Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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So. 17.06.18
Es war mir ein Vergnügen
Haike Gleede
Es war mir ein Vergnügen

Es war mir ein Vergnügen

Es ist heiß, der Aufstieg auf den Berg ist mühsam. Viele nehmen diese Plage heute auf sich. Auf einer Wiese versammeln sie sich. Gespannt lauschen sie den Worten des Bergführers.

Sein Blick schweift über das Land, das sich nach dem Regen verwandelt hat.

Unzählige wilde Blumen verzaubern Berg und Tal. Was sonst über den langen, heißen Sommer trocken und brach da liegt – erwacht zu neuem Leben. In bunten Farben wiegen sich Blüten und Gräser im Wind. Eine traumhafte Landschaft, wie man sie nur in dieser Jahreszeit erleben kann.

Jesus schaut in die erwartungsvollen Augen seiner Zuhörer.

Sie hatten von dem neuen Wanderprediger aus Nazareth schon gehört. Das hat sie neugierig gemacht. Konnte er Antworten geben auf ihre Lebensfragen, ihre Gier nach Erfüllung stillen.

Jesus spricht in anschaulichen Bildern.

„Seht, die Vögel. Seht, die Lilien auf dem Feld in all ihrer Pracht. Seht euch an.“

Er kennt die Sorgen der Leute, wie sie im Schweiße ihres Angesichtes ihr Brot essen.

Und dann geht es ihnen noch gut. Aber was, wenn es keine Arbeit gibt, kein Geld, kein Brot – wovon sollen sie ihre Familie ernähren. Ein Dach über dem Kopf, etwas zum Anziehen und eine Mahlzeit auf dem Tisch – das ist das mindeste, was der Mensch zum Leben braucht. Aber das kann doch nicht alles sein, was Gott für uns bereithält.

„ .. und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.“ Heißt es in den Psalmen (Ps 90)

Luther übersetzte: "und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen".

Jesus sieht die müden Gesichter, erschöpft vom täglichen Überlebenskampf. Es ist nicht die Arbeit, die ihnen ihre Kräfte raubt – es ist die innere Unruhe, die Angst, dem Leben nicht gerecht zu werden und sich selbst zu verlieren.

„Sorgt nicht um euer Leben!“ ruft Jesus.

Sorgen – ja die hatten sie, jede Menge Sorgen um die großen und die kleinen Dinge des Lebens.

Die politischen Verhältnisse im Land, die Zukunft der Kinder, darum wie sie ihre Familie ernähren und wie sie in dieser Welt überleben sollen.

Sie machen müde – die Gedanken um die vielen kleinen alltäglichen Dinge, aber auch die Sorge um das große Ganze und die Zukunft. Jesus predigt Gelassenheit und verweist auf die Blumen des Feldes.

Wenn Gott schon die Blumen des Feldes edler kleidet als einen König, um wie viel mehr wird er sich um die Menschen kümmern.

Spricht die Bibel vom Gras, so können wir uns darunter eine ganze Blumenwiese vorstellen. Vergleichbar mit den Blühstreifen, die gelegentlich an Acker – und Wegesrändern wachsen. Die Blumen – sie zeigen die Schönheit und die Vielfalt der Schöpfung.

Dazu gehört der Klatschmohn. Er veranschaulicht besonders die Vergänglichkeit der Blütenpracht. Es ist ein Symbol für das Leben, das Werden und Vergehen.

Die Hundskamille setzt unzählige gelb-weiße Farbtupfer auf die Felder und zieht die Bienen an. Die Kornblume steht oft am Feldrand und fällt durch ihre blaue Farbe besonders auf: Ein Symbol für Reinheit und Treue. Eine verschenkte Kornblume wünscht Glück und Wohlergehen und bringt die Botschaft zum Ausdruck: "Auch wenn Du mich abweist, ich gebe die Hoffnung nicht auf.“

Die weiße Lilie ist die Königin unter den Blumen. Ihr Duft betört. Ihre Form beeindruckt. Sie steht für Jungfräulichkeit und Reinheit. Maria ist oft mit einer weißen Lilie dargestellt, oft wird sie ihr vom Engel Gabriel übereicht. Wer eine Lilie verschenkt, signalisiert dem Beschenkten Hochachtung und Zuneigung.

In Stein gemeißelt gehört sie übrigens auch zum Schmuck im salomonischen Tempel.

Die Zuhörer Jesu sind nachdenklich geworden. Auf die Blumen und die Vögel haben sich noch nie geachtet, zu sehr waren sie mit sich selbst beschäftigt.

Haben Sie sich wiedergefunden unter den Zuhörern der Bergpredigt?

Die Sorgen und Nöte, die Jesus hier anspricht, kennen wir. Sie gehören zu unserem menschlichen Dasein. So vieles beschäftigt uns. Sie macht müde die Sorge, wie ich mich ernähren soll – Vegan, vegetarisch oder einfach nur ausgewogen?

Welche Lebensmittel schaden mir, welche sind gesund, wie bleibe ich fit und gesund?

Sie macht müde die Sorge darum, wer in der Welt das Sagen hat, um Umweltschutz und Gleichstellung, um rechts oder links, um Macht und Ohnmacht, das Altwerden und Jungbleiben. Sie macht müde die Sorge darum, ob ich noch voll im Trend liege oder schon zum alten Eisen gehöre.

 

Das Angebot ist so reichhaltig, die Informationen so vielfältig.

Jeden Tag treffen wir tausende von Entscheidungen. Die meisten sind vollkommen unwichtig.

Da bleibt keine Zeit mehr einfach nur zu sein, wahrzunehmen, was schon ist, was ich nicht schaffen muss.

Darum suchen viele Menschen nach einem Ausgleich, nach einer neuen Tiefe für ihr Leben. Seit einigen Jahren sind Achtsamkeitsmeditation beliebt geworden. Das Bedürfnis sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren.

Psychologen (Ulrich Ott von der Universität Gießen und Peter Malinowski von der Universität Liverpool.) beschreiben die positive Wirkung mit folgendem Bild:

"Ich gehe beim Meditieren auf einen Berg und schaue hinunter ins Tal. Das heißt, ich bin nun in einer Position, die ein bisschen dem Alltagsgeschäft enthoben ist und kann auf das Ganze herunterschauen." Dieser Abstand schafft Selbstvertrauen, dass "sich sogar die größten inneren Dramen wieder auflösen. Das führe langfristig zu mehr Zufriedenheit und Lebensfreude.

Jesus hat damals schon solch eine Achtsamkeitsmeditation mit den Leuten gemacht. Es ist sicher kein Zufall, dass er dazu mit ihnen auf einen Berg stieg und dort seine Bergpredigt hielt. Bis heute eine Quelle der Weisheit und der Kraft.

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Das ist der Vers, der mich schon so manches Mal gerettet hat.

Jeder Tag hat seine Plage und seine Freude. Eins geht nicht ohne das andere. Wer überleben will, wer etwas bewegen will, muss sich anstrengen, muss etwas investieren.

Natürlich – das ist so im Leben. Aber das allermeiste, was wir haben, ist uns geschenkt. Die Erfüllung des Lebens ist  es, das, was ich erarbeitet habe zu genießen. Und Gott gibt immer noch etwas obendrauf, wenn wir an seinem Reich bauen.

Lothar Zenetti hat das in einem Gedicht so beschrieben:

Es war mir ein Vergnügen

Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter, die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen,

für den Schnee und den Wind, den Vogelflug und das Gras

und die Schmetterlinge, für die Luft, die wir geatmet haben, und den Blick auf die Sterne

und für all die Tage, die Abende und die Nächte.

Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen; bitte die Rechnung.

Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht:

Ich habe euch eingeladen, sagt der und lacht, soweit die Erde reicht:

Es war mir ein Vergnügen! (Lothar Zenetti)

 

Heute ist Kräutertag. Da dreht sich alles um Kräuter und Pflanzen. Die manchmal so unscheinbaren Wildblumen und Kräuter erzählen etwas vom Leben. Nehmt euch die Zeit und achtet auf ihre Bestimmung. Nehmt davon etwas mit in euren Alltag.

Verzehrt euch nicht im alltäglichen Einerlei, verzettelt euch nicht im du musst, du solltest, du könntest doch auch noch.

Sondern entfaltet einfach eure Blüten, so unscheinbar sie auch sein mögen.

Erkennt euch als Geschöpf Gottes in seinem großen Garten und das Leben als ein wunderbares Geschenk.

Amen.

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Fr. 04.05.18
Sehnsucht
Haike Gleede
Sehnsucht

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, dich zu sehn, dir nah zu sein...“

Dieses moderne Kirchenlied ist beliebt und wird in vielen Gottesdiensten gesungen. Der Text rührt etwas in mir an, eine verborgene Sehnsucht, die in mir schlummert. Wonach?

Vor wenigen Wochen haben wir Ostern gefeiert – das Befreiungsfest der Christen. Am ersten Ostermorgen machten sich die Frauen auf zum Grab Jesu. Sie suchten nach Antworten auf ihre Trauer.

Mit kostbaren Ölen wollten sie seinen Leichnam salben, ihm so noch einmal hautnah sein. Aber sein Grab war leer. Die Stimme des Engels zwang sie ihren Blick zu heben, sich aufzurichten, neu auszurichten. Er sprach: „Fürchtet euch nicht!“.  Sie flohen vor Angst zitternd von dem Grab.

Aber diese Sehnsucht blieb und rührte sich in ihren Herzen mehr denn je.

So wagten sie zu glauben, was sie gehört hatten. „Der Herr ist auferstanden!“

Was rührt Ostern in mir an? Mit dem Frühling erwacht die Sehnsucht nach Wärme, nach Aufatmen, nach neuem Leben. Aber das Leben richtete sich nicht nach den Jahreszeiten.

In den letzten Monaten rollte eine Sterbewelle durchs Land , und nicht enden wollende Grippewelle sitzt noch vielen in den Knochen.

Sehnsucht nach Heilung und  nach Trost ist vielerorts spürbar.

Wie können wir  unter solchen Bedingungen die Osterbotschaft wahrnehmen.

Wie können wir unseren Blick erheben, wenn wir erschöpft und niedergeschlagen sind? Wie dem „Fürchte dich nicht!“ vertrauen?

Es wohnt da diese Sehnsucht in mir – dass da einer ist, der die Angst und die Trauer sieht. Eine Sehnsucht nach etwas, das größer ist als alle menschlichen Grenzen. Was verlieren wir, wenn wir der Botschaft trauen? Nichts! Aber wir gewinnen alles! Darum gehe ich das Wagnis ein, glaube an den Auferstandenen und stimme ein in den Ruf, der nicht nur Ostern gilt:

„Der Herr ist auferstanden!“

 

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Mo. 26.03.18
Hörtest
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Hörtest

Hörtest

Jesus zieht nach Jerusalem ein. Er fühlt sich nicht geschmeichelt durch den großartigen Empfang. Er ahnt, was ihm bevorsteht. Und er weiß, dass es kein leichter Weg sein würde. Aber er muss ihn gehen, weil er eigens dazu geboren worden war. Nachdenklich reitet er auf dem Esel. Es ist alles so, wie es die Propheten schon vor vielen hundert Jahren prophezeit haben:

Ja, er ist der Gerechte Gottes, gekommen den Menschen zu helfen. Noch verstehen die Jünger nichts, nicht einmal seine engsten Freunde haben begriffen, worum es hier geht.  Bald würde es ihnen klar werden. Beim Passahmahl würde er ihnen deutlich machen, dass es hier und heute um alles geht. Alles, was bisher war, war nur vorläufig. Hier in Jerusalem, in der Stadt König Davids, da würde es ums Ganze gehen, die Dinge sich überschlagen, mit anderer Münze bezahlt werden. Steht es nicht schon beim Propheten Jesaja geschrieben:

Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.

Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde.

Noch ahnen die Jünger nichts von all dem. Nicht, dass er nicht schon vorher darüber mit ihnen gesprochen hatte. Aber sie wollten nichts hören von Leiden und Sterben. Und jetzt scheinen sie sich so siegessicher. Stimmen mit ein in den Lobgesang: „Hosianna! Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn.“ „Seht nur“, scheinen ihre Blicke zu sagen, „Seht her- das ist er, Jesus, von Gott gesandt. Er wird alles verändern und für Gerechtigkeit sorgen. Er ist mächtig und stark.“ Ja – das ist seine Mission, aber er wird sie ganz anders erfüllen, als die Jünger es erwarten. Viel mächtiger, weitreichender.

