Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Do. 09.11.17
Jeder soviel er braucht
Haike Gleede
Jeder soviel er braucht

Tägliches Brot

Kinder lachen und springen ins Wasser, Männer und Frauen zurren das Gepäck zusammen, Stimmen werden laut, die Ziegen blöken aufgeregt an der Wasserstelle. Aus dem Boden sprudeln Quellen. Jungen klettern Dattelpalmen hoch und füllen ihre Säcke. Es ist alles gut! Vor wenigen Tagen war das Volk Israel vom Schilfmeer in die Freiheit aufgebrochen. Nun die Rast in der Oase Elim. Vorräte werden aufgefüllt. Dann brechen sie wieder auf. Eine Zeitlang finden die Ziegen und Schafe genug Gräser oder Sträucher mit saftigen Blättern. Dann werden die Wiesen, Bäume und Sträucher immer spärlicher. Aus der Straße wird ein Weg. Aus dem Weg ein Pfad.« Bis auch der sich verläuft im Sand der Wüste …

»Mama, hast du ein Stück Brot für mich?« Die Frage gibt der Mutter einen Stich ins Herz. Vor sechs Wochen waren sie aufgebrochen. Versprochen hatten sie ihr ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Jetzt ist es ein Wunder, dass sie überhaupt noch leben.

Vorne geht Mose. Danach folgt ein langer Zug. Menschen und Tiere. Die Alten müssen immer wieder getragen werden. Wenn die Schwangeren nicht mehr laufen können, kommen sie auf einen Esel. Seit sie die Karawanenstraße verlassen haben, ist der Weg noch beschwerlicher geworden. »Hier«, sagt sie zu ihrer Tochter und gibt ihr den letzten Rest von einem harten Fladenbrot. »Aber iss langsam.« Zweifel kommen. Nicht nur bei ihr. Wo war er denn, dieser Gott, der den Namen »Ich bin da« tragen soll?

Wie ein glutroter Ball geht die Sonne am Morgen am Himmel auf. Den ganzen Tag brennt sie unbarmherzig auf Menschen und Tiere herab. Am Abend versinkt sie hinter den Bergen. Schnell wird es kalt. Nirgends gibt es Holz für ein Feuer. In der Dunkelheit heult ein Schakal. Voller Angst schmiegen sich die Kinder an ihre Eltern. Und die Eltern?

V. 2–3 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten … Alle Wegzehrung ist aufgebraucht. Es gestaltet sich alles nicht so einfach, wie sie es sich erhofft hatten. Jeden Tag auf‘s Neue geht die Suche nach Wasser und Nahrungsmitteln los. Niemand weiß, was nächste Tag bringen wird. Die Wüste fordert ihren Preis.

 

Und wenn die Menschen unzufrieden sind und hungrig, dann werden sie ungenießbar. Sie suchen einen Schuldigen, einen, den sie verantwortlich machen können.

Mose und Aaron werden angeklagt: „Ihr habt uns in diese Lage gebracht! Ihr seid verantwortlich!“

V. 11–12 Und Jahwe sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört … Inmitten der Stille der Wüste, inmitten aller Gottverlassenheit hört Gott genau hin. »Hunger« steht für den Mangel an allem, was zum Leben nötig ist. Bis hin zu dem Hunger nach dem Wort Gottes und der menschlichen Liebe und Wertschätzung.

Tatsächlich geschieht das, was unmöglich scheint. Mitten in der Wüste fällt Nahrung vom Himmel. Was servierte Gott seinem Volk? Wachteln und Manna. Natürlich gibt es dafür eine Erklärung: Wachteln sind Zugvögel, die oft lange Strecken zurücklegen. Wenn sie auf ihrem Flug müde werden, lassen sie sich in der Wüste nieder, um sich auszuruhen. In diesem Zustand lassen sich diese Vögel leicht fangen. Manna wird von Schildläusen bei der Ernährung ihrer Larven ausgeschieden, und fällt dann wie der Tau zu Boden. Es ist ein honigartiger Saft, der durch die Hitze des Tages aber verfällt. Sie fragen: “Man hu?“ „Was ist das?“ Sie schöpfen neuen Mut. Gott sorgt für sein Volk. Doch es gibt klare Regeln:

V. 16–18 Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht … Ich stelle es mir nicht leicht vor, sich zurückzuhalten; wirklich nur so viel zu nehmen wie ich heute verbrauchen kann. Nach langer Entbehrung müssen die Menschen doch gedacht haben: „Sammelt so viel ihr könnt. Wer weiß, was morgen ist!“ Aber genau das soll nicht sein! Gott will keine eifrigen Sammler, keine neidischen Menschen und keine gierigen Besitzer. Nur das Vertrauen zählt, dass Gott an jedem Tag gibt, was zum Leben nötig ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Für mich spiegelt sich diese Regel im Vater unser wider. Da beten wir: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Nicht weniger und nicht mehr. Nur wenn wir das akzeptieren, liegt Segen darauf.

Solange wir uns nur auf unsere menschlichen Kräfte verlassen und uns nur um unser eigenes Wohl kümmern, unseren eigenen Vorteil suchen, ja so viel wir uns auch anstrengen, dieser Weg führt in die Ungerechtigkeit, in die Armut und schließlich in den Tod.

Weniger als nötig zu haben, bedeutet Hunger, Armut und kaum Lebensqualität. Das gibt es leider auf dieser Erde in vielen Ländern. Über 800 Millionen Menschen hungern auf dieser Erde.

Mehr als nötig zu haben, tut auch nicht gut. Es bedeutet Überfluss und Geringschätzen dessen, was Gott uns gibt. Wir leben in einem Land, wo Überfluss herrscht und wo viele Menschen die Schätze der Natur, Essen, Trinken und Kleidung nicht achten, sondern verschwenderisch damit umgehen. Tonnenweise werden Lebensmittel jeden Tag vernichtet.

Gott öffnet unseren Blick für das rechte Maß. Wenn wir jeden Tag genau so viel haben, wie wir brauchen, um zu leben, dann leben wir jeden Tag wieder aus dem Vertrauen auf Gottes unendliche Güte.

Manchmal brauchen wir Zeiten der Entbehrung, um dann schätzen und genießen zu können, was wir haben.

Gott führt uns manchmal über unwegsame Strecken und fordert auch etwas von uns. Manchmal gibt es Wüstenzeiten, in denen unsere Geduld und unser Vertrauen hart auf die Probe gestellt werden.

Die Wüste der Trauer etwa, der Einsamkeit, die Wüste der Hoffnungslosigkeit oder die Wüste der Zweifel. Hunger überkommt uns. Nicht der, der meinen Magen knurren macht, aber meine Seele murrend. Hunger nach Vertrauen, nach Sicherheit, Trost, Liebe, nach Horizonten, hinter denen es weitergeht. Wir neigen dazu, nicht satt zu sein. In vielerlei Hinsicht …

Aber letztendlich reicht Gottes Geduld immer noch weiter und seine Güte ist größer als wir es vorstellen können.

Gott versorgt sein Volk. In diesem Vertrauen setzte das Volk seinen Weg fort.

Wenn wir uns auf Gott verlassen, dann wird er uns wieder und wieder überraschen mit seinen unerwarteten Gaben und mit seinem Segen führt er uns zu den Oasen in der Wüste.

Und das Abendmahl ist so eine Oase in der Wüste, aus der schöpfen können.  

Amen.

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Di. 19.09.17
Ernte-Dank
Haike Gleede
Ernte-Dank

Das Leben in unseren Dörfern ist ländlich geprägt und Landwirtschaft hat einen hohen Stellenwert. Ohne sie kann das Überleben aller nicht gewährleistet werden. Dass eine Ernte eingebracht wird, hängt von vielen Faktoren ab: von der menschlichen Arbeitskraft, dem Wetter, aber auch der Wertschätzung der Verbraucher den landwirtschaftlichen Produkten gegenüber.

Der Sinn des Erntefestes ist nicht nur die Freude über die Ernte, sondern auch der Dank.

Erntedank ist Zeit zur Besinnung. Woraus lebe ich, wofür lebe ich? Wir leben, weil Gott uns den Lebensodem eingehaucht hat. Unsere Arbeit wäre vergebens ohne seinen Segen. Gott hat uns von seiner Schöpferkraft einen kleinen Bruchteil geliehen, um ihn für das Leben auf der Erde einzusetzen. Darum gehört zum Erntedank ein Blick in die Bibel.

Jesus stellt uns einen Menschen vor. Er ist fleißig, arbeitet hart. Er ist erfolgreich. Er ist Landwirt. Ist er glücklich? Nun er ist zufrieden, sehr zufrieden mit seiner Ernte. Und dennoch kann er nachts nicht gut schlafen.

Was bereitet den Landwirten von heute schlaflose Nächte?

Wie zufrieden sind sie mit der diesjährigen Ernte? (evtl einen Landwirt befragen)

Nach dem kühlen und trockenen Frühjahr folgten die heftigen Sommerniederschläge, Bauern Niedersachsens noch lange in Erinnerung bleiben werden. In einigen Landesteilen haben die Wassermassen viele Felder überflutet und zum Teil verheerende Schäden verursacht. Das ist Grund für die Ertragseinbußen. Die Getreideernte fällt in diesem Jahr geringer aus als in den Vorjahren. Und auch die Obsternte wird wohl eher dürftig ausfallen. Schuld ist vor allem der späte Frost im Frühling.

Der Landwirt, von dem Jesus erzählt, hat andere Sorgen, die ihm den Schlaf rauben. Er hat so viel geerntet, dass er nicht weiß, wo er das alles lagern soll. Er beschließt, neue, größere Scheunen zu bauen. Beruhigt sinkt er zurück auf sein Bett und denkt: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!“

Dieses Denken kennen wir auch. In keinem andern Land hat Sicherheit und Vorsorge so große Priorität wie in Deutschland. Dabei leben wir in einem der reichsten Länder dieser Erde in einer Wohlstandsgesellschaft, in der wir oft nicht mehr wissen, wohin mit all unseren Gütern, den vielen Dingen, die wir angesammelt haben. Lebensmittel werden im Überfluss und oft zum kleinen Preis angeboten – vieles wir sorglos entsorgt.

Die Ruhe des Landwirts währt nur kurz. Denn Gott schickt ihm einen Gedanken, der ihn hochschrecken lässt: „Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?“

Nach biblischen Verständnis sind Narren Menschen, die Gott aus dem Blick verloren haben und den Wert ihres Lebens an ihrem Besitz und ihrem Erfolg messen. Sie spüren Gottes Gegenwart nicht, ihnen liegt nichts an seinem Segen. Sie verlassen sich nur auf sich selbst.

