an einem Tag verzehren kann.

Ich stelle es mir nicht leicht vor, sich zurückzuhalten; wirklich nur so viel zu nehmen wie ich heute verbrauchen kann. Nach langer Entbehrung müssen die Menschen doch gedacht haben: „Sammelt so viel ihr könnt. Wer weiß, was morgen ist!“ Aber genau das sollte nicht sein! Gott will keine eifrigen Sammler. Niemand soll neidisch sein, weil der andere mehr hat.  

Бог заботится о своём народе и с этим доверием они продолжали свой путь. Но есть правило, и Моисей раскрывает его:

Я могу себе представить, как не легко сдержаться; и действительно собрать столько сколько достаточно на один день. После стольких лишений они думали бы: » собрать сколько можно. Кто знает, что завтра будет.» Точно это и не дольжно случиться! Бог не хочет усердых собирателей. Никто не должен завидовать другого, потому что тот больше собрал.

 

Gott will den Menschen etwas anderes zeigen: dass er an jedem Tag gibt, was zum Leben nötig ist. Nicht mehr und nicht weniger. Damit sollen die Menschen zufrieden sein.

Für mich spiegelt sich diese Regel im Vater unser wider. Da beten wir: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Nicht weniger und nicht mehr. Nur wenn wir das akzeptieren, liegt Segen darauf.

Только доверие считается, - доверие, что Бог даст каждый день нужное для жизни. Не больше и не меньше!

Для меня это правило отражается в молитве « отче наш». Мы просим: «Хлеб наш насущный дай нам на сей день.» Не меньше и не больше ! Только так мы можем располагать на благословение.

 

Weniger als nötig zu haben, bedeutet Hunger, Armut und kaum Lebensqualität. Das gibt es leider auf dieser Erde in vielen Ländern.

Mehr als nötig zu haben, tut auch nicht gut. Es bedeutet Überfluss und Geringschätzen dessen, was Gott uns gibt.

Gott möchte uns zu einem rechten Maß und zum rechten Blick auf das Leben bringen.

Иметь меньше чем нужно, означает голод, бедность и плохое качество жизни.

Это происходит, к сожелению, во многих странах мира.

Иметь больше, чем нужно, тоже не к благу. Это переизбыток и недооценивание того, что нам Бог предлагает.

Бог хочет открыть нам глаза и научить нас распознать правильную меру в жизни.

 

Gott führt uns manchmal über unwegsame Strecken und fordert auch etwas von uns. Manchmal gibt es Wüstenzeiten, in denen unsere Geduld und unser Vertrauen hart auf die Probe gestellt werden. Aber letztendlich reicht Gottes Geduld immer noch weiter und seine Güte ist größer als wir es vorstellen können.

Wenn wir uns auf Gott verlassen, dann wird er uns wieder und wieder überraschen mit seinen unerwarteten Gaben und mit seinem Segen führt er uns in das ewige Leben.

 

Иногда Бог ведёт нас через труднопроходимые отрезки жизни, требующие от нас что-то. Случается переживать временаб как в пустыне, когда Бог жёстко испытывает наше терпение и наше доверие. Но, в конце концов, терпение Бога всё же дольше и его добрата больше, чем мы себе представить можем.

Если же мы уповаем на Бога, то он будет снова и снова удивлять нас своими неожиданными дарами, и его благословением он приведёт нас к вечной жизни.

Аминь.

 

Lied:

 

 

Молитва (Fürbittengebet)

Сохраняющий Бог,

Ты свёл нас в твою всемирную церковь.

Мы собрались во имя твоё,

черпать силы для нашего жизенного пути.

Мы просим тебя:

Открой нам глаза и уши для твоего присутствия.

Открой нам сердца и руки для нуждающих.

 

Мы просим тебя за всех, кто голодает и истощается от жажды.

Пощли им людей, способных разделить хлеб свой насущный.

Укрепи нашу уверенность в том, что ты всегда заботишься о нас

И что ты всем, кто стремится к любови и милосердию поможешь утолить своих жажду.

 

Мы просим тебя за всех, кто вынужден оставить родину,

за беженцев и изгнанных,

за тех, кто потерял всё и за всех, кто чувствует себя чужими и исключёнными.

Помоги нам доверенно встречать друг друга

и говорить о том, что нас волнует.

 

Мы просим тебя за всех, кто болен.

Дай им силу, терпение и любовь.

Пошли им людей, которые заботятся о них,

ищущих пути лечения и облегчения.

Дай нам слова утешения и укрепления для тех,

кому наша близость необходима.

 

Мы просим тебя за управляющих в мире:

Дай им мудрость и мужество для мирного восоединения и покажи им возможности как разделить все дары природа справедливо между всем людям в мире.

Мы просим тебя за всех, кто нашёл новую родину.

Дай им возможность строить свою жизнь осмысленно и осознанно.

 

Отче наш

 

Да благословит тебя Господь и сохранит тебя!

Да призрит на тебя Господь светлым лицом своим и помилует тебя!

Да обратит Господь лицо своё на тебя и даст тебе мир!

Аминь.