Erst  wenn alles vollbracht ist, werden sie allmählich erkennen, was es bedeutet, ein Jünger Jesu zu sein. Dann werden auch sie sich an Jesajas Worte erinnern:

Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.

Die Jünger kennen die Geschichte ihres Volkes. Da gab es schreckliche Zeiten voller Krieg und Gewalt, im Exil plagte sie das Heimweh und die Sorge, Gott habe sie verlassen. Immer wieder flehten sie zu ihm. Gott antwortete durch die Propheten, mal mahnte er, mal tröstete er. Aus den alten Texten sprachen Sehnsucht und Hoffnung.

Die Propheten ermutigten das Volk: Hört auf Gottes Wort, seid aufmerksam und vertraut ihm euer Leben an. Baut einander auf, nehmt Anteil am Leiden der anderen. Dann wird Gott euch nahe sein.

Gott weckt euch des Morgens und weckt auch euer Ohr, dass ihr versteht, was die Menschen bewegt.

Jesus hat genau das seinen Jünger vorgelebt. Den Menschen zuhören, erkennen, was sie tief im Innern bewegt, worunter sie leiden. Er lehrte sie, wie ein Jünger zu hören.

Können wir das noch, dem Anderen zuhören, und mit offenen Ohren durch das Leben gehen? Ist da nicht viel zu viel, was uns ablenkt und unsere Kräfte bindet?

Erschöpfung ist ein großes Thema. So viele sind müde, lebensmüde geworden.

 Müde fühlen sich heute viele Menschen im Berufsleben. Sie sind der Hektik und den Anforderungen nicht mehr gewachsen.  Sie ständig beweisen müssen, funktionieren – das macht auf die Dauer krank.

Viele sind erschöpft, weil sie sich sorgen um ihre Familie, die Kinder, die Alten – alle brauchen Zuwendung und Unterstützung. Wer stützt die vermeintlich Starken?

Viele sind müde ob der vielen Informationen, die tagtäglich auf uns einströmen und uns im wahrsten Sinne des Wortes unter Strom setzen.

Der koreanische Philosoph  Byung-Chul Han lehrt in Karlsruhe. Er legt in seinem Buch „die Müdigkeitsgesellschaft“ dar, dass die neuen Technologien keinen Fortschritt, sondern einen Rückschritt in der Evolution darstellen. Im Multitasking nähere sich der Mensch wieder dem wilden Tier an, das gleichzeitig auf Fressfeinde, Nachwuchs und Geschlechtspartner achten muss. „Die kulturellen Leistungen der Menschheit, zu denen auch die Philosophie gehört, verdanken wir einer tiefen, kontemplativen Aufmerksamkeit.“

Wir wollen einfach zu viel schaffen, gleichzeitig erledigen und immer auf dem Laufenden sein. Da bleibt keine Zeit und keine Ruhe, um zu hören, wirklich hinzuhören. Da hören wir nur noch, was wir hören wollen.

Manch einer prahlt mit hunderten Facebook-Freunden und kennt doch seinen Nachbarn nicht.

Jesus ist gekommen, um unsere Aufmerksamkeit und unsere Achtsamkeit zu schärfen. Dafür ging er den schweren Weg. Er hat sein Kreuz nach Golgatha getragen und den Tod auf sich genommen. Worte allein reichten nicht, damit die Menschen hinschauen, aufblicken, hinhören. Da muss erst einer unschuldig am Kreuz sterben.

Heute am Palmsonntag ziehen wir mit Jesus in Jerusalem ein und hören den Jubel der begeisterten Menge. Wir feiern mit Jesus das Abendmahl.  

Dieses Sakrament schenkte Jesus seinen Jüngern. Es ist ein Ritual, das uns Herz und Ohr öffnet, uns mit Jesus Christus verbindet und die Gemeinschaft stärkt.

Amen.

 

 

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Di. 30.01.18
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle…
Haike Gleede
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

 

Ein moderner Mensch verirrte sich in der Wüste. Die unbarmherzige Sonnenglut hatte ihn ausgedörrt. Da sah er in einiger Entfernung eine Oase. Aha, eine Fata Morgana, dachte er, eine Luftspiegelung, die mich narrt. Denn in Wirklichkeit ist gar nichts da.
Er näherte sich der Oase, aber sie verschwand nicht. Er sah immer deutlicher die Dattelpalmen, das Gras und die Quellen. Natürlich eine Hungerphantasie, die mir mein halbwahnsinniges Gehirn vorgaukelt, dachte er. Solche Phantasien hat man bekanntlich in meinem Zustand. Jetzt höre ich sogar die Wasser sprudeln. Eine Gehör-Halluzination. Wie grausam die Natur ist.
Kurze Zeit später fanden ihn zwei Beduinen tot. ,,Kannst du so etwas verstehen", sagte der eine zum andern, ,,die Datteln wachsen ihm beinahe in den Mund und dicht neben der Quelle liegt er verhungert und verdurstet. Wie ist das möglich?" 
Da antwortete der andere: ,,Er war ein moderner Mensch."

 

Liebe Gemeinde!

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen

Wassers umsonst.“

Wissen Sie, was es heißt, wirklich durstig zu sein? Kaum jemand in unserem Land weiß wirklich, was Durst bedeutet.  Uns steht immer ausreichend Wasser zur Verfügung, so viel, dass wir Trinkwasser für die Toilettenspülung benutzen und unsere Autos damit waschen. Das sieht in anderen Regionen der Erde anders aus. Das gibt es Dürrezeiten und Wasser ist knapp. In manchen Ländern soll Trinkwasser privatisiert werden. Das bedeutet, dass es nicht mehr allen zugänglich ist und gerade die armen sind wieder einmal die Leidtragenden. Dabei hat im Jahr 2010 die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht anerkannt. Denn Wasser ist lebensnotwendig. So viele stehen Schlange mit ihren Krügen und Kanistern an den Brunnen. Es reicht oft nicht für alle. Jedes Jahr verdursten  über drei Millionen Menschen.

Für uns ist Wasser selbstverständlich – 123 Liter verbraucht jeder Deutsche im Schnitt jeden Tag. Am meisten im Badezimmer für Duschen, Waschen und Toilettenspülung, für den Garten, Wäsche waschen immerhin auch noch mehr als 10 Liter und am wenigsten für Essen und Trinken.

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen

Wassers umsonst.“

Was ist mit dem Wasser, das Gott verspricht?

Am Brunnen spielen sich in der Bibel immer wieder wichtige Geschichten ab.

Der erste Brunnen, der in der Bibel erwähnt wird, trägt den Namen Beer-Lachai-Roi – Brunnen des Lebendigen, der sich schauen lässt, oder der mich gesehen hat. Dieser Brunnen, der in der Heiligen Schrift dreimal erwähnt wird, spielte im Leben der Familie Abrahams eine große Rolle.

Damals gab in Palästina drei verschiedene Arten von Brunnen. Wo Menschen sich ansiedelten, wurde nach Wasser gegraben, um das Überleben für Mensch und Tier sicherzustellen. Auf diese Weise entstanden Grundwasser-Brunnen. Besonders geschätzt und wertvoll waren dabei solche Brunnen, die von einer Quelle gespeist wurden und deshalb sehr frisches Wasser lieferten. Darauf beruht die Bezeichnung „Brunnen lebendigen Wassers“. Oder es wurde Regenwasser in Zisternen gesammelt.

Auch am Brunnen Jakobs in der Nähe von Sichem in Samarien wurde seit alten Zeiten das Trinkwasser geholt. Hier begegnet Jesus der Samariterin, die Wasser holen will, als Jesus sie anspricht und um Wasser bittet. Die Frau ist zu Recht empört. Ein Mann spricht eine Frau nicht einfach so an, schon gar nicht wenn er ein Jude ist und sie eine Samariterin. Diese beiden religiösen Strömungen pflegten keinen Umgang miteinander.

Und dann verwickelt dieser Fremde sie in ein Gespräch und verspricht ihr lebendiges Wasser. Wer es empfängt, wird nicht mehr dürsten. Es wird „in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt“ (Joh 4,14).

Die Frau wird hellhörig. „Gib mir solches Wasser!“ bittet sie.

Doch Jesus bringt zuerst ihre Lebenssituation zur Sprache, erinnert sie an die vielen Männer, die sie hatte. War es aus Not oder Lebenshunger, war es der Lebensdurst , der sie zu diesem Lebensstil getrieben hat? Jesus macht ihr keine Vorwürfe. Er wirbt vielmehr um ihr Vertrauen und bietet ihr etwas an, wonach sie sich schon lange gesehnt hat.

Am Brunnen hat sich ihr ein neuer Lebenssinn eröffnet. So klar, dass sie am Ende bekennen kann: „Dieser ist wahrlich der Welt Heiland“ (Joh 4,42).

Dieser Begriff des „lebendigen Wassers“ begegnet uns in der Jahreslosung aus der Offenbarung des Johannes wieder.

Gott spricht: “ Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Off 21, 6

Dieses Versprechen steht ganz am Ende der Bibel im Buch der Offenbarung im letzten Kapitel. Johannes wurde auf die Insel Patmos verbannt. Hier offenbart Gott ihm, was am Ende der Zeit geschehen wird. Johannes hat eine Vision. Er sieht das himmlische Jerusalem, das sich aus dem Himmel herabsenkt „Siehe, ich mache alles neu.“ Ruft eine Stimme. Das Alte ist vergangen, es wird kein Leid mehr geben, kein Geschrei, keinen Schmerz, keinen Tod. Die alten Systeme und Strukturen, in denen wir gefangen sind, werden aufgebrochen, ja aufgehoben und etwas völlig anders wird das Leben bestimmen.

H und Segen, Frieden und Gerechtigkeit und alles, wonach sich die Menschen sehnten wird Wirklichkeit.

Der seelisch durstige Mensch, der Mensch, der sich nach erfülltem Leben sehnt, soll das Wasser bekommen, das seinen Durst löscht. Es geht um mehr als den Durst nach Wasser.

Es geht um den Durst nach Leben in all seinen Facetten.

Die Angebote, diesen Durst zu stillen, scheinen unbegrenzt zu sein. Und wir lassen uns das auch etwas kosten. Die einen investieren alles in Karriere und Anerkennung, in Gesundheit, in die Erfüllung eines Lebenstraumes oder setzen alles in Partnerschaft und Familie. Andere suchen ihr Glück in immer wieder neuen Beziehungen oder rennen von Event zu Event. Manche versuchen es mit einem alternativen Lebensstil bis hin zur Askese. Aber alle diese Quellen stillen nur für kurze Zeit den Durst nach Leben und Glück. Oft gibt es danach ein böses Erwachen.

Wenn unsere Gesundheit wackelt, Beziehungen scheitern, Sicherheiten wegbrechen. Manchmal regt sich erst dann die Frage: Aus welchen Quellen lebe ich?

Gott spricht: “ Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Off 21, 6

Gott will unseren Durst nach Leben stillen aus einer Quelle, die nie versiegt.

Aus welchen Quellen haben Sie  getrunken im vergangenen Jahr und welche blieben Ihnen verschlossen?

Wir sind moderne Menschen, die oft hin- und hergerissen sind. Viele versprechen unseren Lebensdurst zu löschen.

Geht es uns am Ende wie dem modernen Menschen in der Wüste, der wenige Schritte vor der rettenden Oase verdurstet, weil er nicht glauben konnte, was er sah?

Wie viele hören die Botschaft, kommen und hören und trinken am Ende dann doch nicht davon. Ihre Zweifel bremsen sie aus kurz vor dem Ziel.

 Ihnen bleibt die Quelle verschlossen, weil andere sagen: Das kann nichts ein. Gott gibt es nicht. Kirche ist nicht zeitgemäß. Glauben ist nicht cool. Schau, hier zeigen wir dir das wahre Leben. Und im Kleingedruckten finden sich die Geschäftsbedingungen und der Preis, der für das vermeintliche Glück zu zahlen ist.

Wer aus diesen Quellen schöpft, wird wieder durstig werden, womöglich sogar noch durstiger als vorher und die Gier nach Leben, nach Erfüllung, nach bedingungsloser Liebe und Glück wird immer größer.

Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Ich wünsche uns, dass wir Gottes Angebot annehmen. Es wagen aus seinen Quellen zu trinken und Erfüllung und Frieden finden für unsere Seele.