Bin ich eine Närrin, weil ich hart arbeite, ehrgeizig bin und versuche mir etwas zu erarbeiten? Nein. Das ist es nicht. Aber ich bin ein Narr, wenn ich über all mein Schaffen vergesse, dass ich nicht allein auf dieser Welt lebe. Ich gehöre zu einer Gemeinschaft und habe darin Verantwortung und eine Aufgabe.

Wer keine Beziehung zu seinem Nächsten aufbauen kann, der wird auch keinen Zugang zu Gott finden. Das Leben ist auf Gemeinschaft angelegt. Nur so kann Leben gedeihen.

Von dem, was die Landwirte produzieren, leben wir alle.

Wir haben das große Privileg auf dieser Erde zu leben und alles zu nutzen, was Gott uns schenkt. Gott hat uns nicht nur mit einem tatkräftigen Körper ausgestattet, sondern auch mit einer Seele. Die Seele braucht ein Gegenüber. Sie macht uns fähig zu lieben. Liebe schafft Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Sinn. Für diese Fähigkeit sollten wir unserem Schöpfer besonders danken.

Denn auch ein Fest macht nur Spaß, wenn viele daran beteiligt sind und alle sich einbringen.

Und auch eine Kirchengemeinde lebt davon, dass sich viel beteiligen und zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen.

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Do. 01.06.17
Quelle lebendigen Wasser sein
Haike Gleede
Quelle lebendigen Wasser sein

„Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen!“

Liebe Gemeinde!

Mit diesem Ausruf verblüfft Jesus die Menschen, die in Jerusalem das Laubhüttenfest feiern. Das Laubhüttenfest ist ein Erntedankfest. Gleichzeitig erinnern sich die Juden an  die 40-jährige Wanderschaft in der Wüste, nachdem das Volk von Mose aus ägyptischer Gefangenschaft befreit wurde. Eine Woche lang wird gefeiert. Die Familien leben in Laubhütten im Garten oder auf dem Balkon. Die Laubhütte erinnert daran, dass der Mensch nur vorübergehend auf der Erde lebt. Das Leben ist vergänglich und  der Mensch ist immer unterwegs, um die Grundbedürfnisse zu stillen. Und immer trägt er die Sehnsucht nach dem Paradies in sich, nach dem Ewigen.

Höhepunkt jeden Tages ist die Prozession am frühen Morgen. Sie beginnt  am Siloahteich, dem Wasserspeicher der Stadt. Gespeist  aus der Gihonquelle. An dieser Quelle hängt die Wasserversorgung der Stadt.  Ein Priester  schöpft Wasser in eine goldene Kanne. Diese wird nun feierlich durch die Stadt getragen, hinauf  zum Tempel. Am Wassertor angekommen erschallen Trompeten. Nun zieht die Prozession ein in den inneren Vorhof. Die Gläubigen singen Lob- und Danklieder dazu. Sie umrunden den Brandopferaltar. Dann steigt der Priester mit der goldenen Kanne die Rampe zum Altar hinauf. „Heb deine Hand hoch!“ schreit das Volk. Und er hebt sie so hoch er kann. Die goldene Kanne glänzt in der Sonne. Endlich lässt er das Wasser aus der Kanne fließen. Es ergießt sich in eine silberne Schale,  die  auf dem Altar  steht.  Gleiches geschieht auch mit einer Kanne Wein. Nun wird eine Öffnung am Grund der Schalen aufgetan. Und das Wasser und auch der Wein fließen in das Innere des Altars und von dort in die Erde, wo der trockene Boden die gespendeten Gaben aufnimmt.

Dem ewigen Gott verdanken sie ihr Leben. Ihm zu Ehren Singen und Jubeln sie.

Gott gibt das kostbare, lebensnotwendige  Wasser, er spendet Tau und Regen. Er lässt wachsen und gedeihen. Die Früchte der Erde und auch die Frucht des Weinstocks. Alle hoffen und beten, dass Gott zur rechten Zeit Regen schenkt und seinen Segen über Land und Mensch ausgießt.

Das Laubhüttenfest ist auch ein Fest mit einer ganz großen Sehnsucht. Der Sehnsucht, dass der Tag kommt, an dem Gott seine Herrschaft aufrichtet über alle Welt.  

Wie einen Strom wird Gott seinen Geist ausgießen auf alle und sie werden erfüllt sein von seiner Kraft.  So haben es die Propheten verkündet.

Auch Jesus und seine Jünger nehmen an dem Fest teil. Eigentlich wollte Jesus gar nicht zum Fest in die Stadt kommen. Er sagt seinen Jüngern: „Geht ihr nur hin. Ich bleibe in Galiläa. Meine Zeit ist noch nicht gekommen.“

Und tatsächlich ist er sehr umstritten unter den Bewohnern Jerusalems. Die einen finden ihn gut und hören ihn gern. Sie haben die stille Hoffnung, er könnte der angekündigte Messias sein und könnte Gottes Verheißung vollenden.

Andere sagen: Er verführt das Volk! Sie fürchten um ihre Macht.

Und dann taucht Jesus doch noch auf auf dem Fest – am letzten Tag geht er in den Tempel und beginnt zu lehren.

„Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen!“

Seine Worte lassen aufhorchen. Was sagt er da? Wer ist er? Ein Prophet oder doch der Christus? Er sagt: „Ich bin die Quelle. Wenn ihr daraus trinkt, werdet auch ihr zu einer Lebensquelle!“

Glaube ist wie eine Oase in der Wüste. Gottes Zuspruch erfrischt den Geist. Unser Leben gleicht manchmal einer Wüste. Wenn wir einen lieben Menschen verloren haben und trauern. Wenn wir uns allein fühlen, inmitten von vielen Menschen. Wenn wir nicht mehr weiterwissen und auf Gottes Hilfe hoffen.

Eine Geschichte aus Nordafrika erzählt von einem Beduinen, der sich immer wieder der Länge nach auf den Boden legt und sein Ohr an den Wüstensand drückt. Stundenlang horcht er in die Erde hinein. Verwundert fragt ihn jemand:

„Was machst du eigentlich auf der Erde?“ Der Beduine erhebt sich lächelnd und antwortet: „Freund, ich horche; ich horche wie die Wüste weint. Ich glaube, sie möchte gern ein blühender Garten sein.“

„Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen!“

Jesus verkündete den Menschen: Das Warten hat ein Ende. Ihr müsst nicht mehr warten, dass einer kommt und euer Leben verändert. Ihr selbst seid in der Lage aus der Wüste ein Paradies zu machen. Ich gebe euch die Kraft dazu, wenn ihr mir vertraut.

Gebt weiter, was ihr empfangt, handelt, wenn jemand in Not ist. Teilt meine Kraft. Tröstet, helft, betet mit den Menschen und öffnet die Quelle.

Das Lebenswasser fließt von einem Menschen zum anderen.

Wir empfangen und wir geben. Wer Gottes Großzügigkeit gespürt hat, wird anderen großherziger begegnen. Wer sich von Gott angenommen weiß, der kann auch andere annehmen. Wer Vergebung erfahren hat, der wird anderen vergeben. Wer sich verstanden fühlt, kann andere verstehen. 

Lebendiges Wasser ist kein abgestandenes Wasser, es ist frisch. Täglich neu will es geschöpft werden. Man kann es nicht in Flaschen abfüllen, sozusagen auf Vorrat. „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ Das gilt für jeden Tag. Und Gott schenkt uns seinen Geist, wenn wir ihn darum bitten und füllt uns immer wieder neu. Amen.

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Fr. 31.03.17
Kirche und Werbung?
Haike Gleede
Kirche und Werbung?

Täglich werden wir mit Werbung überflutet. Werbung lockt mit tollen Angeboten und verspricht: Wenn du dieses Produkt kaufst, steigerst du damit deine Lebensqualität, dann bist du ein glücklicher Mensch.

Dabei haben wir es doch längst durchschaut. Nur Weniges ist wahr, nicht alles tut uns wirklich gut und nützlich ist es meistens auch nicht. Dennoch: Je lauter und je bunter etwas beworben wird, um so tiefer prägt es sich ein.

All die vielen Angebote überfordern mich und sie kosten mich viel Kraft und Lebensenergie. Ich schalte sie weg, werfe sie achtlos ins Altpapier und höre gar nicht hin. Und doch erreichen sie mich. Woher kommt es, dass die Medien uns so in ihren Bann ziehen, während das Wort Gottes uns nur gelegentlich erreicht? Macht die Kirche zu wenig Werbung? Aber passt das überhaupt – Kirche und Werbung? Jesus hat uns den Auftrag erteilt: Geht in die Welt und erzählt den Menschen, was ihr von mir gehört habt! Verkündet ihnen den Weg zum ewigen Leben! Macht die Menschen zu meinen Jüngern! Ladet sie ein in meine Gemeinde!

Auch Paulus hat sich nicht geschämt, für das Evangelium zu werben.

Für ihn war es die einzig seligmachende Kraft. Dafür hat er sich eingesetzt, weil ihm daran lag, dass immer mehr Menschen davon erfahren und aus dieser Kraft leben.

In vielen Gemeinden werden an diesem und den nächsten Sonntagen Konfirmationen gefeiert. Jugendliche sagen „Ja“, ich gehöre zu Christus, seine Botschaft ist für mein Leben wichtig.

Und bald schon werden Menschen in den Gemeinden gesucht, die sich als Kirchenvorsteher für die Kirche vor Ort einsetzen, sie verantwortlich gestalten und dafür sorgen, dass die wertvolle Botschaft der Bibel im Bewusstsein bleibt.

Bis heute verkünden wir Jesu Botschaft, weil wir glauben, dass sie unserem Leben eine neue Qualität gibt.

Für mich gibt es sonntags um halb zehn nichts Schöneres, als in die Kirche zu gehen und eine Botschaft zu verkünden, die hält, was sie verspricht.

 

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Do. 06.04.17
Korn, das in die Erde
Haike Gleede
Korn, das in die Erde

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt ...

So singen wir in der Passionszeit. Das Weizenkorn- ein Symbol für das Leben und die Auferstehung.

Jesus erzählt seinen Zuhörern  am See Genezareth ein Gleichnis.  Markus 4, 26-29:

Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen auf das Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre.Wenn sie aber Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

So einfach ist das - und doch so unbegreiflich. Jesus wählt ein Beispiel, das aus dem Leben gegriffen ist. Er beschreibt den Jahreslauf von der Saat bis zur Ernte, wie ihn jeder kennt. Das alles umfassendes Wunder des Lebens, das wir jedes Jahr wieder so selbstverständlich erleben.