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Haike Gleede

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Do. 29.05.14
Erleuchtete Augen des Herzens
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Erleuchtete Augen des Herzens

Liebe Gemeinde!

Wir sind alle keine Engel. Wir stehen mit beiden Beinen auf der Erde und gestalten dieses Leben, so gut es uns gelingt.

Wir sind keine Engel – das wurde den Jüngern bewusst als sie Jesus gen Himmel entschwinden sahen. Zwei weiß gekleidete Jünglinge holten sie auf den Boden der Tatsachen zurück.

Als sie noch angestrengt zum Himmel schauen, sagen diese: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor“ (Apg 1, 11)?

Die Jünger erkennen, dass sie im Hier und Jetzt gefragt sind. Sie haben noch etwas zu erledigen im Auftrag Jesu.

Von Gottes Geist erfüllt machen sich die Apostel kurze Zeit später auf den Weg und sie nehmen ihre Aufgabe sehr ernst.

Noch oft werden sie über den „Himmel“ gesprochen haben, über ihre Vorstellungen davon, wo der wahre Himmel zu finden ist.

Seitdem fragen sich die Menschen das immer noch. Wo oder was ist denn der „Himmel“? Und wie kann Jesus gleichzeitig zur Rechten Gottes auf dem himmlischen Thron sitzen und mitten unter uns sein?

Da fragt z.B. ein Kind seine Mutter: »Der Himmel ist doch da oben, oder?« – und es zeigt in die Luft. »Welchen Himmel meinst du?«, fragt die Mutter. »Na, den Himmel!« »Meinst du den Himmel, an dem die Wolken sind und wo die Flugzeuge fliegen?«, fragt die Mutter geduldig weiter. »Nein, den richtigen Himmel«, antwortet das Kind, »wo die Engel sind.« Da sagte die Mutter: »Der Himmel, den du meinst, ist dort, wo Gott ist, und Gott ist überall. Deshalb ist auch der Himmel nicht irgendwo über uns, sondern überall – in uns und um uns herum. Wir können ihn nur noch nicht sehen, weil Gott uns zuerst andere Augen und ein anderes Herz geben muss.“

50 Jahre nach der Himmelfahrt Jesu schreibt Paulus oder ein Schüler von ihm einen Rundbrief an die Gemeinden in Kleinasien.

Darin geht es um die Frage, wie Gott in unserem Leben wirken kann, obwohl er im Himmel ist. Der Apostel schreibt an die Christen in Ephesus ein Gebet:

Epheser 1:17 -23 (Gute Nachricht)

Ich bitte den Gott unseres Herrn Jesus Christus, den Vater, dem alle Macht und Herrlichkeit gehört, euch durch seinen Geist Weisheit und Einblick zu geben, sodass ihr ihn und seine Heilsabsicht erkennen könnt.

Er öffne euch das innere Auge, damit ihr seht, welche Hoffnung er euch gegeben, zu welch großartigem Ziel er euch berufen hat.

Er lasse euch erkennen, wie reich er euch beschenken will und zu welcher Herrlichkeit er euch in der Gemeinschaft der heiligen Engel bestimmt hat.

Ihr sollt begreifen, wie überwältigend groß die Kraft ist, mit der er an uns, den Glaubenden, wirkt. Es ist dieselbe gewaltige Kraft,

mit der er an Christus gewirkt hat, als er ihn vom Tod auferweckte und in der himmlischen Welt an seine rechte Seite setzte.

Dort thront jetzt Christus über allen unsichtbaren Mächten und Gewalten, über allem, was irgend Rang und Namen hat, in dieser Welt und auch in der kommenden.

Alles hat Gott ihm unterworfen; ihn aber, den Herrn über alles, gab er der Gemeinde zum Haupt.

Die Gemeinde ist sein Leib: Er, der alles zur Vollendung führen wird, lebt in ihr mit seiner ganzen Fülle.

 

Gott beschenkt uns mit einer großen Fülle: mit Geist und Kraft, mit Herz und Verstand – er tut das nicht, damit wir in den Himmel kommen, Luftschlösser bauen oder uns mit dem Himmel vertrösten. Er tut das, damit wir hier und heute handeln, Leben gestalten, lebenswertes, menschenwürdiges Leben. So kann der Himmel auf die Erde kommen. Dabei geht es nicht um oben und unten, sondern um innen und außen.

„Er öffne euch das innere Auge“ heißt es im Epheserbrief.

Martin Luther übersetzte: Gott gebe euch „erleuchtete Augen des Herzens“.

Die brauchen wir. Mit solchen Augen sehen wir tiefer. Wir erkennen die Wunder der Natur, die uns umgibt. Den wunderbaren blauen Himmel, den Regen, der unseren Boden fruchtbar macht, die wärmenden Sonnenstrahlen, die so vieles in Gang setzen, dass wir nur staunen können. Jedes Jahr wieder erwacht die Schöpfung zu neuem üppigem Leben.

Wir sehen den anderen, seine Güte und Wärme, seine Ausstrahlung, seine Liebe, seine Stärke und erkennen darin Gottes Wirken.