Segen:
Möge das Wasser, das du trinkst, dich daran erinnern, 


dass auch deine Seele dürstet.

Gott sei deine Quelle und erquicke deine Seele mit Freude und Liebe


bis zum Überlaufen. 

So sei gesegnet im Herrn.  Amen.

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Do. 09.11.17
Jeder soviel er braucht
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Jeder soviel er braucht

Tägliches Brot

Kinder lachen und springen ins Wasser, Männer und Frauen zurren das Gepäck zusammen, Stimmen werden laut, die Ziegen blöken aufgeregt an der Wasserstelle. Aus dem Boden sprudeln Quellen. Jungen klettern Dattelpalmen hoch und füllen ihre Säcke. Es ist alles gut! Vor wenigen Tagen war das Volk Israel vom Schilfmeer in die Freiheit aufgebrochen. Nun die Rast in der Oase Elim. Vorräte werden aufgefüllt. Dann brechen sie wieder auf. Eine Zeitlang finden die Ziegen und Schafe genug Gräser oder Sträucher mit saftigen Blättern. Dann werden die Wiesen, Bäume und Sträucher immer spärlicher. Aus der Straße wird ein Weg. Aus dem Weg ein Pfad.« Bis auch der sich verläuft im Sand der Wüste …

»Mama, hast du ein Stück Brot für mich?« Die Frage gibt der Mutter einen Stich ins Herz. Vor sechs Wochen waren sie aufgebrochen. Versprochen hatten sie ihr ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Jetzt ist es ein Wunder, dass sie überhaupt noch leben.

Vorne geht Mose. Danach folgt ein langer Zug. Menschen und Tiere. Die Alten müssen immer wieder getragen werden. Wenn die Schwangeren nicht mehr laufen können, kommen sie auf einen Esel. Seit sie die Karawanenstraße verlassen haben, ist der Weg noch beschwerlicher geworden. »Hier«, sagt sie zu ihrer Tochter und gibt ihr den letzten Rest von einem harten Fladenbrot. »Aber iss langsam.« Zweifel kommen. Nicht nur bei ihr. Wo war er denn, dieser Gott, der den Namen »Ich bin da« tragen soll?

Wie ein glutroter Ball geht die Sonne am Morgen am Himmel auf. Den ganzen Tag brennt sie unbarmherzig auf Menschen und Tiere herab. Am Abend versinkt sie hinter den Bergen. Schnell wird es kalt. Nirgends gibt es Holz für ein Feuer. In der Dunkelheit heult ein Schakal. Voller Angst schmiegen sich die Kinder an ihre Eltern. Und die Eltern?

V. 2–3 Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten … Alle Wegzehrung ist aufgebraucht. Es gestaltet sich alles nicht so einfach, wie sie es sich erhofft hatten. Jeden Tag auf‘s Neue geht die Suche nach Wasser und Nahrungsmitteln los. Niemand weiß, was nächste Tag bringen wird. Die Wüste fordert ihren Preis.

 

Und wenn die Menschen unzufrieden sind und hungrig, dann werden sie ungenießbar. Sie suchen einen Schuldigen, einen, den sie verantwortlich machen können.

Mose und Aaron werden angeklagt: „Ihr habt uns in diese Lage gebracht! Ihr seid verantwortlich!“

V. 11–12 Und Jahwe sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört … Inmitten der Stille der Wüste, inmitten aller Gottverlassenheit hört Gott genau hin. »Hunger« steht für den Mangel an allem, was zum Leben nötig ist. Bis hin zu dem Hunger nach dem Wort Gottes und der menschlichen Liebe und Wertschätzung.

Tatsächlich geschieht das, was unmöglich scheint. Mitten in der Wüste fällt Nahrung vom Himmel. Was servierte Gott seinem Volk? Wachteln und Manna. Natürlich gibt es dafür eine Erklärung: Wachteln sind Zugvögel, die oft lange Strecken zurücklegen. Wenn sie auf ihrem Flug müde werden, lassen sie sich in der Wüste nieder, um sich auszuruhen. In diesem Zustand lassen sich diese Vögel leicht fangen. Manna wird von Schildläusen bei der Ernährung ihrer Larven ausgeschieden, und fällt dann wie der Tau zu Boden. Es ist ein honigartiger Saft, der durch die Hitze des Tages aber verfällt. Sie fragen: “Man hu?“ „Was ist das?“ Sie schöpfen neuen Mut. Gott sorgt für sein Volk. Doch es gibt klare Regeln:

V. 16–18 Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht … Ich stelle es mir nicht leicht vor, sich zurückzuhalten; wirklich nur so viel zu nehmen wie ich heute verbrauchen kann. Nach langer Entbehrung müssen die Menschen doch gedacht haben: „Sammelt so viel ihr könnt. Wer weiß, was morgen ist!“ Aber genau das soll nicht sein! Gott will keine eifrigen Sammler, keine neidischen Menschen und keine gierigen Besitzer. Nur das Vertrauen zählt, dass Gott an jedem Tag gibt, was zum Leben nötig ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Für mich spiegelt sich diese Regel im Vater unser wider. Da beten wir: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Nicht weniger und nicht mehr. Nur wenn wir das akzeptieren, liegt Segen darauf.

Solange wir uns nur auf unsere menschlichen Kräfte verlassen und uns nur um unser eigenes Wohl kümmern, unseren eigenen Vorteil suchen, ja so viel wir uns auch anstrengen, dieser Weg führt in die Ungerechtigkeit, in die Armut und schließlich in den Tod.

Weniger als nötig zu haben, bedeutet Hunger, Armut und kaum Lebensqualität. Das gibt es leider auf dieser Erde in vielen Ländern. Über 800 Millionen Menschen hungern auf dieser Erde.

Mehr als nötig zu haben, tut auch nicht gut. Es bedeutet Überfluss und Geringschätzen dessen, was Gott uns gibt. Wir leben in einem Land, wo Überfluss herrscht und wo viele Menschen die Schätze der Natur, Essen, Trinken und Kleidung nicht achten, sondern verschwenderisch damit umgehen. Tonnenweise werden Lebensmittel jeden Tag vernichtet.

Gott öffnet unseren Blick für das rechte Maß. Wenn wir jeden Tag genau so viel haben, wie wir brauchen, um zu leben, dann leben wir jeden Tag wieder aus dem Vertrauen auf Gottes unendliche Güte.

Manchmal brauchen wir Zeiten der Entbehrung, um dann schätzen und genießen zu können, was wir haben.

Gott führt uns manchmal über unwegsame Strecken und fordert auch etwas von uns. Manchmal gibt es Wüstenzeiten, in denen unsere Geduld und unser Vertrauen hart auf die Probe gestellt werden.

Die Wüste der Trauer etwa, der Einsamkeit, die Wüste der Hoffnungslosigkeit oder die Wüste der Zweifel. Hunger überkommt uns. Nicht der, der meinen Magen knurren macht, aber meine Seele murrend. Hunger nach Vertrauen, nach Sicherheit, Trost, Liebe, nach Horizonten, hinter denen es weitergeht. Wir neigen dazu, nicht satt zu sein. In vielerlei Hinsicht …

Aber letztendlich reicht Gottes Geduld immer noch weiter und seine Güte ist größer als wir es vorstellen können.

Gott versorgt sein Volk. In diesem Vertrauen setzte das Volk seinen Weg fort.

Wenn wir uns auf Gott verlassen, dann wird er uns wieder und wieder überraschen mit seinen unerwarteten Gaben und mit seinem Segen führt er uns zu den Oasen in der Wüste.

Und das Abendmahl ist so eine Oase in der Wüste, aus der schöpfen können.  

Amen.

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Di. 19.09.17
Ernte-Dank
Haike Gleede
Ernte-Dank

Das Leben in unseren Dörfern ist ländlich geprägt und Landwirtschaft hat einen hohen Stellenwert. Ohne sie kann das Überleben aller nicht gewährleistet werden. Dass eine Ernte eingebracht wird, hängt von vielen Faktoren ab: von der menschlichen Arbeitskraft, dem Wetter, aber auch der Wertschätzung der Verbraucher den landwirtschaftlichen Produkten gegenüber.

Der Sinn des Erntefestes ist nicht nur die Freude über die Ernte, sondern auch der Dank.

Erntedank ist Zeit zur Besinnung. Woraus lebe ich, wofür lebe ich? Wir leben, weil Gott uns den Lebensodem eingehaucht hat. Unsere Arbeit wäre vergebens ohne seinen Segen. Gott hat uns von seiner Schöpferkraft einen kleinen Bruchteil geliehen, um ihn für das Leben auf der Erde einzusetzen. Darum gehört zum Erntedank ein Blick in die Bibel.

Jesus stellt uns einen Menschen vor. Er ist fleißig, arbeitet hart. Er ist erfolgreich. Er ist Landwirt. Ist er glücklich? Nun er ist zufrieden, sehr zufrieden mit seiner Ernte. Und dennoch kann er nachts nicht gut schlafen.

Was bereitet den Landwirten von heute schlaflose Nächte?

Wie zufrieden sind sie mit der diesjährigen Ernte? (evtl einen Landwirt befragen)

Nach dem kühlen und trockenen Frühjahr folgten die heftigen Sommerniederschläge, Bauern Niedersachsens noch lange in Erinnerung bleiben werden. In einigen Landesteilen haben die Wassermassen viele Felder überflutet und zum Teil verheerende Schäden verursacht. Das ist Grund für die Ertragseinbußen. Die Getreideernte fällt in diesem Jahr geringer aus als in den Vorjahren. Und auch die Obsternte wird wohl eher dürftig ausfallen. Schuld ist vor allem der späte Frost im Frühling.

Der Landwirt, von dem Jesus erzählt, hat andere Sorgen, die ihm den Schlaf rauben. Er hat so viel geerntet, dass er nicht weiß, wo er das alles lagern soll. Er beschließt, neue, größere Scheunen zu bauen. Beruhigt sinkt er zurück auf sein Bett und denkt: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!“

Dieses Denken kennen wir auch. In keinem andern Land hat Sicherheit und Vorsorge so große Priorität wie in Deutschland. Dabei leben wir in einem der reichsten Länder dieser Erde in einer Wohlstandsgesellschaft, in der wir oft nicht mehr wissen, wohin mit all unseren Gütern, den vielen Dingen, die wir angesammelt haben. Lebensmittel werden im Überfluss und oft zum kleinen Preis angeboten – vieles wir sorglos entsorgt.

Die Ruhe des Landwirts währt nur kurz. Denn Gott schickt ihm einen Gedanken, der ihn hochschrecken lässt: „Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?“

Nach biblischen Verständnis sind Narren Menschen, die Gott aus dem Blick verloren haben und den Wert ihres Lebens an ihrem Besitz und ihrem Erfolg messen. Sie spüren Gottes Gegenwart nicht, ihnen liegt nichts an seinem Segen. Sie verlassen sich nur auf sich selbst.

Bin ich eine Närrin, weil ich hart arbeite, ehrgeizig bin und versuche mir etwas zu erarbeiten? Nein. Das ist es nicht. Aber ich bin ein Narr, wenn ich über all mein Schaffen vergesse, dass ich nicht allein auf dieser Welt lebe. Ich gehöre zu einer Gemeinschaft und habe darin Verantwortung und eine Aufgabe.

Wer keine Beziehung zu seinem Nächsten aufbauen kann, der wird auch keinen Zugang zu Gott finden. Das Leben ist auf Gemeinschaft angelegt. Nur so kann Leben gedeihen.

Von dem, was die Landwirte produzieren, leben wir alle.

Wir haben das große Privileg auf dieser Erde zu leben und alles zu nutzen, was Gott uns schenkt. Gott hat uns nicht nur mit einem tatkräftigen Körper ausgestattet, sondern auch mit einer Seele. Die Seele braucht ein Gegenüber. Sie macht uns fähig zu lieben. Liebe schafft Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Sinn. Für diese Fähigkeit sollten wir unserem Schöpfer besonders danken.

Denn auch ein Fest macht nur Spaß, wenn viele daran beteiligt sind und alle sich einbringen.

Und auch eine Kirchengemeinde lebt davon, dass sich viel beteiligen und zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen.

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Do. 01.06.17
Quelle lebendigen Wasser sein
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Quelle lebendigen Wasser sein

„Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen!“

Liebe Gemeinde!