Zur Zeit Jesu war es den Menschen noch stärker bewusst, wie sehr ihr Leben  vom Erfolg der Landwirtschaft abhing. Es war nicht einfach, dem Boden einen Ertrag abzuringen. Damals hatten die Bauern nur wenige Geräte zur Verfügung, alles musste per Hand gemacht werden. Vor der Aussaat des Getreides wurden die Steine abgesammelt und an den Rändern aufgeschichtet. Die Aussaat erfolgte dann zwischen November und Januar. Der Bauer schritt mit einem Beutel voll Saatgut über das Feld und streute dieses breitwürfig über den Boden. Anschließend wurde noch einmal gepflügt, um den Samen mit Erde zu bedecken. Zuletzt wurden die Ochsen über das Feld getrieben, damit sie den Samen in die Erde stampfen.

Das Erdreich zwischen den heranwachsenden Halmen wurde mit Hacken bearbeitet. So lockerten sie den Boden auf und befreiten ihn vom Unkraut. Ab Mitte April war das Getreide zur Ernte reif und wurde geschnitten. Die ganze Familie half bei der mühsamen Erntearbeit mit.

Dieser Ablauf steht also den Menschen vor Augen, als Jesus sein Gleichnis erzählt.

„… wie wenn ein Mensch Samen auf das Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre.“

Das klingt so leicht, so als ob der Mensch kaum etwas dazu tut, dass es eine Ernte gibt.

Wir  wissen, dass es mit viel Arbeit verbunden und eine Kraftanstrengung ist, sein tägliches Brot zu verdienen. Unseren Kindern versuchen wir das zu vermitteln, mehr oder weniger erfolgreich.

Kennen Sie die strengsten Eltern der Welt? Eine Fernsehserie, die vor einiger Zeit ausgestrahlt wurde. Besonders schwierige Jugendliche, die sich weigern zur Schule zu gehen, sich nie an Regeln halten und nur so in den Tag  hineinchillen, werden zu Gasteltern fernab von zuhause in fremden Ländern und Kulturen geschickt. In einer Sendung waren auch sehr aufsässige Teenager zu einer Familie in einem eingeborenen Stamm gekommen. Hier musste jeder mit anpacken, Gartenarbeit, Wasser schleppen, Hühner schlachten.

Natürlich verweigerten die Jugendlichen sich, diese ätzenden Tätigkeiten auszuüben.

Ein Satz der Gast Mutter ist mir haften geblieben: „Sie müssen lernen, dass sie nicht überleben, wenn sie nicht arbeiten.“

Das ist die eine Seite. Das Gleichnis weist noch auf eine andere hin: dass der Mensch nicht alles schaffen kann, sondern die eigentliche Kraft, die alles in Gang setzt, von Gott kommt.

Und zwar genau dann, wenn der Mensch Pause macht, wenn er schläft oder darauf wartet, dass der Same wächst. Genau dann geschieht das Wesentliche.

Auch bei den strengsten Eltern der Welt geht es um mehr, als Jugendliche zur Arbeit zu bewegen oder gar zu zwingen.  Es geht auch darum, dass sie sich zugehörig fühlen zu einer Familie, einer Gemeinschaft, in der jeder seinen Beitrag leistet, in der aber auch jeder angenommen ist und seinen Platz hat.

Auch Jesus geht es um viel mehr als Bilder zu zeichnen vom Reich Gottes. Zwischen den Zeilen zeigt er seinen Zuhörern, dass sie selbst ein Teil davon sind, dass das Reich Gottes in ihnen heranwächst.  Gleichnisse enthalten immer verschiedene Dimensionen des Lebens. Das Leben besteht auch nicht nur aus der Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse. Körper, Geist und Seele stehen im Einklang miteinander und jede Dissonanz, jeder Missklang spiegelt sich auf allen Ebenen wieder.

Der Same ist das Wort Gottes. Der Mensch ist der Acker.

Ist der Boden gut vorbereitet, dann wächst es ganz von allein. Aus dem Weizen wird später Mehl gemahlen und Brot gebacken.

Steine, die uns auf dem Herzen liegen, müssen abgesammelt. Unkraut, unnütze Gedanken ausgerissen werden. Und schließlich braucht es Geduld, damit Gottes Same Frucht bringen kann. Und die Frucht heißt: Vertrauen auf Gottes liebevolle Zuwendung oder kurz: Glaube.

Jesus selbst ist das Samenkorn. Er ist das menschgewordene Wort Gottes, das in den Menschen hineingesät wird.

Eingesät in mein Herz, wächst es auf geheimnisvolle Weise. Gott nimmt Raum in mir, verwandelt und befreit mich. Gott schenkt sein Wort, weckt den Glauben einfach so, ohne dass ich etwas dazu tue. Aus reiner Gnade – wie Luther sagt.

Aber pflegen muss ich den Acker schon selbst und dafür sorgen, dass der Same sich gut entfalten kann.Hörende Ohren, sehende Augen, ein fester Stand und offene Hände, ein klarer Verstand und ein brennendes Herz - das wird mich ausmachen. Jesus bezeichnet sich selbst  als Brot des Lebens: "Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten." Joh 6, 35

 „Sie müssen lernen, dass sie nicht überleben, wenn sie nicht arbeiten.“

Am Ende der Sendung hatten die Jugendlichen etwas verstanden. Sie verabschiedeten sich unter Tränen von den Gasteltern. Es war eine Verbindung entstanden, etwas aufgeflammt von dem sie ahnten, dass es für sie lebenswichtig ist. Sie hatten eine zeitlang dazugehört, waren Teil dieser Familie geworden und stolz darauf.

Heute ist der 2. Sonntag vor der Passionszeit. Zwischenzeit – Zeit, den Boden zu bereiten für Gottes Wort. Wenige Wochen vor seiner Verhaftung  sagt Jesus: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht." Joh 12, 24

„Wir werden nicht überleben, wenn wir nicht an uns arbeiten.“

In der Stille vor Gott finden wir Antworten und er wird da Seine dazutun. Amen.

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So. 19.02.17
Hilft auch bei Verstockung
Dr. Matthias Wilke
Hilft auch bei Verstockung

Ein junger Mann aus Tuttlingen, sagt der Dichter, kam einmal ins reiche Amsterdam. Er blieb vor einem prächtigen Gebäude stehen. Was für eine Villa! „Wem gehört das Haus?“, fragte er einen Vorübergehenden. Doch der, Niederländer der er war, sagte nur: „Kannnitverstan“. Aha, dachte der junge Mann und ging weiter. An einer Gracht sah er ein großes Schiff mit vielen reichen, fröhlich feiernden Menschen. „Wau“, sagte er, „wem das wohl gehört?“ Wieder erhielt er die Auskunft: „Kannnitverstan“. „Dem gehört wohl alles“, grummelte er. Und als er auch noch hörte, dass der Jackpot der Lotterie geknackt worden war und wieder, klar, von einem „Kannitverstan“, da hielt es ihn nicht mehr, sondern er murmelte so platte Gedanken wie: „Ja, wenn einer hat, dann wird ihm auch noch alles andere … einfach so nachgeschmissen.“ So ging er weiter und sah vom Rand aus grummelnd dem Leben zu. Sein Herz wurde hart. Verbittert kam er an eine Straßensperre. Ein Leichenzug zog des Wegs. „Wer wird denn begraben?“, fragte er und bekam die Antwort: „Kannnitverstan“. „Och“, sagte der junge Mann und war sofort etwas ergriffen, „so was. Nun liegt er da, hat nichts von seinem Gewinn, der Herr Kannitverstan…“.

Ich denke nach über diese Geschichte, der einmal eine wahre Begebenheit zugrunde lag. Wer hätte das gedacht? All der Groll hätte bei dem jungen Mann auch zu Dauerverstockung führen können. Doch Gott rüttelt an ihm durch das, was er hört und erlebt – und löst die Verstockung. Möge er auch mein Herzensgegrummel lösen. Auf dass sich erfüllt, was die Losung für die kommende Woche fordert: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“ (Hebräer 3, 15).

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Di. 10.01.17
Ein neues Herz
Haike Gleede
Ein neues Herz

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Jahreslosung aus Hesekiel 36,26

Liebe Gemeinde!

Hesekiel war ein außergewöhnlicher Prophet mit außergewöhnlichen Visionen in einer außergewöhnlichen Zeit – so las ich es in einem Buch zur Vorbereitung auf diese Predigt. Dieser Prophet berichtet in spannenden Bildern von seinen Begegnungen mit Gott.

Manche seiner Visionen sind bis heute noch nicht entschlüsselt wurden. Manche Wissenschaftler meinen sogar, Hesekiel schildere unter anderem die Landung eines Raumschiffes, als er über seine Berufung schreibt.

Es sind auf jeden Fall starke Bilder, in denen er Gottes Gegenwart fasst.

Bilder, die deutlich machen, Gott ist weit mehr als wir es jemals erfassen und in Worte fassen können.

Wir schreiben das Jahr 600 vor Christus. Als Priester Israels und Berater des Königs Jojachin zieht er mit in das babylonische Exil.  Der Krieg ist verloren, das Land besetzt.

Hesekiel lebt mit den Verbannten am Fluß Kebar, einem Kanal in Babylonien. Sie haben sich dort eingerichtet und es geht ihnen nicht schlecht, aber das Heimweh bleibt und die Sorge um die Zukunft.

In den ersten Jahren verkündet Hesekiel Gerichtsworte an sein Volk. Weil sie Gott nicht gehorchten, darum ist es zur Katastrophe gekommen.  Und es kommt noch schlimmer. 10 Jahre später belagert der babylonische Herrscher Nebukadnezar II. Jerusalem ein zweites Mal, vernichtete es endgültig, zerstörte auch den Tempel. Nun wurde auch der Rest der Bewohner in die Gefangenschaft nach Babylon geführt. Doch dann ändern sich die Weissagungen Hesekiels. Die Gerichtsworte galten nun den Babyloniern. Seinem eigenen Volk dagegen verkündete er, es werde eines Tages eine Rückkehr und den Wiederaufbau des Tempels geben. So verheißt er im Exil eine neue Zeit, eine Rückkehr in die Heimat, die verbunden ist mit einem neuen Leben und Denken.