Wenn wir mit solchen Augen die Welt sehen, dann ist der Himmel in unserem Herzen aufgegangen. In jeder und jedem von uns wohnt ein »Stück vom Himmel«.

Die Bibel schreibt dem Herzen alle menschlichen Gefühle zu. Liebe und Freude, Angst und Zorn, Demut und Hochmut sind dem Herzen zugeordnet. Unser Herz kann brechen oder vor Freude springen. Wir können in unserem Herzen

sprechen und es speichert unsere Lebenserfahrungen.

Wir nehmen uns etwas zu Herzen oder haben ein Herz für andere.

Unser Herz reagiert viel schneller als unser Kopf – wir merken das am Herzklopfen, das ganz plötzlich einsetzt, wenn wir uns ärgern, aufgeregt sind oder uns freuen.

Eine starke Nervenbahn leitet die Herzimpulse zu unserem Gehirn und löst dort die entsprechenden Gedanken und Gefühle aus.

Das Herz ist in der Lage, zu empfinden, zu lernen, sich zu erinnern und Entscheidungen zu treffen. Die elektrische Kraft unseres Herzschlages ist sechzigfach stärker als die elektrische Kraft unseres Gehirns. Es gibt völlig andere Impulse an mein Gehirn und setzt auch andere Gedanken frei. Oft klärt das meinen Blick.

Ich kann den anderen loslassen oder ihm vergeben, und ich kann ihn einfach so nehmen wie er ist. Das verstehe ich unter „erleuchteten Augen des Herzens.“

Unser Herz ist der Begegnungsort mit dem lebendigen Gott. Gott wirbt immer wieder um unser Herz.

Wenn es gelingt, mein Herz zu öffnen, dann hat Gott darin Raum und auch andere Menschen haben darin Raum. Wie kann das gelingen?

Die Mönche in der jungen christlichen Kirche meditierten z. B. das Herzensgebet: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner!“

Innerlich bewegten sie diese Worte – immer wieder, stundenlang, bis es sie ständig begleitete. Die Mönche haben ihren Atem mit dem Gebet verbunden und so mit ihrem Körper und ihren Gedanken Jesus Christus bewusst in sich aufgenommen, ihm Raum in ihren Herzen gewährt.

Dabei haben sie die Erfahrung gemacht, dass ihre Atemübungen und das innere Beten sie in die Ruhe und die intensive Begegnung mit Jesus geführt hat. Da wird der Friede Gottes ganz tief körperlich erfahrbar. Da geht der Himmel auf.

Das können wir auch. Ein kleines Gebet, einen Bibelvers mitnehmen in unserem Tag.

Wir sind alle keine Engel. Wir stehen mit beiden Beinen auf der Erde und gestalten dieses Leben, so gut es uns gelingt.

Heute feiern wir Himmelfahrt nicht als Abschied von Jesus aus dieser Welt. Wir feiern seinen Einzug in unsere Herzen.

 

Spüre die Erde unter deinen Füßen.

Spüre die Freude in deinem Herzen.

Spüre die Wunder auf, die täglich in deinem Leben geschehen.

Amen.

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Gottes Wort wächst auch in deinem Herzen
Haike Gleede
Gottes Wort wächst auch in deinem Herzen

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden! Liebe Gemeinde!

Jesus war ein guter Erzähler. Wenn er sprach, hörten ihm die Menschen fasziniert zu. Seine Geschichten berührten sie. Seine Worte erzählen vom Leben, vom wahren Leben. Und sie verbinden uns mit Gott. Menschen brauchen anschauliche Geschichten, damit wir verstehen, was Gott uns sagen will.

Heute geht es um solch eine anschauliche Geschichte von Jesus. Das Gleichnis vom Sämann. Die Teamer haben es dargestellt in einem Anspiel.

Ein Landwirt (Sämann) streut Samen auf das Land. Er tut es großzügig.

Ob Fels oder Weg, ob Dornen oder Acker – der Sämann macht keinen Unterschied. Er wird nicht müde, seine Arbeit zu tun.

Jesus erklärt: Der Same steht für das Wort Gottes.

 

Bei eurer Taufe ist das Wort Gottes als Samen in euer Herz gelegt worden. Eure Eltern haben das für euch entschieden. Wer Gott im Herzen trägt, hat immer eine starke Macht an seiner Seite.

Und nun kommt ihr zum Konfirmandenunterricht. Zeit, das zarte Pflänzchen „Glaube“ zu pflegen und zu erkunden, was daraus werden wird.

Das Samenkorn gedeiht nur da, wo es auf fruchtbaren Boden fällt.

In Jesu Gleichnis war das nur ein Viertel! Der Rest erstickt, verdorrt oder wird zertreten.

Warum Gott so verschwenderisch mit den Samen umgeht und nicht gleich nur das eine Viertel des Landes bestellt. Alle Menschen haben die gleiche Chance. Die gleiche Chance, Gottes Wort zu hören und für das Leben zu nutzen.

Es gibt viele Lebenssituationen, in die ein Mensch geraten kann.