Mit diesem Ausruf verblüfft Jesus die Menschen, die in Jerusalem das Laubhüttenfest feiern. Das Laubhüttenfest ist ein Erntedankfest. Gleichzeitig erinnern sich die Juden an  die 40-jährige Wanderschaft in der Wüste, nachdem das Volk von Mose aus ägyptischer Gefangenschaft befreit wurde. Eine Woche lang wird gefeiert. Die Familien leben in Laubhütten im Garten oder auf dem Balkon. Die Laubhütte erinnert daran, dass der Mensch nur vorübergehend auf der Erde lebt. Das Leben ist vergänglich und  der Mensch ist immer unterwegs, um die Grundbedürfnisse zu stillen. Und immer trägt er die Sehnsucht nach dem Paradies in sich, nach dem Ewigen.

Höhepunkt jeden Tages ist die Prozession am frühen Morgen. Sie beginnt  am Siloahteich, dem Wasserspeicher der Stadt. Gespeist  aus der Gihonquelle. An dieser Quelle hängt die Wasserversorgung der Stadt.  Ein Priester  schöpft Wasser in eine goldene Kanne. Diese wird nun feierlich durch die Stadt getragen, hinauf  zum Tempel. Am Wassertor angekommen erschallen Trompeten. Nun zieht die Prozession ein in den inneren Vorhof. Die Gläubigen singen Lob- und Danklieder dazu. Sie umrunden den Brandopferaltar. Dann steigt der Priester mit der goldenen Kanne die Rampe zum Altar hinauf. „Heb deine Hand hoch!“ schreit das Volk. Und er hebt sie so hoch er kann. Die goldene Kanne glänzt in der Sonne. Endlich lässt er das Wasser aus der Kanne fließen. Es ergießt sich in eine silberne Schale,  die  auf dem Altar  steht.  Gleiches geschieht auch mit einer Kanne Wein. Nun wird eine Öffnung am Grund der Schalen aufgetan. Und das Wasser und auch der Wein fließen in das Innere des Altars und von dort in die Erde, wo der trockene Boden die gespendeten Gaben aufnimmt.

Dem ewigen Gott verdanken sie ihr Leben. Ihm zu Ehren Singen und Jubeln sie.

Gott gibt das kostbare, lebensnotwendige  Wasser, er spendet Tau und Regen. Er lässt wachsen und gedeihen. Die Früchte der Erde und auch die Frucht des Weinstocks. Alle hoffen und beten, dass Gott zur rechten Zeit Regen schenkt und seinen Segen über Land und Mensch ausgießt.

Das Laubhüttenfest ist auch ein Fest mit einer ganz großen Sehnsucht. Der Sehnsucht, dass der Tag kommt, an dem Gott seine Herrschaft aufrichtet über alle Welt.  

Wie einen Strom wird Gott seinen Geist ausgießen auf alle und sie werden erfüllt sein von seiner Kraft.  So haben es die Propheten verkündet.

Auch Jesus und seine Jünger nehmen an dem Fest teil. Eigentlich wollte Jesus gar nicht zum Fest in die Stadt kommen. Er sagt seinen Jüngern: „Geht ihr nur hin. Ich bleibe in Galiläa. Meine Zeit ist noch nicht gekommen.“

Und tatsächlich ist er sehr umstritten unter den Bewohnern Jerusalems. Die einen finden ihn gut und hören ihn gern. Sie haben die stille Hoffnung, er könnte der angekündigte Messias sein und könnte Gottes Verheißung vollenden.

Andere sagen: Er verführt das Volk! Sie fürchten um ihre Macht.

Und dann taucht Jesus doch noch auf auf dem Fest – am letzten Tag geht er in den Tempel und beginnt zu lehren.

„Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen!“

Seine Worte lassen aufhorchen. Was sagt er da? Wer ist er? Ein Prophet oder doch der Christus? Er sagt: „Ich bin die Quelle. Wenn ihr daraus trinkt, werdet auch ihr zu einer Lebensquelle!“

Glaube ist wie eine Oase in der Wüste. Gottes Zuspruch erfrischt den Geist. Unser Leben gleicht manchmal einer Wüste. Wenn wir einen lieben Menschen verloren haben und trauern. Wenn wir uns allein fühlen, inmitten von vielen Menschen. Wenn wir nicht mehr weiterwissen und auf Gottes Hilfe hoffen.

Eine Geschichte aus Nordafrika erzählt von einem Beduinen, der sich immer wieder der Länge nach auf den Boden legt und sein Ohr an den Wüstensand drückt. Stundenlang horcht er in die Erde hinein. Verwundert fragt ihn jemand:

„Was machst du eigentlich auf der Erde?“ Der Beduine erhebt sich lächelnd und antwortet: „Freund, ich horche; ich horche wie die Wüste weint. Ich glaube, sie möchte gern ein blühender Garten sein.“

„Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen!“

Jesus verkündete den Menschen: Das Warten hat ein Ende. Ihr müsst nicht mehr warten, dass einer kommt und euer Leben verändert. Ihr selbst seid in der Lage aus der Wüste ein Paradies zu machen. Ich gebe euch die Kraft dazu, wenn ihr mir vertraut.

Gebt weiter, was ihr empfangt, handelt, wenn jemand in Not ist. Teilt meine Kraft. Tröstet, helft, betet mit den Menschen und öffnet die Quelle.

Das Lebenswasser fließt von einem Menschen zum anderen.

Wir empfangen und wir geben. Wer Gottes Großzügigkeit gespürt hat, wird anderen großherziger begegnen. Wer sich von Gott angenommen weiß, der kann auch andere annehmen. Wer Vergebung erfahren hat, der wird anderen vergeben. Wer sich verstanden fühlt, kann andere verstehen. 

Lebendiges Wasser ist kein abgestandenes Wasser, es ist frisch. Täglich neu will es geschöpft werden. Man kann es nicht in Flaschen abfüllen, sozusagen auf Vorrat. „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ Das gilt für jeden Tag. Und Gott schenkt uns seinen Geist, wenn wir ihn darum bitten und füllt uns immer wieder neu. Amen.

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Kirche und Werbung?
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Kirche und Werbung?

Täglich werden wir mit Werbung überflutet. Werbung lockt mit tollen Angeboten und verspricht: Wenn du dieses Produkt kaufst, steigerst du damit deine Lebensqualität, dann bist du ein glücklicher Mensch.

Dabei haben wir es doch längst durchschaut. Nur Weniges ist wahr, nicht alles tut uns wirklich gut und nützlich ist es meistens auch nicht. Dennoch: Je lauter und je bunter etwas beworben wird, um so tiefer prägt es sich ein.

All die vielen Angebote überfordern mich und sie kosten mich viel Kraft und Lebensenergie. Ich schalte sie weg, werfe sie achtlos ins Altpapier und höre gar nicht hin. Und doch erreichen sie mich. Woher kommt es, dass die Medien uns so in ihren Bann ziehen, während das Wort Gottes uns nur gelegentlich erreicht? Macht die Kirche zu wenig Werbung? Aber passt das überhaupt – Kirche und Werbung? Jesus hat uns den Auftrag erteilt: Geht in die Welt und erzählt den Menschen, was ihr von mir gehört habt! Verkündet ihnen den Weg zum ewigen Leben! Macht die Menschen zu meinen Jüngern! Ladet sie ein in meine Gemeinde!

Auch Paulus hat sich nicht geschämt, für das Evangelium zu werben.

Für ihn war es die einzig seligmachende Kraft. Dafür hat er sich eingesetzt, weil ihm daran lag, dass immer mehr Menschen davon erfahren und aus dieser Kraft leben.

In vielen Gemeinden werden an diesem und den nächsten Sonntagen Konfirmationen gefeiert. Jugendliche sagen „Ja“, ich gehöre zu Christus, seine Botschaft ist für mein Leben wichtig.

Und bald schon werden Menschen in den Gemeinden gesucht, die sich als Kirchenvorsteher für die Kirche vor Ort einsetzen, sie verantwortlich gestalten und dafür sorgen, dass die wertvolle Botschaft der Bibel im Bewusstsein bleibt.

Bis heute verkünden wir Jesu Botschaft, weil wir glauben, dass sie unserem Leben eine neue Qualität gibt.

Für mich gibt es sonntags um halb zehn nichts Schöneres, als in die Kirche zu gehen und eine Botschaft zu verkünden, die hält, was sie verspricht.

 

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Do. 06.04.17
Korn, das in die Erde
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Korn, das in die Erde

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt ...

So singen wir in der Passionszeit. Das Weizenkorn- ein Symbol für das Leben und die Auferstehung.

Jesus erzählt seinen Zuhörern  am See Genezareth ein Gleichnis.  Markus 4, 26-29:

Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen auf das Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre.Wenn sie aber Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

So einfach ist das - und doch so unbegreiflich. Jesus wählt ein Beispiel, das aus dem Leben gegriffen ist. Er beschreibt den Jahreslauf von der Saat bis zur Ernte, wie ihn jeder kennt. Das alles umfassendes Wunder des Lebens, das wir jedes Jahr wieder so selbstverständlich erleben.

Zur Zeit Jesu war es den Menschen noch stärker bewusst, wie sehr ihr Leben  vom Erfolg der Landwirtschaft abhing. Es war nicht einfach, dem Boden einen Ertrag abzuringen. Damals hatten die Bauern nur wenige Geräte zur Verfügung, alles musste per Hand gemacht werden. Vor der Aussaat des Getreides wurden die Steine abgesammelt und an den Rändern aufgeschichtet. Die Aussaat erfolgte dann zwischen November und Januar. Der Bauer schritt mit einem Beutel voll Saatgut über das Feld und streute dieses breitwürfig über den Boden. Anschließend wurde noch einmal gepflügt, um den Samen mit Erde zu bedecken. Zuletzt wurden die Ochsen über das Feld getrieben, damit sie den Samen in die Erde stampfen.

Das Erdreich zwischen den heranwachsenden Halmen wurde mit Hacken bearbeitet. So lockerten sie den Boden auf und befreiten ihn vom Unkraut. Ab Mitte April war das Getreide zur Ernte reif und wurde geschnitten. Die ganze Familie half bei der mühsamen Erntearbeit mit.

Dieser Ablauf steht also den Menschen vor Augen, als Jesus sein Gleichnis erzählt.

„… wie wenn ein Mensch Samen auf das Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst - er weiß nicht wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre.“

Das klingt so leicht, so als ob der Mensch kaum etwas dazu tut, dass es eine Ernte gibt.

Wir  wissen, dass es mit viel Arbeit verbunden und eine Kraftanstrengung ist, sein tägliches Brot zu verdienen. Unseren Kindern versuchen wir das zu vermitteln, mehr oder weniger erfolgreich.

Kennen Sie die strengsten Eltern der Welt? Eine Fernsehserie, die vor einiger Zeit ausgestrahlt wurde. Besonders schwierige Jugendliche, die sich weigern zur Schule zu gehen, sich nie an Regeln halten und nur so in den Tag  hineinchillen, werden zu Gasteltern fernab von zuhause in fremden Ländern und Kulturen geschickt. In einer Sendung waren auch sehr aufsässige Teenager zu einer Familie in einem eingeborenen Stamm gekommen. Hier musste jeder mit anpacken, Gartenarbeit, Wasser schleppen, Hühner schlachten.

Natürlich verweigerten die Jugendlichen sich, diese ätzenden Tätigkeiten auszuüben.

Ein Satz der Gast Mutter ist mir haften geblieben: „Sie müssen lernen, dass sie nicht überleben, wenn sie nicht arbeiten.“

Das ist die eine Seite. Das Gleichnis weist noch auf eine andere hin: dass der Mensch nicht alles schaffen kann, sondern die eigentliche Kraft, die alles in Gang setzt, von Gott kommt.

Und zwar genau dann, wenn der Mensch Pause macht, wenn er schläft oder darauf wartet, dass der Same wächst. Genau dann geschieht das Wesentliche.

Auch bei den strengsten Eltern der Welt geht es um mehr, als Jugendliche zur Arbeit zu bewegen oder gar zu zwingen.  Es geht auch darum, dass sie sich zugehörig fühlen zu einer Familie, einer Gemeinschaft, in der jeder seinen Beitrag leistet, in der aber auch jeder angenommen ist und seinen Platz hat.

Auch Jesus geht es um viel mehr als Bilder zu zeichnen vom Reich Gottes. Zwischen den Zeilen zeigt er seinen Zuhörern, dass sie selbst ein Teil davon sind, dass das Reich Gottes in ihnen heranwächst.  Gleichnisse enthalten immer verschiedene Dimensionen des Lebens. Das Leben besteht auch nicht nur aus der Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse. Körper, Geist und Seele stehen im Einklang miteinander und jede Dissonanz, jeder Missklang spiegelt sich auf allen Ebenen wieder.