Das neue Leben und Denken, von dem der Prophet spricht, ist also eine Gabe und Aufgabe gleichzeitig. Aus dieser Zeit stammt auch die Jahreslosung: Hes 36, 26

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Das Wort Herz kommt im Alten Testament 858 Mal vor. Kaum etwas anderes scheint so wichtig zu sein wie das Herz.

 Des Klugen Herz sucht Erkenntnis, heißt es etwa im Buch der Sprüche (Spr 15,14) oder Das Herz des Weisen macht seinen Mund klug (Spr 16,23). Das Herz ist zwar auch der Ort des Gefühls, noch viel mehr aber der Ort des Denkens und der Erkenntnis.

Hes 36, 26

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Für das Jahr 2017 erreicht uns diese Botschaft. Die Jahreslosung begleitet uns auf unserem Weg durch das neue Jahr.

Das Herz – mehr als nur ein Organ, das Blut durch unsere Adern pumpt. Viele Redewendungen machen deutlich, dass wir dem Herzen noch andere Eigenschaften zusprechen.

So wird es auch im neuen Jahr manches geben, was uns zu Herzen gehen wird, manchem ein Stein vom Herzen fallen, nachdem er sich ein Herz gefasst und sein Herz ausgeschüttet hat. Menschen werden ein Herz und eine Seele sein und andere sich das Herz brechen. Menschen werden sich ins Herz schließen, von Herzen grüßen und mit dem Herzen sehen. Andere werden ihr Herz verschließen oder gar herzlos handeln.

Viele Redewendungen zeigen, wie eng Leib und Seele, Herz und Geist zusammenhängen.

Und ja, auch heute sehnen sich Menschen nach einem Neuanfang, nach Heimat und Frieden.

Es liegen 2600 Jahre zwischen dem Propheten und uns. Die Geschichte scheint sich stetig zu wiederholen, immer wieder Krieg und Frieden, Liebe und Hass, die Macht Einzelner  gegen die Gemeinschaft, Egoismus gegen Nächstenliebe.

Und die Frage nach Gerechtigkeit. Werte wie soziale Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Solidarität gelten nicht mehr viel.

So viele Terroranschläge wie niemals zuvor erschütterten uns in diesem Jahr.

Nach wie vor sind weltweit etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger.

 Wenn sich etwas ändern soll, dann geht das nur mit Gott.  Nur er kann ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Das macht der Prophet deutlich:

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Nichts anderes ist auch die Einsicht Martin Luthers: Der Mensch kann sich seine Gerechtigkeit nicht selber schaffen. Er wird aus Glauben und Gnade gerecht.

Nur Gott kann die Herzen und Geister verwandeln.

Der Schriftsteller Julien hat einmal gesagt: „Manchmal zerbricht Gott einem das Herz, um in das Herz zu gelangen.“

Vielleicht muss das gar nicht immer so sein. Ich wünsche mir ein Herz, in dem Gott Platz hat und einen Geist, der offen ist für neue Gedanken und Wege.

Sicher haben sie längst einen Kalender für 2017. Da stehen auch schon Termine drin, aber es gibt auch noch freie Tage, unverplant. Ganz egal, verplante oder freie Tage, ich lege sie alle in Gottes Hand, damit er sie segnet und mir dann ins Herz legt. Vielleicht muss ich manchen Plan verwerfen und umdenken. Vielleicht bringt mich gerade das dann Gott näher, wer weiß.

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Amen.

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„Mache dich auf und werde licht;
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„Mache dich auf und werde licht;

 

„Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“ Jesaja 60, 1-2

Advent. Die Zeit der Kerzen hat begonnen, begleitet von Liedern und vom Duft der Kekse und dem Tannengrün. Advent feiern – inne halten. Das Licht begleitet uns.

Dazu habe ich ein Wort aus dem Propheten Jesaja ausgesucht: Jes 60

„Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“ Jesaja 60, 1-2

Vier Impulse für den Weg gibt der Text:

  1. Impuls: Mache dich auf!

Drei kurze Worte, die das Leben verändern. Mache dich auf – das heißt da macht sich einer auf den Weg, geht aus seinen alten Gewohnheiten und wagt einen neuen Schritt. Mache dich auf, das kann auch heißen: Öffne dich! Mach deine Tür weit auf, damit Gott in dich hineinziehen kann! Maria ist diesem Ruf gefolgt. Das junge Mädchen aus Nazareth verlobt sich mit dem Zimmermann Josef. Dann erreicht sie dieser Ruf: Mache dich auf! Sie öffnet sich dem Willen Gottes. Gebärerin und Mutter Jesu wir sie. Sie lässt sich ein auf den Weg mit Gott. Sie folgt seinem Ruf. Hochschwanger macht sie sich dann mit Josef auf den Weg nach Bethlehem.

  1. Impuls: Werde licht!

„licht“ klein geschrieben ist ein Eigenschaftswort: Werde licht oder werde hell, werde durchscheinend für Gottes Liebe.

Entzünden wir ein Licht, dann wird es hell. Je dunkler es ist, um so mehr wird es ihre Leuchtkraft entfalten.

Bei Paulus im 2. Kor heißt es:

„Denn Gott sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“

Wir tragen also den hellen Schein von Gottes Liebe in unseren Herzen.

  1. Impuls: denn dein Licht kommt.

Perspektivwechsel. Manchmal droht unser Licht zu verlöschen. Dann brauchen wir neues Feuer, das uns ansteckt. Das Licht ist schon auf dem Weg. Jesus kommt. Er ist das Licht der Welt, das die Herzen anfeuert.

Dein Licht kommt – damit bin ich ganz persönlich gemeint. Jede/r von uns. Das ist eine Ermutigung nicht aufzugeben. Mit dieser Zukunft im Herzen kann ich getrost in die Zukunft gehen. So wie Maria und Josef sich auf den Weg machten nach Bethlehem. Dort gab es keinen Raum in der Herberge. Eine aussichtslose Situation, beängstigend für eine Schwangere. Aber sie verzweifelt nicht und sie fanden schließlich eine Unterkunft: in einem Stall. Dort kommt Jesus zur Welt.

  1. Impuls: Und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.

Was für eine Zusage!

Am Ende eines jeden Gottesdienstes werden wir gesegnet mit den Worten: Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir.

Die Heilige Gegenwart Gottes bekommt nun das Gesicht eines Neugeborenen, das in einer Krippe liegt.

Durch dieses Kind tritt der Glanz Gottes in die Welt. Jesu Angesicht leuchtet über uns und in uns. Gottes Gegenwart, Gottes Glanz ist da, ist sichtbar in der dunklen Welt. Aber nicht da, wo die Festbeleuchtung alles überstrahlt, sondern wo es dunkel ist – da erkennen wir Gottes Licht.

Dorothee Sölle hat einmal gesagt: „Die Bewegung der Liebe geht aus dem Geheimnis Gottes durch das menschliche Herz hindurch mitten in die Welt.“

Von Maria erzählt die Bibel, dass sie die Worte der Hirten und die Botschaft der Engel in ihrem Herzen bewegte.

Und dass wünsche ich uns auch. Dass wir Gottes Wort im Herzen bewegen, dass es uns von innen her erleuchtet und uns zum Strahlen bringt. Amen.

 

 

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Aus dem Wasser der Sintflut wird das Wasser…
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Aus dem Wasser der Sintflut wird das Wasser der Taufe.

Die Geschichte der Sintflut gehört zu den bekanntesten der Bibel. Sie berührt uns Menschen tief, denn es geht um das Leben, um das Überleben.

Das Alte Testament erzählt in seinem ersten Buch solche archetypischen Geschichten wie die von Noah. Er wurde als einziger gerettet, während Gott alles Leben vernichtete bis auf diese eine Familie, diese acht Menschen, die Gnade vor Gott fanden.

Noah baute eine Arche, so wie Gott es ihm aufgetragen hatte und rettet sich und seiner Familie damit das Leben. Durch ihn bekam die Menschheit eine neue Chance.

Doch Gott erkannte:

„»Ich will die Erde nicht noch einmal bestrafen, nur weil die Menschen so schlecht sind! Alles, was aus ihrem Herzen kommt, ihr ganzes Denken und Planen, ist nun einmal böse von Jugend auf.“

Dennoch Gott gab die Menschen nicht auf. Er suchte einen neuen Weg, sich ihnen zu nähern.  Er selbst wurde Mensch. Er schickte seinen Sohn Jesus auf die Erde.

Die Menschen richteten ein Kreuz auf und lieferten ihn dem Tode aus.

Einer starb für alle.

Damit hat Gott die Verhältnisse umgekehrt.

Nicht: alle sterben und einer wird gerettet, sondern einer stirbt und alle werden gerettet – wenn sie denn gerettet werden wollen.

Aus dem Wasser der Sintflut wird das Wasser der Taufe.

Statt Strafe schenkt Gott Vergebung, statt Verdammnis Freiheit, statt Angst Hoffnung und statt seines Zorns bekommen die Menschen Gottes Liebe zu spüren.

 

Gott hat Noah den Regenbogen als farbenprächtiges Erinnerungszeichen gegeben.

Das Zeichen der Christen ist das Kreuz. Im Abendmahl erinnern wir uns an Jesu Tod und seine Auferstehung, und was das für unser Leben bedeutet.

So sind wir auf dem endlosen „Meer der Gottesferne“ unterwegs wie Noah in seiner Arche. Unsere „Arche“ ist hier, wo wir in Jesu Namen zusammenkommen. Hier erfahren wir, dass es ein „Nach der Sintflut“ gibt, weil wir durch Jesus Christus in Gott geborgen sind.

Jesus Christus ist der „Regenbogen“, der über unserem Leben steht und uns Hoffnung geben kann, selbst wenn uns das Wasser bis zum Hals steht.

Jesus selbst sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28,20b)

Gott gibt die Menschen nicht auf. Er sucht immer wieder Wege, sich ihnen zu nähern.

Und das obwohl er weiß, dass  „Alles, was aus ihrem Herzen kommt, ihr ganzes Denken und Planen,  nun einmal böse ist von Jugend auf.“

 

Geschichtsballade von der Buße

Als Johannes der Täufer gebot: „Tut Buße!“ da wollte er nicht, dass wir ein Bußgeld zahlten. Da meinte er, wir müssten unser ganzes Leben ändern, denn eine neue Zeit sollte anbrechen.

Als Jesus, der Christus rief: „Tut Buße!“, da wollte er nicht, dass wir uns schämen sollten. Da gebot er, wir sollten unser altes Wesen ablegen, denn Gott schenkt eine neue Wirklichkeit.

Als die Apostel sprachen: „Tut Buße!“, da wollten sie nicht, dass wir eine säuerliche Miene aufsetzten.