Es gibt Wüstenzeiten, wo wir auf der Suche sind. Wir können den Platz in unserem Leben nicht finden. Manchmal mögen wir uns selbst nicht leiden. Das geht euch vielleicht auch manchmal so. Da ist alles doof, in der Schule läuft es nicht gut, die Eltern , die Lehrer- keiner versteht einen. Das alles macht lustlos und lahm. Am liebsten würdet ihr nur noch chillen und alles andere vergessen.

 

Es gibt auch wilde Zeiten, in denen Träume und Wünsche das Herz ganz in Besitz nehmen.

Da habt ihr ganz viel Energie und wollt etwas aus eurem Leben machen. Dafür strengt ihr euch an und arbeitet hart. Das sind Zeiten, in denen die Schule oder Hobbies die ganze Aufmerksamkeit und alle Energie fordern – da steht Gott hinten an.

Und es gibt sehr verwirrende Zeiten, wenn z.B. eine Entscheidung ansteht und es um die Zukunft geht. Plötzlich eröffnen sich so viele Möglichkeiten. Und der eine rät dies und der andere sagt das. Viele verwirrende Stimmen prasseln auf euch ein und versprechen Glück und Reichtum, Schönheit und Ansehen. Wer kann da schon widerstehen. Da muss einfach alles einmal ausprobiert werden.

Doch wenn wir uns die Zeit nehmen und Gottes Wort in uns einlassen und vertiefen, strömt uns neue Kraft zu. Das Leben verwandelt sich, da keimt etwas auf.

Oft erkennen wir erst im Nachhinein wie blind wir waren. Erst viel später erkennen wir, dass uns der Weg durch die Wüste gestärkt und uns neuen Quellen zugeführt hat. Erst viel später wird uns klar, dass wir den Alltagsstress viel leichter hätten bewältigen können. Erst viel später wird uns bewusst, dass Erfolg und Leistung nicht die Grundlage des Lebens sind.

 

 

Eins ist sicher: Gottes Wort wächst und reift heran. Es gedeiht in so vielen Herzen, dass aus den Früchten neue Samen gewonnen werden können, die dann in anderen Herzen aufgehen.

Ich erzähle euch auch eine Geschichte.

Ein junger Mann hatte einen Traum. Er betrat einen Laden. Hinter der Ladentheke sah er einen Engel. Hastig fragte er ihn. „was verkaufen Sie, mein Herr?“ Der Engel gab freundlich Antwort: „Alles, was Sie haben wollen.“

Der junge Mann sagte: „Dann hätte ich gern

Das Ende aller Kriege,

mehr Gerechtigkeit auf der Welt,

die Beseitigung aller Elendsviertel,

mehr Zeit für die Kinder,

neue...

Der Engel fiel ihm ins Wort: „Entschuldigen Sie, junger Mann, Sie haben nicht ganz verstanden. Wir verkaufen hier keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen.“

 

Die Konfirmandenzeit ist wie so ein himmlischer Laden. Wir suchen und stöbern darin nach Gott, nach unserem Glauben. Wir suchen Worte, die uns stärken. Nach Antworten auf unsere Fragen. Zeichen, die uns Hinweise geben auf das, was Gott mit uns vorhat.

Die Konfirmandenzeit gibt euch Raum und Zeit für das Wort Gottes.

Ich verspreche euch heute nichts. Ich lade euch ein, das Samenkorn in euren Herzen zu wecken, es wachsen zu lassen und sehen, was daraus wird.

Ein Samenkorn ist klein und unscheinbar:

Aber die hat es in sich – das zeigt sich aber nicht sofort.

Mit etwas Geduld kann es Großes bewirken.

Amen.

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Wer ist der Größte?
Haike Gleede
Wer ist der Größte?

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden! Liebe Gemeinde!

Habt ihr es gestern Abend gesehen- ward ihr dabei bei der Final Show von DSDS: Deutschland sucht den Superstar. Meltem, Daniel und Aneta kämpften um den ersten Platz. Wer war euer Favorit? Jetzt ist es entschieden. Der neue Superstar heißt:

Dies war die 11. Staffel. Ungefähr 5 Millionen Menschen haben zugeschaut – allerdings ist die Tendenz sinkend.

Dennoch: die Menschen lieben es zu gewinnen, denn Gewinnen ist alles, verlieren bedeutet das Aus.

Das steckt in uns so drin- der/die erste sein zu wollen, der Sieger, das größte Stück ergattern, den eigenen Vorteil suchen.

Wenn die Geschäfte mit Schnäppchen locken, dann machen sich die Leute scharenweise auf, um das größte Schnäppchen abzugreifen, solange der Vorrat reicht.

 

Oder an der Bushaltestelle: Der Bus hält, alle drängeln sich zum Einstieg, um ja den besten Sitzplatz zu ergattern. Rücksicht ist Nebensache, Hauptsache ich bin der erste.

Solche Situationen kennen wir alle und auch das Gefühl, hier für den eigenen Vorteil kämpfen zu müssen.

Die Jünger Jesu waren da nicht anders. Auch unter ihnen gab es einen Machtkampf, wer wohl der Größte sei, der Superjünger sozusagen.