Der Same ist das Wort Gottes. Der Mensch ist der Acker.

Ist der Boden gut vorbereitet, dann wächst es ganz von allein. Aus dem Weizen wird später Mehl gemahlen und Brot gebacken.

Steine, die uns auf dem Herzen liegen, müssen abgesammelt. Unkraut, unnütze Gedanken ausgerissen werden. Und schließlich braucht es Geduld, damit Gottes Same Frucht bringen kann. Und die Frucht heißt: Vertrauen auf Gottes liebevolle Zuwendung oder kurz: Glaube.

Jesus selbst ist das Samenkorn. Er ist das menschgewordene Wort Gottes, das in den Menschen hineingesät wird.

Eingesät in mein Herz, wächst es auf geheimnisvolle Weise. Gott nimmt Raum in mir, verwandelt und befreit mich. Gott schenkt sein Wort, weckt den Glauben einfach so, ohne dass ich etwas dazu tue. Aus reiner Gnade – wie Luther sagt.

Aber pflegen muss ich den Acker schon selbst und dafür sorgen, dass der Same sich gut entfalten kann.Hörende Ohren, sehende Augen, ein fester Stand und offene Hände, ein klarer Verstand und ein brennendes Herz - das wird mich ausmachen. Jesus bezeichnet sich selbst  als Brot des Lebens: "Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten." Joh 6, 35

 „Sie müssen lernen, dass sie nicht überleben, wenn sie nicht arbeiten.“

Am Ende der Sendung hatten die Jugendlichen etwas verstanden. Sie verabschiedeten sich unter Tränen von den Gasteltern. Es war eine Verbindung entstanden, etwas aufgeflammt von dem sie ahnten, dass es für sie lebenswichtig ist. Sie hatten eine zeitlang dazugehört, waren Teil dieser Familie geworden und stolz darauf.

Heute ist der 2. Sonntag vor der Passionszeit. Zwischenzeit – Zeit, den Boden zu bereiten für Gottes Wort. Wenige Wochen vor seiner Verhaftung  sagt Jesus: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht." Joh 12, 24

„Wir werden nicht überleben, wenn wir nicht an uns arbeiten.“

In der Stille vor Gott finden wir Antworten und er wird da Seine dazutun. Amen.

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So. 19.02.17
Hilft auch bei Verstockung
Dr. Matthias Wilke
Hilft auch bei Verstockung

Ein junger Mann aus Tuttlingen, sagt der Dichter, kam einmal ins reiche Amsterdam. Er blieb vor einem prächtigen Gebäude stehen. Was für eine Villa! „Wem gehört das Haus?“, fragte er einen Vorübergehenden. Doch der, Niederländer der er war, sagte nur: „Kannnitverstan“. Aha, dachte der junge Mann und ging weiter. An einer Gracht sah er ein großes Schiff mit vielen reichen, fröhlich feiernden Menschen. „Wau“, sagte er, „wem das wohl gehört?“ Wieder erhielt er die Auskunft: „Kannnitverstan“. „Dem gehört wohl alles“, grummelte er. Und als er auch noch hörte, dass der Jackpot der Lotterie geknackt worden war und wieder, klar, von einem „Kannitverstan“, da hielt es ihn nicht mehr, sondern er murmelte so platte Gedanken wie: „Ja, wenn einer hat, dann wird ihm auch noch alles andere … einfach so nachgeschmissen.“ So ging er weiter und sah vom Rand aus grummelnd dem Leben zu. Sein Herz wurde hart. Verbittert kam er an eine Straßensperre. Ein Leichenzug zog des Wegs. „Wer wird denn begraben?“, fragte er und bekam die Antwort: „Kannnitverstan“. „Och“, sagte der junge Mann und war sofort etwas ergriffen, „so was. Nun liegt er da, hat nichts von seinem Gewinn, der Herr Kannitverstan…“.

Ich denke nach über diese Geschichte, der einmal eine wahre Begebenheit zugrunde lag. Wer hätte das gedacht? All der Groll hätte bei dem jungen Mann auch zu Dauerverstockung führen können. Doch Gott rüttelt an ihm durch das, was er hört und erlebt – und löst die Verstockung. Möge er auch mein Herzensgegrummel lösen. Auf dass sich erfüllt, was die Losung für die kommende Woche fordert: »Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“ (Hebräer 3, 15).

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Di. 10.01.17
Ein neues Herz
Haike Gleede
Ein neues Herz

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ Jahreslosung aus Hesekiel 36,26

Liebe Gemeinde!

Hesekiel war ein außergewöhnlicher Prophet mit außergewöhnlichen Visionen in einer außergewöhnlichen Zeit – so las ich es in einem Buch zur Vorbereitung auf diese Predigt. Dieser Prophet berichtet in spannenden Bildern von seinen Begegnungen mit Gott.

Manche seiner Visionen sind bis heute noch nicht entschlüsselt wurden. Manche Wissenschaftler meinen sogar, Hesekiel schildere unter anderem die Landung eines Raumschiffes, als er über seine Berufung schreibt.

Es sind auf jeden Fall starke Bilder, in denen er Gottes Gegenwart fasst.

Bilder, die deutlich machen, Gott ist weit mehr als wir es jemals erfassen und in Worte fassen können.

Wir schreiben das Jahr 600 vor Christus. Als Priester Israels und Berater des Königs Jojachin zieht er mit in das babylonische Exil.  Der Krieg ist verloren, das Land besetzt.

Hesekiel lebt mit den Verbannten am Fluß Kebar, einem Kanal in Babylonien. Sie haben sich dort eingerichtet und es geht ihnen nicht schlecht, aber das Heimweh bleibt und die Sorge um die Zukunft.

In den ersten Jahren verkündet Hesekiel Gerichtsworte an sein Volk. Weil sie Gott nicht gehorchten, darum ist es zur Katastrophe gekommen.  Und es kommt noch schlimmer. 10 Jahre später belagert der babylonische Herrscher Nebukadnezar II. Jerusalem ein zweites Mal, vernichtete es endgültig, zerstörte auch den Tempel. Nun wurde auch der Rest der Bewohner in die Gefangenschaft nach Babylon geführt. Doch dann ändern sich die Weissagungen Hesekiels. Die Gerichtsworte galten nun den Babyloniern. Seinem eigenen Volk dagegen verkündete er, es werde eines Tages eine Rückkehr und den Wiederaufbau des Tempels geben. So verheißt er im Exil eine neue Zeit, eine Rückkehr in die Heimat, die verbunden ist mit einem neuen Leben und Denken.

Das neue Leben und Denken, von dem der Prophet spricht, ist also eine Gabe und Aufgabe gleichzeitig. Aus dieser Zeit stammt auch die Jahreslosung: Hes 36, 26

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Das Wort Herz kommt im Alten Testament 858 Mal vor. Kaum etwas anderes scheint so wichtig zu sein wie das Herz.

 Des Klugen Herz sucht Erkenntnis, heißt es etwa im Buch der Sprüche (Spr 15,14) oder Das Herz des Weisen macht seinen Mund klug (Spr 16,23). Das Herz ist zwar auch der Ort des Gefühls, noch viel mehr aber der Ort des Denkens und der Erkenntnis.

Hes 36, 26

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Für das Jahr 2017 erreicht uns diese Botschaft. Die Jahreslosung begleitet uns auf unserem Weg durch das neue Jahr.

Das Herz – mehr als nur ein Organ, das Blut durch unsere Adern pumpt. Viele Redewendungen machen deutlich, dass wir dem Herzen noch andere Eigenschaften zusprechen.

So wird es auch im neuen Jahr manches geben, was uns zu Herzen gehen wird, manchem ein Stein vom Herzen fallen, nachdem er sich ein Herz gefasst und sein Herz ausgeschüttet hat. Menschen werden ein Herz und eine Seele sein und andere sich das Herz brechen. Menschen werden sich ins Herz schließen, von Herzen grüßen und mit dem Herzen sehen. Andere werden ihr Herz verschließen oder gar herzlos handeln.

Viele Redewendungen zeigen, wie eng Leib und Seele, Herz und Geist zusammenhängen.

Und ja, auch heute sehnen sich Menschen nach einem Neuanfang, nach Heimat und Frieden.

Es liegen 2600 Jahre zwischen dem Propheten und uns. Die Geschichte scheint sich stetig zu wiederholen, immer wieder Krieg und Frieden, Liebe und Hass, die Macht Einzelner  gegen die Gemeinschaft, Egoismus gegen Nächstenliebe.

Und die Frage nach Gerechtigkeit. Werte wie soziale Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Solidarität gelten nicht mehr viel.

So viele Terroranschläge wie niemals zuvor erschütterten uns in diesem Jahr.

Nach wie vor sind weltweit etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger.

 Wenn sich etwas ändern soll, dann geht das nur mit Gott.  Nur er kann ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Das macht der Prophet deutlich:

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Nichts anderes ist auch die Einsicht Martin Luthers: Der Mensch kann sich seine Gerechtigkeit nicht selber schaffen. Er wird aus Glauben und Gnade gerecht.

Nur Gott kann die Herzen und Geister verwandeln.

Der Schriftsteller Julien hat einmal gesagt: „Manchmal zerbricht Gott einem das Herz, um in das Herz zu gelangen.“

Vielleicht muss das gar nicht immer so sein. Ich wünsche mir ein Herz, in dem Gott Platz hat und einen Geist, der offen ist für neue Gedanken und Wege.

Sicher haben sie längst einen Kalender für 2017. Da stehen auch schon Termine drin, aber es gibt auch noch freie Tage, unverplant. Ganz egal, verplante oder freie Tage, ich lege sie alle in Gottes Hand, damit er sie segnet und mir dann ins Herz legt. Vielleicht muss ich manchen Plan verwerfen und umdenken. Vielleicht bringt mich gerade das dann Gott näher, wer weiß.

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Amen.

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Mi. 30.11.16
„Mache dich auf und werde licht;
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„Mache dich auf und werde licht;

 

„Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“ Jesaja 60, 1-2

Advent. Die Zeit der Kerzen hat begonnen, begleitet von Liedern und vom Duft der Kekse und dem Tannengrün. Advent feiern – inne halten. Das Licht begleitet uns.

Dazu habe ich ein Wort aus dem Propheten Jesaja ausgesucht: Jes 60

„Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“ Jesaja 60, 1-2

Vier Impulse für den Weg gibt der Text:

  1. Impuls: Mache dich auf!

Drei kurze Worte, die das Leben verändern. Mache dich auf – das heißt da macht sich einer auf den Weg, geht aus seinen alten Gewohnheiten und wagt einen neuen Schritt. Mache dich auf, das kann auch heißen: Öffne dich! Mach deine Tür weit auf, damit Gott in dich hineinziehen kann! Maria ist diesem Ruf gefolgt. Das junge Mädchen aus Nazareth verlobt sich mit dem Zimmermann Josef. Dann erreicht sie dieser Ruf: Mache dich auf! Sie öffnet sich dem Willen Gottes. Gebärerin und Mutter Jesu wir sie. Sie lässt sich ein auf den Weg mit Gott. Sie folgt seinem Ruf. Hochschwanger macht sie sich dann mit Josef auf den Weg nach Bethlehem.

  1. Impuls: Werde licht!

„licht“ klein geschrieben ist ein Eigenschaftswort: Werde licht oder werde hell, werde durchscheinend für Gottes Liebe.

Entzünden wir ein Licht, dann wird es hell. Je dunkler es ist, um so mehr wird es ihre Leuchtkraft entfalten.

Bei Paulus im 2. Kor heißt es:

„Denn Gott sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.“

Wir tragen also den hellen Schein von Gottes Liebe in unseren Herzen.

  1. Impuls: denn dein Licht kommt.

Perspektivwechsel. Manchmal droht unser Licht zu verlöschen. Dann brauchen wir neues Feuer, das uns ansteckt. Das Licht ist schon auf dem Weg. Jesus kommt. Er ist das Licht der Welt, das die Herzen anfeuert.