Da verlangten sie, wir sollten Jesus nachfolgen, denn sein Kreuz öffnet den Himmel.

Als der Reformator Luther formulierte:

„Tut Buße!“, da wollte er nicht, dass wir uns mit Ablass loskauften. Da wollte er, dass wir und die Kirche sich von Grund auf und immer wieder erneuern.

Amen.

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So. 30.10.16
Gerecht vor Gott
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Gerecht vor Gott

Wie kann ich in dieser Welt und vor Gott bestehen?

Was macht mich gerecht ? Diese Frage trieb Martin Luthers um.

Als Theologieprofessor hielt er Vorlesungen in Wittenberg. Im Turm des grauen Klosters, wo sich sein Studierzimmer befand, kam er zu einer neuen Erkenntnis. Sie veränderte nicht nur sein Leben grundlegend.

Er beschreibt das selbst so:

„Mit außerordentlicher Leidenschaft war ich davon besessen gewesen, Paulus im Brief an die Römer kennenzulernen. Ein einziges Wort im Römerbrief war mir bisher im Wege: „Die Gerechtigkeit Gottes wird im Evangelium offenbart.“

Dieses Wort „Gerechtigkeit“ war ihm ein Dorn im Auge. Er tat sich schwer damit. „Gerechtigkeit Gottes“ – das machte doch den Menschen wieder klein. Wie konnte ein Mensch jemals vor Gott bestehen? Hatte der Mensch denn gar keine Chance aus dem Teufelskreis der Sünde und der Verstrickungen herauszukommen?

Die Lösung, die die Kirche in seiner Zeit den Menschen anbot, ärgerte ihn.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“

So versprachen es die Ablasshändler und verkauften den Menschen Ablassbriefe, mit denen ihre Sünden und sogar die ihrer Vorfahren getilgt seien. Martin Luther widerstrebte diese Praxis zutiefst.

Luther beschäftigt die Frage nach einem "gnädigen Gott".  

„Voller Unruhe, in meinem Inneren wild und verwirrt, klopfte ich rücksichtslos bei Paulus an dieser Stelle an. Ich dürstete glühend danach zu wissen was Paulus wolle.

Da hatte Gott mit mir Erbarmen. Tag und Nacht war ich in tiefe Gedanken versunken, bis ich endlich den Zusammenhang der Worte beachtete: „Die Gerechtigkeit Gottes wird im Evangelium offenbart, wie geschrieben steht: Der gerechte wird aus Glauben leben.“

Luther hatte einen Geistesblitz. Nur Gott allein macht gerecht. Gottes Gnade kann sich niemand erkaufen, das kann sich auch niemand erarbeiten – daran kann der Mensch nur glauben.

Gott will die Menschen nicht beugen, nicht kleinmachen, er will aufrechte, selbstbewusste Menschen, die zu ihrem Glauben stehen, aus Überzeugung und nicht aus Angst.

Luther war so erleichtert über seine Erkenntnis, dass er schrieb:

Ich fing an zu begreifen, dass dies der Sinn sei: Durch das Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart, durch welche uns der barmherzige Gott durch den Glauben rechtfertigt. Da fühlte ich mich wie ganz und gar neu geboren, und durch offene Tore trat ich in das Paradies selbst ein. Da zeiget mir die Schrift ein völlig anderes Gesicht.“

Er hatte in Paulus einen Verbündeten gefunden, der genau wie er auf der Suche war nach dem gnädigen Gott. Aus jeder Zeile, die Paulus schrieb, sprach sein tiefes Vertrauen in den rettenden, erlösenden Gott.  Er verkündete einen Gott, der mehr als gerecht ist, der für  den Schuldigen eintritt und zu einer neuen Freiheit beruft. Für Paulus war diese gute Nachricht es wert, sein ganzes Leben darauf zu setzen.

„Gott hat einen Weg zum Leben eröffnet... Dieser Weg besteht im Glauben, das heißt im Vertrauen auf das, was Gott durch Jesus getan hat. Ganz unverdient aus reiner Gnade nimmt Gott uns an und ruft uns in seine Gemeinschaft.“

Martin Luther behielt seine Erkenntnis nicht für sich.

Am 31.10. 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg. Darin verurteilte der Reformator die kirchliche Praxis der Sündenvergebung durch den Ablass und begründet seine Meinung aus der Bibel.

Morgen ist der 31. Oktober, ein bemerkenswertes Datum, weil in den evangelischen Kirchen das Reformationsjubiläum beginnt. Vom 31.10.16- 31.10.17  beschäftigen sich Kirchen, Gemeinde und Gruppen mit Martin Luther, der Reformation und was sie bewirkt hat. Einer der größten Wendepunkte der Geschichte, der Glauben und Leben nachhaltig geprägt hat. Nicht nur Gottesdienst und Liturgie wurden neu gedacht. Die Reformation beeinflusste das gesellschaftliche, kulturelle und das religiöse Leben.

Marin Luther ging es darum, dass jeder Mensch sich mit dem Glauben und Gottes Botschaft auseinandersetzte. Er führte ein, dass die Gottesdienste in der Muttersprache der Menschen gehalten wurden. Er schrieb Bücher darüber, wie in den Häusern, in den Familien das Wort Gottes lebendig werden kann. Sein Ziel war es, dass sich die Menschen mit ihrem Glauben auseinandersetzten und sich aus eigener Überzeugung dazu bekannten.

Schon1539 wurde die erste Konfirmation gefeiert.

In der Konfirmation wird die als Kind empfangene Taufe bewusst gemacht. Die Anwärter zur Konfirmation beschäftigen sich intensiv mit den Glaubensinhalten. Die Konfirmanden bestätigen, dass sie zur Kirche Jesu Christi gehören, also zur Gemeinschaft aller Getauften. Unter Handauflegung erhalten sie die Weihe zum Amt des "allgemeinen Priestertums", d.h. zum mündigen Christen.

Was ist aus der Freiheit eines Christenmenschen geworden? Wie sieht es aus mit dem Priestertum aller Gläubigen – beides Errungenschaften der Reformation.

Wie können wir heute in unserer Zeit  in der Welt und vor Gott bestehen?

Ringen wir noch um unseren Glauben, weil unser Seelenheil davon abhängt?

Oder scheint uns das nicht mehr zeitgemäß?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der  wir es gewohnt sind zu funktionieren, Leistung zu erbringen, keine Schwäche zu zeigen. Das baut einen ungeheuren Druck auf. Menschen haben Angst, nicht zu genügen. Wir kommen an unsere Grenzen und merken, dass wir den Erwartungen nicht gerecht werden können. Niemand kann das.

Nie gab es so viele burnouts wie in der heutigen Zeit.

Vielleicht ist das unsere Art Ablass zu zahlen, dass wir alles geben, um den Anforderungen gerecht zu werden. Gott erwartete nicht von uns, dass wir perfekt sind, dass wir arbeiten bis zum Umfallen; er schaut nicht auf die Leistung, auf das was ich geschafft, erreicht oder gewonnen habe. Er schenkt sich uns einfach so – und wartet darauf, dass wir sein Geschenk annehmen.

Gott muss ich nichts beweisen. Der Glaube an Jesus Christus macht mich frei. Mit ihm bricht die neue Zeit an. Durch ihn hat Gott die Welt verändert, die Menschen umdenken lassen. Reformation, das heißt wörtlich zurückformen, erneuern, in den Urzustand zurückkehren.

Wie können wir vor Gott bestehen? In dem wir an seine Botschaft glauben und sie in unserem Leben einfließen lassen.

Sie feiern heute ein Jubiläum: Silberne, Goldene, Gnadenkonfirmation.

Wie hat sich ihr Glaube in den 25, 50, 70 Jahren verändert? Oder besser gefragt: Wie hat Sie Ihr Glaube verändert, was hat er in ihrem Leben bewirkt?

Gab es Reformen, ein Umdenken, ein Neuwerden?

Immer wieder neu begegnen wir Gott in unserem Leben. Wichtig ist, in Verbindung zu bleiben. Niemals aufzuhören zu suchen nach Antworten.

Martin Luther war ein Suchender. Er rang um das Leben, er dachte, er würde Gott niemals gerecht sein, würde auf ewig verbannt, weil er nicht ohne Fehl und Tadel  sei. In der heiligen Schrift fand er Antwort auf seine drängenden Fragen – bei Paulus.

„Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“  

Amen.

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Sa. 17.09.16
Denken und Danken
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Denken und Danken

„Denken und danken sind verwandte Wörter; wir danken dem Leben, in dem wir es bedenken.“

Mit diesem Zitat vom Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann grüße ich Sie/Euch herzlich zum Erntefest. Ich bedanke mich für die Einladung und freue mich, mit Ihnen über die Ernte und das Leben nachzudenken.

Zu denken gibt einem manches, wenn wir auf diesen Sommer zurückblicken.

In diesem Sommer erreichten uns viele Schreckensmeldungen. Terroranschläge, Amoklauf, Erdbeben, Überflutungen …

Vieles, was weltweit geschieht, beschäftigt und berührt uns, denn dank des world wide web sind wir alle vernetzt.

Auch aus der Landwirtschaft gingen manche Schlagzeilen durch die Medien:

Zum Thema Milchpreise „Zu viel Milch, zu wenig Geld“, „Landwirte verzweifeln am niedrigen Milchpreis“, zum Thema Massentierhaltung und Immissionsschutz und auch die Ernteprognosen sind nicht gerade positiv.

 „Geknickte Ähren – geknickte Bauern“ -

Jesus gibt in der Bergpredigt zu bedenken:

„Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.

Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Manche empfinden diesen Satz als unpassend. Sie sagen: Wir müssen doch Vorsorge treffen, wir müssen doch planen und kalkulieren, sonst bricht alles zusammen.

Natürlich haben Sie recht. Ohne sorgende Voraussicht geht es nicht.

Wer nicht sät, wird nicht ernten, wer nicht erntet, wird hungern.

Jesus sagt: „Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Manchmal vergessen wir über die vielen Informationen, die uns täglich überfluten, was jetzt gerade wirklich wichtig ist.

Wer zu viel in die Ferne sieht, bemerkt meist nicht, was direkt vor seinen Füßen liegt.

Er verliert seinen eigenen Standpunkt.

Darum ist es wichtig, sich hin und wieder mal zu erden, mal wieder im hier und jetzt anzukommen. Wo ist mein Platz in dieser Welt? Was kann ich hier an meinem Ort tun, das Leben sinnvoll zu gestalten? Wie kann ich Gott und den Menschen dienen?