Jesus geht seinen Jüngern voran nach Jerusalem. Da lösen sich zwei, Jakobus und Johannes aus der Schar der übrigen Jünger und kommen zu Jesus. Sie gehen neben ihm, einer links und einer rechts von ihm. So stellen sie sich das vor eines Tages neben ihm auf dem himmlischen Thron zu sitzen. Es kann nicht schaden, sich diesen Platz rechtzeitig zu sichern.

Jesus fragt: „Habt ihr euch das wirklich gut überlegt. Ihr wisst, was das bedeutet? Ihr müsst bereit sein, auch Leiden auf euch zu nehmen. Ihr müsst bereit sein für mich euer Leben einzusetzen. Könnt ihr das?“ Leichtfertig antworten sie: „Klar können wir das!“

Inzwischen haben auch die anderen Jüngern mitbekommen, was die beiden da anstreben. Und was meint ihr, wie finden die das?

Die sind verärgert. So geht das nicht – einfach vordrängeln nach dem Motto, wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Das ist nicht gerecht!

Und wie reagiert Jesus?          Jesus ruft alle zusammen und erklärt:

So geht es in der Welt zu. Wer die Macht hat, kann andere unterdrücken. Wer andere klein macht, der ist der Größte, der kommt zu Ansehen und Ruhm.

Doch dann lenkt er den Blick zurück in die Runde der Zwölf , schaut jedem in die Augen und sagt: „Bei euch ist es aber nicht so!“

Ihr habt gelernt, was es heißt, den Nächsten genauso zu lieben wie sich selbst. Ihr habt erfahren, wie gut es ist, wenn ihr euch gegenseitig beisteht, statt den eignen Vorteil auf Kosten anderer zu suchen!

Ihr könnt euch mit freuen an dem Glück des anderen –und müsst keine Angst haben, selbst zu kurz zu kommen. Euer himmlischer Vater hat euch alle im Blick. Ihr habt euren Ort im Leben, den macht euch keiner streitig. Ihr könnt barmherzig sein miteinander, könnt dem anderen seine Schwächen lassen. Gott ist barmherzig mit euch. Und das ist eure Stärke!

In Gottes Reich gelten andere Regeln. Dazu seid ihr berufen: dem Machtstreben und dem Egoismus etwas entgegenzusetzen.

 

Also: „Wer von euch groß sein will, soll euer Diener sein, und wer der Erste sein will, soll allen anderen dienen!“

Jesus hat gehört, wie menschlich, ja wie kindlich seine Jünger ihre Wünsche geäußert haben.

Und nun macht er ihnen klar, dass sie keine Kinder mehr sind.

Sie müssen erwachsen werden. Sie müssen Verantwortung übernehmen  für sich und für andere, statt immer nur auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten.

Statt „ich möchte aber dies und das haben“ heißt es nun „was kann ich für

mich selbst und für andere tun, damit es uns allen gut geht.“

Und was bedeutet das jetzt für euch? Was bedeutet es, wenn Ihr heute sagt:

„Ja mit Gottes Hilfe will ich mein Leben nach seinen Regeln und Geboten führen?“

Auch für euch ist die Konfirmation ein Schritt ins Erwachsenenleben. Den Blickwinkel zu ändern. Nicht zu schauen, wie ich am besten dastehe, sondern zu fragen: was braucht der andere eigentlich. Wie kann ich ihm zu seinem Recht verhelfen.

Es bedeutet, sich mit anderen zu freuen. Und zwar nicht nur mit meinen Freunden, sondern vielleicht sogar mit meinen Konkurrenten. In der Schule, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde. Das ist echt schwer.

Es bedeutet, auch mal zu verlieren. Oder zurückzustehen.
„Können Ihr verlieren?“ 

Die Gewinner und Sieger von heute verblassen schnell.

Kennt ihr die Superstars der vorigen 11 Staffeln noch alle? Was ist aus ihnen geworden, denen Millionen zujubeln?

Was ist geworden aus den kleinen Siegen? Sie geraten schnell in Vergessenheit.

Haben sie etwas gebracht für mehr Menschlichkeit, mehr Gerechtigkeit in eurem Leben?

Was ist aus Jakobus, Johannes und den anderen Jüngern geworden?

Sie haben ihre Aufgabe, ihre Berufung angenommen und haben die Christliche Botschaft in die Welt getragen.

Jakobus hat später als Apostel in Spanien gepredigt. Im 8. Jahrhundert baute man ihm zu Ehren die Kathedrale von Santiago de Compostela. 100tausende Gläubige pilgern jedes Jahr dorthin, um den Segen zu empfangen.

Johannes war in der Urgemeinde in Jerusalem zusammen mit Petrus die prägende Gestalt. Später betreute er die Gemeinde in Ephesus, in Griechenland, wo er bis heute verehrt wird.

 

Seit 2000 Jahren erinnern sich die Gläubigen an die Taten der Apostel.

Heute bekennen sich 2,3 Milliarden Menschen weltweit zum Christentum.

Auch ihr gehört dazu.