Dein Licht kommt – damit bin ich ganz persönlich gemeint. Jede/r von uns. Das ist eine Ermutigung nicht aufzugeben. Mit dieser Zukunft im Herzen kann ich getrost in die Zukunft gehen. So wie Maria und Josef sich auf den Weg machten nach Bethlehem. Dort gab es keinen Raum in der Herberge. Eine aussichtslose Situation, beängstigend für eine Schwangere. Aber sie verzweifelt nicht und sie fanden schließlich eine Unterkunft: in einem Stall. Dort kommt Jesus zur Welt.

  1. Impuls: Und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.

Was für eine Zusage!

Am Ende eines jeden Gottesdienstes werden wir gesegnet mit den Worten: Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir.

Die Heilige Gegenwart Gottes bekommt nun das Gesicht eines Neugeborenen, das in einer Krippe liegt.

Durch dieses Kind tritt der Glanz Gottes in die Welt. Jesu Angesicht leuchtet über uns und in uns. Gottes Gegenwart, Gottes Glanz ist da, ist sichtbar in der dunklen Welt. Aber nicht da, wo die Festbeleuchtung alles überstrahlt, sondern wo es dunkel ist – da erkennen wir Gottes Licht.

Dorothee Sölle hat einmal gesagt: „Die Bewegung der Liebe geht aus dem Geheimnis Gottes durch das menschliche Herz hindurch mitten in die Welt.“

Von Maria erzählt die Bibel, dass sie die Worte der Hirten und die Botschaft der Engel in ihrem Herzen bewegte.

Und dass wünsche ich uns auch. Dass wir Gottes Wort im Herzen bewegen, dass es uns von innen her erleuchtet und uns zum Strahlen bringt. Amen.

 

 

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Mi. 16.11.16
Aus dem Wasser der Sintflut wird das Wasser…
Haike Gleede
Aus dem Wasser der Sintflut wird das Wasser der Taufe.

Die Geschichte der Sintflut gehört zu den bekanntesten der Bibel. Sie berührt uns Menschen tief, denn es geht um das Leben, um das Überleben.

Das Alte Testament erzählt in seinem ersten Buch solche archetypischen Geschichten wie die von Noah. Er wurde als einziger gerettet, während Gott alles Leben vernichtete bis auf diese eine Familie, diese acht Menschen, die Gnade vor Gott fanden.

Noah baute eine Arche, so wie Gott es ihm aufgetragen hatte und rettet sich und seiner Familie damit das Leben. Durch ihn bekam die Menschheit eine neue Chance.

Doch Gott erkannte:

„»Ich will die Erde nicht noch einmal bestrafen, nur weil die Menschen so schlecht sind! Alles, was aus ihrem Herzen kommt, ihr ganzes Denken und Planen, ist nun einmal böse von Jugend auf.“

Dennoch Gott gab die Menschen nicht auf. Er suchte einen neuen Weg, sich ihnen zu nähern.  Er selbst wurde Mensch. Er schickte seinen Sohn Jesus auf die Erde.

Die Menschen richteten ein Kreuz auf und lieferten ihn dem Tode aus.

Einer starb für alle.

Damit hat Gott die Verhältnisse umgekehrt.

Nicht: alle sterben und einer wird gerettet, sondern einer stirbt und alle werden gerettet – wenn sie denn gerettet werden wollen.

Aus dem Wasser der Sintflut wird das Wasser der Taufe.

Statt Strafe schenkt Gott Vergebung, statt Verdammnis Freiheit, statt Angst Hoffnung und statt seines Zorns bekommen die Menschen Gottes Liebe zu spüren.

 

Gott hat Noah den Regenbogen als farbenprächtiges Erinnerungszeichen gegeben.

Das Zeichen der Christen ist das Kreuz. Im Abendmahl erinnern wir uns an Jesu Tod und seine Auferstehung, und was das für unser Leben bedeutet.

So sind wir auf dem endlosen „Meer der Gottesferne“ unterwegs wie Noah in seiner Arche. Unsere „Arche“ ist hier, wo wir in Jesu Namen zusammenkommen. Hier erfahren wir, dass es ein „Nach der Sintflut“ gibt, weil wir durch Jesus Christus in Gott geborgen sind.

Jesus Christus ist der „Regenbogen“, der über unserem Leben steht und uns Hoffnung geben kann, selbst wenn uns das Wasser bis zum Hals steht.

Jesus selbst sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28,20b)

Gott gibt die Menschen nicht auf. Er sucht immer wieder Wege, sich ihnen zu nähern.

Und das obwohl er weiß, dass  „Alles, was aus ihrem Herzen kommt, ihr ganzes Denken und Planen,  nun einmal böse ist von Jugend auf.“

 

Geschichtsballade von der Buße

Als Johannes der Täufer gebot: „Tut Buße!“ da wollte er nicht, dass wir ein Bußgeld zahlten. Da meinte er, wir müssten unser ganzes Leben ändern, denn eine neue Zeit sollte anbrechen.

Als Jesus, der Christus rief: „Tut Buße!“, da wollte er nicht, dass wir uns schämen sollten. Da gebot er, wir sollten unser altes Wesen ablegen, denn Gott schenkt eine neue Wirklichkeit.

Als die Apostel sprachen: „Tut Buße!“, da wollten sie nicht, dass wir eine säuerliche Miene aufsetzten.

Da verlangten sie, wir sollten Jesus nachfolgen, denn sein Kreuz öffnet den Himmel.

Als der Reformator Luther formulierte:

„Tut Buße!“, da wollte er nicht, dass wir uns mit Ablass loskauften. Da wollte er, dass wir und die Kirche sich von Grund auf und immer wieder erneuern.

Amen.

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So. 30.10.16
Gerecht vor Gott
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Gerecht vor Gott

Wie kann ich in dieser Welt und vor Gott bestehen?

Was macht mich gerecht ? Diese Frage trieb Martin Luthers um.

Als Theologieprofessor hielt er Vorlesungen in Wittenberg. Im Turm des grauen Klosters, wo sich sein Studierzimmer befand, kam er zu einer neuen Erkenntnis. Sie veränderte nicht nur sein Leben grundlegend.

Er beschreibt das selbst so:

„Mit außerordentlicher Leidenschaft war ich davon besessen gewesen, Paulus im Brief an die Römer kennenzulernen. Ein einziges Wort im Römerbrief war mir bisher im Wege: „Die Gerechtigkeit Gottes wird im Evangelium offenbart.“

Dieses Wort „Gerechtigkeit“ war ihm ein Dorn im Auge. Er tat sich schwer damit. „Gerechtigkeit Gottes“ – das machte doch den Menschen wieder klein. Wie konnte ein Mensch jemals vor Gott bestehen? Hatte der Mensch denn gar keine Chance aus dem Teufelskreis der Sünde und der Verstrickungen herauszukommen?

Die Lösung, die die Kirche in seiner Zeit den Menschen anbot, ärgerte ihn.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“

So versprachen es die Ablasshändler und verkauften den Menschen Ablassbriefe, mit denen ihre Sünden und sogar die ihrer Vorfahren getilgt seien. Martin Luther widerstrebte diese Praxis zutiefst.

Luther beschäftigt die Frage nach einem "gnädigen Gott".  

„Voller Unruhe, in meinem Inneren wild und verwirrt, klopfte ich rücksichtslos bei Paulus an dieser Stelle an. Ich dürstete glühend danach zu wissen was Paulus wolle.

Da hatte Gott mit mir Erbarmen. Tag und Nacht war ich in tiefe Gedanken versunken, bis ich endlich den Zusammenhang der Worte beachtete: „Die Gerechtigkeit Gottes wird im Evangelium offenbart, wie geschrieben steht: Der gerechte wird aus Glauben leben.“

Luther hatte einen Geistesblitz. Nur Gott allein macht gerecht. Gottes Gnade kann sich niemand erkaufen, das kann sich auch niemand erarbeiten – daran kann der Mensch nur glauben.

Gott will die Menschen nicht beugen, nicht kleinmachen, er will aufrechte, selbstbewusste Menschen, die zu ihrem Glauben stehen, aus Überzeugung und nicht aus Angst.

Luther war so erleichtert über seine Erkenntnis, dass er schrieb:

Ich fing an zu begreifen, dass dies der Sinn sei: Durch das Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart, durch welche uns der barmherzige Gott durch den Glauben rechtfertigt. Da fühlte ich mich wie ganz und gar neu geboren, und durch offene Tore trat ich in das Paradies selbst ein. Da zeiget mir die Schrift ein völlig anderes Gesicht.“

Er hatte in Paulus einen Verbündeten gefunden, der genau wie er auf der Suche war nach dem gnädigen Gott. Aus jeder Zeile, die Paulus schrieb, sprach sein tiefes Vertrauen in den rettenden, erlösenden Gott.  Er verkündete einen Gott, der mehr als gerecht ist, der für  den Schuldigen eintritt und zu einer neuen Freiheit beruft. Für Paulus war diese gute Nachricht es wert, sein ganzes Leben darauf zu setzen.

„Gott hat einen Weg zum Leben eröffnet... Dieser Weg besteht im Glauben, das heißt im Vertrauen auf das, was Gott durch Jesus getan hat. Ganz unverdient aus reiner Gnade nimmt Gott uns an und ruft uns in seine Gemeinschaft.“

Martin Luther behielt seine Erkenntnis nicht für sich.

Am 31.10. 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg. Darin verurteilte der Reformator die kirchliche Praxis der Sündenvergebung durch den Ablass und begründet seine Meinung aus der Bibel.

Morgen ist der 31. Oktober, ein bemerkenswertes Datum, weil in den evangelischen Kirchen das Reformationsjubiläum beginnt. Vom 31.10.16- 31.10.17  beschäftigen sich Kirchen, Gemeinde und Gruppen mit Martin Luther, der Reformation und was sie bewirkt hat. Einer der größten Wendepunkte der Geschichte, der Glauben und Leben nachhaltig geprägt hat. Nicht nur Gottesdienst und Liturgie wurden neu gedacht. Die Reformation beeinflusste das gesellschaftliche, kulturelle und das religiöse Leben.

Marin Luther ging es darum, dass jeder Mensch sich mit dem Glauben und Gottes Botschaft auseinandersetzte. Er führte ein, dass die Gottesdienste in der Muttersprache der Menschen gehalten wurden. Er schrieb Bücher darüber, wie in den Häusern, in den Familien das Wort Gottes lebendig werden kann. Sein Ziel war es, dass sich die Menschen mit ihrem Glauben auseinandersetzten und sich aus eigener Überzeugung dazu bekannten.

Schon1539 wurde die erste Konfirmation gefeiert.

In der Konfirmation wird die als Kind empfangene Taufe bewusst gemacht. Die Anwärter zur Konfirmation beschäftigen sich intensiv mit den Glaubensinhalten. Die Konfirmanden bestätigen, dass sie zur Kirche Jesu Christi gehören, also zur Gemeinschaft aller Getauften. Unter Handauflegung erhalten sie die Weihe zum Amt des "allgemeinen Priestertums", d.h. zum mündigen Christen.

Was ist aus der Freiheit eines Christenmenschen geworden? Wie sieht es aus mit dem Priestertum aller Gläubigen – beides Errungenschaften der Reformation.

Wie können wir heute in unserer Zeit  in der Welt und vor Gott bestehen?

Ringen wir noch um unseren Glauben, weil unser Seelenheil davon abhängt?

Oder scheint uns das nicht mehr zeitgemäß?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der  wir es gewohnt sind zu funktionieren, Leistung zu erbringen, keine Schwäche zu zeigen. Das baut einen ungeheuren Druck auf. Menschen haben Angst, nicht zu genügen. Wir kommen an unsere Grenzen und merken, dass wir den Erwartungen nicht gerecht werden können. Niemand kann das.

Nie gab es so viele burnouts wie in der heutigen Zeit.

Vielleicht ist das unsere Art Ablass zu zahlen, dass wir alles geben, um den Anforderungen gerecht zu werden. Gott erwartete nicht von uns, dass wir perfekt sind, dass wir arbeiten bis zum Umfallen; er schaut nicht auf die Leistung, auf das was ich geschafft, erreicht oder gewonnen habe. Er schenkt sich uns einfach so – und wartet darauf, dass wir sein Geschenk annehmen.

Gott muss ich nichts beweisen. Der Glaube an Jesus Christus macht mich frei. Mit ihm bricht die neue Zeit an. Durch ihn hat Gott die Welt verändert, die Menschen umdenken lassen. Reformation, das heißt wörtlich zurückformen, erneuern, in den Urzustand zurückkehren.