Ich glaube, dass die Landwirte ein gutes Beispiel dafür sind, sich zu erden. Sie bearbeiten die Erde, sie Leben im Rhythmus der Jahreszeiten, wissen wann was seine Zeit hat.

Ich habe noch keine geknickten Landwirte getroffen. Eher solche, die mit Gelassenheit hinnehmen, was nicht zu ändern ist und mit großer Kraft dafür kämpfen, was so nicht bleiben kann.

Die Situation in der Landwirtschaft ist momentan nicht leicht. Aber war sie das jemals?

In den letzten 100 Jahren hat sich in der Landwirtschaft vieles geändert.

Wie viele Bauernhöfe gab es vor 100 Jahren in diesem Dorf? Wie viele waren es vor 50 Jahren. Wie viele Kühe hatte ein Bauer und wie viele Menschen konnten vom Ertrag eines Hofes ernährt werden? Wann kam der erste Trecker, der erste Mähdrescher zum Einsatz hier in …?

Viele Arbeiten in der Landwirtschaft mussten von Hand erledigt werden. Erst vor rund 150 Jahren kamen die ersten Dampfmaschinen aufs Land, vor 75 Jahren die ersten Traktoren. Durch die Erfindung des Motors änderte sich in den vergangenen 50 Jahren in der deutschen Landwirtschaft mehr als in den 1.000 Jahren zuvor.

Die Zahl der Bauern machte früher zirka 60 Prozent der Bevölkerung aus. Mehr als die Hälfte wirtschaftete auf einem Parzellenbetrieb, der nicht größer als zwei Hektar war.

Ernährte ein Landwirt um 1900 noch vier Menschen, waren es 1950 bereits 19, heute sind es 144.

Heute bestimmen immer mehr Informations- und Kommunikationstechniken den Technikeinsatz in der Landwirtschaft.

„ Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen“

So bekamen Adam und Eva es mit auf den Weg als sie das Paradies verlassen mussten.

Heutzutage schwitzt der Landwirt wahrscheinlich eher über seinem Schreibtisch, wenn er all den vielen Papierkram erledigen muss.

„Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

 

Ich verstehe diesen Vers als Ermutigung. Jesus holt seine Zuhörer zurück in die Gegenwart, zurück in ihr Leben. Er erdet uns mit seiner Rede, in der die Lilien auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel zum Vorbild macht.

Die Frage ist: Was kannst du an einem Tag schaffen? Wie viele Informationen kannst du verarbeiten? An wie vielen Fronten kannst du kämpfen?

„Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Dieser Vers ermutigt mich am Ende eines Tages zu sagen:

Mein Tagwerk ist getan.

Ich danke Gott für das, was er mir heute ermöglicht hat und

ich danke dafür, dass ich zur Ruhe kommen und denken und danken kann.

Es gibt so vieles zu bedenken in unserem Leben. Wir planen und entscheiden, gehen mit der Zeit gehen und filtern täglich unzählige Informationen.

Manchmal müssen wir kämpfen, manchmal uns in Gelassenheit üben, aber niemals dürfen wir aufhören zu danken.

„Denken und danken sind verwandte Wörter; wir danken dem Leben, in dem wir es bedenken.“ Dafür brauchen wir Zeit.

Und wenn mein Kalender mal wieder voll ist und die to- do- Liste unendlich, dann denke ich an die Worte von Martin Luther: „ Ich habe heute viel zu tun, darum muss ich heute viel beten.“

Darum schließe ich mit einem Gebet:

Herr, gib mir Gelassenheit die Dinge zu ignorieren, die mir nicht gut tun und auch anderen Menschen nicht dienen.

Gib mir den Mut für die Dinge zu kämpfen, die lebenswichtig sind für diese Erde und die Gemeinschaft unter den Menschen.

Gib mir die Weisheit zu unterscheiden, was zum Guten dient und was nicht.

Hilf mir, meine Mitte zu finden, damit ich den Menschen dienen und dir danken kann.

Amen.

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Begrüßung der Konfirmand/inn/en
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Begrüßung der Konfirmand/inn/en

Wir sind Bartimäus! Ja, es stimmt – wir alle sind Bartimäus.

Bartimäus, der binde Bettler, der von Jesus geheilt wird.

 

Wir haben vieles gemeinsam mit Bartimäus.

Er hat schon mal etwas von Jesus gehört. Was Gutes: Menschen sind begeistert, glauben an ihn, hoffen auf ihn. Ja, diesem Jesus eilt ein Ruf voraus – Bartimäus ist neugierig.

 

Ihr Konfis, seid  auch neugierig, habt von Jesus gehört. Und er scheint euch zu interessieren, sonst hättet ihr euch ja nicht zum KU angemeldet. Und sonst wären Sie alle heute nicht zum Gottesdienst gekommen. Wir erwarten etwas von ihm.

 

Als Bartimäus hört, dass Jesus in der Stadt ist, da wird er unruhig. Er ist ganz aufgeregt, denn er ist unheimlich gespannt darauf, ihn kennenzulernen.

So wie ihr, liebe Konfis, gespannt seid, euch näher mit dem Glauben auseinanderzusetzen und vielleicht sogar Jesus zu begegnen.

 

Bartimäus will Jesus unbedingt kennenlernen, denn er hat ein Anliegen, einen großen Wunsch: Er will sehen können.

Als Jesus an ihm vorbeikommt, ruft er: Sohn Davids, erbarme dich!

Immer wieder und obwohl die Leute ihn zum Schweigen bringen wollen, ruft er. Erbarme dich, Kyrie eleison.

 

Kommt euch das bekannt vor? Wir haben heute auch schon Kyrie eleison gerufen.

Das gehört in jeden Gottesdienst und hat seinen Ursprung in dieser Geschichte. Herr, erbarme dich – das bedeutet so viel: Wie sieh mich an, nimm mich wahr, nimm dich meiner an und rette mich.

 

Bartimäus hofft auf Jesus. Dass er ihn hört, ihn sieht, ihm hilft.

Was willst du? Fragt er. Dass ich sehen kann.

Natürlich was sonst. Jesus sagt: Dein Glaube hat dir geholfen

 

Wir sind Bartimäus!

Ich meine damit, dass wir unsere blinden Flecken haben, dass wir so vieles nicht verstehen. Wichtig ist es Jesus zugewandt zu bleiben, seine Nähe zu suchen. In seinem Licht haben wir die Chance, dass uns ein Licht aufgeht.

 

In diesem Sommer haben uns viele schreckliche Nachrichten ereilt. Anschläge, Amoklauf,  - warum geschieht so etwas? Was geht in diesen Menschen vor, dass sie so voller Hass gegen andere sind?

 

So viele Fragen, so wenig Antworten.

Aber wenn wir darauf hoffen, dass wir Antworten finden, dass wir einen Weg finden, solche Taten zu  verhindern, dann sind wir in Jesu Nähe gut aufgehoben.

Wenn wir auf Frieden hoffen trotz alledem, dann ist es wichtig nicht aufzuhören zu rufen: Kyrie eleison – Herr, erbarme dich. Schau in mein Herz und wandle es!

 

Und darum freue ich mich, dass ihr hier seid, offen für Gottes Antwort an euch.

Darum geht es im KU: dass ihr euch ganz bewusst Gott zuwendet, eure Fragen stellt und eure Sinne schärft für seine Antworten.

Ich wünsche uns eine gute gemeinsame Zeit und viele Lichtblicke !

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So. 05.06.16
Glücklich wer einen Garten hat
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Glücklich wer einen Garten hat

Gott legte zuerst einen Garten an. Er schuf dem Menschen damit einen angenehmen Lebensraum. Nach dem Sündenfall wurde das Paradies zu einem Sehnsuchtsort.

Glücklich wer einen Garten hat! Es gibt nichts Schöneres als im Frühjahr die ersten Blumen und Kräuter sprießen zu sehen. Es ist einfach wunderbar, hier und da im Garten eine Beere zu naschen oder mal eben ein bisschen Schnittlauch, Dill oder Petersilie aus dem Garten zu holen für das Mittagessen. Manchmal, wenn ich lange gesessen habe, tut mir die Gartenarbeit richtig gut – hacken, jäten, pflanzen und säen – das macht den Kopf frei.

Ich greife die Erde mit meinen Händen und fühle mich gleichzeitig dem Himmel ganz nah. Ich spüre die schöpferische Kraft der Erde. „Man ist dem Herzen Gottes nirgendwo näher als in einem Garten.“ sagt ein Sprichwort.   

Früher lebten die Menschen aus ihrem Garten, bauten Obst und Gemüse an. Die Ernte wurde eingemacht, eingekocht oder eingelegt als Vorrat für den Winter. „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen.“ – die existentielle Bedeutung dieses Bibelverses hat sich gewandelt. Heute ist es günstiger das Gemüse zu kaufen und auch weniger aufwendig. Für die meisten ist es kaum noch vorstellbar, von dem, was sie ernten leben zu müssen.

Der Garten ist eher ein Hobby und ein Ort der Erholung. Für manch einen wurde der Garten zum Lebenselixier, wenn er auch nicht mehr das Überleben sichert.

Bisweilen sind Menschen selbst wie Gärten. Sie wissen Rat, geben Trost und haben immer etwas, was sie einem anderen zustecken können.

„Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“ So beschreibt der Prophet Jesaja einen zufriedenen Menschen, der mit Gott im Einklang lebt und für andere zu einem Segen wird.

Solche Menschen gibt es. Sie vermitteln etwas Beständiges, etwas Schöpferisches, etwas, was andere tröstet und inspiriert. „Man ist dem Herzen Gottes nirgendwo näher als in einem Garten.“ Darum: Glücklich, wer einen Garten hat!

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Mo. 30.05.16
Verborgene Schätze und das Geheimnis des…
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Verborgene Schätze und das Geheimnis des Lebens

Verborgene Schätze und das Geheimnis des Lebens

 

"In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis." ( Kolosserbrief  2, 3)

 

Liebe Eltern, liebe Konfirmand/inn/en!

Habt ihr einen Schatz?

Kinder lieben Schätze – ein Geldstück, ein besonderer Stein oder eine Muschel. Vielleicht habt ihr auch besondere Schätze in einer kleinen Schachtel gesammelt?

 Manchmal sind es unscheinbare Dinge, die auf einmal wichtig werden – vielleicht durch den ehemaligen Besitzer oder aufgrund besonderer Erlebnisse. Schätze suchen und bewahren – das gehört einfach zum Leben.

Spannend ist es, wenn wir einen geheimen Schatz suchen oder gar dem Geheimnis des Lebens auf die Spur kommen wollen.