Das Geheimnislautet: Dienen ist der Weg zum Glück. Denn wer dient, der kommt dabei Jesus ganz nah. Jesus, der nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Niemand kommt Jesus so nahe wie jemand, der seine Gaben und Fähigkeiten anderen zur Verfügung stellt.
Nicht Ehrgeiz, Konkurrenzdenken, Neid, und Angst zu kurz zu kommen, sollen das Leben bestimmen. Jesus hat uns von all dem befreit. Er hat sein Leben hingegeben, damit wir freie Menschen sind. Damit wir Menschen sind, die von seinem Geist bestimmt das Leben auf dieser Erde gestalten.

Und ihr seid dabei ganz wichtige Persönlichkeiten. Gott zählt auf euch!

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

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So. 04.05.14
Wer ist der Größte?
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Wer ist der Größte?

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden! Liebe Gemeinde!

Habt ihr es gestern Abend gesehen- ward ihr dabei bei der Final Show von DSDS: Deutschland sucht den Superstar. Meltem, Daniel und Aneta kämpften um den ersten Platz. Wer war euer Favorit? Jetzt ist es entschieden. Der neue Superstar heißt:

Dies war die 11. Staffel. Ungefähr 5 Millionen Menschen haben zugeschaut – allerdings ist die Tendenz sinkend.

Dennoch: die Menschen lieben es zu gewinnen, denn Gewinnen ist alles, verlieren bedeutet das Aus.

Das steckt in uns so drin- der/die erste sein zu wollen, der Sieger, das größte Stück ergattern, den eigenen Vorteil suchen.

Wenn die Geschäfte mit Schnäppchen locken, dann machen sich die Leute scharenweise auf, um das größte Schnäppchen abzugreifen, solange der Vorrat reicht.

 

Oder an der Bushaltestelle: Der Bus hält, alle drängeln sich zum Einstieg, um ja den besten Sitzplatz zu ergattern. Rücksicht ist Nebensache, Hauptsache ich bin der erste.

Solche Situationen kennen wir alle und auch das Gefühl, hier für den eigenen Vorteil kämpfen zu müssen.

Die Jünger Jesu waren da nicht anders. Auch unter ihnen gab es einen Machtkampf, wer wohl der Größte sei, der Superjünger sozusagen.

Jesus geht seinen Jüngern voran nach Jerusalem. Da lösen sich zwei, Jakobus und Johannes aus der Schar der übrigen Jünger und kommen zu Jesus. Sie gehen neben ihm, einer links und einer rechts von ihm. So stellen sie sich das vor eines Tages neben ihm auf dem himmlischen Thron zu sitzen. Es kann nicht schaden, sich diesen Platz rechtzeitig zu sichern.

Jesus fragt: „Habt ihr euch das wirklich gut überlegt. Ihr wisst, was das bedeutet? Ihr müsst bereit sein, auch Leiden auf euch zu nehmen. Ihr müsst bereit sein für mich euer Leben einzusetzen. Könnt ihr das?“ Leichtfertig antworten sie: „Klar können wir das!“

Inzwischen haben auch die anderen Jüngern mitbekommen, was die beiden da anstreben. Und was meint ihr, wie finden die das?

Die sind verärgert. So geht das nicht – einfach vordrängeln nach dem Motto, wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Das ist nicht gerecht!

Und wie reagiert Jesus?          Jesus ruft alle zusammen und erklärt:

So geht es in der Welt zu. Wer die Macht hat, kann andere unterdrücken. Wer andere klein macht, der ist der Größte, der kommt zu Ansehen und Ruhm.

Doch dann lenkt er den Blick zurück in die Runde der Zwölf , schaut jedem in die Augen und sagt: „Bei euch ist es aber nicht so!“

Ihr habt gelernt, was es heißt, den Nächsten genauso zu lieben wie sich selbst. Ihr habt erfahren, wie gut es ist, wenn ihr euch gegenseitig beisteht, statt den eignen Vorteil auf Kosten anderer zu suchen!

Ihr könnt euch mit freuen an dem Glück des anderen –und müsst keine Angst haben, selbst zu kurz zu kommen. Euer himmlischer Vater hat euch alle im Blick. Ihr habt euren Ort im Leben, den macht euch keiner streitig. Ihr könnt barmherzig sein miteinander, könnt dem anderen seine Schwächen lassen. Gott ist barmherzig mit euch. Und das ist eure Stärke!

In Gottes Reich gelten andere Regeln. Dazu seid ihr berufen: dem Machtstreben und dem Egoismus etwas entgegenzusetzen.

 

Also: „Wer von euch groß sein will, soll euer Diener sein, und wer der Erste sein will, soll allen anderen dienen!“

Jesus hat gehört, wie menschlich, ja wie kindlich seine Jünger ihre Wünsche geäußert haben.

Und nun macht er ihnen klar, dass sie keine Kinder mehr sind.

Sie müssen erwachsen werden. Sie müssen Verantwortung übernehmen  für sich und für andere, statt immer nur auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten.