Wie können wir vor Gott bestehen? In dem wir an seine Botschaft glauben und sie in unserem Leben einfließen lassen.

Sie feiern heute ein Jubiläum: Silberne, Goldene, Gnadenkonfirmation.

Wie hat sich ihr Glaube in den 25, 50, 70 Jahren verändert? Oder besser gefragt: Wie hat Sie Ihr Glaube verändert, was hat er in ihrem Leben bewirkt?

Gab es Reformen, ein Umdenken, ein Neuwerden?

Immer wieder neu begegnen wir Gott in unserem Leben. Wichtig ist, in Verbindung zu bleiben. Niemals aufzuhören zu suchen nach Antworten.

Martin Luther war ein Suchender. Er rang um das Leben, er dachte, er würde Gott niemals gerecht sein, würde auf ewig verbannt, weil er nicht ohne Fehl und Tadel  sei. In der heiligen Schrift fand er Antwort auf seine drängenden Fragen – bei Paulus.

„Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus.“  

Amen.

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Sa. 17.09.16
Denken und Danken
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Denken und Danken

„Denken und danken sind verwandte Wörter; wir danken dem Leben, in dem wir es bedenken.“

Mit diesem Zitat vom Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann grüße ich Sie/Euch herzlich zum Erntefest. Ich bedanke mich für die Einladung und freue mich, mit Ihnen über die Ernte und das Leben nachzudenken.

Zu denken gibt einem manches, wenn wir auf diesen Sommer zurückblicken.

In diesem Sommer erreichten uns viele Schreckensmeldungen. Terroranschläge, Amoklauf, Erdbeben, Überflutungen …

Vieles, was weltweit geschieht, beschäftigt und berührt uns, denn dank des world wide web sind wir alle vernetzt.

Auch aus der Landwirtschaft gingen manche Schlagzeilen durch die Medien:

Zum Thema Milchpreise „Zu viel Milch, zu wenig Geld“, „Landwirte verzweifeln am niedrigen Milchpreis“, zum Thema Massentierhaltung und Immissionsschutz und auch die Ernteprognosen sind nicht gerade positiv.

 „Geknickte Ähren – geknickte Bauern“ -

Jesus gibt in der Bergpredigt zu bedenken:

„Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen.

Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Manche empfinden diesen Satz als unpassend. Sie sagen: Wir müssen doch Vorsorge treffen, wir müssen doch planen und kalkulieren, sonst bricht alles zusammen.

Natürlich haben Sie recht. Ohne sorgende Voraussicht geht es nicht.

Wer nicht sät, wird nicht ernten, wer nicht erntet, wird hungern.

Jesus sagt: „Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Manchmal vergessen wir über die vielen Informationen, die uns täglich überfluten, was jetzt gerade wirklich wichtig ist.

Wer zu viel in die Ferne sieht, bemerkt meist nicht, was direkt vor seinen Füßen liegt.

Er verliert seinen eigenen Standpunkt.

Darum ist es wichtig, sich hin und wieder mal zu erden, mal wieder im hier und jetzt anzukommen. Wo ist mein Platz in dieser Welt? Was kann ich hier an meinem Ort tun, das Leben sinnvoll zu gestalten? Wie kann ich Gott und den Menschen dienen?

Ich glaube, dass die Landwirte ein gutes Beispiel dafür sind, sich zu erden. Sie bearbeiten die Erde, sie Leben im Rhythmus der Jahreszeiten, wissen wann was seine Zeit hat.

Ich habe noch keine geknickten Landwirte getroffen. Eher solche, die mit Gelassenheit hinnehmen, was nicht zu ändern ist und mit großer Kraft dafür kämpfen, was so nicht bleiben kann.

Die Situation in der Landwirtschaft ist momentan nicht leicht. Aber war sie das jemals?

In den letzten 100 Jahren hat sich in der Landwirtschaft vieles geändert.

Wie viele Bauernhöfe gab es vor 100 Jahren in diesem Dorf? Wie viele waren es vor 50 Jahren. Wie viele Kühe hatte ein Bauer und wie viele Menschen konnten vom Ertrag eines Hofes ernährt werden? Wann kam der erste Trecker, der erste Mähdrescher zum Einsatz hier in …?

Viele Arbeiten in der Landwirtschaft mussten von Hand erledigt werden. Erst vor rund 150 Jahren kamen die ersten Dampfmaschinen aufs Land, vor 75 Jahren die ersten Traktoren. Durch die Erfindung des Motors änderte sich in den vergangenen 50 Jahren in der deutschen Landwirtschaft mehr als in den 1.000 Jahren zuvor.

Die Zahl der Bauern machte früher zirka 60 Prozent der Bevölkerung aus. Mehr als die Hälfte wirtschaftete auf einem Parzellenbetrieb, der nicht größer als zwei Hektar war.

Ernährte ein Landwirt um 1900 noch vier Menschen, waren es 1950 bereits 19, heute sind es 144.

Heute bestimmen immer mehr Informations- und Kommunikationstechniken den Technikeinsatz in der Landwirtschaft.

„ Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen“

So bekamen Adam und Eva es mit auf den Weg als sie das Paradies verlassen mussten.

Heutzutage schwitzt der Landwirt wahrscheinlich eher über seinem Schreibtisch, wenn er all den vielen Papierkram erledigen muss.

„Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

 

Ich verstehe diesen Vers als Ermutigung. Jesus holt seine Zuhörer zurück in die Gegenwart, zurück in ihr Leben. Er erdet uns mit seiner Rede, in der die Lilien auf dem Felde und die Vögel unter dem Himmel zum Vorbild macht.

Die Frage ist: Was kannst du an einem Tag schaffen? Wie viele Informationen kannst du verarbeiten? An wie vielen Fronten kannst du kämpfen?

„Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Dieser Vers ermutigt mich am Ende eines Tages zu sagen:

Mein Tagwerk ist getan.

Ich danke Gott für das, was er mir heute ermöglicht hat und

ich danke dafür, dass ich zur Ruhe kommen und denken und danken kann.

Es gibt so vieles zu bedenken in unserem Leben. Wir planen und entscheiden, gehen mit der Zeit gehen und filtern täglich unzählige Informationen.

Manchmal müssen wir kämpfen, manchmal uns in Gelassenheit üben, aber niemals dürfen wir aufhören zu danken.

„Denken und danken sind verwandte Wörter; wir danken dem Leben, in dem wir es bedenken.“ Dafür brauchen wir Zeit.

Und wenn mein Kalender mal wieder voll ist und die to- do- Liste unendlich, dann denke ich an die Worte von Martin Luther: „ Ich habe heute viel zu tun, darum muss ich heute viel beten.“

Darum schließe ich mit einem Gebet:

Herr, gib mir Gelassenheit die Dinge zu ignorieren, die mir nicht gut tun und auch anderen Menschen nicht dienen.

Gib mir den Mut für die Dinge zu kämpfen, die lebenswichtig sind für diese Erde und die Gemeinschaft unter den Menschen.

Gib mir die Weisheit zu unterscheiden, was zum Guten dient und was nicht.

Hilf mir, meine Mitte zu finden, damit ich den Menschen dienen und dir danken kann.

Amen.

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Begrüßung der Konfirmand/inn/en
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Begrüßung der Konfirmand/inn/en

Wir sind Bartimäus! Ja, es stimmt – wir alle sind Bartimäus.

Bartimäus, der binde Bettler, der von Jesus geheilt wird.

 

Wir haben vieles gemeinsam mit Bartimäus.

Er hat schon mal etwas von Jesus gehört. Was Gutes: Menschen sind begeistert, glauben an ihn, hoffen auf ihn. Ja, diesem Jesus eilt ein Ruf voraus – Bartimäus ist neugierig.

 

Ihr Konfis, seid  auch neugierig, habt von Jesus gehört. Und er scheint euch zu interessieren, sonst hättet ihr euch ja nicht zum KU angemeldet. Und sonst wären Sie alle heute nicht zum Gottesdienst gekommen. Wir erwarten etwas von ihm.

 

Als Bartimäus hört, dass Jesus in der Stadt ist, da wird er unruhig. Er ist ganz aufgeregt, denn er ist unheimlich gespannt darauf, ihn kennenzulernen.

So wie ihr, liebe Konfis, gespannt seid, euch näher mit dem Glauben auseinanderzusetzen und vielleicht sogar Jesus zu begegnen.

 

Bartimäus will Jesus unbedingt kennenlernen, denn er hat ein Anliegen, einen großen Wunsch: Er will sehen können.

Als Jesus an ihm vorbeikommt, ruft er: Sohn Davids, erbarme dich!

Immer wieder und obwohl die Leute ihn zum Schweigen bringen wollen, ruft er. Erbarme dich, Kyrie eleison.

 

Kommt euch das bekannt vor? Wir haben heute auch schon Kyrie eleison gerufen.

Das gehört in jeden Gottesdienst und hat seinen Ursprung in dieser Geschichte. Herr, erbarme dich – das bedeutet so viel: Wie sieh mich an, nimm mich wahr, nimm dich meiner an und rette mich.

 

Bartimäus hofft auf Jesus. Dass er ihn hört, ihn sieht, ihm hilft.

Was willst du? Fragt er. Dass ich sehen kann.

Natürlich was sonst. Jesus sagt: Dein Glaube hat dir geholfen

 

Wir sind Bartimäus!

Ich meine damit, dass wir unsere blinden Flecken haben, dass wir so vieles nicht verstehen. Wichtig ist es Jesus zugewandt zu bleiben, seine Nähe zu suchen. In seinem Licht haben wir die Chance, dass uns ein Licht aufgeht.

 

In diesem Sommer haben uns viele schreckliche Nachrichten ereilt. Anschläge, Amoklauf,  - warum geschieht so etwas? Was geht in diesen Menschen vor, dass sie so voller Hass gegen andere sind?

 

So viele Fragen, so wenig Antworten.

Aber wenn wir darauf hoffen, dass wir Antworten finden, dass wir einen Weg finden, solche Taten zu  verhindern, dann sind wir in Jesu Nähe gut aufgehoben.

Wenn wir auf Frieden hoffen trotz alledem, dann ist es wichtig nicht aufzuhören zu rufen: Kyrie eleison – Herr, erbarme dich. Schau in mein Herz und wandle es!

 

Und darum freue ich mich, dass ihr hier seid, offen für Gottes Antwort an euch.

Darum geht es im KU: dass ihr euch ganz bewusst Gott zuwendet, eure Fragen stellt und eure Sinne schärft für seine Antworten.

Ich wünsche uns eine gute gemeinsame Zeit und viele Lichtblicke !

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So. 05.06.16
Glücklich wer einen Garten hat
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Glücklich wer einen Garten hat

Gott legte zuerst einen Garten an. Er schuf dem Menschen damit einen angenehmen Lebensraum. Nach dem Sündenfall wurde das Paradies zu einem Sehnsuchtsort.

Glücklich wer einen Garten hat! Es gibt nichts Schöneres als im Frühjahr die ersten Blumen und Kräuter sprießen zu sehen. Es ist einfach wunderbar, hier und da im Garten eine Beere zu naschen oder mal eben ein bisschen Schnittlauch, Dill oder Petersilie aus dem Garten zu holen für das Mittagessen. Manchmal, wenn ich lange gesessen habe, tut mir die Gartenarbeit richtig gut – hacken, jäten, pflanzen und säen – das macht den Kopf frei.

Ich greife die Erde mit meinen Händen und fühle mich gleichzeitig dem Himmel ganz nah. Ich spüre die schöpferische Kraft der Erde. „Man ist dem Herzen Gottes nirgendwo näher als in einem Garten.“ sagt ein Sprichwort.   

Früher lebten die Menschen aus ihrem Garten, bauten Obst und Gemüse an. Die Ernte wurde eingemacht, eingekocht oder eingelegt als Vorrat für den Winter. „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen.“ – die existentielle Bedeutung dieses Bibelverses hat sich gewandelt. Heute ist es günstiger das Gemüse zu kaufen und auch weniger aufwendig. Für die meisten ist es kaum noch vorstellbar, von dem, was sie ernten leben zu müssen.

Der Garten ist eher ein Hobby und ein Ort der Erholung. Für manch einen wurde der Garten zum Lebenselixier, wenn er auch nicht mehr das Überleben sichert.

Bisweilen sind Menschen selbst wie Gärten. Sie wissen Rat, geben Trost und haben immer etwas, was sie einem anderen zustecken können.

„Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt.“ So beschreibt der Prophet Jesaja einen zufriedenen Menschen, der mit Gott im Einklang lebt und für andere zu einem Segen wird.

Solche Menschen gibt es. Sie vermitteln etwas Beständiges, etwas Schöpferisches, etwas, was andere tröstet und inspiriert. „Man ist dem Herzen Gottes nirgendwo näher als in einem Garten.“ Darum: Glücklich, wer einen Garten hat!

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Mo. 30.05.16
Verborgene Schätze und das Geheimnis des…
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Verborgene Schätze und das Geheimnis des Lebens

Verborgene Schätze und das Geheimnis des Lebens

 

"In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis." ( Kolosserbrief  2, 3)

 

Liebe Eltern, liebe Konfirmand/inn/en!

Habt ihr einen Schatz?

Kinder lieben Schätze – ein Geldstück, ein besonderer Stein oder eine Muschel. Vielleicht habt ihr auch besondere Schätze in einer kleinen Schachtel gesammelt?

 Manchmal sind es unscheinbare Dinge, die auf einmal wichtig werden – vielleicht durch den ehemaligen Besitzer oder aufgrund besonderer Erlebnisse. Schätze suchen und bewahren – das gehört einfach zum Leben.

Spannend ist es, wenn wir einen geheimen Schatz suchen oder gar dem Geheimnis des Lebens auf die Spur kommen wollen.

So wie der junge Mann in dieser Geschichte:

Das Geheimnis des Lebens

Es war einmal ein junger Mann, der suchte nach dem Geheimnis des Lebens. Er suchte und suchte, aber er fand es nicht. Was er hingegen fand, war eine Menge von Leuten, die genauso wie er das Geheimnis des Lebens suchten. Da fühlte er sich gleich einmal besser, denn er wusste, dass er nicht alleine war.

Dann, eines Tages hörte einer der Suchenden von einem Meister, der das Geheimnis des Lebens besitzen sollte. So pilgerten sie alle hin zu diesem Meister und fragten: "Meister, besitzt Du das Geheimnis des Lebens?"
Der Meister nickte.
Dann bestürmten sie ihn: "Meister, verrate es uns, bitte"
Der Meister schüttelte den Kopf.
Die Suchenden fragten: "Aber warum nicht, Meister?"
Er antwortete: "Weil es dann kein Geheimnis mehr wäre!"

Doch die Suchenden blieben bei ihm und sorgten für ihn, lasen ihm jeden Wunsch von den Augen ab.
Das Gerücht ging um, der Meister hätte das Geheimnis des Lebens aufgeschrieben auf ein Stück Reispapier, das er in seinem Schrein aufbewahrte.
Als der Meister eines Tages verstarb, bauten ihm seine Schüler ein großes Mausoleum und sie beschlossen, den Schrein nun zu öffnen, denn sie wollten ja endlich das Geheimnis des Lebens erfahren.
Nun, es war wirklich ein Stück Reispapier im Schrein, und darauf stand:

"Das Geheimnis des Lebens habe ich zurückgelassen, so wie ein Gast seine Spuren hinterlässt in den Herzen der Menschen, verloren in Zeit und Raum und der Illusion. Wer das Geheimnis preisgibt, hat keinen Grund mehr zu suchen. Werdet zu Suchenden. Wenn Ihr findet, was Ihr sucht, seit Ihr keine Suchenden mehr - und Ihr betrügt Euch selbst um wertvolle Erfahrungen und Begegnungen ..."

Quelle: unbekannt

 

Ihr habt euch zum Konfirmandenunterricht angemeldet. Das ist auch nichts anderes als die Suche nach Gott, nach dem Geheimnis des Lebens und nach einem Schatz.

Gemeinsam machen wir uns auf die Suche und wir nutzen dabei zwei Dinge:

Unseren Verstand: Wir versuchen zu verstehen, was in der Bibel über Gott überliefert ist. Was die Jünger von Jesu auszeichnet und welche Botschaft Jesus in die Welt brachte.

Unser Herz: Wir suchen Gott in uns selbst. Was bedeutet mein Glaube für mich persönlich und was bedeutet das für meine Beziehung zu anderen Menschen?

 

Einen Hinweis liefert der Apostel Paulus: Kol 2, 3

"In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis."

 

Wir freuen uns darauf, mit euch gemeinsam auf die Suche zu gehen. Manche Schätze werden wir heben und vielleicht auch manche Geheimnisse ergründen. Sicher werden auch Fragen offen bleiben und auch am Ende der Konfirmandenzeit wird die Suche nicht beendet sein.

Aber dass wir Suchende sind und das auch bewusst leben – das ist eine wichtige Voraussetzung, um Gottes Spuren in unserem Leben zu finden.

Wer bewusst mit Jesus Christus lebt, wer nach ihm fragt und auf seine Antworten hört, entdeckt die wirklich wertvollen Schätze des Glaubens.

\"In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.\"

Amen.

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Fr. 15.04.16
Das Wort Gottes ist süßer als Honig
Haike Gleede
Das Wort Gottes ist süßer als Honig

 

Mit einem Korb voll frischer Mango-Früchte war der kleine Junge am Morgen in die Stadt zum Markt gezogen. Er saß unter einem Baum und bot seine Früchte an. Noch hatte er keine Erfahrung im Verkaufen. Er war ungeübt und etwas schüchtern. Ängstlich saß er da. Je mutloser er wurde, umso schwächer wurde auch seine Stimme.

Sein Angebot fand überhaupt keine Resonanz. Die Stunden vergingen. Es wurde Mittag. Heiß brannte die Sonne vom Himmel. Die Leute hatten Durst aber seine schönen Mangos fanden keine Beachtung. Er wurde missmutig. Er war enttäuscht und sehr frustriert.

Schließlich sagte er sich: Wenn schon keiner meine schönen Mangos haben will, will ich mir wenigstens selbst eine gönnen. Er nahm eine schone Frucht aus dem Korb und biss hinein. Sie schmeckte ihm. Der Saft erfrischte ihn, lief auch ein wenig seinen Mundwinkeln herunter und die Mango-Frucht verbreitete ihren Duft. Seine Augen gewannen Glanz. Man sah es ihm an, dass es ihm schmeckte. Er genoss seine Mango.

Die Leute, die vorübergingen rochen den Duft. Sie sahen den kleinen Mann genüsslich essen und bekamen Appetit.  Jetzt griffen sie zu und schnell war der Korb leer. Der kleine Junge wusste jetzt, wie man die Mango-Früchte an den Mann bringt.

Der Kleine hatte eine neue wichtige Erkenntnis gewonnen: Alles Reden hatte nichts genützt. Erst als er selber aß und die Leute ihn sahen, wie gut die Frucht schmeckte, griffen sie zu.

Diese Geschichte ist ein Bild für unsere Arbeit in den Kirchengemeinden und im Kirchenkreis. Wie machen wir den Menschen das Wort Gottes schmackhaft, wie machen wir ihnen Appetit darauf und wie wirken wir einladend.

Reden wir oft nicht nur über das Wort, schüchtern und zurückhaltend, wie der kleine Junge, der versucht seine Mangos zu verlaufen?

Verzetteln wir uns nicht manchmal in vielen formalen Details, in Richtlinien und Vorgaben und verlieren dabei aus den Augen, worum es eigentlich geht?

Dem Wort Gottes  Raum und Zeit zu geben, damit es die Menschen mit Freude aufnehmen können.

"Dein Wort ist meinem Mund süßer als Honig..." (Ps 119, 103)

Der Psalm 119 ist ein faszinierender Psalm: Er ist mit seinen 176 Versen mit Abstand der längste der Psalmen; und er ist sprachlich ein richtiges Kunstwerk: Der Psalm hat 22 Strophen, und im hebräischen Urtext sind die Anfangsbuchstaben dieser Strophen die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets. Jede Strophe wiederum hat 8 Verse, die alle mit dem gleichen Buchstaben beginnen, also 8 Verse mit A, 8 Verse mit B usw. Es ist schlichtweg gewaltig! Und dieses sprachliche Kunstwerk hat letztlich ein einziges Thema zum Inhalt: Es besingt das Wort Gottes. Der Psalmbeter freut sich über das Wort Gottes, er fragt nach dem Wort Gottes, er klagt darüber, dass so viele Menschen das Wort Gottes nicht beachten , er sucht Trost darin und Schutz, er hofft darauf. Er gibt sich ganz dem Wort Gottes hin. Mit allen Sinnen will er es wahrnehmen, danach greifen, es im Herzen spüren, schmecken, hören, rufen, sehen. Nichts ist dem Dichter wichtiger. Er kann nicht aufhören, davon zu reden. Es steht über allem und er richtet sein Leben ganz danach aus. Genüsslich singt er von Gottes Weisungen.

Gottes Wort begegnet ihm als "Gebot, Gesetz, Befehl, Satzung, Vorschrift, Ordnung, Wort, Reden, Verheissung, Mahnung". Begriffe, die in unserem Sprachgebrauch nicht immer positiv belegt sind. Manche dieser Begriffe verwenden wir auch in unseren formalen  Zusammenhängen. So verschaffen wir uns einen Überblick über die vielfältigen, oft verwirrenden Aufgaben, über Finanzen und  Zusammenhänge. Das ist auch richtig und wichtig, um die Angelegenheiten der Kirche zu regeln. So schaffen wir eine gemeinsame Basis. So schaffen wir auch Möglichkeiten für Gottes Wort, das nicht im leeren Raum schwebt, sondern ganz konkret erfahrbar werden will.  Psalm 119 ist ein leidenschaftlicher, sehr engagierter Psalm.

Der Lieblingspsalm von Dietrich Bonhoeffer übrigens, der ja am 9.4. 1945 hingerichtet wurde. Vers 103 nennt er den poetischen Höhepunkt:

Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.       

Er weiß auch, dass es mühsam ist, sich durch diesen Psalm zu arbeiten. Es ist keine leichte Kost. Dietrich Bonhoeffer schreibt über diesen Psalm:

„Besonders schwer wird uns vielleicht der 119. Psalm um seiner Länge und Gleichmäßigkeit willen. Hier hilft uns ein langsames, stilles, geduldiges Fortschreiten von Wort zu Wort, von Satz zu Satz. Dann erkennen wir, dass die scheinbaren Wiederholungen doch immer neue Wendungen der einen Sache sind, der Liebe zu Gottes Wort. Wie diese Liebe kein Ende nehmen kann, so auch die Worte nicht, die sie bekennen. Sie wollen uns durch ein ganzes Leben begleiten und in ihrer Einfachheit werden sie zum Gebet des Kindes, des Mannes und des Greises.“ (DB in „Das Gebetbuch der Bibel“, Gesammelte Schriften Bd. IV, S.555)

Auch damit ist der Psalm wieder ein Spiegel unseres täglichen Tuns, wo sich vieles weiderholt und es doch immer nur um das eine geht: Gottes Liebe zu verkünden, - vom Wort, das Fleisch wurde zu erzählen und es so weiterzugeben, dass andere Appetit bekommen und mehr davon haben möchten.

 

Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig.

Dein Wort macht mich klug; darum hasse ich alle falschen Wege.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

Amen.

 

 

 

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Sa. 06.02.16
Wochenspruch Sonntag, 07.02.2016 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 07.02.2016 bis Samstag, 13.02.2016

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lukas 18, 31)1

Feiertag
Estomihi (Sonntag vor der Passionszeit)

Erklärung
Die Karnevalszüge ziehen mit Getöse durch die Straßen. Menschen genießen die „tollen Tage“, bevor am Aschermittwoch alles vorbei ist. Der evangelische Gottesdienst macht mit seiner Evangelienlesung eine Woche vor der Passionszeit bereits das Leiden zum Thema.
Der Name des Sonntags, Estomihi, mag als Anspruch klingen oder aber Bitte im Angesicht des Leidens sein. Er geht auf den Beginn des Sonntagspsalms zurück: Sei mir ein starker Fels und eine Burg (Psalm 31).
Wie geht ihr mit dem Leid und der Ungerechtigkeit um? Mit welcher Motivation tut ihr das? Diese Fragen stellen die weiteren gottesdienstlichen Texte. Eines der motivierenden Bilder: Recht und Gerechtigkeit mögen erfrischend sein und nie versiegen.  

Thema
Der Weg zum Kreuz

Luthers Wochensprüche

Die Ärzte sind unseres Herrgotts Flicker.

1. Korinther 13,1-13
1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.
4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
8 Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.
13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
 

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Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.

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