So wie der junge Mann in dieser Geschichte:

Das Geheimnis des Lebens

Es war einmal ein junger Mann, der suchte nach dem Geheimnis des Lebens. Er suchte und suchte, aber er fand es nicht. Was er hingegen fand, war eine Menge von Leuten, die genauso wie er das Geheimnis des Lebens suchten. Da fühlte er sich gleich einmal besser, denn er wusste, dass er nicht alleine war.

Dann, eines Tages hörte einer der Suchenden von einem Meister, der das Geheimnis des Lebens besitzen sollte. So pilgerten sie alle hin zu diesem Meister und fragten: "Meister, besitzt Du das Geheimnis des Lebens?"
Der Meister nickte.
Dann bestürmten sie ihn: "Meister, verrate es uns, bitte"
Der Meister schüttelte den Kopf.
Die Suchenden fragten: "Aber warum nicht, Meister?"
Er antwortete: "Weil es dann kein Geheimnis mehr wäre!"

Doch die Suchenden blieben bei ihm und sorgten für ihn, lasen ihm jeden Wunsch von den Augen ab.
Das Gerücht ging um, der Meister hätte das Geheimnis des Lebens aufgeschrieben auf ein Stück Reispapier, das er in seinem Schrein aufbewahrte.
Als der Meister eines Tages verstarb, bauten ihm seine Schüler ein großes Mausoleum und sie beschlossen, den Schrein nun zu öffnen, denn sie wollten ja endlich das Geheimnis des Lebens erfahren.
Nun, es war wirklich ein Stück Reispapier im Schrein, und darauf stand:

"Das Geheimnis des Lebens habe ich zurückgelassen, so wie ein Gast seine Spuren hinterlässt in den Herzen der Menschen, verloren in Zeit und Raum und der Illusion. Wer das Geheimnis preisgibt, hat keinen Grund mehr zu suchen. Werdet zu Suchenden. Wenn Ihr findet, was Ihr sucht, seit Ihr keine Suchenden mehr - und Ihr betrügt Euch selbst um wertvolle Erfahrungen und Begegnungen ..."

Quelle: unbekannt

 

Ihr habt euch zum Konfirmandenunterricht angemeldet. Das ist auch nichts anderes als die Suche nach Gott, nach dem Geheimnis des Lebens und nach einem Schatz.

Gemeinsam machen wir uns auf die Suche und wir nutzen dabei zwei Dinge:

Unseren Verstand: Wir versuchen zu verstehen, was in der Bibel über Gott überliefert ist. Was die Jünger von Jesu auszeichnet und welche Botschaft Jesus in die Welt brachte.

Unser Herz: Wir suchen Gott in uns selbst. Was bedeutet mein Glaube für mich persönlich und was bedeutet das für meine Beziehung zu anderen Menschen?

 

Einen Hinweis liefert der Apostel Paulus: Kol 2, 3

"In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis."

 

Wir freuen uns darauf, mit euch gemeinsam auf die Suche zu gehen. Manche Schätze werden wir heben und vielleicht auch manche Geheimnisse ergründen. Sicher werden auch Fragen offen bleiben und auch am Ende der Konfirmandenzeit wird die Suche nicht beendet sein.

Aber dass wir Suchende sind und das auch bewusst leben – das ist eine wichtige Voraussetzung, um Gottes Spuren in unserem Leben zu finden.

Wer bewusst mit Jesus Christus lebt, wer nach ihm fragt und auf seine Antworten hört, entdeckt die wirklich wertvollen Schätze des Glaubens.

\"In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.\"

Amen.

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Fr. 15.04.16
Das Wort Gottes ist süßer als Honig
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Das Wort Gottes ist süßer als Honig

 

Mit einem Korb voll frischer Mango-Früchte war der kleine Junge am Morgen in die Stadt zum Markt gezogen. Er saß unter einem Baum und bot seine Früchte an. Noch hatte er keine Erfahrung im Verkaufen. Er war ungeübt und etwas schüchtern. Ängstlich saß er da. Je mutloser er wurde, umso schwächer wurde auch seine Stimme.

Sein Angebot fand überhaupt keine Resonanz. Die Stunden vergingen. Es wurde Mittag. Heiß brannte die Sonne vom Himmel. Die Leute hatten Durst aber seine schönen Mangos fanden keine Beachtung. Er wurde missmutig. Er war enttäuscht und sehr frustriert.

Schließlich sagte er sich: Wenn schon keiner meine schönen Mangos haben will, will ich mir wenigstens selbst eine gönnen. Er nahm eine schone Frucht aus dem Korb und biss hinein. Sie schmeckte ihm. Der Saft erfrischte ihn, lief auch ein wenig seinen Mundwinkeln herunter und die Mango-Frucht verbreitete ihren Duft. Seine Augen gewannen Glanz. Man sah es ihm an, dass es ihm schmeckte. Er genoss seine Mango.

Die Leute, die vorübergingen rochen den Duft. Sie sahen den kleinen Mann genüsslich essen und bekamen Appetit.  Jetzt griffen sie zu und schnell war der Korb leer. Der kleine Junge wusste jetzt, wie man die Mango-Früchte an den Mann bringt.

Der Kleine hatte eine neue wichtige Erkenntnis gewonnen: Alles Reden hatte nichts genützt. Erst als er selber aß und die Leute ihn sahen, wie gut die Frucht schmeckte, griffen sie zu.

Diese Geschichte ist ein Bild für unsere Arbeit in den Kirchengemeinden und im Kirchenkreis. Wie machen wir den Menschen das Wort Gottes schmackhaft, wie machen wir ihnen Appetit darauf und wie wirken wir einladend.

Reden wir oft nicht nur über das Wort, schüchtern und zurückhaltend, wie der kleine Junge, der versucht seine Mangos zu verlaufen?

Verzetteln wir uns nicht manchmal in vielen formalen Details, in Richtlinien und Vorgaben und verlieren dabei aus den Augen, worum es eigentlich geht?

Dem Wort Gottes  Raum und Zeit zu geben, damit es die Menschen mit Freude aufnehmen können.

"Dein Wort ist meinem Mund süßer als Honig..." (Ps 119, 103)

Der Psalm 119 ist ein faszinierender Psalm: Er ist mit seinen 176 Versen mit Abstand der längste der Psalmen; und er ist sprachlich ein richtiges Kunstwerk: Der Psalm hat 22 Strophen, und im hebräischen Urtext sind die Anfangsbuchstaben dieser Strophen die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Jede Strophe wiederum hat 8 Verse, die alle mit dem gleichen Buchstaben beginnen, also 8 Verse mit A, 8 Verse mit B usw. Es ist schlichtweg gewaltig! Und dieses sprachliche Kunstwerk hat letztlich ein einziges Thema zum Inhalt: Es besingt das Wort Gottes. Der Psalmbeter freut sich über das Wort Gottes, er fragt nach dem Wort Gottes, er klagt darüber, dass so viele Menschen das Wort Gottes nicht beachten , er sucht Trost darin und Schutz, er hofft darauf. Er gibt sich ganz dem Wort Gottes hin. Mit allen Sinnen will er es wahrnehmen, danach greifen, es im Herzen spüren, schmecken, hören, rufen, sehen. Nichts ist dem Dichter wichtiger. Er kann nicht aufhören, davon zu reden. Es steht über allem und er richtet sein Leben ganz danach aus. Genüsslich singt er von Gottes Weisungen.

Gottes Wort begegnet ihm als "Gebot, Gesetz, Befehl, Satzung, Vorschrift, Ordnung, Wort, Reden, Verheissung, Mahnung". Begriffe, die in unserem Sprachgebrauch nicht immer positiv belegt sind. Manche dieser Begriffe verwenden wir auch in unseren formalen  Zusammenhängen. So verschaffen wir uns einen Überblick über die vielfältigen, oft verwirrenden Aufgaben, über Finanzen und  Zusammenhänge. Das ist auch richtig und wichtig, um die Angelegenheiten der Kirche zu regeln. So schaffen wir eine gemeinsame Basis. So schaffen wir auch Möglichkeiten für Gottes Wort, das nicht im leeren Raum schwebt, sondern ganz konkret erfahrbar werden will.  Psalm 119 ist ein leidenschaftlicher, sehr engagierter Psalm.

Der Lieblingspsalm von Dietrich Bonhoeffer übrigens, der ja am 9.4. 1945 hingerichtet wurde. Vers 103 nennt er den poetischen Höhepunkt:

Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.       

Er weiß auch, dass es mühsam ist, sich durch diesen Psalm zu arbeiten. Es ist keine leichte Kost. Dietrich Bonhoeffer schreibt über diesen Psalm:

„Besonders schwer wird uns vielleicht der 119. Psalm um seiner Länge und Gleichmäßigkeit willen. Hier hilft uns ein langsames, stilles, geduldiges Fortschreiten von Wort zu Wort, von Satz zu Satz. Dann erkennen wir, dass die scheinbaren Wiederholungen doch immer neue Wendungen der einen Sache sind, der Liebe zu Gottes Wort. Wie diese Liebe kein Ende nehmen kann, so auch die Worte nicht, die sie bekennen. Sie wollen uns durch ein ganzes Leben begleiten und in ihrer Einfachheit werden sie zum Gebet des Kindes, des Mannes und des Greises.“ (DB in „Das Gebetbuch der Bibel“, Gesammelte Schriften Bd. IV, S.555)

Auch damit ist der Psalm wieder ein Spiegel unseres täglichen Tuns, wo sich vieles weiderholt und es doch immer nur um das eine geht: Gottes Liebe zu verkünden, - vom Wort, das Fleisch wurde zu erzählen und es so weiterzugeben, dass andere Appetit bekommen und mehr davon haben möchten.

 

Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.

Dein Wort macht mich klug; darum hasse ich alle falschen Wege.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

Amen.

 

 

 

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Wochenspruch Sonntag, 07.02.2016 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 07.02.2016 bis Samstag, 13.02.2016

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lukas 18, 31)1

Feiertag
Estomihi (Sonntag vor der Passionszeit)

Erklärung
Die Karnevalszüge ziehen mit Getöse durch die Straßen. Menschen genießen die „tollen Tage“, bevor am Aschermittwoch alles vorbei ist. Der evangelische Gottesdienst macht mit seiner Evangelienlesung eine Woche vor der Passionszeit bereits das Leiden zum Thema.
Der Name des Sonntags, Estomihi, mag als Anspruch klingen oder aber Bitte im Angesicht des Leidens sein. Er geht auf den Beginn des Sonntagspsalms zurück: Sei mir ein starker Fels und eine Burg (Psalm 31).
Wie geht ihr mit dem Leid und der Ungerechtigkeit um? Mit welcher Motivation tut ihr das? Diese Fragen stellen die weiteren gottesdienstlichen Texte. Eines der motivierenden Bilder: Recht und Gerechtigkeit mögen erfrischend sein und nie versiegen.  