Statt „ich möchte aber dies und das haben“ heißt es nun „was kann ich für

mich selbst und für andere tun, damit es uns allen gut geht.“

Und was bedeutet das jetzt für euch? Was bedeutet es, wenn Ihr heute sagt:

„Ja mit Gottes Hilfe will ich mein Leben nach seinen Regeln und Geboten führen?“

Auch für euch ist die Konfirmation ein Schritt ins Erwachsenenleben. Den Blickwinkel zu ändern. Nicht zu schauen, wie ich am besten dastehe, sondern zu fragen: was braucht der andere eigentlich. Wie kann ich ihm zu seinem Recht verhelfen.

Es bedeutet, sich mit anderen zu freuen. Und zwar nicht nur mit meinen Freunden, sondern vielleicht sogar mit meinen Konkurrenten. In der Schule, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde. Das ist echt schwer.

Es bedeutet, auch mal zu verlieren. Oder zurückzustehen.
„Können Ihr verlieren?“ 

Die Gewinner und Sieger von heute verblassen schnell.

Kennt ihr die Superstars der vorigen 11 Staffeln noch alle? Was ist aus ihnen geworden, denen Millionen zujubeln?

Was ist geworden aus den kleinen Siegen? Sie geraten schnell in Vergessenheit.

Haben sie etwas gebracht für mehr Menschlichkeit, mehr Gerechtigkeit in eurem Leben?

Was ist aus Jakobus, Johannes und den anderen Jüngern geworden?

Sie haben ihre Aufgabe, ihre Berufung angenommen und haben die Christliche Botschaft in die Welt getragen.

Jakobus hat später als Apostel in Spanien gepredigt. Im 8. Jahrhundert baute man ihm zu Ehren die Kathedrale von Santiago de Compostela. 100tausende Gläubige pilgern jedes Jahr dorthin, um den Segen zu empfangen.

Johannes war in der Urgemeinde in Jerusalem zusammen mit Petrus die prägende Gestalt. Später betreute er die Gemeinde in Ephesus, in Griechenland, wo er bis heute verehrt wird.

 

Seit 2000 Jahren erinnern sich die Gläubigen an die Taten der Apostel.

Heute bekennen sich 2,3 Milliarden Menschen weltweit zum Christentum.

Auch ihr gehört dazu.

Das Geheimnislautet: Dienen ist der Weg zum Glück. Denn wer dient, der kommt dabei Jesus ganz nah. Jesus, der nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Niemand kommt Jesus so nahe wie jemand, der seine Gaben und Fähigkeiten anderen zur Verfügung stellt.
Nicht Ehrgeiz, Konkurrenzdenken, Neid, und Angst zu kurz zu kommen, sollen das Leben bestimmen. Jesus hat uns von all dem befreit. Er hat sein Leben hingegeben, damit wir freie Menschen sind. Damit wir Menschen sind, die von seinem Geist bestimmt das Leben auf dieser Erde gestalten.

Und ihr seid dabei ganz wichtige Persönlichkeiten. Gott zählt auf euch!

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

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Fr. 09.05.14
In den inneren Bildern Gott entdecken
Haike Gleede
In den inneren Bildern Gott entdecken

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Unser Gehirn ist ein Supercomputer. Es kann unglaublich viele Informationen aufnehmen und verarbeiten. Täglich kommen neue Eindrücke hinzu, werden unzählige Abläufe gesteuert und Informationen gespeichert. Dabei geht es nicht nur um reine Fakten. Wir Menschen nehmen viel mehr auf. Nur einen kleinen Teil davon können wir in Worte fassen und mit dem Verstand begreifen. So tragen wir Bilder in uns, Gefühle und auch Sehnsüchte. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit. Wie können wir sie ausdrücken und ausleben? Auch unser Glaube gehört dazu, die Sehnsucht sich mit Gott zu verbinden.

Gott kommt uns ein Stück entgegen und zeigt uns Möglichkeiten, wie wir ihn erfahren können.

Ein Beispiel dafür ist das Abendmahl. Jesus hat es eingesetzt, damit wir Gott begegnen.

Erinnert Ihr Euch an den Konfitag ? Da habt ihr euch mit dem Thema Abendmahl auseinandergesetzt. Ihr seid der Frage nachgegangen. Was bedeutet das Abendmahl für mich persönlich. Es sind Bilder und Texte entstanden, die ich heute noch einmal in den Blick nehmen möchte. Denn ob bewusst oder unbewusst – eure Bilder enthalten Botschaften. Sie führen uns in die Tiefe und lassen uns erahnen, wo ihr Gott in eurem Leben erfahrt, vermutet, ersehnt.

Eure Bilder strahlen Lebensfreude aus: bunte Farben fallen ins Auge; glückliche Menschen sind dargestellt. Menschen, die auf Gottes schöner Erde unter blauem Himmel leben und arbeiten. Sie stimmen in ein Psalmgebet ein:

In Psalm 104 steht: „Gott, Du lässt das Gras sprießen für das Vieh und lässt die Pflanzen wachsen, die der Mensch für sich anbaut, damit die Erde ihm Nahrung gibt:

Der Wein macht ihn froh, das Öl macht ihn schön, das Brot macht ihn stark.“

Für mich schwingt da Geborgenheit mit. Und großes Gottvertrauen. Der Glaube an einen Gott, der seine Menschenkinder gut versorgt.