Thema
Der Weg zum Kreuz

Luthers Wochensprüche

Die Ärzte sind unseres Herrgotts Flicker.

1. Korinther 13,1-13
1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.
4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
8 Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.
13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
 

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Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
Fr. 04.12.15
Lied von einer besseren Welt
KDA (Kirchlicher Die…
Lied von einer besseren Welt

Worum geht es Weihnachten? Um die Geburt eines besonderen Kindes, das die Welt zum Guten ändert. Ist das nicht Träumerei? Gerade die schrecklichen Ereignisse in Paris haben uns die Fragen wieder sehr nahe vor Augen geführt: Wird sich die Welt je zum Besseren verändern? Welche Kraft hat die christliche Botschaft? Wie steht es mit dem Lied, das die junge Maria noch vor der Geburt Jesu anstimmt?

 

„Gewaltiges hat Gott vollbracht mit seinem Arm, zerstreut hat er, die hochmütig sind in ihrem Herzen, Mächtige hat er vom Thron gestürzt und Niedrige erhöht, Hungrige hat er gesättigt mit Gutem und Reiche leer weggeschickt.“ (Lukas 1, 51-53)

 

Zu direkt? Manch eine/r mag sich so ein machtvolles Eingreifen Gottes auch heute noch wünschen, damit Terroristen von ihren Taten abgehalten werden, damit Verantwortliche in Politik und Wirtschaft alles tun, damit Hungrige satt werden. Aber so einfach ist das nicht (mehr). Unsere Welt ist sehr komplex geworden. Ein einseitiges direktes machtvolles Eingreifen läuft Gefahr, ein Schaden für andere zu sein.

 

Symbolische Deutung Was bedeutet dieser eigentlich gar nicht in unsere übliche Weihnachtsstimmung passende Text heute? Man kann das Lied der engagierten Teenagerin symbolisch verstehen: Wer vor Gott hochmütig ist und nur auf seine eigenen Qualitäten vertraut, wird von seinem „inneren Thron“ geholt. Und: Wer spirituell auf der Suche bleibt, wer nach Sinn hungert, der wird gesättigt und erlebt bei Jesus ein Festmahl. Das ist richtig, erfasst aber nicht das Ganze.

 

Soziale Deutung Der Hymnus bezieht sich zugleich auf das äußere Leben. Ich weiß nicht, ob Maria an zurückgetretene Bankvorstände oder Fußballfunktionäre gedacht hätte. Jedenfalls ist das Lied eine Erinnerung an alle, denen Macht und Kapital anvertraut sind – dass sie demütig bleiben vor Gott und den Menschen. Dass sie das Gute befördern und integer handeln. Dass sie sich Räume suchen, um sich darauf zu besinnen, wem sie mit dem anvertrauten Einfluss und Geld dienen wollen. Sei es in Unternehmen, Gewerkschaften, Kirchen oder Parlamenten. Für Benachteiligte ist Marias Lied ein Mutmacher: Bei diesem Gott treten Außenseiter in die Mitte, Verachtete erhalten viele „Likes“, Arme befreien sich aus der Sozialhilfe und „Loser“ steigen auf. Mitten in das damals von Rom besetzte Israel singt Maria - fast trotzig und voller Zuversicht - von der Sehnsucht nach einer besseren Welt. In Vielem kann man diese schon heute erleben; in Fülle erst in einem neuen Zeitalter. Dass Maria den Mund so voll nimmt, hilft weiter: So bleibt unsere Sehnsucht nach dem guten Leben stark.

 

Wir freuen uns über Ihre Rückmeldung zu dieser Wortmeldung an kda@kirchliche-dienste.de

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Autor: Pastor Stephan Eimterbäumer Referent, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Region Niedersachsen Süd eimterbaeumer@kirchliche-dienste.de

Dezember 2015 WORTMELDUNG

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So. 22.11.15
„Pray for Paris“ – „Betet für Paris“
Haike Gleede
„Pray for Paris“ – „Betet für Paris“

„Pray for Paris“ – „Betet für Paris“ – nur Stunden nach den grausamen Anschlägen in Paris am Abend des 13. November geht dieser Aufruf durch die Medien. „Betet für Paris“ – weltweit tun das tausende Menschen verschiedener Herkunft und Religion. Die Wahrzeichen vieler Städte erstrahlen in den Farben der französischen Flagge, ein Meer von Blumen und Lichtern in vielen Städten der Welt zeigen die Anteilnahme der Menschen. Das, was da geschehen ist, ist schockierend. Junge Männer sprengen sich selbst in die Luft und reißen andere mit in den Tod.

Solche skrupellosen und unmenschlichen Taten erschüttern uns. Trauer und Angst ergreifen die Herzen. Gehört der Terror zu den Lebens Risiken des 21. Jahrhunderts, wie der Präsident des EU-Parlamentes, Martin Schulz kürzlich in einer Fernsehsendung sagte?

Und auch die Frage nach den Schuldigen wird bald gestellt. Die Terroranschläge in Paris schüren die Vorurteile gegen die Flüchtlinge. Sind diese Terroristen womöglich mit den Flüchtlingsströmen nach Europa kommen? Angst macht hart und ungerecht.

Was können wir tun? Uns abschotten und möglichst nicht mehr das Haus verlassen? Mir gefällt die Haltung der Franzosen, die sich nicht einschüchtern lassen. Sie lassen sich ihre Lebensart und ihren Freigeist nicht nehmen. Im Moment steht natürlich die Trauer im Vordergrund und die Frage: Was können wir tun um so etwas in Zukunft zu vermeiden? Ich denke, Kerzen und Blumen sind eine gute Möglichkeit, Betroffenheit und Solidarität auszudrücken. Gebete und Gemeinschaft sind ein wirkungsvolles Mittel gegen Gewalt und Grausamkeit. Menschen in aller Welt und aller Religionen trauern mit Frankreich und rücken näher zusammen. Für mich ist das ein starkes Zeichen.

Heute feiern wir in unseren Kirchen den Ewigkeitssonntag – wir gedenken der Verstorbenen des vergangenen Jahres und zünden Lichter für sie an. Es sind Hoffnungslichter, die Trost und Kraft schenken. Und wir denken dabei auch an die Opfer des Terroranschlages in Paris und schließen sie in unsere Gebete ein.

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Do. 19.11.15
Wochenspruch Sonntag, 15.11.2015 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 15.11.2015 bis Samstag, 21.11.2015

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. (2. Korinther 5, 10a)

Feiertag
Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres
Erklärung
Der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr befasst sich mit dem Weltgericht, wie es vielfach im Neuen Testament angekündigt. Viele Menschen unterliegen der Gefahr, das Kommen des Weltgerichtes in den Zeichen dieser Zeit zu sehen: in Verwüstungen, Naturkatastrophen, Kriegen usw. Dabei machen sie sich zu Beobachtern, obgleich sie doch selbst Betroffene sein müssten. Unser Glaube lehrt uns, dass Gott barmherzig und gnädig ist und dem vergibt, der sich ihm in Vertrauen zuwendet.

Thema
Weltgericht

Luthers Wochensprüche
Wer etwas besitzt, muss dessen Herr bleiben und darf nicht dessen Knecht werden.

Matthäus 25,31-46
31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, 32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. 41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. 44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

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Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
Mo. 16.11.15
„Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“
Roger Moch
„Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“

Am 14. November jährt sich der Geburtstag von Astrid Lindgren zum 108. Mal. Generationen sind mit ihren Büchern groß geworden. Mit Pippi, Ronja, Michel... Mich hat schon sehr früh Pippis Stärke beeindruckt und Michels verschmitzter Einfallsreichtum. Ihr freudiger Umgang mit unterschiedlichen Menschen und die Zuwendung zu ihnen faszinieren mich noch heute. Über Astrid Lindgrens Verhältnis zur Kirche ist immer mal wieder spekuliert worden. Sie soll ein zurückhaltendes Verhältnis zur schwedischen Amtskirche gehabt haben. In ihren Kinderbüchern finden sich trotzdem viele christliche Bilder, religiöse Anfragen und Bibelworte

Ihren Gottesglauben beschreibt sie so: „Geht alles gut, mache ich mir keine Gedanken darüber.“ Und an anderer Stelle sagt sie: „Ich denke an Gott, wenn ich ihn dringend brauche.“ Von der schwedischen Staatskirche sei sie abgeschreckt worden, vor allem wegen der Unbarmherzigkeit einiger Pfarrer, die sie erlebt hat. Dennoch war ihr Menschenbild zutiefst christlich geprägt. So findet sich die Speisungsgeschichte Jesu auch bei „Michel aus Lönneberga“: Als Michel sah, dass die Armenhäusler von Katthult nichts von den traditionellen Weihnachtsgaben abbekommen hatten, lud er sie kurzerhand auf den Hof ein. Seine Eltern waren nicht zu Hause und so verteilte Michel die Vorräte, die eigentlich für den Weihnachtsbesuch am nächsten Tag bestimmt waren. „Die sind schon dick genug“, sagte er, als Schwester Klein-Ida Einwände erhob.

Eines der typischen Lindgren-Themen sei der Schaden und Nutzen von Macht, wird ihr nachgesagt. Die starke und selbstbewusste Pippi Langstrumpf zeigt, wie Macht für Gutes genutzt werden kann. „Ronja Räubertochter“ gibt ein Beispiel, wie Feindschaft zwischen Gruppen überwunden werden kann. In Büchern wie „Mio, mein Mio“ oder „Brüder Löwenherz“ ist der Tod Thema und im Märchen „Sonnenau“ das biblische Paradies. Ich finde es gut, dass den Kindern hier keine heile Welt vorgetäuscht wird. Astrid Lindgren hat in diesen Werken versucht, Kindern die Angst vor dem Tod zu nehmen.

Das Menschenbild der Schriftstellerin wird z.B. in einer Geschichte sichtbar, in der Michels Mutter von den Bewohnern von Lönneberga Geld bekommt, damit sie ihren wilden, lümmelhaften Lausbuben nach Amerika verkaufen kann. Doch Michels Mutter wirft ihnen das Geld vor die Füße: „Wir haben ihn lieb, so wie er ist!“

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