Essen und trinken stärken unseren Körper, Gottes Wort stärkt unsere Seele. Wir schöpfen aus Gottes Fülle. Er ist großzügig und gibt mehr als genug.

Nur können wir damit gut umgehen; sind wir bereit zu teilen?

So führt das Abendmahl Menschen zusammen und macht sie zu einer starken Gemeinschaft. Das Bild mit der Tischgemeinschaft weist darauf hin. Der Tisch ist ein Symbol. Menschen, die zusammen essen, ihr Brot teilen und gemeinsam feiern, gehören zusammen. Sie sorgen füreinander, sie lernen voneinander und sie nehmen am Leben des anderen teil. Das Abendmahl führt Menschen zusammen, die sich sonst fremd sind. Als Gäste Jesu am Tisch des Herrn werden wir zu Schwestern und Brüdern. Wir sind die Gemeinde Jesu auf Erden.

Wo Menschen zusammen leben gibt es Verletzungen und Enttäuschungen. Darum ist es wichtig, dass wir lernen, uns zu vergeben. Jesus hat es uns vorgelebt, wie wir das erreichen können – indem wir uns selbst ganz zurücknehmen und den anderen annehmen.

Jesus sagt in den Einsetzungsworten, dass sein Blut vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Wer das Abendmahl feiert und an Jesus glaubt, dem wird vergeben oder er wird gestärkt, anderen zu vergeben.

 

Im Abendmahl macht Gott Frieden mit den Menschen, er schenkt inneren Frieden, damit wir gelassen und aufgeschlossen durch das Leben gehen. Nur wer Frieden mit Gott hat, kann ihn nach außen tragen.

Ihr habt hier zum Thema „Frieden“ eine Kirche gemalt. Ich deute sie als Zeichen für den Glauben. Der Glaube gibt Sicherheit, er schützt und zeigt Wege zum Frieden. Das brauchen die Menschen dringend.

Das Abendmahl schafft einen Raum der Ruhe in uns. Hier begegnen wir Gott und ahnen, welchen Frieden er schenken kann. – inneren und äußeren.

Nach dieser Gelassenheit, nach Frieden sehnen sich noch viele Menschen. Auch ihr spürt das. Das Leben auf dieser Erde ist nicht immer friedlich. Es gibt Streit und Krieg, Unzufriedenheit und Machtkämpfe beherrschen das Leben.

Das Menschen sich zusammen an einen Tisch setzen, ist der Weg zu Frieden und Gerechtigkeit. Um einander zu verstehen, müssen wir miteinander reden. Wenn wir unsere Gedanken und Sehnsüchte, unsere Sorgen und unsere Bedürfnisse teilen, überwinden wir das Neid, Hass, Streit. In der Bibel wird das Reich Gottes oft als eine solche Festgemeinde beschrieben. Aber manchmal ist der Weg dahin schwer.

Mich hat besonders dieses Bild mit dem Berg beeindruckt.

Der Prophet Jesaja beschreibt ein Festmahl, das auf einem Berg stattfindet. Gott führt hier alle Menschen zusammen. Der Weg dahin ist nicht immer einfach, gerade. Manchmal ist er steinig und steil und sehr sehr mühsam. Da sind oft viele  Herausforderungen zu bestehen. Und die Sorge, es womöglich nicht zu schaffen, nimmt uns den Mut.

Darum steht der Berg für die Anstrengungen im Leben, aber auch für das Erreichen eines Zieles. Manchmal erkennen wir erst im Nachhinein, wieviel Kraft Gott uns gegeben hat.

Dieses Bild ist entstanden zum Thema „Gott loben“. Oben auf dem Berg fühlen wir uns Gott nahe. Hier kniet einer um Gott zu danken und ihn zu loben. Hier auf dem Höhepunkt feiert Gott ein fest. Dazu sind wir alle eingeladen. Es ist ein Versöhnungsfest und ein Freudenfest.

Jesus hat mit seinen Jüngern auch ein Fest gefeiert, das Passafest. Auf diesem Fest hat er ihnen ein Friedensangebot gemacht: das Abendmahl.

„Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.“

Bis heute darf ein Lobgesang in keinem Gottesdienst fehlen, schon gar nicht beim Abendmahl.

Denn das Abendmahl erinnert ja nicht nur an Jesu Tod, sondern auch an seine AUFERSTEHUNG. Erst sie macht ihn zum Licht der Welt.

Ich denke, es lohnt sich, die inneren Bilder zu entdecken und wahrzunehmen. Sie zeigen uns, was unsere Seele braucht. Sie braucht in jedem Fall Raum, um sich zu entfalten.

Eure Bilder berühren mich. Sie erzählen von eurem Glaube, von eurer Hoffnung und euren Träumen.

Wenn wir Abendmahl feiern ist der auferstandene Christus der Gastgeber. Er lädt uns ein.

Er macht uns das Friedensangebot, stärkt uns für den Weg, der manchmal auch steil und steinig ist und ruft uns in seine Gemeinschaft. Er kennt unsere inneren Bilder und lenkt unseren Schritt ganz sanft in seine Richtung.

Und ich verbleibe für heute mit dem Friedensgruß:

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

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